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Kritik

Grand Theft Auto IV: The Ballad of Gay Tony

Die Ballade vom schwulen Tony ist die zweite Episode in Liberty City. Sex, Drogen und Gewalt gibt es im Sekundentakt - eingepackt in eine wie immer fantastische Rockstar-Geschichte.

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Schon der Einstieg ist ein absoluter Rockstar-Klassiker. Wegen solcher Nummern ist dieses verdammte Game so unfassbar gut. Nach dem kurzen Introfilm, der den Einstieg in einen Scheißtag des dominikanischen Gangsters Luis Lopez zeigt, muss der seinen Boss Anthony "Gay Tony" Prince in dessen Clubs fahren. Das Hercules ist ein Highend-Schwulenladen und das Maisonette 9 das Hetero-Pendant. Im Maisonette bleibt Luis hängen - und wir dürfen in seine Rolle schlüpfen. Ein kurzer Schwenk zeigt: Es gibt Drinks aufs Haus an der Bar, ein Trinkspiel im VIP-Bereich und die Möglichkeit, auf der Tanzfläche zu rocken.

Gut, also schnell zwei Shots in den Hals und dann dancen. Doch die Drinks knallen heftig rein. Der schwarze Hüne torkelt kaum steuerbar zur Tanzfläche und klatscht genau in der Mitte lang hin. Mit dem Gesicht voraus. Luis bleibt kurz regungslos liegen, rappelt sich wieder auf und fängt besoffen an zu tanzen. Schnell nähert sich ein leicht bekleidetes Mädchen und will tanzen. Kein Problem. Im Tanzmodus müssen die beiden Analogsticks passend zum Beat bewegt werden, zwischendurch dazu die Trigger rhythmisch gedrückt werden. Nach dem Ende des Songs ist die Kleine so heiß, dass sie mit aufs Klo kommt, um genau DAS zu tun. Zu sehen gibt es zwar nichts, aber zu hören.

Gerade mal fünf Minuten Grand Theft Auto IV: The Ballad of Gay Tony gespielt, und schon vollständig besoffen eine willige Discomieze flachgelegt. Und es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich Luis sexuellen Aktivitäten widmet. Später gibt es eine explizite Szene, die ohne die Präsentation von nackten Tatsachen so direkt ist, das dem Durchschnittsamerikaner der dünne Kaffee im Becher schockgefrieren müsste. In Anbetracht der Hot Coffee-Vorgeschichte von Rockstar und der generellen US-amerikanischer Prüderie kriegen die Houser-Brüder, denen Rockstar gehört, für so viel Leckt-uns-Attitüde einen Ehrenpreis für guten Humor.

Nach dem Abend im Club geht es gleich voll rein ins GTA-Universum. Tony hat die ersten Missionen am Start. Zuerst fällt auf, dass am Ende jeder Mission ein Highscore-Counter vergeben wird. Dort werden diverse, von der Mission abhängige Faktoren wie Schaden am Fahrzeug, Zeit oder Waffenpräzision bewertet. Am Ende gibt's einen prozentualen Score errechnet, der auch in Online-Leaderboards verfügbar ist. Klappt die Mission nicht im ersten Anlauf, wird der Score allerdings nicht hochgeladen, was vor allem mit der neuen Struktur der Checkpoints zusammenhängt, die bereits in Grand Theft Auto IV: The Lost and Damned eingeführt wurde.

Gescheiterte Missionen müssen nämlich nicht mehr komplett von Anfang an gespielt werden, sondern es gibt von der Story abhängige Cliffhanger-Checkpoints innerhalb der Missionen. Das sorgt tatsächlich für einen runderen Spielfluss und man fragt sich, warum das nicht schon immer so war. Der Wiedereinstieg in eine gescheiterte Mission läuft immer noch via SMS über das mittlerweile etwas antiquiert wirkende Handy von Luis. Wenn alle Missionen durchgespielt sind, sind sie danach einzeln im Telefon anwählbar und Highscore-Junkies dürfen sich endlich austoben.

Optisch wirkt Liberty City auf den ersten Blick unverändert. Im Detail sind vor allem neue Automodelle und Helikopter wie der Buzzard hinzugekommen, die zudem immer näher an realen Vorbildern orientiert sind. Einschüsse in Fahrzeugen werden plastischer dargestellt. Das Autoradion bietet zwälf neu bespielte Sender, teils bekannt, teils neu. Für alle Käufer der Box-Version Grand Theft Auto IV: Episodes from Liberty City, die beide Download-Episoden vereint, gibt es einen exklusiven 80er-Jahre-Radiosender als Bonus. Auf den Fahrten zu den zahlreichen Nebenmissionen kommt also garantiert keine akustische Langeweile auf.

Neben der Hauptgeschichte können wir uns zum Beispiel bei den L.C. Cage Fighters an die Spitze der Meisterschaftstabelle kloppen, in einem Fast-Endlos-Prügelmodus im Käfig. Das ist aber schwierig und nur für Meister des GTA-Faustkampfes empfehlenswert. Auch sehr lustig ist Golf auf der Driving-Range in einer sehr reduzierten Form. Zielen, Schwung holen, einlochen - netter Kurzweil, besonders als es vorgestellt wird. Club-Manager dürfen wir ebenso sein wie Türsteher, um ungebetene Gäste aus dem Laden zu werfen. Trinkspiele, Dating, Tauben abschießen, lauter Kleinkram zur Ablenkung wartet an jeder Ecke.

Interessanter ist es da schon, nebenbei den Jugendfreunden Armando und Henrique beim Aufbau eines eigenen Drogenimperiums helfen. Dazu müssen 25 Drogenkriege an verschiedenen Plätzen in Liberty City angezettelt werden. Die Aufgaben werden immer komplizierter und schalten nach und nach Waffen frei, die dann im Versteck anwählbar sind. Armando verkauft uns das Zeug auch aus dem Kofferraum seines SUV heraus, ein Anruf genügt.

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Die neuen Waffen sind übrigens toll, heraus sticht vor allem die Power-Shotgun, für die es sogar explosive Munition gibt. Heißer Scheiß, der in einer Mission, wo wir einen fragwürdigen Geschäftspartner einen Wolkenkratzer hoch hinterherjagen, seine Sternstunde erlebt. Immer im Wechsel gut gesicherte Cops und dann ihre Helikopter abballern ist der Wahnsinn. Fünf Treffer, und der Heli fliegt ab. Wird mit der Shotgun auf Autos gefeurt, fehlt danach der halbe Kofferraum.

Big und bold, fett und selbstbewusst, das sind ohnehin die beiden wesentlichen Merkmale der zweiten GTA-Episode. Bestes Beispiel: In einer Mission bittet uns der vollkommen durchgedrehte Araber Yusuf Amir, der unbedingt die Clubs von Tony als Franchising vermarkten will, einen Militärhelikopter vom Heckdeck einer fetten Luxusyacht zu klauen. Das Teil einkassieren ist kein Problem, aber dann will das Milliardärssöhnchen, dass wir die Yacht sprengen. Mit dem Heli zum Glück kein Problem: Ein paar Raketentreffer später qualmt der Luxusliner und versinkt effektvoll im Meer. Hier kommen die unglaublichen schönen Rauch- und Explosionseffekte prima zur Geltung - grafisch mit Abstand das Beste in GTA IV.

Die Optik von GTA IV ist zwar konsistent und cool, wirkt aber an manchen Stellen mittlerweile ein bisschen alt. Dazu gesellen sich immer wieder schlimme Patzer: Die Grafik poppt bei hohen Geschwindigkeiten im Auto oder im Helikopter manchmal mit allen Details erst Millisekunden vorm Erreichen dieser Stellen endgültig ins Sichtfeld. Das war zwar schon immer ein "Problem" von GTA, aber im mittlerweile erreichten Produktstadium sollte das eigentlich nicht mehr passieren. Außerdem sorgt es für reale Probleme, wenn etwa bei den coolen und langen Triathlon-Rennen mit Mori und Bruce Kibbutz nach Fallschirmsprung und Bootsrennen der Sieg draufgeht, weil man im Nitro-Rennwagen an einem viel zu spät sichtbaren Brückenpfeilervorsprung hängenbleibt.

Der Fallschirm dient übrigens in mehrfacher Hinsicht der Unterhaltung. Zum einem sind in der Stadt Base-Jump-Hotspots verteilt, als Nebenmission. Der Fallschirm hilft aber auch bei der überzeugenden Abrechnung von Tony und Luis mit einem renitenten Blogger. Der Celebinator (Perez Hilton lässt grüßen) wird bei einem exklusiven Helikopterrundflug hoch über der Freiheitsstatue von seinen mangelnden journalistischen Fähigkeiten überzeugt. Nachdem wir ihn aus dem Heli geworfen haben, müssen wir ihn im Stil einer russischen Speznat-Spezialeinheit im freien Fall wieder einzusammeln. Nach der sicheren Landung kriegt der Begriff des Sich-in-die-Hose-machens eine neue visuelle Definition verpasst. Öffentlichkeitsarbeit mal andersrum.

GTA IV lebt von solchen popkulturellen Referenzen wie dieser wie kein zweites Videospiel. In jeder der über 40 Mission finden sich Anleihen an reale Vorbilder, mal offensichtlicher, mal als Insider versteckt, jedoch immer stark überzeichnet. Tonys idiotischer Koksfreund versaut einen Diamantendeal und geht drauf. Gut, dass er über seinen Tod noch schnell getwittert hat, auch wenn das natürlich nicht so heißt in GTA. Der Diamantendeal, auch bekannt aus Lost and Damned, hält auch die Geschichte vom schwulen Tony zusammen.

Nach den ersten Missionen für den unsympathischen Russen Bulgarin wird klar, dass Luis immer stärker zwischen die Fronten gerät. Bulgarin offeriert ihm den Einstieg als richtiger Hotshot, der endlich sein Dasein als leibeigener Sicherheitstyp bei Gay Tony hinschmeißen soll. Entscheidungen, Entscheidungen... Marki Ashvilli killen oder nicht? Dann sind da ja auch noch die Ancelottis, die Tony vor die Wahl stellen, dass er entweder Tony killt oder eben beide sterben, weil der Russe Bulgarin das wegen dem Diamantendeal so will, wo seine Steine verschwunden sind im Tausch gegen Ancelottis koksende Tochter Gracie. Im Maisonette 9 kommt es zum heftigen Showdown, die Party ist vorbei.

Die Geschichte funktioniert vermutlich auch einfach als Geschichte, als kleines Drama eines schwulen Clubbesitzers. Aber ihre wahre Schönheit entfaltet sie für alle jene, die sowohl GTA IV als auch die erste Episode Lost and Damned gespielt haben. Die Geschichten sind wunderbar ineinander verwoben, die Cutscenes zeigen an vielen Stellen bekannte Ereignisse aus einer anderen Perspektive. Das ist wirklich toll. Die Hauptgeschichte bietet locker ein, zwei Tage Spielspaß, wenn man mehrere Versuche für die ein oder andere Mission einkalkuliert.

Vermutlich wird das Kapitel Liberty City mit dem Ende der Ballade vom schwulen Tony geschlossen. Zwar gibt es noch zahlreiche Charaktere, deren Geschichte zu erzählen es sich lohnen würde, aber Liberty City ist dafür nach dieser Episode einfach nicht mehr der Ort. Sicherlich wird Rockstar aber das Flugzeug aus der Endsequenz in eine andere Stadt fliegen lassen, vielleicht sogar schon im kommenden März mit einer neuen Episode.

Grand Theft Auto IV: The Ballad of Gay Tony
Grand Theft Auto IV: The Ballad of Gay Tony
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Großartig erzählte, intensive Geschichte, perfekter Style, wunderbarer Soundtrack
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Grafikprobleme im Detail
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