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Kritik

Crysis 3

Crytek kombiniert in seinem dritten Crysis-Spiel das Beste aus den Vorgängern - und das Ergebnis ist richtig gut!

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Es könnte Nacht sein und der Regen direkt in meine Augen prasseln, ich bräuchte nur den Bruchteil einer Sekunde, um zu erkennen, dass Crysis 3 das hübscheste Spiel aller Zeiten ist. Wie es aussieht, scheint es da auch sobald keine Konkurrenz zu geben. Trotzdem ist irgendetwas anders. Prophet scheint nicht mehr er selbst zu sein. Hat die Maschine am Ende gewonnen? Ist er mehr Ceph als Mensch? Und wie viel Alcatraz steckt noch in ihm?

Um diese Fragen zu beantworten, werden wir erneut in den Krieg zwischen Cell und Ceph geworfen. An unserer Seite findet sich dabei unser alter Freund Psycho, der mehr denn je seinem Namen gerecht wird. Noch dazu einen gigantischen Nano-Anzug in der Hinterhand zu haben, kann nicht schlecht sein, ganz egal, ob wir damit Holz zerkleinern oder die Welt retten. Schon zu Beginn merken wir, dass Prophet gesprächiger geworden ist. Er reißt einen fiesen Spruch nach dem anderen und wird dabei aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Szene gesetzt. Der anonyme Held ist keiner mehr.

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Häufigstes Gesprächsthema im Vorfeld der Veröffentlichung von Crysis 3 war allerdings ein anderes: das völlig zerstörte New York. Seinen Untergang hat die Großstadt nicht etwa einem Bombenhagel zu verdanken, sondern schlicht den Pflanzen. Die haben die Stadt in ihre Einzelteile zerlegt und mächtige Wolkenkratzer teilweise so überwuchert, dass sie geradezu wie das natürliche Fundament eines Kriegsschauplatzes wirken. Ausgelöst wurde die Veränderung durch einen geschwächten Ceph, der sich in einem riesigen, einer Halle ähnlichen Gebäude eingekapselt hatte und damit den Zerfall der Konstruktionen beschleunigte. Stellt euch I Am Legend mit Will Smith vor. So in etwa ist die Situation - nur hundert Mal schlimmer.

Crysis 3Crysis 3
Stellt euch I Am Legend mit Will Smith vor. So in etwa ist die Situation - nur hundert Mal schlimmer.

Wo früher genüsslich Kung Pao Chicken in Chinatown gegessen wurde, schlängeln sich nun Flüsse entlang. Das National Museum beherbergt heute statt großer Kunst modrige Pflanzen. In dieser Umgebung scheint es fast natürlich, dass wir bereits früh einen Bogen in die Hand gedrückt bekommen und uns damit fast wie Rambo fühlen. Der Bogen ist stets an unserer Seite und wird schnell zu einer unverzichtbaren Waffe, zumindest für alle, die ihre Gegner still und heimlich ausschalten.

Diesen treuen Begleiter legen wir eigentlich nie zugunsten einer anderen Waffe ab. Immerhin gibt es außerdem unterschiedliche Arten von Pfeilen für jede Gelegenheit. Explodierende und elektrifizierende Geschosse zu benutzen, macht das Bogenschießen noch unterhaltsamer. Es gibt wirklich keine Situation, in der es nicht angebracht wäre, ihn zu spannen und zu schießen. Action wirkte nie besser als in jenen Momenten, in denen wir unsichtbar die Kehle eines Feindes durchschneiden und dann wie Robin Hood aus weiter Entfernung mit Pfeilen zielgenau weitere Gegner ausschalten. Wieder sichtbar nehmen wir mit der Typhon, die 1000 Kugeln pro Sekunde abfeuert, dann den Rest der verschreckten Bande im Nahkampf aufs Korn.

Crytek hat für Prophet genau die richtige Richtung eingeschlagen. Er fühlt sich in Crysis 3 deutlich greifbarer und plastischer an als noch in früheren Teilen. Dort stellte er in einer ganzen Reihe von Sequenzen vor allem seine außergewöhnlichen Fähigkeiten in den Vordergrund. Da wäre selbst der Master Chief vor Neid erblasst. Dass Prophet nun einen größeren Sprachanteil hat, könnte allerdings nicht jedem gefallen. Aber nicht jeder Spielcharakter muss ein Gordon Freeman oder Master Chief sein. Vor allem die Dialoge zwischen Psycho und Prophet sind unterhaltsam - und das ist auch zum großen Teil der guten Synchronisation zu verdanken.

Crysis 3
Der Unterschied in der Grafik zwischen den Versionen für Playstation 3 und Xbox 360 sowie PC ist enorm.

Die sagenhaft schönen Umgebungen sind außerdem ein guter Kompromiss zwischen dem vorwiegend offenen Ansatz des ersten Teils und dem eher linearen des Nachfolgers. Crytek selbst hat es als einen Mix aus Crysis und Crysis 2 bezeichnet - das trifft es ganz gut. Natürlich werden wir auch diesmal wieder in Richtung des Ziels gelenkt. Aber auf dem Weg dahin gibt es eine Menge alternativer Routen, viele Nebenmissionen und unterschiedliche Arten, an Probleme heranzugehen.

Toll sind die eher offenen Level, in denen wir uns entweder zu Fuß oder mit einem Fahrzeug den Gegnern nähern. Vor allem grafisch sind diese Bereiche beeindruckend und überzeugen mit großartigen Effekten. Schnell ergattern wir uns eine höher gelegene Position, um das Geschehen besser im Blick zu haben. Als das Gras sich zu wiegen beginnt, wissen wir, dass der Feind nah ist. Er weiß nicht, dass wir ihm hier auflauern - ein tolles Gefühl! Dann spannen wir den Bogen, ziehen einen explosiven Pfeil und nur wenige Sekunden später zerplatzt das Ziel und es regnet kleine Alienbrocken. Cool!

Natürlich gibt es eine Menge über die Grafik im Spiel zu sagen. Immerhin ist es wohl ohne Zweifel die im Moment schönste Grafik überhaupt. Crytek ist überzeugt, dass sich neue Action-Titel auch noch in zwei Jahren mit Crysis 3 werden messen lassen müssen. Obwohl ich vorwiegend die PC-Version gespielt habe, hatte ich auch Gelegenheit, die Playstation 3 und Xbox 360-Varianten auszuchecken. Der Unterschied ist enorm. Vor allem, wenn man beide Bilder nebeneinander stellt, werden die Welten zwischen den Formaten offenkundig.

Trotzdem sehen die Konsolen-Versionen hübsch aus und sollten nur mit anderen Konsolen-Spielen verglichen werden. Wer trotzdem lieber auf dem PC spielt und nicht auf den Controller verzichten will, wird keine Probleme haben. Crytek hat auf eine angenehme Art und Weise zum Beispiel das Doppel-Klicken implementiert und wir profitieren von der ganzen Vielfalt der Features. Klar, die meisten großen PC-Spiele unterstützen heutzutage Controller. Hier habe ich aber auch nicht das Gefühl, etwas im Vergleich zur Maus-Tastatur-Kombination zu verpassen. Vor allem Konsolen-Spieler werden das zu schätzen wissen.

Crysis 3
Die sagenhaft schönen Umgebungen sind außerdem ein guter Kompromiss zwischen dem vorwiegend offenen Ansatz des ersten Teils und dem eher linearen des Nachfolgers.

Noch dazu hat Crytek eine ganze Reihe Lösungen gefunden, die für bessere Spielbarkeit sorgen. Das schließt zum Beispiel ein, dass wir sprinten, ohne dass die Energieanzeige sinkt. Damit hat sich auch das Problem erledigt, in Kämpfen nicht genügend Energie übrig zu haben, um sich unsichtbar zu machen oder Ausrüstungsfähigkeiten einzusetzen. Gerade in Crysis 2 war das ärgerlich und der Nano-Anzug wurde viel seltener benutzt, als er sollte.

Nun geht das Konzept auf. In Crysis 3 setzt man die Fähigkeiten viel häufiger ein. Noch dazu haben wir die Möglichkeit, unsere Ausrüstungen nach eigenen Wünschen anzupassen, um zum Beispiel besser zu schleichen. Schnell geht das vor allem durch das übersichtliche Menü. Das Anlegen unterschiedlicher Versionen ermöglicht es uns dann auch noch, zwischen den Bonus-Sets hin und her zu wechseln. Schöne Optionen sind das.

Am Ende wäre Crysis 3 ein superstylisher Titel vollgepackt mit toller Action, wenn da nicht ein paar unnötige Ärgernisse wären. Dazu gehört die wirklich schlechte Fahrzeugphysik, allen voran die der Autos. Sie sind schwer zu steuern und es macht einfach keinen Spaß, sie zu benutzen. Schade ist es auch, das man deswegen die Level, in denen sie vorrangig zum Einsatz kommen, fast gar nicht spielen will. Noch dazu erwartet uns ein oberlausiger Boss-Kampf, der leider im Spiel eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Seufzer sorgen die vielen neuen Minispiele für das Computerhacken, auf die Crytek so stolz ist und die sich überall im Spiel finden. All das verhindert leider, dass die Kampagne ihr volles Potenzial ausschöpft.

Zum Glück fühlt sich dafür der Mehrspielermodus unerwartet frisch an - das verdankt er der Kombination aus früheren und neuen Elementen. Das Waffenarsenal ist etwas weniger umfangreich, dafür aber abwechslungsreicher und besser durchdacht. Die Karten fühlen sich natürlicher an und bieten viele Verstecke. Meine liebste Karte ist Chinatown, denn hier finden sich reichlich Büsche und Ruinen. Automatisch verlangsamt sich deshalb das Tempo und wild mit der Waffe in der Gegend herumzulaufen, ergibt kaum Sinn. Stattdessen müssen wir es ruhiger angehen lassen.

Crysis 3
Zum Glück fühlt sich der Mehrspielermodus unerwartet frisch an.

Noch dazu gibt es unterhaltsame Modi wie den Hunter-Modus, in dem zwei unsichtbare Hunter mit Pfeil und Bogen auf die Jagd nach zehn Cell-Soldaten gehen. Jeder getötete Soldat wird nach seinem Tod dann selbst zum Hunter, was das Überleben für den Rest der Gruppe immer schwerer macht. Während der Runden, in denen ich als Letzter übrig bleibe, läuft mir echt der Schweiß über die Stirn, während ich den unsichtbaren Feinden in meinem Versteck auflauere. Allerdings sind die eben in der Überzahl und besser ausgestattet, zum Beispiel mit Wärmebildkameras oder Radar.

Es gibt auch viele weitere Modi wie etwa ein klassisches Capture the Flag - und überraschenderweise bringt es wirklich Spaß, sie zu spielen. Zu verdanken ist das Spielen wie Halo, in denen unsere Gegner erst eine ganze Menge Blei schlucken müssen, bevor sie am Ende doch endlich ins Gras beißen. Das macht die Kämpfe anstrengender und spannender, denn es gibt uns die Möglichkeit, mit langen Abschussserien noch mal ein furioses Comeback hinzulegen. Es scheint auch kein Problem mit den Spawnpunkten zu gehen, die ja für gewöhnlich der Spielfreude eher einen Dämpfer versetzen.

Zusammen mit einer Story, die auf gute Art und Weise unsere Fragen beantwortet, gibt es eigentlich keinen Zweifel daran, dass Crysis 3 ein kleines Weihnachtsfest für alle Fans von Action-Spielen wird. Es gibt im Moment einfach kein optisch krasseres Spiel als dieses. Mit diesem Titel hat die nächste Generation dank Crytek offiziell begonnen.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
unfassbar schöne Grafik, packende Action mit coolen Waffen, gute Mischung der Vorgänger, überraschend guter Mehrspielermodus
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Übermäßig viele Minispiele, holprige Fahrphysik und lahmer Bosskampf
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