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Kritik

Disney Infinity

Der riesige US-Konzern will vom Skylanders-Kuchen naschen. Dafür werden viele Disney-Charaktere als Sammelfiguren in Stellung gebracht - und mit einem Videospiel verlinkt.

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Der Anfang von Disney Infinity ist toll. Nachdem das Equipment angeklemmt und die kleinen Action-Figuren in Stellung gebracht sind, passiert erst einmal - nichts. Mit einem kleinen Funken fliegen wir über den schwarzen Bildschirm. Schweben dann los, auf ein Tor in der Ferne zu. Währenddessen entfaltet sich die Welt um uns herum, auf magische Art und Weise. Und irgendwann, 15 Minuten nach dem Intro, beginnt die Basis plötzlich zu leuchten, die seit dem Start am USB-Anschluss der Xbox 360 klemmt.

Auf die kleine Plastikplatte sollen wir Figuren stellen und am besten noch kleine Plastiktaler, die uns Bonuseigenschaften liefern oder neue Dinge freischalten. Außerdem steht jede Spielfigur für eine fertige Spielwelt, die Disney uns schon einmal gebaut hat. Dafür gibt es die Playsets, die über durchsichtige Plastikskulptur aktiviert werden. Klingt ein bisschen kompliziert, ist aber ganz einfach.

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Playsets sind vorprogrammierte Spielwelten zu diversen Charakteren bzw. Disneymarken. Ein Playset mit gleich drei Welten liegt dem Hauptspiel bei. Das liefert Spiele zu Monster-Uni, Die Unglaublichen und Fluch der Karibik. Dazu passend gibt es jeweils drei Figuren aus diesen Spielwelten. Weitere können natürlich gekauft werden. Derzeit verfügbar sind Lone Ranger und Cars, in der Pipeline ist potenziell alles, was das Disney-Markenzeichen trägt. Ablesbar wird das an den ebenso käuflichen Bonusmünzen, die von Findet Nemo über Cinderella und Micky Maus bis hin zu neuen Charakteren wie Ralph reichts vieles zeigen.

Disney InfinityDisney Infinity
Irgendwie geht es die ganze Zeit nur darum, in allen Welten weitgehend identische Missionen zu erfüllen und Sachen zu sammeln.

Bis zu diesem Punkt ist Disney Infinity irgendwie ein Skylanders-Klon - und dazu ein durchaus gekonnter. Die Figuren sind okay produziert, allerdings mit zwölf Euro recht teuer. Ein Playset mit zwei Figuren und Spielwelt-Skulptur kostet 30 Euro, das ist auch nicht gerade günstig. Insbesondere nicht angesichts dessen, was man dafür bekommt. Die Spielwelten selbst sind nämlich leider irgendwie nicht so wertig. Sie wirken leer, kantig, fast etwas billig - was natürlich zum Teil der Idee geschuldet ist, dass wir alle Elemente dieser Welten auch benutzen können, um eigene Welten zu bauen. Aber langsam, nun erstmal zu den fertigen Disney-Welten. Hier gibt es nämlich reichlich Aufgaben für uns oder einen weiteren Couchfreund bzw. vier Spieler im Online-Multiplayer. Leider ist das alles sehr infantil und selbst für Kids vermutlich schnell zu leicht.

Irgendwie geht es die ganze Zeit nur darum, in allen Welten weitgehend identische Missionen zu erfüllen und Sachen zu sammeln. Haue auf dies, schieße auf jenes, sei hier der Schnellste und so weiter. Viele Stunden lang, und man merkt schnell, dass vieles einfach künstlich in die Länge gezogen wurde, um Inhalte und Größe vorzugaukeln. Positiv betrachtet wirkt das alles wie die abgespeckte Version von Borderlands 2, sozusagen die Einstiegsdroge für den Nachwuchs. Negativ betrachtet ist es einfach langweilig und uninspiriert. Die offenen Spielwelten sind zudem nicht sehr hübsch geraten. Die Spielwelt der Monster-Uni ist noch am einladendsten, die Karibik will man so definitiv nicht sehen...

Aber wer meckert, muss es erst einmal besser machen. In der Toybox von Disney Infinity geht das - zumindest theoretisch. Hier können wir mit in allen Spielmodi gewonnen Gegenständen aus den diversen Disney-Universen eigene Welten bauen. Ein bisschen wie Minecraft für Kinder ist das, weniger komplex, aber ebenso unterhaltsam. Wir starten mit einem grünen Rechteck im freien Raum, das in alle Himmelrichtungen und Dimensionen erweiterbar ist. Nach einiger Zeit erkennt man, dass die Möglichkeiten doch ziemlich groß sind. Wie bei Little Big Planet lässt sich die Toybox als mächtiger Editor nutzen, um mit Hilfe kleiner Programmierlogiken namens Creativitoys und den ganzen Items recht komplexe Abenteuer zu bauen. Kleine Rennspiele sind nur das offensichtlichste, die Möglichkeiten enden erst, wenn die Kreativität endet. Wir dürfen die eigene Toybox ins Internet hochladen. Wenn Disney sie okay (und nicht zu anstößig) findet, dürfen andere mit ihr spielen und sie erweitern. Alles bekannt, nichts Neues hier.

Disney Infinity
Die Figuren sind okay produziert, allerdings mit zwölf Euro recht teuer. Ein Playset mit zwei Figuren und Spielwelt-Skulptur kostet 30 Euro, das ist auch nicht gerade günstig.

Ebenso warten in der Toybox viele Abenteuer und Meisterabenteuer. Das sind kleine und kurze Aufgaben, die einem amüsant die Zeit vertreiben und Inspiration bieten. Es sind klassische Minispiele, für die es Ranglisten gibt und die darum allein ihre Berechtigung haben. Hier ist Disney Infinity tatsächlich am schönsten, weil man mit einer Spielfigur seiner Wahl eine Welt seiner Wahl erleben kann. Mit einem Incredible in die Monster-Uni-Spielwelt einbrechen, das geht nämlich nicht. Außerdem bekommt man für das Absolvieren Freidrehs beim großen Item-Roulette. Und mehr Sachen zum Bauen haben noch niemandem geschadet.

Das Bauen der eigenen Welten wird mit einem Echtzeit-Editor erledigt, der eben stark an Minecraft und Little Big Planet erinnert. Gut geklaut ist halb gewonnen, da kann man Disney keinen Vorwurf machen. Per einfachem Auswahlmenü beamen wir Elemente oder Spiellogiken in unser kleines Universum und löschen das alles ebenso schnell wieder. Wer einen Gegner-Spender installiert, darf sich nebenbei mit dem Abschießen von ungebeten Gästen amüsieren, was wieder neues Geld in die Kasse spült, um Zeug zu kaufen. In der Toybox kann man Stunden verbringen und rumdaddeln, aber wirklich neu ist das nicht und dafür bräuchte es auch keine teuren Figuren.

Denn am Ende bleibt die Frage: Braucht die Welt Disney Infinity? Braucht sie natürlich nicht. Es hat ohne Zweifel seinen ganz eigenen Reiz, mit den Disney-Figuren aus dem riesigen Universum ein eigenes zu erschaffen. Dabei auf reale Sammelfiguren zu setzen, mag ein unternehmerisch kluger Schachzug sein. Allerdings sollte man einen etwas größeren Mehrwert bieten, denn zwölf Euro für eine Figur, die dann einfach nur so im Spiel auftaucht, ein paar Zusatzaufgaben liefert und zu Hause Staub fängt, dass ist schon ziemlich frech. Allerdings war und ist es das bei Skylanders auch schon, dort sind die Figuren sogar noch ein paar Euro teurer.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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Sammelfieber im echten Leben und im Spiel, freier Weltenbau in der Toybox
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Insgesamt langweiliges Spiel, einzelne Figuren relativ teuer für den Gegenwert
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