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Kritik

Nail'd

Eigentlich sollte es richtig fett sein und wir müssten uns auf schwindelerregenden Strecken vor Angst fast in die Hose machen. Nail'd wird aber seinem Namen nicht gerecht. Es gelingt nicht, die Aufmerksamkeit auf der Action festzunageln.

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Nail'd ist ein kleiner, ruppiger Racer, der versucht den ersten Burnout-Spielen nachzueifern, in dem es Stil und Derbheit nachahmt. Das Gameplay fühlt sich angenehm seicht an und die Musik ist selbstverständlich laut. In einer Zeit, in der selbst die meisten Arcade-Racer sich in Richtung Realismus versuchen, um Verkaufserfolge zu sichern, ist Nail'd mit seinen meterhohen Stürzen den entspannten Sprüngen in absurde Höhe in jeder Runde tatsächlich ziemlich erfrischend. Dass der Titel uns nicht zur aufwendigen Stuns bei jedem Sprung zwingt oder einen billigen Abklatsch von Electronic Arts' DJ Atomika an Bord hat, sind echte Pluspunkte.

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Und wenn man einen kurzen Blick darauf wirft, was ATV/MX-Racer bieten, ist man schon verdammt nah an der Wahrheit dran. Der Karriere-Modus manövriert uns zwischen Rennen, punktebasierenden Herausfordungen und dem ganzen Kram hin und her, während die Einzelvents und individuellen Turniere jeder selbst anpassen kann. Für ein Spiel, das mit seiner Grenzenlosigkeit und seiner überzogenen Art hausieren geht, scheint das allerdings ziemlich banal. Seine Stärken jedoch spielt der Titel auf der Strecke aus. Jede Etappe führt kreuz und quer über Bergketten, denen man den Einfluss von tektonischen Plattenbewegungen deutlich ansieht. Es gibt immer mehrere Wege. Ziehen wir uns allmählich an kantigen Felswänden hoch, nur um dann rasch weiter ab ins Blaue zu springen, stürzen wir bis runter unterhalb des Meeresspiegels und weichen dabei - mit den Rädern vorneweg - Steinen und Bäumen aus. Weil wir so viel frische Luft unter unseren Boliden spüren, ist da fast ein kleiner Hauch vom alten SSX.

Nail'd
Mit Nail'd geht es hoch in schwindelerregende Höhen und über Tiefe Schluchten.

Nail'd nutzt noch dazu einen interessanten visuellen Trick. Die Kameraperspektive neigt sich bei allen Sprung sehr stark nach vorn in Richtung Fischauge. Dieser Effekt macht jeden Satz über tiefe Schluchten noch irrsinniger und angenehmer. Vielleicht ist es ein Nebenprodukt dieses Tricks, das unser ATV-Rennfahrzeug immer ein bisschen wie ein auf der Windschutzscheibe zerquetschtes Insekt aussieht. In Sachen grafischer Leistungsfähigkeit gewinnt das Spiel wahrlich keine Preise, aber beim Tempo ist der Titel ziemlich gut dabei und es wurde wirklich alles auf die Strecke gepackt, was man sich nur so vorstellen kann. Darüber hinaus gibt es auch Stellen, an denen einfach die Schwerkraft außer Kraft gesetzt wird.

Die Etappen bieten senkrechte Felswände entlang an Staumauern mit 90 Grad-Winkel. Sie verlaufen über nur teilweise fertiggestellte Brücken, führen durch Zugtunnel, in denen wir die Abgase von Crazy Taxi schnüffeln können, weil in letzter Sekunden dem herannahenden Zug ausgewichen wird. Dazu gibt es dann etwa auch den Spaß in luftigen Höhen Baukränen auszuweichen. Es gibt sogar einen Abschnitt, der eine bizarre Absturzstelle im Bermuda-Dreieck darstellen könnte. Wir rasen durch herumliegende Flugzeugwracks, während andere große Maschinen vor uns mehr oder weniger vom Himmel auf die Erde purzeln. Dieses Maß an Abgedrehtheit und Absurdität haben wir seid Midways Arcade-Rennspielen aus den Neunzigern nicht mehr gesehen.

Allerdings übertreibt es Nail'd ein wenig bei dem Versuch unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Auf den langen Strecken sind es immer dieselben Situationen, denen wir begegnen und die sehen wir so lange, bis sie uns zum Hals heraushängen. Oft denken wir, dass die Strecke eigentlich vorbei sein müsste, nur um dann festzustellen, dass gerade einmal die Hälfte geschafft ist. Es ist ein schlechtes Zeichen für die Spielerfahrung, wenn der Adrenalin-Pegel nicht konstant hoch bleibt, sondern einfach nur immer weiter in die Länge gezogen wird. Hinzu kommt, dass die Strecken scharf verschlungen sind. Wir wünschen uns nur den Hauch von einem Drift, damit wir zumindest der Illusion erliegen, auch strategisch zu fahren. Oder aber, dass wir mittels kurzem Bremsen und Gas geben, in eine Kurve schweben. Leider nicht bei Nail'd, schade.

Nur einmal lässt man die Finger von Gas und Boost - dann, wenn die Kollision mit einer Wand droht. Aber selbst in diesem Moment wird nur kräftig auf die Bremse getreten, gleichzeitig der Joystick rumgerissen und schon waren wir wieder auf der staubigen Straße. Und wenn eine Situation mal verhauen wird - wir zum Beispiel versuchen auf einem Deponie-Bagger zu landen - werden wir mitunter einige Positionen weiter nach vorn geschoben. Bei einer Computer-Intelligenz mit so viel Alzheimer, gepaart mit gegnerischen Rennboliden, die scheinbar nur aus Spaß mitfahren, statt die Geschwindigkeit zu erhöhen, wundert es nicht, dass es so leicht ist zu gewinnen, wie einen Blinker zu bedienen.

Nail'd
Die Strecken sind vollgepackt mit allem, was wir uns vorstellen können - zum Beispiel auch mit einer Achterbahn.

Nail'd ist ein Offroad-Racer mit Nervenkitzel, dessen extravagante Art uns an die bzw. den Ex aus der Jugend erinnert. Die Person, von der man genau wusste, dass sie schlecht für uns war, sich durch furchtbare Oberflächlichkeit auszeichnete und zudem nur wenig von dem bot, was wir langfristig brauchten. Und dennoch hatten wir für eine kurze Zeit eine Menge Spaß. Wir sind jetzt in einer besseren Lage, sind erwachsener geworden, aber manchmal schwelgen wir, unser Sünden bewusst, in Erinnerungen und lächeln bei dem Gedanken daran. Das dumme ist nur, dass die Erinnerung frei zu haben ist, Nail'd dagegen ist nicht zu verlegen, dafür auch noch Geld zu verlangen. Für jüngere Spieler mag es ein Geschenk sein, sie wählen ihr Gut nicht so penibel aus wie wir und erfreuen sich an den halsbrecherischen Sprüngen, nicken zum hämmernden Soundtrack und geben einen Dreck auf die Punkte-Rennen. Und ganz still und heimlich, ja, da beneiden wir sie eigentlich für ihre jugendliche Unbedarfheit.

Nail'd
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Nail'd
Nail'd
Nail'd
05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
+
abgefahrenes Streckendesign, einfaches und nettes Gameplay
-
fehlende Tiefe, wir werden nach einem Crash manchmal weiter vorn platziert
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