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Kritik

Splinter Cell: Blacklist

Die Entwickler haben ein Splinter Cell geschaffen, das sich tatsächlich wie ein Splinter Cell anfühlt. Grund zum Meckern gibt's trotzdem.

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Es geht nicht so sehr um die Frage, ob Splinter Cell: Blacklist gut ist oder nicht. Beim neuen Abenteuer von Ubisoft Toronto geht es vielmehr darum, ob und wie wütend Sam-Fisher-Puristen am Ende sein werden. Die Reihe wurde für viele von ihnen nämlich schon zum Dorn im Auge, jedenfalls auf der aktuellen Konsolengeneration. Die letzten beiden Titel der Reihe waren entweder von durchwachsener Qualität oder entfernten sich mit gewaltigen Schritten vom etablierten Serien-Konzept.

Splinter Cell: Blacklist ist nun eine Reise zurück zu den Ursprüngen. Zurück zu Spionagegeräten, bei denen Bond vor Neid erblasst wäre und zurück zur Rolle als unsichtbarer Killer. Kurzum: Die Entwickler haben ein Splinter Cell geschaffen, das sich tatsächlich wie ein Splinter Cell anfühlt. Und doch werden Anhänger des klassischen Spielstils verärgert sein. Doch dazu kommen wir noch.

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Sam Fisher ist zurück - mit neuem Gesicht und neuer Stimme. Zumindest in der englischen Sprachausgabe, denn die deutsche Stimme spricht weiterhin Martin Kessler. Fisher hat die Leitung über Fourth Echelon übernommen, eine kleine Black-Ops-Abteilung, die Angelegenheiten im Zusammenhang mit der US-Sicherheit übernimmt. Kleine Abteilung bedeutet in diesem Fall ein Team bestehend aus vier Personen mit Crew in einem modifizierten Transportflugzeug, das als Hauptquartier dient.

Splinter Cell: BlacklistSplinter Cell: Blacklist
Sam Fisher ist zurück - mit neuem Gesicht und neuer Stimme.

Das Team ist der Terroristengruppe The Engineers auf der Spur, die Angriffe auf amerikanischem Boden plant. Beim größten Anschlag auf eine US-Militärbasis seit Pearl Harbour haben sie bereits einen Luftstützpunkt der Amerikaner dem Erdboden gleichgemacht. Wer nun glaubt, damit wäre das Schlimmste überstanden, der irrt. Denn die Gruppe plant weitere Anschläge - so lange, bis die Vereinigten Staaten ihre Truppen aus dem Ausland abziehen. Ihre Operationen tragen Namen wie "American Consumption" oder "American Fuel" und wurden auf der "Blacklist" zusammengetragen. Klingt, als hätte jemand den Namen des Spiels schon vorm Schreiben der eigentlichen Hintergrundgeschichte festgelegt und musste schließlich einen Weg finden, alles miteinander zu verbinden. Sam und sein Team reisen jedenfalls rund um den Globus, um in einer Reihe von Missionen die geplanten Anschläge zu verhindern.

Um die abzuschließen, stehen drei möglichen Spielstile zur Verfügung: Ghost, Panther und Assault. Ghost ist - zumindest auf dem Papier - der schwierigste, weil wir die Gegner mit nicht tödlichen Waffen ausschalten oder ungesehen und ungehört an ihnen vorbeischleichen müssen. Das ist klassisches Splinter Cell, herrlich. Panther stellt ebenfalls das Schleichen in den Vordergrund. Feinde werden notfalls aber auch erstochen oder mit einem gezielten Kopfschuss getötet - solange dabei ein Schalldämpfer benutzt wird. Ein Wiedersehen gibt es durch die Wahl dieser Taktik mit der Markieren-und-Ausführen-Technik, bei der wir drei Aktionen vorher bestimmen und dann mit einem Knopfdruck Sam dabei zusehen, wie er sie ausführt. Assault wiederum schießt jegliche Heimlichkeit in den Wind und lässt uns ungehindert in jeden Raum marschieren und achtlos Granaten werfen.

Jede Mission wird über alle drei Stile hinweg bewertet, die man nahtlos wechseln kann. Es lohnt sich allerdings, bei einer Spielart zu bleiben, denn haben wir die erst einmal gemeistert, gibt es mehr Punkte. Die werden wiederum in Geld umgetauscht und schließlich in neue Ausrüstungsgegenstände und Gerätschaften investiert. Selbst die Paladin, unser fliegendes Headquarter, wird auf diesem Wege verbessert und erhält neue Funktionen wie einen Radar auf dem Bildschirm während der Missionen.

Splinter Cell: Blacklist
Es stehen uns drei möglichen Spielstile zur Verfügung: Ghost, Panther und Assault ... und die lassen sich nahtlos wechseln.

Das System funktioniert großartig. Im Ghost-Stil müssen wir in einigen Arealen unterschiedliche Wege erkunden, um die optimale Route zu finden. Panther ist eine Mischung aus dem guten alten Splinter Cell und Conviction. Am Ende werden sich die meisten sicher an diese beiden Spielstile halten. Was haben dann also die Puristen zu meckern?

In vielen Gebieten werden wir unabhängig vom Spielstil zu direkten Konfrontationen gezwungen. Es gibt außerdem Momente, da ist Vorbeischleichen keine Option und zum Weiterkommen müssen die Ausrüstung oder Nahkampfangriffe eingesetzt werden. Ein Zwang, der manchem übel aufstoßen könnte. Wir nehmen es trotzdem hin, denn der Rest nähert sich sowohl atmosphärisch wie auch in Bezug auf das Gameplay stark an Splinter Cell: Chaos Theory an, den Höhepunkt der Serie.

Immerhin gibt es noch einige Missionen, die wir absolvieren müssen, ohne einen einzigen Gegner zu töten. In anderen ist es das Ziel, einfach völlig unerkannt zu bleiben. Und selbst der cleverste Super-Spion wird in den vielen Nebenmissionen auf die Probe gestellt, die frei auf der Kampagnen-Weltkarte zu erreichen sind.

Splinter Cell: Blacklist
Das Spiel nähert sich sowohl atmosphärisch wie auch in Bezug auf das Gameplay stark an Splinter Cell: Chaos Theory an, den Höhepunkt der Serie.

Alle Nebenmissionen sind im Koop spielbar, die meisten auch allein. Sie decken viele unterschiedliche Gameplay-Typen ab, wie etwa eine abgespeckte Horde-Modus-Variante und liefern einige der schwersten Schleich-Missionen, die die Serie zu bieten hat. Werden wir auch nur einmal gesehen, geht es zurück an den Anfang. Natürlich gibt es keine Speicherpunkte.

Müsste ich eine Schwäche im neuen Splinter Cell herausstreichen, so wäre es Fishers neue Stimme. Mir persönlich fehlt Michel Ironsides Charme und der knochentrockene Humor. Der alte Sam war sich nicht mal für einen Spruch zu schade, wenn er einen Gegner im Schwitzkasten hatte.

Es muss trotzdem gesagt werden, dass Ubisoft die Missionen mit fantastischen Zwischensequenzen verbindet und schlimme Klischees vermeidet. Wir erleben nie, dass in einem plötzlichen Anflug von Quicktime-Event der X-Knopf wiederholt gedrückt werden muss. Schön ist zum Beispiel auch, dass das Hauptmenü direkt in der Paladin verbaut wurde-- wir werden also nie wirklich aus Sams Welt gerissen.

Splinter Cell: Blacklist

Die Geschichte selbst ist wesentlich besser als der halbgare Inhalt, der uns in Splinter Cell: Conviction geliefert wurde - wo im Grunde eigentlich nichts Sinn ergeben hat. Verfechter des ursprünglichen Splinter Cell mögen über die Veränderungen weiterhin die Nase rümpfen, aber Splinter Cell: Blacklist ist schlicht das beste Spiel der Reihe, das wir auf dieser Konsolengeneration bisher gesehen haben. Selbst wenn Sam Fisher etwas steif wirkt.

Als fetten Bonus bietet das Spiel einen hervorragenden Multiplayer. Spies vs. Mercs (Spione gegen Söldner heißt das bei uns) ist ein Mehrspielererlebnis, das ohne Zweifel zu den besseren Kandidaten gehört und neben Monstern wie Battlefield 3 oder Call of Duty locker besteht. Auch wenn dieser Multiplayer am Ende "nur" eine ausgesprochen gekonnte Neuinterpretation eines alten Multiplayers aus der Serie ist, werden wir das Spiel vermutlich für dieses Anstrengung im Herzen behalten. Netterweise haben sie denn Multiplayer als Classic-Variante der Originalvorlage auch noch mit eingebaut. Wer die durchdachte Form von Duellen und Kämpfen liebt, wird hier überglücklich. Aber nie vergessen: Immer das Headset einschalten und reden. Denn ohne Kommunikation hat man in diesem Multiplayer keine Chance.

Splinter Cell: Blacklist
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Splinter Cell: Blacklist
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Splinter Cell: Blacklist
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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Variables Spielgefühl, alles für Fans gemacht, großartiger Multiplayer, herausfordende Level im Ghost- und Panther-Modus
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Neue Stimme von Sam Fisher in der englischen Sprachausgabe
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