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Kritik

The Witcher 2: Assassins of Kings

Die polnischen Rollenspiel-Macher von CD Projekt haben ihre Ansprüche für The Witcher 2: Assassins of Kings extrem hoch angelegt - können sie denen überhaupt gerecht werden? Ja. Oh ja, sie können.

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Verdammt, dieser riesige Kayran ist so hässlich. Hoch wie ein vierstöckiges Haus, schwingt er seine massiven Tentakel. Ich bin fasziniert und zur gleichen Zeit angewidert - es ist schon furchtbar hässlich, aber sieht gleichzeitig großartig aus. Das Vieh hat das Dorf Flotsam schon seit Wochen terrorisiert und jetzt muss es wohl sterben. So ist das eben für einen Hexer, ich bin nur Monsterjäger zum Mieten. Und während ich eigentlich lieber wieder zurück in den Wald will, gab es für mich eben diesen Job.

Protagonist Geralt hat es nicht leicht - er muss es nicht nur mit jedem Monster aufnehmen, das sich ihm in den Weg stellt, sondern wird auch noch von einem Haufen Kopfgeldjägern gejagt, seit er für ein schreckliches Verbrechen verantwortlich gemacht wird. Ich will gar nicht zu viele Details über die Geschichte verlieren, da ich natürlich nichts verraten will. Aber zumindest so viel kann ich sagen: Es gibt politisches Drama, Krieg, Thronerben und die Ermordung von Königen. Letzteres ist übersetzt auch Teil des Titels und daher wohl kaum überraschend. Aber die Geschichte hat mich sofort gepackt.

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Die Welt von The Witcher 2: Assassins of Kings ist, wie Freunde des ersten Spiels und der Bücher bereits wissen, nicht die typische Fantasy-Welt. Sicher, es gibt Zwerge und Elfen. Aber sie sind nicht so, wie wir sie kennen - hier werden sie von den Menschen unterdrückt und die meisten von ihnen leben in Ghettos. Es gibt auch deutlich mehr Trinkgelage und eine derbere Sprache als in den meisten anderen märchenhaften Welten. Das ist wirklich erfrischend und alles zusammen genommen macht die Welt viel spannender und interessanter.

The Witcher 2: Assassins of Kings
Das Spiel lebt noch immer von seiner packenden und vor allem vielschichtigen Geschichte.

Oft werden wir mit Entscheidungen konfrontiert und müssen entscheiden, wie wir ein bestimmtes Problem lösen, wie wir eine Situation meistern oder mit wem wir uns zusammentun wollen und zumeist wissen wir dabei nicht einmal, was uns diese Entscheidungen am Ende bringen. Aber das macht das Spiel wirklich gut. Oft habe ich während des Durchspielens von The Witcher 2: Assassins of Kings richtiggehend nachgedacht, was ich tun sollte. Meist aber waren die Auswirkungen einer Entscheidung erst viel später im Spiel sichtbar.

Das gilt sowohl für kleine als auch große Dinge. Ich hatte, bevor ich mit dem richtigen Spiel angefangen habe, auch eine frühere Vorschau-Version gespielt. Und beim zweiten Durchlauf habe ich komplett andere Entscheidungen getroffen. Einem Soldaten, dem ich beim ersten Mal eigentlich kaum eines Blickes gewürdigt habe, fragte mich nach meinem Rat und er war mir später sehr hilfreich. Eine wichtige Entscheidung über das Schicksal eines anderen Charakter führte in einer späteren Szene zu einem anderen anderen Ende der Szene. Das ist echt beeindruckend.

Wenn man die Geschichte für irgendetwas kritisieren kann, dann lediglich dafür, dass sie mehr oder weniger voraussetzt, dass wir den Vorgänger gespielt haben (und das ist natürlich nur für Neulinge ein Problem). Viele Charaktere werden so in das Spiel eingeführt, als würden wir sie bereits kennen und es gibt eine Menge Referenzen auf das, was in The Witcher passiert ist. Das ist wirklich kein großes Ding und es sollte auch niemanden abschrecken, zumal es immer die Möglichkeit gibt, in Dialogen etwas in die Tiefe zu gehen. Allerdings hätte man das sicher auch eleganter lösen können.

Die Welt von The Witcher 2: Assassins of Kings mag ein unschöner und trügerischer Ort sein, voller Hass, Monstern und Tyrannen. Aber das Spiel selbst ist einfach wunderschön. Oft halte ich irgendwo im Nirgendwo an, nur um die Aussicht zu genießen. Die Lichteffekte sind fantastisch, alles strotzt nur so vor Details und anhand der gesamten Umgebung ist sichtbar, wie viel Liebe die Grafiker in das alles hier gesteckt haben.

The Witcher 2: Assassins of Kings
Die Welt ist schon schön, dass man gern inne hält, um die Landschaft zu genießen.

Daneben gibt es natürlich auch ein paar Fehler. Die treten vor allem dann auf, wenn die Engine des Spiels viele Texturen nachladen muss, weil man zum Beispiel das Dorf betritt. In solchen Momenten sieht vieles verwaschen und flach aus - aber glücklicherweise auch nur kurz, für ein oder zwei Sekunden, so dass wir nicht lange rausgerissen werden.

Die längeren Dialoge - und davon gibt es eine Menge - bieten eine hübsche Form, Animation und Sprachausgabe. Meist sind sie wirklich unterhaltsam und auch wenn es hier und da ein paar merkwürdige Szenen gibt, es ist nichts, was den Gesamteindruck stört. The Witcher 2: Assassins of Kings ist, einfach gesagt, eines der bestaussehendsten Rollenspiele aller Zeiten.

Für einen reibungslosen Ablauf fordert es auch ein ziemlich gute Kiste. Mein Core i5 2500K mit Radeon 6850 kann das Spiel kaum auf den höchsten Einstellungen mit Ultra-Grafik handhaben. Allein die Gesichts-Animationen verzögern so stark, dass sie die Synchronität mit dem Dialog verlieren. Auf "Hoch" dagegen läuft alles perfekt und es schaut noch immer erstaunlich aus.

Wie oben erwähnt, ist die Sprachausgabe auf einem sehr hohen Niveau. Die meisten Charaktere haben in der englischen Fassung einen starken britischen Akzent, der allerdings mehr an das übertriebene Cockney-Englisch erinnert als an das Standard-Programm. Aber genau das passt perfekt zur Welt, besser sogar als die etwas lustlose deutsche Version. Einige Charaktere, wie Geralt und vor allem die Hexe Triss Merigold, sprechen allerdings offensichtlich mit einem amerikanischen Akzent, der nicht wirklich passt. Aber an den gewöhnt man sich schnell, vor allem, weil das Skript sehr fesselnd ist und die Dialoge natürlich in einem Fluss sind. Dazu gibt es nebenher einige Bemerkungen, die mich zum Lächeln und auch zum Lachen brachten. Aber der Humor nimmt nie überhand oder wirkt deplatziert. Die ernst angelegte Atmosphäre ist zu keinem Zeitpunkt bedroht.

Beim Kampfsystem gibt es eine große Änderung vom ersten zum zweiten Spiel. Das alte System wurde komplett ersetzt und wenn es danach geht, ist The Witcher 2: Assassins of Kings im wesentlichen ein Actionspiel. Einige der Schäden fügen wir ganz automatisch zu, aber es geht meist darum, wie wir uns positionieren, es geht darum anzugreifen, wenn der Gegner seine Deckung verlässt und darum, einen Angriff auch mal zu blocken.

The Witcher 2: Assassins of Kings
Die Kämpfe sind actionreicher und erfordern mehr Geschick - wir sollten uns daran gewöhnen, öfter zu sterben.

Dazu gibt es auch eine ganze Reihe von magischen Fähigkeiten, so genannte Zeichen, die uns Feuerbälle werfen lassen, Feinde zu Boden reißen oder uns mit einem magischen Schild schützen. Die Talentbäume sind ziemlich groß, voll mit Fertigkeiten und Fähigkeiten für Kampf, Magie oder Alchemie. Und es gibt keine Chance, alles zu erlernen, was hier freigeschaltet werden kann. Die Kämpfe können sogar schon auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad ziemlich fordernd sein, so dass wir uns daran gewöhnen sollten, öfters mal zu sterben - zumindest so lange, bis wir herausgefunden haben, wie wir uns am besten im Kampf bewegen und dazu vielleicht auch die eine oder andere Aufwertung für unsere Bekleidung erhalten haben - und alles wird direkt am Charakter sichtbar, was Sammler noch glücklicher machen sollte.

Die actionreichen Kämpfe bedeuten aber nicht, dass The Witcher 2: Assassins of Kings ein ausgewiesenes Action-Rollenspiel ist. Wir Verbringen mit Gesprächen, Erkundungen und dem Lösen von Quests ähnlich viel Zeit wie mit dem Abschlagen von Körperteilen der Banditen oder dem Abschlachten von Monstern. Das Tempo ist in der Regel passend und über das Spiel hinweg abwechslungsreich.

Es gibt fast keinen Aspekt am Spiel, der nicht ohne kleine Fehler auskommt, aber damit müssen wir bei einem Spiel dieser Größenordnung fast rechnen. Die Spielzeit liegt im Durchschnitt wohl bei 30 bis 40 Stunden - und wer sich mit den vielen Nebenquests beschäftigt, sollte sogar noch mehr rausholen können. Und die kleineren Mängel sind genau das - klein. Insgesamt nämlich ist The Witcher 2: Assassins of Kings ein unglaublich beeindruckendes Werk.

Es sieht großartig aus, es klingt großartig und die Geschichte sowie das ganze Witcher-Universum überhaupt sind beide gut angelegt. Es sollte für alle Fans von Rollenspielen ansprechend sein und es ist ein Spiel mit großen großen Ambitionen, bei denen es CD Projekt gelungen ist, allen gerecht zu werden. The Witcher 2: Assassins of Kings zeigt Rollenspiele von ihrer besten Seite.

The Witcher 2: Assassins of Kings
The Witcher 2: Assassins of Kings
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The Witcher 2: Assassins of Kings
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
fantastische Grafik, packende Geschichte, großartiger Sound, detaillierte Welt, eine Menge Inhalt
-
einige Grafikfehler und kleinere Mängel hier und da
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