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Kritik

Forza Motorsport 4

Schon seit mehreren Minuten starre ich auf den Bildschirm und schaue mir den tiefschwarzen Mercedes Benz 190E 2.5 16 Evolution II an. Ein wunderschönes Auto, das ich immer mal selbst besitzen wollte. Jetzt steht er im Studio der britischen Autosendung Top Gear, die im HDTV in meinem Wohnzimmer aufgebaut ist. Als Teil von Forza Motorsport 4.

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Immer neue, immer schönere, ganz langsame Kamerafahrten schmeicheln den perfekt modellierten Kanten des Designs. Die Lichteffekte auf dem perfekt polierten Lack treiben mir fast die Tränen in die Augen. Das ist wirklich schön oder anders gesagt: Es ist wirklich echter Autoporno. Aber Schönheit ist nicht alles. Bei weitem nicht. Ein Rennspiel muss auf dem Asphalt siegen.

Beim Fahrgefühl hat Forza Motorsport 4 spürbar draufgesattelt. Es ist ein schönes, realistisches Erlebnis. Man muss hart bremsen, die Kurven eng fahren, denn die Autos neigen eher zum Untersteuern, als dass ihnen das Heck ausbricht. Spürbar ist das besonders während der Drift-Herausforderungen, wo selbst eine gepimpte Viper gutmütig reagiert. Das Fahrgefühl ist insgesamt weiterhin eher etwas zu stabil, zu sicher und irgendwie immer noch zu zahm. Selbst ein bis ans Limit getunter Ferrari 458 Italia mit fast 700 PS und knapp 1200 Kilogramm Gewicht prügelt immer noch erstaunlich ruhig über den Asphalt. Je mehr der vielen Fahrhilfen man ausstellt, umso spürbarer werden Kraft und Auswirkungen der Geschwindigkeit. Im voll eingestellten Simulationsmodus beherrschen dann nur noch echte Rennspielfreaks und Rennfahrer die Wagen wirklich am Limit.

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Verbessert wird das Gesamterlebnis mit Headtracking via Kinect. Das sorgt dafür, dass das Spiel selbst kleinste Kopfbewegungen dazu nutzt, bei Fahrten in Kurven hinein den Blickwinkel zu erweitern in Richtung der Kurve. Wer mit einem hochwertigen Lenkrad spielt (was man dringend tun sollte), kriegt zudem ein deutlich besseres Feedback von den Autos als am Pad oder mit den Händen am neuen Microsoft Wireless Speed Wheel. Das ist zwar lustig, aber über den Status eines wirklich gut konzipierten Gimmicks kommt es nicht hinaus. Dann schon eher das neue CRS-Wheel von Fanatec, dafür muss man aber auch 250 Euro investieren.

Forza Motorsport 4Forza Motorsport 4Forza Motorsport 4
Forza Motorsport 4
Der knallgrüne Elfer ist von Ruf, nicht von Porsche. Der Rt 12 S ist der einzige Zuffenhausener im Spiel wegen Lizenzproblemen mit EA.

Man kann Forza 4 also zum Hardcore-Simulator machen, aber eigentlich will es kein absoluter Hardcore-Simulator sein. Es versucht immer noch (ganz amerikanisch) alle Welt äußerlich glücklich zu machen. Forza Motorsport 4 will ein Rennspiel für alle sein. Es will auch (und das kann es auch am besten) den Hardcore-Fans einen waschechten Simulator an die Hand geben. Aber das Spiel funktioniert absolut perfekt als ein bisschen arcadelastigeres Rennspiel, in das man sich mit Hilfe sorgfältig ausgesuchter Fahrhilfen ein gutmütiges Fahrverhalten hineinzaubern kann, um einfach spannende Rennen auf wunderschönen Strecken zu genießen. Viele davon sind echte Rennstrecken, manche Fantasieversionen realer Vorbilder. Leider fehlen Klassiker wie Spa, dafür ist Le Mans dabei, Laguna Seca oder Mugello. Einige der Strecken sind wunderhübsch, etwa das kurvenreiche Monster in Positano an der italienischen Amalfiküste.

Der Karrieremodus ist das Erste, mit dem sich die meisten Spieler beschäftigen werden. Schön: Man kann in den Rennen nicht wirklich scheitern, sondern nur weniger Credits und Spielerfahrung verdienen. Das führt dazu, dass eine schlechte Performance in den Rennen nur zum langsameren Hochleveln führt. Aber es führt nicht dazu, dass man ein Rennen einfach nach der Hälfte abbricht, weil man einmal irgendwo ins Kiesbett abgeflogen ist. Man könnte auch die optionale Rückspulfunktion nutzen, aber wer will sich diese Blöße schon geben. Außerdem sorgt es dafür, dass weniger Credits aufs Konto kommen.

Schöne Rennmodi wechseln sich in gutem Tempo ab und bieten immer wieder gezielt Abwechslung. Wir rasen in verschiedenen Klassen auf einem Kurs, was gerade beim Überholen der langsameren Wagen viel Taktik ins Spiel bringt. Es gibt aber auch die nervenzerreißend stupiden Oval-Rennen oder lustigen Quatsch wie Top Gear-Bowling. Im Autocross müssen wir fehlerfrei Pylonen-Tore durchfahren, in den Verfolgungsrennen geht's direkt gegen einen gleich starken Konkurrenten durch starken Verkehr hindurch. Oder wir müssen so viele Autos wie möglich in einem Run überholen.

Forza Motorsport 4
In der Cockpit-Perspektive spielt es sich am besten und hübeschten, vier weitere stehen zur Verfügung.

Vor jedem Rennen stehen drei Events zur Auswahl, wovon eines in der Regel eine niedrige Autoklasse bedient. Das ist besonders am Ende der Kariere nett, weil man nicht ausschließlich in den ultraschnellen Karren durch die Gegend rasen muss. Man kann, muss aber nicht. Sehr spät in der Karriere einfach in ein F-Klasse-Auto zu steigen, das hat auch seinen Reiz. Das Spiel toleriert das jedenfalls nahtlos, eine wirklich sehr sehr gute Integration.

Für die Rennen gibt‘s am Ende drei Typen von Belohnungen. Immer belohnt werden wir mit Credits, um weitere Autos und Upgrade-Teile kaufen zu können. Dazu gibt es Extra-Belohnungen wie Punkte für das Fahrer-Level, Extra-Credits oder einen Affinitätsbonus zu einer Marke. Der geht bis zu Stufe 50 (um die und das dazugehörige Achievement zu erreichen muss man wirklich viel spielen) und belohnt ganz effektiv und beiläufig die ohnehin meist vorhandene Markentreue. Für jede erreichte Stufe gibt es viele, viele Credits - außerdem sind irgendwann die Upgrades für die Marke kostenlos. Das Tollste: Alle Extra-Boni werden mit einer kleinen Slot-Machine ausgelost.

Kleine Contests halten die Rennen selbst zusätzlich spannend: perfekte Kurvenfahrten, sauberes Bremsen, schlüpfrige Windschattenfahrten geben einem die ganze Zeit Feedback über die eigene Performance. Außerdem sind diese Minicontests mit kleinen Herausforderungen verknüpft und spülen permanent ein paar Punkte aufs Konto für den Wert des Fahrer-Levels. Dieser Wert treibt dann die Karriere voran.

Forza Motorsport 4
Wer will, kann sich unendlich viele Details im Rennen einblenden lassen, um immer die Kontrolle über Reifenabnutzung und Traktion zu haben.

Was in den Rennen auffällt, ist die komisch agierende Künstliche Intelligenz. Die fährt wenig innovativ und macht immer wieder die gleichen Fehler, wie völlig sinnlos an erster Stelle mit viel zu viel Speed in eine Kurve hineinzubrettern - so dass man entweder mit untergeht oder einfach kopfschüttelnd korrekt bremsend vorbeizieht. Beides ist dumm. Was außerdem fehlt, sind Wettereffekte jedweder Art und Nachtrennen. Der Tageszeitenwechsel beschränkt sich auf die Zeit zwischen Morgengrauen und Sonnenuntergang. Wie gerne würde ich im strömenden Regen über die Strecke ballern in Forza.

Die Grafik ist insgesamt unglaublich gut und ein echter Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger. In den Menüs sehen die Autos unglaublich aus, wirklich unglaublich durch Hollywood-Lichteffekte in Echtzeit. Auf der Strecke gilt das immer noch, wenn auch nicht ganz so pervers hübsch. Dennoch wirken die Autos harmonischer, glatter und gleichzeitig schärfer und knackiger. Manchmal hat die Grafik allerdings so ihre Probleme. Die Autos sehen gelegentlich vor allem aus der Ferne so aus, als ob sie über den Asphalt schweben würden. Ihnen fehlt irgendwie das Geerdete, das Schwere von Rennautos. Dafür überzeugen dann wieder andere Details wie sich physikalisch korrekt verbiegende Reifen und aufglühende Bremsscheiben.

Das Schadensmodell indes ist wieder ein bisschen zweifelhaft. Optisch sehen die Wagen eher komplett sandgestrahlt aus, wenn man sie hart zerbeult. Bei voll aktiviertem Schadensfeature stimmen dafür die inneren Probleme. Der Motor raucht beim falschen Schalten schnell auf und die Reifen werden so schnell zum Zünglein an dem Wagen. Der Sound ist okay. Die Wagen klingen satt, Tunnelfahrten sind akustisch schön umgesetzt.

Forza Motorsport 4
Im Autovista-Modus wird das Spiel zur begehbaren Bibliothek für Autonarren. Das ist unglaublich gut gemacht.

Ein echtes Pfund hat das Rennspiel noch: sein enormes Onlineuniversum. Die neuen Clubs sind eine tolle Ergänzung, sie schweißen Freunde stärker zusammen, auch deshalb, weil jedes Mitglied seine Autos allen Mitgliedern zum Fahren zur Verfügung stellen kann. Wettbewerbsfanatikern wird der Rivalen-Modus die meiste Zeit rauben. Der serviert einem immer wieder neue Herausforderungen in absolut gleichwertigen Autos gegen Onlinegegner. Man fährt alleine in einer konkreten Herausforderung und sieht immer den Ghost des aktuellen Gegners fahren. Hat man den Rivalen geschlagen, steht der nächste gleich an der Startlinie. Das geht solange, bis man aufgibt oder selbst der Rivale Nummer Eins ist. Über das Nachrichtensystem landen diese Herausforderungen und noch so einiges anderes im eigenen Forza-Postfach. Und es gibt natürlich die konventionellen Onlinerennen, die durch Spaßveranstaltungen wie Top Gear-Autofußball oder Katz-und-Maus-Rennen versüßt werden.

Am Ende noch ein paar Gedanken zum problematisch Kinect-Part, der ziemlich deplatziert wirkt, auch wenn man natürlich der Idee von Turn 10 folgen kann, dass sie eben für jeden Spielertyp was einbauen wollten. Headtracking und Autovista ausgenommen ist die Kinect-Integration irgendwie Kokolores. Die Steuerungsvariante zum Lenken via Kinect ist kaum besser als bei Kinect Joyride. Die Rennwagen beschleunigen und bremsen automatisch, man steuert stumpf durch die Kurven, wobei man heftig unterstützt wird. Ist was für Drei- bis Fünfjährige, alle anderen geben nach den ersten drei Kurven kopfschüttelnd auf. Macht nichts, das Auto fährt auch so weiter ins Ziel...

Autovista ist nett, wenn man auf eine begehbare Bibliothek für Autonarren steht. Besonders die Kommentare von Jeremy Clarkson von Top Gear (zum Glück im Original belassen) zu den derzeit 24 Sportwagen sind sehr unterhaltsam. Auch sich in die Cockpits setzen und umschauen zu können, ist schon toll gemacht, ob nun mit Kinect oder ohne. Aber es ist nicht ein eigenes Spiel, wie Dan Greenawalt das immer betonte, sondern es ist ein Gimmick. Ein wunderbares und unterhaltsames zwar, aber ein Gimmick. Die Kinect-Sprachsteuerung für die Menünavigation indes ist echt super. Sie verkürzt die Wege durch die Menüs enorm, aber auch da gilt das Argument, dass man dafür nicht Kinect kaufen will.

Muss man auch nicht, aber Forza Motorsport 4 muss haben. Weil man sich mehr denn je sein eigenes Forza zusammenbauen kann. Weil man die Liebe zu schnellen Autos an fast allen Stellen des Spiels so deutlich spürt.

Forza Motorsport 4
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09 Gamereactor Deutschland
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Schicke Grafik, gutes Fahrgefühl, überzeugender Onlinemodus,
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Die Kinect-Steuerung (Autovista und Headtracking), kleine Grafikprobleme
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