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Kritik

Duke Nukem Forever

Schweine können fliegen, die Hölle ist zugefroren, Elvis lebt und, ja, Duke Nukem Forever ist fertig. Offenbar gibt es sie manchmal doch noch, die kleinen Wunder. Im Fall von Duke Nukem ist es aber leider wirklich nur ein kleines Wunder.

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Nein, es lässt sich einfach nicht leugnen - Duke Nukem Forever hat einfach mal 14 Jahre Produktionszeit hinter sich. Eigentlich sollte es mal irgendwann 1998 erscheinen und plötzlich war es das am häufigsten verschobene Spiel aller Zeiten. Besonders grotesk ist das Ganze im Zusammenhang mit dem Titel des Spiels. Und irgendwann hat auch niemand mehr auf den Duke gewartet, sondern selbst der größte Fan hat sich seinem Schicksal ergeben und das Lächerliche aktzeptiert. Das Duke Nukem Forever jetzt tatsächlich da ist, es scheint immer noch unwirklich.

Und natürlich, ganz unabhängig davon, was 3D Realms, Triptych Games und Gearbox da für Wunder vollbracht haben mögen, kann das Ergebnis gar nicht in Relation zum fertigen Produkt stehen. Daher versuchen wir, die Tatsache so weit wie möglich außer Acht zu lassen, dass so viele Jahre ins Land gezogen sind. Stattdessen haben wir das Spiel als das genommen, was es ist: Ein Egoshooter der alten Schule, der sich nicht allzu ernst nimmt, aber trotzdem einige große Probleme aufweist.

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Doch das Gute zuerst. Gerade das Shooter-Genre wirkt oft dröge und einfallslos, da es oft nur noch um globale, geopolitische Konflikte geht. Alle versuchen, das Thema noch authentischer und realer herüberzubringen, während der Duke gänzlich frei von all dem Pathos und der Melodramatik ist. Es gibt keine persönlichen Tragödien oder kalt berechnete Cliffhanger. Stattdessen geht es darum, hässliche Aliens in ihre Einzelteile zu zerlegen, irgendwas in die Luft zu jagen, Brüste anzustarren und dabei saucoole Sprüche zu reißen. Duke Nukem Forever ist dumm, kitschig und oft sexistisch, aber genau deswegen lustig und erfrischend.

Duke Nukem Forever
Das Tempo des Spiels ist ziemlich hoch und dabei versucht es, möglichst abwechslungsreich zu sein.

Das Tempo des Spiels ist ziemlich hoch und dabei versucht es, möglichst abwechslungsreich zu sein. Das Spiel zieht mit kleinen, witzigen Ideen alle Register und treibt uns dabei vom Casino in Las Vegas raus auf die Straßen, hinein in faulige, schleimige Alienhöhlen und weiter in die Wildnis. Währenddessen finden wir uns in diversen Geschützen wieder, steuern Monstertrucks und werden gleich an mehreren Stellen geschrumpft, um die Welt aus einer Perspektive zu erleben in der selbst eine Getränkedose mächtig erscheint.

Schon das alte Duke Nukem 3D bot seinerzeit ein erstaunliches Spektrum an möglichen Interaktionen mit der Umgebung und schuf damit wahrhaft magische Momente, an die wir uns heute noch so gern erinnern. Genau das greift Duke Nukem Forever auf. Nur wenige Spiele können an dieser Stelle mithalten, wenn wir Pool, Pinball oder andere Minispiele so beiläufig mitnehmen. Es sind die kleinen Dinge wie das Zeichnen, Gewichte heben oder eben das Schauen von Sexfilmchen am Computer, die uns immer wieder aus dem Trott des eigentlichen Spiels herausholen. Manche davon sind subtiler, aber die besten von ihnen sind wirklich spaßig.

Wie es sich für den Duke gehört, hat er Zugriff auf ein riesiges Waffenarsenal und an viele davon werden sich Freunde des Vorgängers erinnern. Ein paar der Waffen wurde auch ein Update verpasst, so ist die Maschinenpistole nicht mehr so leise und mit dem Raketenwerfer können wir Ziele anvisieren. Die meisten der Wummen fühlen sich gut an und haben tatsächlich einen wunderbaren und sehr befriedigenden Sound beim Abfeuern. Besonders gut gefallen die bekannten Rohrbomben - ein echtes Vergnügen die Teile. Nur wenige Spiele haben bessere Granaten.

Aus unerfindlichen Gründen hat aber einer der Entwickler beschlossen, dass der Duke nur zwei Waffen zur gleichen Zeit mit sich führen kann - von den Granaten einmal abgesehen. Das ist wirklich schade. Weniger, weil wir uns für bestimmte Abschnitte schlecht ausgerüstet fühlen. Nein, es gibt eigentlich immer eine passable Auswahl von Waffen und Munition in der Umgebung. Es ist nur so, dass die ungewöhnlicheren Waffen wie die zum Schrumpfen oder zum Einfrosten auf diese Weise viel seltener zum Einsatz kommen. Die Entscheidung scheint eher willkürlich, zumal keine Waffe der anderen wirklich überlegen ist. Wir können damit leben, aber lustiger wäre es definitiv, das komplette Arsenal auf dem Rücken geschnallt zu wissen.

Duke Nukem Forever
Die Technik wirkt schlicht und einfach altbacken - und die Ladezeiten sind erschreckend lang, aber...

Kommen wir nun zum unerfreulichem Teil des Spiels. Es gibt viele Stellen in Duke Nukem Forever, an denen überdeutlich wird, dass es spätestens eigentlich vor vier Jahren hätte veröffentlicht werden müssen. Die Technik wirkt schlicht und einfach altbacken. Die Ladezeiten sind erschreckend lang und machen sogar Gran Turismo 5 Konkurrenz. Vergleichen wir das mit der Konkurrenz von beispielsweise Bulletstorm oder einem Gears of War, die auch mal ganz ohne Ladezeiten auskommen, wird es für den Duke noch peinlicher.

Der Ladebildschirm unterbricht viel zu oft den Spielfluss und das, obwohl die unterschiedlichen Abschnitte offensichtlich alle direkt miteinander verbunden sind. Womöglich hängt es auch damit zusammen, dass Duke Nukem Forever eigentlich ein großer Flickenteppich ist. Wer weiß schon, über welchen Zeitraum das alles entstanden ist und ob die jetzt genutzte Lösung der Weg des geringsten Widerstands war, um eben nicht noch mehr Zeit verstreichen zu lassen.

Das Alter merken wir auch der Umgebung an. Die Texturen haben keine besonders hohe Auflösung, was insbesondere beim genaueren Hinschauen auffällt. Zwar versucht der Shooter, das an den meisten Stellen zu kaschieren, aber verstecken kann er es nicht. Dazu gesellen sich manchmal seltsame Fehler bei den Animationen, die Charaktere mit ihrem Plastik-Look bewegen sich eher eigenartig und schauen uns im Grunde nie an, wenn wir mit ihnen sprechen. Und wer, von den letzten drei Leveln einmal abgesehen, den Schattenwurf vom Duke genauer betrachtet, der spürt den Hauch von Nostalgie stärker als ihm lieb ist. Vielleicht sehen einige darin eine Huldigung an den Still des Originals, aber für die meisten dürfte das lediglich hoffnungslos veraltet rüberkommen.

Duke Nukem Forever
... das Game ist weit von der Katastrophe entfernt, die man hätte befürchten können.

Aber Duke Nukem Forever hat seine Momente - und an den besten Stellen ist es wirklich gut. Aber das Leveldesign ist nicht immer makellos. Manchmal fehlt einfach der Platz zum Kämpfen gegen bestimmte Gegner. An anderen Stellen ist man tot, bevor man überhaupt irgendeine Idee hat, warum und wieso und was überhaupt hier gerade geschieht. Etwa dann, wenn der Gegner hinter uns aus dem Nichts auftaucht und wir gerade mit einem Rätsel beschäftigt sind. Zusammen mit den Ladezeiten ist das ziemlich frustrierend.

Es gibt bei den Bosskämpfen ein paar die gehörig nerven, aber umgekehrt auch ein paar, die ziemlich rocken. Besonders der letzte war pure Freude. Und auch die Spielzeit geht mit ungefähr zwölf Stunden schwer in Ordnung - inklusive der Zeit, die beim Flippern und Billardspielen verschwendet wird.

So ist Duke Nukem Forever weit von der Katastrophe entfernt, die man hätte befürchten können. Es ist nur oft einfach veraltet und wirkt in den schlimmsten Momenten wie eine ganz schreckliche Parodie des wahrscheinlich am meisten glorifizierten Action-Heldens der jüngeren Videospielgeschichte. Aber es erinnert trotzdem durchweg an bessere Zeiten, als Egoshooter nicht alle so verdammt ernst waren. Duke Nukem Forever ist eine Karikatur der der durch Testosteron gestählte Stars der Achtziger und Neunziger. Und wer ihn nicht für saucool hält - ob nun tatsächlich oder zumindest aus einer ironischen Perspektive - der sollte besser die Finger von dem Spiel lassen. Das hier ist was für Männer und nicht für Milchbubis.

Ich für meinen Teil, und das gebe ich ganz freimütig zu, hatte meinen Spaß mit dem Duke und bin froh, dass er es nach so langer Zeit endlich in mein Laufwerk geschafft hat. Denn obwohl Duke Nukem Forever seine Macken hat und ehrlicherweise tatsächlich meilenweit davon entfernt ist, perfekt zu sein, war es unterhaltsam. Und wem Shooter aus der Call of Duty-Reihe wegen ihrer allzu glatten Art schon lange nicht mehr zusagen, der sollte dem guten, alten Duke die Ehre erweisen.

Duke Nukem Forever
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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
tolle Waffen, viel Abwechslung, guter Umfang, den typischen Humor großartig eingefangen
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Technische Probleme an allen Ecken und Enden, Level-Design teilweise schwach, lange Ladezeiten
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