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Kritik

Dungeon Siege III

Obsidian Entertainment hatte für Dungeon Siege III offenbar große Ambitionen. Sie verpassten dem Spiel eine vielschichtige Geschichte, die sich aus diversen Perspektiven erleben lässt. So viel wollten sie erreichen - und am Ende fehlte dann offenbar die Zeit.

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Die 10. Legion war der Stolz des Königreichs Ehb, aber nach dem Tod des Königs änderte sich das schlagartig. Gerüchte machten die Runde, dass die Legion ihn umgebracht hätte und sie wurde geächtet und massiv verfolgt. Heute, fast dreißig Jahre später, ist fast nichts mehr übrig vom einstigen Glanz. Allerdings gibt es Bestrebungen, die 10. Legion wieder zu alter Stärke zurückzuführen. Ein Unterfangen, das nicht ganz einfach ist, denn nicht alle sind erfreut über diese Entwicklung. Aus einer von vier Perspektiven können wir diese Geschichte selbst erleben. Alle vier Helden sind der Legion verbunden und haben individuelle Fähigkeiten, Talente und Spielweisen.

Da ist Lucas Montbaron, Sohn des einstigen Großmeisters der Legion. Er ist geübt mit Schwert und Schild, ein echter Nahkämpfer und teilt ordentlich aus. Anjali gehört zu mysteriösen Art der Archon, die einst den Göttern dienten. Sie beherrscht mächtige Feuermagie oder hält Gegner mit Lanzenwaffen fern. Reinhart Manx ist ein waschechter Legionszauberer. Er beherrscht mächtige Flächenzauber und kann sich sogar verdoppeln. Aber er sollte der direkten Konfrontation auch lieber aus dem Weg gehen. Ganz ähnlich verhält es sich mit Katarina. Die nutzt Flinten und andere Schusswaffen, um Feinde auszuschalten. Im Nahkampf hilft ihr nur der eine oder andere Zauber.

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Verbessert werden die Helden mit passiv wirkenden Talenten. Hiervon stehen jeweils zehn zur Verfügung. Dazu gibt es neben dem Standardangriff drei Arten von Fähigkeiten. Zwei Angriffsarten, die jeweils Magiepunkte verbrauchen und eine für die Verteidigung, die spezielle Aktionspunkte nutzt. Drei mal drei Möglichkeiten also, die wunderbar auf den Aktionstasten abgelegt werden dürfen. Für den PC wiederum wurde die Steuerung nicht optimiert und kann auch nicht angepasst werden. Aber das ist ein grundsätzliches Problem, wer das Spiel auf dem PC spielt, sollte einen Controller parat haben.

Dungeon Siege III
Der Koop-Modus ist die größte Schwäche des Spiels, was bei dem Genre etwas verwunderlich ist.

Der große Kniff, der Obsidian bei Dungeon Siege III gelungen ist, zeigt sich in der Geschichte selbst. Egal, welchen Charakter wir zu Beginn auswählen und egal, wie wir uns bei Entscheidungsfragen verhalten, wir werden immer die gleichen Schauplätze besuchen. Was sich jedoch ändert, sind die Hintergrundinformationen, die wir bekommen und wie sich das Ende entwickelt. An manchen Stellen sorgt unser Handeln auch dafür, dass Passagen des Spiels leichter oder schwerer werden. Alles Elemente, die für ein individuelleres Spielerlebnis sorgen sollen, aber den Wiederspielwert nicht zwingend erhöhen.

Immerhin berührt die Flexibilität der Handlung kaum ihre Qualität. Die fällt lediglich zum Ende etwas ab, was wohl an der fehlenden Entwicklungszeit liegt. Es scheint, als musste man zum Abschluss kommen, hätte aber so gern mehr erzählt. Das große Finale biegt nämlich überraschend schnell um die Ecke und wird dem gut aufgebauten Spannungsbogen nicht gerecht. Der Spielzeit wiederum merken wir das nicht unbedingt an. Wer sich den optionalen Nebenaufgaben widmet kann ganz gut fünfzehn Stunden mit dem Spiel verbringen, was für heutige Verhältnisse nicht völlig neben der Spur ist.

Technisch ist Dungeon Siege III gehobene Mittelklasse. Die Schauplätze wirken stimmig und hier und da gibt es hübsche Lichteffekte. Die großen Höhepunkte aber bleiben allein schon wegen der distanzierten Kameraperspektive aus. Stattdessen beschleicht einen beim Durchstreifen so mancher Abschnitte das Gefühl, dass mit dem Baukasten gearbeitet wurde. Die Charaktere in Dialogsequenzen wiederum sind gelungen, obwohl ihnen gerade bei den Gesichtsanimationen die Mimik fehlt. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die zum Teil holperige Synchronisation, die stellenweise erschreckend emotionslos vorgetragen wird. Die englische Sprachausgabe kommt insgesamt besser weg, aber auch hier gibt es Schwächen.

Dungeon Siege III
Es gibt viele Momente, in denen nach unserer Meinung gefragt wird - die ist aber am Ende nicht wirklich relevant.

Das größte Problem von Dungeon Siege III ist, dass man sich offenbar nicht so recht entscheiden wollte, ob sich das Spiel mehr als Hack'n'Slay versteht oder in Richtung Rollenspiel tendiert. Und beide Lager werden enttäuscht. Für Action-Freunde bietet das Spiel vor allem gegen Ende wenig Abwechslung. Das eine oder andere Rätsel hätte dem Spiel sich mit Sicherheit auch gut zu Gesicht gestanden. Das größte Manko aber ist der Koop-Modus. Zwar gibt es an der Künstlichen Intelligenz unseres Partners nichts auszusetzen, doch eigentlich ist genau diese Variante, gespielt mit einem Freund, das Herzstück des Genres. Bei diesem Modus wird allerdings der Fortschritt für Handlung und Charakter jedoch nur für einen Spieler gespeichert, was die Lust an Online-Partien fast gänzlich eindampft.

Rollenspieler wiederum werden sich an der Geradlinigkeit stören. Alle Versuche, diese aufzubrechen, sind eher kosmetischer Natur. Bestes Beispiel dafür sind die optionalen Antwortmöglichkeiten. Auswirkung haben diese in erster Linie auf die Endsequenz des Spiels, in welchem der Sprecher uns die Ereignisse nach der letzten Schlacht erläutert und das ist unbefriedigend. Zudem ist das Angebot von Fertigkeiten und Talenten eher beschränkt. Dungeon Siege III hat sich eben an etwas Großem versucht, verzichtet aber in letzter Konsequenz leider auf den Tiefgang. Mit Euphorie ziehen wir los in die Welt und schließen mit dem ernüchternden Gefühl, dass viel Potenzial verschenkt wurde.

Dungeon Siege III
Dungeon Siege III
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Dungeon Siege III
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Ausgeklügelte Handlung, guter Umfang, stimmige Präsentation
-
verkorkster Koop-Modus, Entscheidungsmöglichkeiten ohne echten Einfluss, enttäuschendes Ende, miese PC-Version
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