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Kritik

Animal Crossing: New Leaf

Der Lebenssimulation ist durch die Südsee-Insel mit ihren Minispielen und den neuen Möglichkeiten zum Tauschen ein großer Sprung nach vorn gelungen.

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Natürlich ist Animal Crossing: New Leaf noch immer das, was wir erwarten - eine triviale, aber unterhaltsame Alltagssimulation. Trotzdem gab es noch nie so viele Neuerungen, wie in diesem Abenteuer. Beim Antritt der Reise in die tierische Welt erwartet uns schon bei der Ankunft in der Stadt die erste Überraschung. Diesmal sind wir nicht nur Bewohner, sondern auch Bürgermeister. Mit dieser Verantwortung können wir Verordnungen erlassen, welche die Entwicklung der Stadt etwas verändern oder aber öffentliche Gebäude und Stadtverschönerungen erbauen. Das alles kostet natürlich viel Geld, aber ein Teil der Kosten wird auch von den Bewohnern getragen.

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Die nächste Änderung betrifft die Integration einer Einkaufsmeile im Norden. Dort sind fast alle Geschäfte gebündelt und auch Tom Nook ist natürlich wieder mit von der Partie. Dazu kommen neue Freunde wie Faultier Gerd, der eine Gärtnerei betreibt. Zudem können wir in Animal Crossing: New Leaf auch unsere Schuhe wechseln und selbst dafür gibt es einen eigenen Laden. Nicht alle Orte sind von Anfang an verfügbar, aber sie werden wie üblich nach und nach freigeschaltet. Einer von ihnen ist beispielsweise das Schlummerhaus, mit dem wir fremde Städte im Traum besuchen können. Aber auch das Musterdorf der Akademie des schönen Hauses ist neu. Hier sammeln wir Häuser via Streetpass und können uns damit für unser eigenes Haus inspirieren lassen. Es ist sogar möglich, Gegenstände aus diesen Häusern zu leicht erhöhten Preisen zu kaufen.

Animal Crossing: New LeafAnimal Crossing: New Leaf
Wir können jetzt auch schwimmen und die Kamera lässt sich im Haus freier drehen.

Die meiner Meinung nach wichtigste Neuerung im Spiel aber bietet die Südsee-Insel. Dort gibt es nicht nur eine seltene Flora und Fauna zu bestaunen, sondern es warten auch eine Reihe von Minispielen auf uns. Mit bis zu vier Freunden können wir mehr als ein Dutzend kleiner Spiele bestreiten - etwa Verstecken spielen, durch ein Labyrinth irren oder nach seltenen Juwelen buddeln. Als Gewinn winken Medaillen, mit denen sich im Souvenir-Shop seltene Objekte kaufen lassen. Das ist eine nette Belohnung, aber der echte Mehrwert ergibt sich vor allem zusammen mit Freunden. Außerdem lockern die Spielchen den Alltag in der Stadt auf und fesseln uns damit noch länger an den 3DS.

Als Animal Crossing vor über zehn Jahren für das N64 veröffentlicht wurde, war Nintendo noch nicht sicher, ob das Spiel funktionieren würde. Den Weg nach Europa fand es dann erst mit zwei Jahren Verspätung und das vermutlich nur, weil es für den Gamecube ohnehin zu wenig Spiele gab. Schnell aber zeichnete sich ab, dass die Reihe Potenzial hat - vor allem auf einer mobilen Plattform. Der Grund für Nintendos Zögern liegt durchaus auf der Hand, denn betrachten wir das Konzept, ist Animal Crossing kein Spiel im eigentlichen Sinne. Wir ziehen als Bürger in ein kleines Dorf und können dort unsere Kleidung und unser Haus selbst gestalten. Die Kommunikation ist ein zentrales Element, aber es gibt kein echtes Spielziel und auch nur wenige Aufgaben im klassischen Sinne. Alles, was wir tun, dient am Ende lediglich der Repräsentation.

So etwas gibt es mit zunehmender Beliebtheit auch für den PC und Smartphones. Dort läuft das das meist unter dem Oberbegriff Free-to-Play. Farmville zum Beispiel ist genau genommen schon recht nah dran an dem, was wir in Animal Crossing erleben. Diese kostenlos spielbaren Titel aber machen nur Spaß, wenn regelmäßig Geld investiert wird. Das ist schließlich ihr Geschäftsmodell. In in Regel geht mit dieser Herangehensweise aber auch der Spielspaß flöten.

Animal Crossing: New LeafAnimal Crossing: New Leaf
Stadtverschönerungen und die Einkaufsmeile sind zwei wesentliche neue Features.

Animal Crossing wiederum macht Spaß, weil jeder Mechanismus darauf ausgelegt ist zu unterhalten und nicht dazu gedacht ist, Geld zu verdienen. Ein Tag hier dauert genauso lang wie ein echter Tag Jede Stunde, jeder Tag, jeder Monat fühlt sich so besonders an, wie ein Tag in unserem eigenen Leben. Wir verdienen Geld, indem wir beispielsweise Insekten sammeln, Fische fangen oder Früchte auflesen. All diese Aufgaben besitzen keine eigenen Zeitgrenzen, wie sie aus dem Free-to-Play-Bereich bekannt sind. Sie sind an die Echtzeit gekoppelt. Ernten wir Früchte, passiert das sofort. Es hängen aber erst ein paar Tage später wieder neue am Baum.

Es gibt so viele Stellen, an denen Nintendo ein Bezahlkonzept hätte einbauen können. Aber das Unternehmen hat eine altmodische Vorstellung von Unterhaltung und da passt ein solches Modell nicht hinein. Dass wir mit Animal Crossing: New Leaf womöglich hunderte Stunden verbringen und in dieser Zeit dann vielleicht kein neues Spiel erwerben, nimmt man in Kauf. Wenn es Nintendo wirklich gelingt, uns so lange an den Nintendo 3DS zu fesseln, dann ist dies für das Unternehmen der größere Gewinn. Nintendo verfolgt eine sehr langfristige Strategie und in der wiegt die Zufriedenheit der Kunden viel mehr als Geld.

Und mit den neuen Features ist die Langzeitmotivation tatsächlich noch höher als schon bei den Vorgängern. Aya Kyogoku als ein Teil des neuen Director-Duos hat der Entwicklung ganz offensichtlich gut getan. Viele der Ideen für Neuerungen gehen auf ihr Konto. Und als ich mich bei unserem Treffen mit Produzent Katsuya Eguchi und ihr in ihrer Stadt umsehen durfte, ist mir die Kinnlade rundergeklappt. Sie hat offenbar selbst jede freie Minute mit dem Spiel verbracht und eine nahezu perfekte Stadt erschaffen.

Animal Crossing: New LeafAnimal Crossing: New Leaf
Animal Crossing simuliert auch alle Jahreszeiten und mit Hilfe von Streetpass-Münzen können wir jeden Tag besondere Nintendo-Gegenstände gewinnen.

Wieso das jemand macht, kann ich gut verstehen. Die mehr als 30 Stunden, die ich mit dem Spiel für diese Kritik verbracht habe, fallen am Ende irgendwie kaum ins Gewicht. Es fühlt sich eher so an, als hätte ich gerade erst an der Oberfläche gekratzt. Mein Charakter, den ich liebevoll Detlef getauft habe, hat sich inzwischen ein recht beschauliches, rosafarbenes Häuschen zusammengespart. Die Inneneinrichtung ist zwar noch etwas chaotisch, aber nimmt immerhin langsam Formen an. Zeit ist jedenfalls in Animal Crossing immer nur relativ zu betrachten. Und je länger wir in unserem Dorf versacken, desto mehr Wege tun sich auf. Irgendwann ist sogar der Abend attraktiv, wenn K.K. Slider im Nachtclub sein DJ-Debüt gibt. Vielleicht aber haben wir mittlerweile sowieso schon die Nachteulen-Verordnung erlassen, dann hat sich der ganze Tagesablauf ohnehin schon in Richtung der Abendstunden verlagert.

Natürlich könnte Nintendo das Konzept auf eine kostenlos spielbare Variante mit etlichen kostenpflichtigen Zusatzinhalten umstellen. Aber sie könnten genauso gut auch anfangen, ihre Spiele für andere Plattformen anzubieten. Beides bringt vielleicht kurzfristig mehr Geld ein. Aber vielleicht sorgt beides auch nur dafür, dass ihre Spiele eben nicht mehr diese einzigartigen Erfahrungen sind, für die wir alle Nintendo so sehr lieben. Animal Crossing: New Leaf jedenfalls ist durch die Südsee-Insel mit ihren Minispielen und den neuen Möglichkeiten zum Tauschen ein großer Sprung nach vorn gelungen. Und auch wenn der Spielinhalt natürlich ziemlich trivial bleibt, so viel Spaß hatten wir lange nicht damit.

Animal Crossing: New Leaf
Animal Crossing: New Leaf
Animal Crossing: New Leaf
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
unendlich viele Möglichkeiten zum Tauschen und sich beschäftigen, auch fremde Städte dürfen besucht werden
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kein echtes Spielziel
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