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Kritik

Grand Theft Auto V

Es ist das schönste und kompletteste Videospielerlebnis seit langer, langer Zeit. Vielleicht ist GTA V am Ende sogar das bisher beste Game aller Zeiten.

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Trevor steht abgerockt und orientierungslos auf einer verstaubten Straßenkreuzung in Blaine County. Der drogenabhängige Psychopath ist kurz zuvor mit einem Kleinflugzeug zum Versprühen für Insektenvernichtungsmittel in das geöffnete Heck eines über Los Santos fliegenden Transport-Jumbos der Merrywater-Söldner gekracht. Trevor wollte den Jet klauen, um an die drinnen verwahrten Waffen zu kommen. Eigentlich klar, dass wir von der Air Force abgeschossen werden, kurz nachdem wir mit ihm den Luftraum von Los Santos in Richtung Blaine County verlassen haben. Die Raketen schlagen ein, Trevor springt raus. Der Jet segelt wie ein Komet in den Alamosee und der gescheiterte Dieb am Fallschirm sicher zu Boden.

Trevor landet also mitten in der Nacht auf der Straßenkreuzung. Am Telefon erzählt uns Mastermind Lester, dass wir nur einen Taucheranzug bräuchten, um die Waffen aus dem Flugzeug zu bergen. Ich markiere die Stelle auf der riesigen Karte von Grand Theft Auto V, und will losgehen, um mir ein Auto zu klauen. Taxis fahren hier nicht hin, zumindest nicht jetzt. Plötzlich steht ein Puma vor mir. Knurrt einmal böse. Bevor ich die Waffe gezogen habe, springt mich das Tier an und beißt mich tot. WTF?! So crazy ist das alles hier. Immer. Das ganze Spiel ist ein einziger What the fuck-Moment...

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Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, es überhaupt zu schaffen, Grand Theft Auto V in wenigen Tagen durchzuspielen mit all seinen Möglichkeiten, um dann eine komplette Kritik zu schreiben. Ich hab' nach knapp 30 Stunden Spielzeit etwas mehr als 65 Prozent des Spiels gesehen und dabei die offizielle Geschichte zu Ende gebracht. Das hier ist übrigens eine Kritik, die nicht mit einem Satz den Multiplayer namens GTA Online berücksichtigt, denn der erscheint erst Anfang Oktober.

Grand Theft Auto VGrand Theft Auto V
Das ganze Spiel, es ist ein einziger What the fuck-Moment...

Es ist die vielleicht beste Entscheidung von Rockstar gewesen, den Multiplayer emotional komplett von der Story zu entkoppeln und erst zwei Wochen nach dem Release überhaupt die Server anzuschalten. Dieser Schritt nimmt jeglichen Druck raus, online auch etwas erleben zu müssen, während viele wohl doch einfach nur in ihrem ganz eigenen Tempo die Story erleben wollen. Je nachdem, wie viel und wie weit man sich vom Weg der Hauptgeschichte entfernt, kommen viele zusätzliche Stunden Spielzeit hinzu. Insbesondere die Fremde & Freaks-Missionen sind herrlich absurd. Aber da ist noch so unglaublich viel mehr. Manche Immobilien schalten neue Möglichkeiten frei und auch am Telefon melden sich immer wieder Familienmitglieder und Freunde, um Hilfe einzufordern von Michael

Michael, Franklin, Trevor - GTA V hat nicht etwa einen Hauptcharakter, sondern drei quasi ebenbürtige. Das Spiel stellt sie uns nahtlos vor in einem Intro, dass gleich mal selbstbewusst klar macht, dass sich ab sofort drei unterschiedliche Lebenswege immer wieder kreuzen werden auf einem fetten Trip durch Los Santos, Blaine County und den wunderschönen Rest dieser Videospielinsel, die in den kommenden Wochen und Monaten das neue Zuhause vieler, vieler Spieler weltweit werden wird.

Jeder Charakter hat eine komplette, ambitioniert geschriebene Geschichte. Sie mag an manchen Stellen absurd erscheinen, übers Ziel hinausschießen, kopieren oder auch mal inkonsistent werden, aber es passt alles. Jede Zwischensequenz ist ein optischer und akustischer Genuss. Die Dialoge sind absolut das beste, was es je in einem Videospiel zu hören gab. Sie sind hart, lustig, ironisch, sarkastisch, tiefgründig, kindisch, aber immer auf den den Punkt getroffen. Es gibt keine deutsche Synchronisation, sondern nur Untertitel. Und zum Glück kann man die ausstellen. Sie sind zum Teil leider einfach albern übersetzt, ganz so, wie sie es bei Rockstar genau nicht wollen. Es ist ein Fleck, der mich nicht stört. Aber Menschen ohne gute Englischkenntnisse oder HipHop-Vergangenheit wird es früher oder später vielleicht nerven, das sie manches einfach nicht verstehen, weil eben jeder Akzent, jede Spracheigenheit so perfekt ins Spiel übertragen wurde.

Grand Theft Auto V
Die Fahrphysik wurde stark verbessert, so dass die Rennspielkomponente richtig Laune bringt. Die Autos sehen übrigens fast alle absolut fantastisch aus.

Die Story spielen wir also komplett aus drei Perspektiven. Sie wird immer ein wenig anders sein, je nachdem, ob wir mehr mit Trevor, Michael oder Franklin unterwegs sind. Aber nichts ist so substanziell anders, als dass ein Gefühl bliebe, man würde etwas verpassen. Irgendwie schafft es Rockstar, uns schnell davon zu befreien. Vielleicht, weil es einfach so unglaublich viel zu erleben gibt, im Großen wie im Kleinen. Spielt man "zu lange" mit einem Charakter, bremst einen das Spiel automatisch aber sanft aus. Manchmal schickt uns Rockstar auch automatisch in die Rolle eines der anderen Gangster. Aber nie drückt man eine Zwischensequenz weg. Man schaut sie an. Komplett. Genießt sie, diese guten Dialoge, die präzise geschnittenen Szenen, die ganze Anstrengung und Liebe, die spürbar ist in jeder Sekunde des ganzen Spiels.

Doch Grand Theft Auto V ist mehr als seine Story. Es ist ein hervorragendes Actionspiel, in dem wir zudem viel unterwegs sind. In schicken Autos durch die Gegend rasen. Auf dem Fixie strampeln. Im Helikopter schweben. Im Lear-Jet Wege rumdüsen. Oder Taxi fahren. Oder Seilbahn. Oder Jet-Ski. Mann, allein Jet-Ski ... da gibt es irgendwo im Pazifik ein paar Rennen, die alleine so etwas wie ein gelungenes Wave Race sind. GTA V, es ist auch das Spiel der Spiele im Spiel. Golf, Triathlon, Yoga, Darts, Tennis ... 42 Hobbys und Zeitvertreibe hat sich Rockstar ausgedacht. Einiges davon verkaufen andere in etwas umfangreicherer Form als komplettes Spiel und Rockstar schenkt uns derweil die Möglichkeit, im Spiel zum Psychoanalytiker gehen zu können. Oder einfach ins Kino. Man glaubt jedenfalls schnell, dass man eigentlich erstmal kein anderes Spiel mehr braucht. Warum auch?

Vielleicht braucht man Seelenklempner Friedlander am Ende sogar, um die 70 Hauptmissionen mental schadlos zu überstehen. Der Wechsel zwischen den Charakteren ist übrigens immer gut gemacht. Manchmal kann man nicht aktiv wechseln, weil jemand untergetaucht ist. Aber man spielt eben immer genau lange genug mit einem der drei. Man hat schnell seinen Favoriten, von der Story aus betrachtet. Aber die Spezialfähigkeiten der drei machen sie alle auf ihre Art zur ersten Wahl, je nach Spielsituation. Franklin kann beim Fahren die Zeit verlangsamen. Trevor versetzt sich in einen Rage-Modus, steckt danach mehr Treffer ein und teilt härter aus. Er kann aber auch besser Jets und Helikopter fliegen. Michael dagegen verlangsamt die Zeit beim Ballern, ein bisschen wie Max Payne. Aber alle Charaktere lernen die Grundfähigkeiten der anderen, so dass sie zumindest annähernd auf Augenhöhe unterwegs sind. Dazu gehören Fahrfähigkeiten ebenso wie Ausdauer und der Umgang mit Waffen.

Grand Theft Auto V
Trevor ist der fieseste der drei Hauptdarsteller in GTA V. Mit ihm erleben wir einige zweifelhafte Höhepunkte.

Das Ballern in den Missionen ist im Vergleich zu früher jetzt viel einfacher und natürlicher. Es spielt sich einfach flüssig. Geschickt bewegen wir uns per Knopfdruck von Deckung zu Deckung, das macht richtig Spaß und hat so gar nichts mehr vom etwas ungelenken Steuerungssystem, für das die Serie fast schon berüchtigt war. Auch der sofortige Wechsel zwischen den Charakteren fügt sich hier perfekt ein. Es gibt eine Mission, in der wir Franklins alten Kumpel Lamar raushauen müssen, weil dem ein Deal schiefgegangen ist. Michael, Trevor und Franklin fackeln nicht lange und gehen mit voller Waffengewalt zu Werke. Einer steht mit den Scharfschützengewehr im Wald, die beiden anderen mähen sich mit Automatikknarren durch die gegnerische Gang. Immer wieder reicht ein kurzer Knopfdruck und wir erleben den Angriff aus einer völlig neuen Perspektive. Das ist schon sehr fett gemacht.

Grand Theft Auto VGrand Theft Auto V
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