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Kritik

State of Decay

Der ambitionierte Download-Titel überrascht mit seinem großartig simulierten Überlebenskampf und lehrt Quicksave-süchtige Spieler echtes Risiko.

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Alles ist vergänglich, alles verfällt. State of Decay versetzt uns in eine typische amerikanische Kleinstadt irgendwo im ländlichen Mittleren Westen - doch die spätsommerliche Idylle trügt. Eine unbekannte Krankheit hat große Teile der Bevölkerung in gefährliche Untote verwandelt. Der Rest der Menschheit kämpft ums Überleben.

Videospiele haben durch Retrys und Checkpoints so ihre Probleme damit, echte Konsequenzen, Gefahr und Verzweiflung zu simulieren. Aber den Entwicklern von Undead Labs ist es gelungen, die altbekannte Struktur von Open-World-Abenteuern mit neuen Ideen zu bereichern, die wie die Zahnräder eines gut geölten Getriebes ineinander greifen. So ist das Gefühl präsent, in der virtuellen Realität tatsächlich um das nackte Überleben zu kämpfen.

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In State of Decay droht zudem immer der Perma-Death, der endgültige Tod unserer Spielfigur. Kein Checkpoint gibt uns hier die Möglichkeit, gemachte Fehler zu korrigieren. Das frustriert, aber dafür sind unsere Videospiel-Sinne auch ständig geschärft. Jede Entscheidung zählt und die so typischen Hauruck-Aktionen, in denen man in anderen Spielen häufig mal alles ohne echte Konsequenzen auf eine Karte setzt, wollen jetzt echt gut überlegt sein.

State of DecayState of Decay
Unsere Basis kann im Laufe des Spiels immer weiter ausgebaut werden und versorgt uns mit wichtigen Boni.

Das Spiel ist aber nicht sofort beendet, wenn unser Charakter das Zeitliche segnet. Wir dürfen in die Rolle eines anderen Überlebenden aus unserer kleinen Enklave schlüpfen. Die müssen allerdings auch erst gerettet werden und verbrauchen dann die knappen Ressourcen. Nahrung, Medizin, Munition oder auch Baumaterialien, um unsere Basis zu verbessern, sind in den umliegenden Häusern zu finden, aber der Radius unserer Suchaktionen wird unweigerlich immer größer und gefährlicher.

Und die Überlebenden sind alle keine durchtrainierten Marines. Unser Ausdauerbalken leert sich beim Sprinten, Klettern oder Kämpfen sehr schnell und füllt sich nur langsam wieder auf, während wir keuchend nach Luft schnappen. Mit vollem Gepäck wird das zunehmend schlimmer. Zusätzlich wird der maximale Ausdauerbalken im Laufe der Spielstunden immer kleiner. Irgendwann muss man abwägen, ob das immer größer werdende Risiko noch tragbar ist oder ob wir unserem Charakter eine Ruhepause gönnen und in die Rolle eines anderen Überlebenden schlüpfen.

Diese Entscheidung fällt um so schwerer, da unsere Figur durch das Sprinten und Kämpfen dazugelernt hat und nun bessere Fähigkeiten besitzt. Kuzfristig in eine neue Figur zu schlüpfen, das bedeutet meistens wieder häufigeres Luftschnappen in irgendwelchen Büschen und das langsame Durchsuchen der Häuser zehrt an den Nerven.

State of Decay
Den großen Schrank mit dem Inventar teilen wir uns mit allen anderen Überlebenden unserer kleinen Enklave

Doch bei aller Vorsicht - irgendwann erwischt es auch die Besten und man muss dankbar sein, wenn einem dann nicht nur kurzatmige Schwächlinge Als alternative zur Verfügung stehen. Ein kleiner Kniff, der dafür sorgt, dass die anderen Überlebenden nicht nur Nervensägen sind, für die wir ständig irgendwelche Botendienste machen müssen, sondern jenseits von Moral oder vorgegebener Skripts wirklich wichtig für uns sind. State of Decay erzählt übrigens auch eine Geschichte, die aber angenehm zurückgenommen wurde und viel Platz für ein eigenes Abenteuer lässt.

Gemütlich geht es in State of Decay nie zu. Die Uhr läuft immer mit, selbst wenn wir gerade nicht spielen. Die Ressourcen werden verbraucht und wir müssen die Moral unserer kleinen Enklave stets im Auge behalten oder die kleine Gruppe fällt auseinander. Fremde brauchen Hilfe oder einer unserer Kameraden gerät in Schwierigkeiten, während er zum Einsammeln von Medikamenten geschickt wurde. Die Zombie-Population in der näheren Umgebung muss im Auge behalten werden oder wir errichten kleine Außenposten, um die Sicherheit während der Versorgungsexpeditionen zu erhöhen. Der Tag eines Überlebenden ist anstrengend und gefährlich.

State of Decay

Als mein Hauptcharakter nach sechs Stunden Spielzeit in einen tödlichen Hinterhalt gerät und von Zombies förmlich zerrissen wird, ist der Schock kaum zu beschreiben. Stundenlange extrem vorsichtige Erkundungstouren und das mühsame Verbessern meiner Kondition - alles weg. Als sein Nachfolger den gutgefüllten Rucksack des leblosen Helden birgt, bin ich immer noch fassungslos, aber der Kampf ums Überleben geht weiter.

Keine der Spielmechaniken von State of Decay ist besonders herausragend - weder die Kämpfe noch das Fahren der Fahrzeuge. Die Grafik wird auch niemanden beeindrucken und ist von vielen Fehlern und Pop-Ups durchzogen. Die Geschichte ist dünn und die Zombies sind ein alter Hut, aber State of Decay fügt trotzdem alles auf wunderbare Weise zusammen. Das echte Risiko, dem man als Spieler ständig ausgesetzt ist, gibt so vielen altbekannten Elementen eine tiefere Bedeutung und man fühlt sich nie als der Laufbursche. Alles ergibt Sinn und man versteht alle Aufgaben als dringlich und notwendig. Nie kommt das Gefühl vom stumpfen Abarbeiten von Missionen auf, auch wenn sich gegen Ende des Spiels natürlich vieles wiederholt. State of Decay ist schwer und es ist vor allem sehr sehr mühsam. Aber wenn man sich darauf einlässt, wird man mit einer Spielerfahrung belohnt, die man zumindest auf den Konsolen bisher kaum erleben durfte.

Man sollte sich nicht dadurch täuschen lassen, dass State of Decay für die Xbox Arcade veröffentlicht wurde, denn der ambitionierte Open-World-Titel könnte auch locker mit Vollpreis-Spielen konkurrieren - auch ohne Next-Gen-Optik. Das Spielprinzip so ist unglaublich überzeugend und frisch, dass alle Bugs und kleinen Fehler schnell verziehen sind. Die zwanzig Euro für den Download sind ein echter No-Brainer.

State of Decay
State of Decay
State of Decay
State of Decay
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
sehr ambitionierter Download-Titel, großartiges Konzept um den Perma-Death der Figuren, altbekannte Spielmechaniken in völlig neuem Licht, unglaubliche Spannung
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mittelmäßige Grafik mit vielen Pop-Ups, viele Spielmechaniken werden kaum erkärt
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