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Kritik

Nintendogs + Cats

Als viele noch am Erfolg des Nintendo DS zweifelten, da brachte Nintendo ein Spiel heraus, das den Siegeszug erst richtig befeuerte. Noch vor Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging und New Super Mario Bros. beflügelte nämlich Nintendogs die Abverkäufe und das vor allem in Europa. Nintendogs passte perfekt zum Handheld und befriedigte den Wunsch vieler Kinder nach einem Haustier - nach einem kleinen süßen, niemals alternden Hündchen.

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Ich war schon in Tierheimen und ich weiß, dass das dort meist kein schöner Anblick ist. Auch die Auslauffläche wirkt meist etwas bedrückend, so dass selbst Menschen, die nur mal gucken wollten, den Drang danach verspüren so viele Tiere wie möglich mit nach Hause zu nehmen und zu retten. Dieses Elend erspart mir Nintendo glücklicherweise. Das hier ist eher die Variante Tierpension. Draußen auf einer gepflegten Wiese befinden sich immer genau drei Tiere der gewünschten Rasse, die ich haben will und mir auch leisten kann. Ich bin erleichtert und blättere ein wenig durch das Angebot. Neun verschiedene Hunde gibt es pro Edition und dazu später noch drei Katzenrassen, die wiederum immer gleich sind: Orientalische, Kurzhaar- und Langhaar-Katze.

Damit niemand behaupten kann, er wüsste nicht worauf er sich einlässt, einfach jetzt kurz einatmen und dann ganz schnell hintereinander alle Rassen laut mitlesen: Zwergpudel, Welsh Corgi Pembroke, Zwergschnauzer, Deutscher Boxer, Bullterrier, Labrador Retriever, Shih Tzu, Jack Russel Terrier, Zwergspitz, Französische Bulldogge, Shettland Sheepdog, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Dalmatiner, Yorkshire Terrier, Deutscher Schäferhund, Siberian Husky, Basset, Shiba, Golden Retriever, Beagle, Zwerpinscher, Zwergdackel, Malteser, Deutsche Dogge, Mops, Cockerspaniel.

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Da ich Besitzer der Golden Retriever & neue Freunde-Edition bin, entschied ich mich für das einzig vernünftige Tier, den Mops. Denn wie wir dank Loriot ja alle wissen, ist ein Leben ohne Mops möglich, aber sinnlos. Den kleinen, süßen Fratz habe ich dann liebevoll Woof getauft und ihm so gleich seinen Namen beigebracht. Die Stimmerkennung funktioniert einigermaßen und wird zur Kontrolle dreimal abgefragt und zuvor immer noch einmal wiederholt. Und obwohl das mit dem Rufen natürlich ganz witzig ist, bin ich froh, dass es noch immer diesen Knopf in der Mitte des Bildschirms gibt, mit dem ich das Tier zu mir beordern darf, ohne irgendetwas zu rufen. Denn was mir im stillen Kämmerchen vielleicht egal ist, finde ich in der Öffentlichkeit vielleicht gar nicht mehr so lustig.

Nintendogs + Cats
Er ist unglaublich niedlich: Kulleraugen, sanftes Fell und in 3D eine Wucht - außer er sabbert auf den Bildschirm.

Nun überlege ich, was ich mit so einem Tier anstellen könnte. "Woof!", rufe ich und tatsächlich kommt er angehoppelt. Schon putzig, der kleine Mops. Aber sofort macht er sich unbeliebt, indem er an den Bildschirm springt und in wunderbarem 3D seine feuchte Zunge rausholt und alles vollsabbert. "Igitt!", denke ich und will ihn irgendwie wegbekommen. Gerät schütteln hilft nicht. Als ich auf dem unterem Touchscreen rumreibe, taucht oben eine Hand auf und er wird handzahm. Entspannung stellt sich ein, das Viech gibt Ruhe und lässt sich streicheln. Nachdem sich Woof ein bisschen am Boden rumgerollt und meine erstklassigen Massageeinheiten genossen hat, will er etwas essen. Wasser und Trockenfutter befinden sich in den Utensilien und befriedigen seine Bedürfnisse.

Jetzt kann er aber auch ruhig mal etwas für mich tun und ich versuche, ihm ein paar der Kunststückchen beizubringen, die es im Spiel gibt. Eine kurze Anleitung zeigt mir, wie ich ihm Sitz, Platz und Gib Pfötchen beibringen kann. Die Befehle hat er schnell gelernt, zumindest tut er so. Denn was im heimischen Wohnzimmer noch sehr gut funktionierte, wird beim Wettbewerb für Gehorsam zum absoluten Desaster. Die meiste Zeit schaut er mich nur treudoof an. Nachdem ich zwanzig Mal "Sitz" in den Nintendo 3DS gebrüllt habe, fühle ich mich gedemütigt und beschließe, zur Strafe einen sehr langen Spaziergang mit Woof zu machen.

Normalerweise hat das zur Folge, dass ich statt des regulären Gassi gehens, welches aus dem Vorgänger bereits bekannt ist, in den Schrittzähler-Modus wechsele. In dieser Variante klappe ich das Gerät zu und kann quasi mit ihm zusammen laufen, ohne das ich irgendetwas mache. Je mehr Schritte ich mache, desto größer ist das Geschenk am Ende des Ausflugs. In meinem Fall habe ich aber gar keine Lust, mich körperlich zu verausgaben. Ich klappe das Gerät zu und schüttel es für eine Weile wild herum. Dann lasse ich es noch eine Stunde rumliegen und hoffe, dass Woof vielleicht seine Fährte verliert. Vorsichtig öffne ich den Nintendo 3DS und da strahlt er mich an. Woof ist immer noch da und hält ein Geschenk in der Hand. Ein Stück Holz.

Nintendogs + CatsNintendogs + Cats
Geld kann nur in Wettbewerben verdient werden und das braucht man, um neue Sachen kaufen zu können. So ein Hund finanziert sich also quasi selbst.

Ich erinnere mich kurz an den Penny Arcade-Comic zu Nintendogs. Dort versucht der Typ es mit Augen ausstechen - nachdem die Tiere nicht an Hunger, Durst oder Vereinsamung sterben können, ein durchaus naheliegendes Mittel, wenn man sehr wütend ist. Und dann kommt er auf eine noch viel bessere Idee. Einfach das Modul wegzuwerfen, das ist auch wie töten. Ich denke darüber nach, wäge ab. Woof kaut derweil nichtsahnend auf einem Tennisball herum. Ich beschließe etwas zu tun, was ich immer in solchen Situationen zu tun pflege: Ich gehe einkaufen. Es gibt zum Beispiel einen Laden für Möbel und einen für Accessoires. Letztere sind übrigens auch sehr entwürdigend für das Tier und eignen sich so wunderbar als Strafe. Ich schaue weiter und entdecke ein Geschäft für Futter und Spielzeuge, eine Pension zum Abgeben und den Zwinger, wo ich auch Woof her habe. Ich schließe einen Kompromiss mit dem Mops: Er rennt bei den Wettbewerben einer Frisbee und einem Köder hinterher und sorgt dafür, dass ich schnell viel Geld verdiene. Davon kaufe ich mir eine Katze und lasse ihn sein Leben leben.

Ein paar Tage später ist es so weit. Das süße, putzige Kätzchen, das auf den Namen Miau hört, scharwenzelt durch mein Wohnzimmer. Katzen in Nintendogs erfüllen denselben Zweck wie im richtigen Leben - eigentlich keinen. Sie kommen fast nie, wenn man nach ihnen ruft, liegen die meiste Zeit nur faul rum oder machen Blödsinn und sie sind unglaublich zickig. Woof zumindest darf sich immer nur ihr Gefauche anhören. Ich darf sie füttern und falls sie sich mal in meine Richtung bequemt auch streicheln. Kein Dressieren, kein Gassi, nicht mal ein Schönheitswettbewerb für das schönste Fell und die absurdesten Kostüme - eigentlich nur ein Kostenfaktor. Plötzlich ist mir der Mops wieder ganz sympathisch. Und inzwischen dreht er sich auch schon im Kreis, wenn ich laut "Dreh" rufe und fällt auf den Rücken, wenn ich ihm den "Tod" wünsche. Ein Tier mit so wenig Selbstachtung muss man doch einfach lieben und ich glaube, er hat gespürt, dass er die Defizite seiner Persönlichkeit einfach durch ein stärkeres Maß an Unterwürfigkeit ausgleichen muss.

Aus Dankbarkeit gehe ich jetzt immer mehrmals am Tag mit ihm Gassi, damit er ein paar andere Hunde kennenlernt. Mit jedem Besuch scheint sich auch etwas Neues freischalten zu lassen. Wir waren schon im Stadtpark, am Strand und in den Bergen. Außerdem haben wir ein kleines Lädchen mit seltenen Sachen entdeckt, wo ich Woof dann doch so ein Accessoire gekauft habe: Eine Berlin-Mitte-Brille, dicker Rahmen mit Fensterglas. Es sieht furchtbar lächerlich aus, aber sie war teuer und nun muss er sie tragen. Beim Wettbewerb für Gehorsamkeit versagt er weiterhin. Der Befehl "Gib rechts" scheint sich nicht in seinem Köpfchen verankern zu wollen und das, obwohl ich es ihm noch einmal ganz von vorn beigebracht habe. Aber wer einmal gesehen hat, wie sich das dicke Ding über die Rennbahn quält und dabei sogar einen Golden Retriever hinter sich lässt, der weiß, was wahre Liebe ist.

Nintendogs + Cats
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06 Gamereactor Deutschland
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hübsche Präsentation, Schrittzähler- und Street Pass-Feature, viele zuckersüße Welpen
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geringer Umfang, wenig Neues, Katzen ohne besonderen Nutzen
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