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KRITIK

DAS SCHWARZE AUGE: MEMORIA

Der Hamburger Entwickler Daedalic hat ein Händchen für gute Adventures. Diesmal ist ihnen ein ganz besonderes Meisterwerk geglückt.

"Ich habe Angst, dass die Welt mich ewig vergisst", sagte Sharisad einst. Ihr Name bedeutet Schmetterling. Sie hübsch und mutig, aber ganz und gar nicht flatterhaft. Eigentlich mag sie diesen Namen auch gar nicht. Viel lieber nennt sie sich Sadja. Die junge Prinzessin kommt aus dem fernen Fasar und ist einst in der Gorischen Wüste gegen Dämonen in den Kampf gezogen. Jene große Schlacht, an die sich alle in Aventurien erinnern. Nur sie ist in Vergessenheit geraten. Memoria erzählt nun ihre Geschichte, damit sie uns allen in Erinnerung bleibt.

Es gehen fast 500 Jahre ins Land und wir befinden uns in der Zeit, in welcher der junge Vogelfänger Geron lebt, bekannt aus Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten. Der sucht gerade nach einem Weg, seine Freundin Nuri wieder vom Raben in ein Feenmädchen zurückzuverwandeln. Mit jedem Tag verschlimmert sich ihr Zustand, als endlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont auftaucht: Ein fahrender Händler soll die Macht besitzen, ihr ihre alte Gestalt zurückzugeben. Dafür allerdings soll Gero das Geheimnis um das Verschwinden von Prinzessin Sadja aufklären. Ihm wird ein Rätsel aufgetragen, das sich hinter einem geheimnissvollen Spruch verbergen soll. Löst er dies, wird Nuri endlich wieder ihre alte Gestalt annehmen.

Das Schwarze Auge: MemoriaDas Schwarze Auge: Memoria
Die Geschichte beginnt mit den bekannten Helden Geron und Nuri, die noch in Andergast weilen.

Bei Das Schwarze Auge: Memoria handelt es sich genau genommen um keine echte Fortsetzung von Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten. Daedalic hat den Ausgang des Spiels genommen, um die Geschichte von Prinzessin Sadja zu erzählen. Natürlich treffen wir viele Bekannte und es gibt etliche, ganz offensichtliche Verweise auf den Erstling. Aber auch ich, der dieses Abenteuer leider noch nicht erlebt hat, fühlte sich dadurch nicht ausgegrenzt. Ein großer Teil spielt sich ohnehin in Rückblenden ab, in denen wir Sadjas Geschichte durchleben. Wir sollen dadurch verstehen, was damals geschah. Aber auch die Zeit in Aventurien dreht sich zu einem erheblichen Teil um die Vergangenheit.

Tatsächlich braucht das Adventure daher etwas, um in Fahrt zu kommen. Wir verstehen anfangs einfach noch nicht, wohin uns all das führen soll. Die Spannung dümpelt über weite Teile etwas vor sich hin. Aber je näher wir dem Ende kommen, desto mehr entfaltet Das Schwarze Auge: Memoria seine wahre Schönheit. Die Handlung ist so verworren und verschachtelt, dass erst die Auflösung den gordischen Knoten löst und mir ein solch ergreifendes Ende beschert hat, bei dem ich wirklich feuchte Augen bekommen habe. Dem Team ist es tatsächlich gelungen, dass ich Prinzessin Sadja wahrscheinlich nicht so schnell vergessen werde.

Tatsächlich ist es eines der schönsten Spiele, die Daedalic bisher gemacht hat. Obwohl wir nicht alle Charaktere mögen und nicht alle Sprecher perfekt passen, verlieben wir uns in die Geschichte. Fantastisch ist etwa die Präsentation, die trotz des malerischen Stils authentisch wirkt. Es ist wie ein interaktives Bilderbuch, in dem sich die Figuren durch das Bild schmeicheln. Besonders herausragend sind aber die Spielmechaniken. Alle Aufgaben sind so elegant integriert, dass sich nichts davon aufgesetzt anfühlt. Wir verfügen über Zauber, aktivieren Schalter und suchen nach dem richtigen Weg. Das Abenteuer bietet genug Abwechslung, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Und jeder der Zauber findet auch immer wieder mal im Spiel Verwendung - anders als etwa in The Night of the Rabbit.

Das Schwarze Auge: Memoria
Eigentlich dreht sich das Abenteuer aber um Prinzessin Sadja und ihr mysteriöses Verschwinden vor fast 500 Jahre.

Natürlich gibt es Rätsel, die ziemlich schwer sind und bei denen wir eine Weile grübeln. Aber das Adventure ist fair und logisch. Dennoch wäre bei manchen Stellen eine echte optionale Rätselhilfe wünschenswert. Obwohl einige Genre-Freunde solche Werkzeuge verteufeln, helfen sie jenen, die nicht so viel Geduld haben. Wer die Herausforderung sucht, kann gern darauf verzichten, aber es ist meiner Meinung nach für ein gutes Adventure ebenso wichtig, dass der Spielfluss nicht unnötig leidet. Wird das Tempo zu sehr gedrosselt und kommt Frust auf, geht dies zur Lasten der Handlung. Unter dem Strich aber macht Das Schwarze Auge: Memoria viel richtig.

Die Musik ist diesmal nicht ganz so treffsicher, wie in anderen Spielen der Hamburger. Trotzdem handelt es sich aber um einen guten Soundtrack. Genörgelt wird wirklich auf hohem Niveau. Und das gilt für alle genannten Kritikpunkte. Dieses Adventure muss ausdrücklich gelobt werden - für seine wunderbare Geschichte über Vertrauen und Freundschaft, aber auch für die schöne Verpackung, in welche diese eingebettet ist. Allen kleinen Schnitzern zum Trotz, die sich das Spiel leistet, ist das Ergebnis noch immer ein echtes Meisterwerk, welches Freunde von Das Schwarze Auge und auch Adventures zufriedenstellen dürfte.

Und wer schon einmal ein bisschen tüfteln möchte, was denn das Geheimnis von Prinzessin Sadja war, der kann sich schon jetzt mit dem zentralen Rätsel beschäftigen: "So wie der Stein über den Skarabäus, so herrscht der Skarabäus über den Stein. Wisst ihr die Antwort, so tretet ein. Wisst ihr die Antwort nicht, so sei euer Leben auf ewig mein."

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
großartige Geschichte mit wunderschönem Ende, liebevolle Präsentation, sehr abwechslungsreiche Spielmechaniken
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optionale Rätselhilfen wären toll, Einstieg etwas träge
BETA +