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KRITIK

PERSONA 4: ARENA

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man liebt Persona oder man kennt es nicht. Das wissen auch Atlus und Arc System Works - und schaffen es mit ihrem neuen Titel beide Gruppen zufrieden zu stellen.

  • Text: Ramón Méndez

Persona 4: Arena ist ein exzellentes Prügelspiel und eine großartige Fortsetzung der Persona-Reihe. Gleichzeitig verknüpft es geschickt die Universen von Persona 3 und Persona 4 und erzählt so eine spannende Geschichte. Sofort ist ersichtlich: Die Entwickler haben keinen Aufwand gescheut, um beide Aspekte - Prügelspiel und Persona-Titel - miteinander zu verbinden und das erfolgreiche Resultat allein ist schon die größte Errungenschaft. So genau wir auch hinsehen, Persona 4: Arena zeigt keinen Moment Schwäche und liefert in jeder Minute eine großartige Spielerfahrung.

Zunächst wenden wir uns Prügelspielaspekten zu. Persona 4: Arena ist ein klassischer 2D-Titel im Anime-Stil, dessen 3D-Hintergründe auf den ersten Blick stark an die goldene Ära des Genres in den 90ern erinnern. Damals bestimmten gerade Capcom und SNK das Genre. Es wurden vor allem trickreiches Vorgehen und Geschwindigkeit belohnt. Wer nicht in jeder Sekunde wachsam war, hatte ziemlich schnell das Nachsehen.

Wie gut dieses Konzept funktionieren kann, hat Entwickler Arc System Works bereits mit Guilty Gear und Blazblue unter Beweis gestellt, Serien von denen sich Persona 4: Arena einiges abgeschaut hat. Mehr noch, durch die gesammelte Erfahrung des Studios mit beiden Titeln haben die Entwickler ihren Stil verfeinert und nahezu perfektioniert. Wir haben allerdings schon oft genug erlebt, dass es Spielen, die auf Titeln eines vollkommen anderen Genres beruhen, nicht gelingt, dieselbe großartige Spielerfahrung zu vermitteln. Bei Persona 4: Arena ist das nicht der Fall - wir sprechen hier vielleicht sogar über eines der besten 2D-Prügler der letzten Jahre.

Persona 4: ArenaPersona 4: Arena
Das Kampfsystem ist leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Vor allem das richtige Timing wird später immer wichtiger.

Seinen Erfolg verdankt Persona 4: Arena der einfachen Zielvorgabe, leicht zugänglich für jeden zu sein. Auf den ersten Blick wirkt das Kampfsystem deshalb recht oberflächlich. Es gibt normale und starke Attacken sowohl für die Charaktere als auch für ihre Personas. Letztere bezeichnen Wesen, die im Kampf gerufen werden können, um für uns zu kämpfen. Daneben wird gesprungen, geduckt und natürlich gibt es auch Spezialfähigkeiten für jeden Charakter. Selbst wer sich allein auf die Basisattacken konzentriert, kann mächtige Angriffe und Kombos entfesseln - und das motiviert selbst Anfänger dazu, sich an Persona 4: Arena zu versuchen.

Für fortgeschrittene Spieler ist das aber kein Grund zur Sorge. Denn obwohl die Grundsteuerung leicht zu erlernen ist, bietet sie weit mehr Tiefe, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. So verliert eine mächtige Kombo jeden Effekt, wenn wir einmal gelernt haben, wie man sie blockt oder sogar kontert. Mit der Zeit wird auch das Timing beim Einsatz unserer Fähigkeiten immer wichtiger und wir lernen, unseren Gegner auch ohne Persona zu dominieren oder ihn durch Statuseffekte daran zu hindern, seine Stärken auszuspielen.

Mit anderen Worten: Persona 4: Arena ist leicht zu erlernen, aber nur sehr, sehr schwer zu meistern. Und daran werden wir immer und immer wieder durch den Computer-Gegner oder andere Online-Spieler erinnert. Doch das Beschreiten des steinigen Wegs lohnt sich und nichts ist so befriedigend, wie endlich alle Moves des Lieblingscharakters bis zur Perfektion zu beherrschen.

Persona 4: Arena
Im Kampf besitzt jeder Charakter einen Persona, den er im Notfall rufen kann, um noch einmal das Ruder rumzudrehen.

Eine besondere Motivation ist das aber vor allem, weil sich die 13 Charaktere - zusammengesetzt aus Figuren von Persona 3 und Persona 4 - vollkommen voneinander unterscheiden. Klar, die Grundsteuerung bleibt bei allen Figuren die gleiche, doch die Art und Weise wie sich jede von ihnen spielt, ändert sich dramatisch. So sind einige schneller, andere stärker im Luftkampf und wieder andere spielen ihre größte Stärke im Zusammenspiel mit den Personas aus.

Um heraus zu finden, wer am besten zu uns passt, müssen wir vor allem trainieren und herumexperimentieren. Zu diesem Zweck stehen uns unterschiedliche Modi zur Verfügung, wozu auch ein Trainings- und Versusmodus gehören. Beide können wir sowohl mit Freunden gemeinsam vor dem heimischen Fernseher wie auch online nutzen. Zusätzlich gibt es selbstverständlich noch einen Arcademodus, der neben dem Herzstück, dem Storymodus, ausprobiert werden kann.

Und damit wären wir auch schon beim zweiten Aspekt des Spiels, dem Persona-Universum. Sowohl der Arcade- als auch der Storymodus erzählen dieselbe Geschichte aus der Perspektive der jeweiligen Figuren. Im Arcade-Bereich wird die eher in kurzen Portionen abgearbeitet und ist damit eher für all jene unter euch zu empfehlen, die Persona 4: Arena vor allem als Prügel-Spiel genießen wollen. Im Story-Modus dagegen tauchen wir bis zum Hals in die Fortsetzung der Persona 4-Geschichte ein, mit jeder Menge Dialogen, Zwischensequenzen, wichtigen Entscheidungen, unterschiedlichen Enden, freischaltbaren Kapiteln und - zu guter Letzt - vielen, vielen Stunden, die wir das Persona-Universum erkunden und mit unserem liebsten Charakter genießen.

Persona 4: Arena
Im Arcademodus gibt es die Story in kleinen Brocken. Wer tiefer in die Geschichte abtauchen will, kann viele Stunden im Storymodus verbringen.

Wer die Spielereihe bereits kennt, wird an diesem Titel ein noch größeres Interesse finden. Es mag vielleicht etwas trivial klingen, dass viele Musikstücke aus Persona 4 ihren Platz in Persona 4: Arena gefunden haben. Aber tatsächlich reicht bereits das, um Fans der Serie, die teilweise seit Jahren nicht mehr mit dem Franchise zu tun gehabt haben, eine halbe Stunde allein an das Menü zu fesseln. Verträumt lauschen wir dann den vertrauten Klängen und schwelgen in Erinnerungen an die Charaktere und besuchte Umgebungen. Dann tauchen wir ab in die stimmige Geschichte, die übergangslos die Ereignisse von Persona 3 und Persona 4 verbindet. Dabei scheint die Kombination aus Story und solidem Prügler die denkbar beste Wahl gewesen zu sein. Besser zumindest, als die Reihe mit einem halbherzigen Dungeon Crawler fortzusetzen, der jegliche guten Ansätze des Originals zerstört. Wie das aussehen kann, haben wir bereits in Persona 3: The Anwser gesehen.

Dank der freischaltbaren Charaktere und dem Entscheidungssystem verbringen wir wesentlich mehr Zeit im Persona-Universum, als gewohnt. Das Konzept des Story Modus' erinnert dabei stark an Blazblue, allerdings ohne die unlogischen Herausforderungen, wie gezwungener Maßen in bestimmten Kämpfen zu verlieren.

Persona 4: Arena ist - den Nostalgiefaktor einmal ausgeblendet - rundum ein Erfolg. Als Kampfspiel ist es spannend, schnell, beinahe hektisch und gleichzeitig spektakulär und das ohne die nötige Tiefe missen zu lassen. Obwohl es nur wenige Charaktere zur Auswahl gibt, sind die immerhin grundverschieden und fordern uns immer wieder neu heraus. Doch auch als Spiel der Persona-Reihe kann es Dank seiner großartigen Kombination aus Persona 3 und Persona 4 mit einer langen und tiefgründigen Geschichte voller Überraschungen und unterschiedlichen Enden für die Charaktere überzeugen. An dieser Stelle sei aber auch noch einmal darauf hingewiesen, dass man die Geschichte in ihrer Gänze erst genießen kann, wenn man die beiden vorherigen Teile gespielt hat. Das macht sogar so viel aus, dass auf die Wertung noch ein ganzer Punkt draufgeschlagen werden kann, falls beide Titel bekannt sind.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
tolle Kombination aus Persona 3 und Persona 4, greift wunderbar Themen des bekannten Soundtracks auf, einfaches Kampfsystem mit Tiefe, lange Spielzeit
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nur wenige Charaktere und um es richtig zu genießen, sollte man Persona 3 und Persona 4 vorher gespielt haben, andernfalls ist die Geschichte nur schwer zu verstehen
BETA +