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Kritik

Dead Space 2

Kurz vor dem Ziel wurde es doch noch spannend. Finstere Mächte aus dem Süden wollten deutschen Dead Space-Fans den Spaß verderben. Die Fortsetzung sollte auf den Index. Appellationsverfahren hieß ihre Waffe. Doch auch dieser letzte Versuch war vergebens. Dead Space 2 erscheint. Zum Glück.

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Isaac Clark sitzt in einer Zwangsjacke gefangen auf dem Untersuchungsstuhl einer Krankenstation. Ein Helfer steht vor ihm und meldet per Funk, ihn gefunden zu haben. Plötzlich kracht etwas durch die Zimmerdecke, packt den Fremden und durchbohrt dessen Schädel mit einem langen Stachel. Der bis eben noch freundlich Gesinnte beginnt sich unter großem Geschrei in ein Unwesen zu verwandeln und greift Isaac an.

Mit einer geschickten Kopfnuss wehrt dieser den Angriff ab, steht auf und rennt los. Dies ist der Punkt, an dem wir das erste Mal ins Spiel eingreifen. Von allen Seiten strömen Unmengen Monster auf uns zu und wir sind, Zwangsjacke sei Dank, zur Flucht verdammt. Nach einigen Augenblicken erreicht Isaac einen sicheren Bereich und es heißt erstmal durchatmen. Packender kann ein Einstieg in ein Videospiel kaum sein.

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Wir befinden uns auf der Sprawl, einer Weltraumstadt auf dem Jupitermond Titan, und müssen uns den Weg durch die Gegnermassen bahnen. Dass es dabei blutig zugeht, steht außer Frage. Dafür sorgt allein schon das Spielprinzip. Für diejenigen, die den ersten Teil nicht kennen: Die Necromorphs, wie die Monster menschlichen Ursprungs in Dead Space heißen, sind gegen Körpertreffer äußerst resistent. Die effektivste Methode, die Gegner zu erledigen, ist ihnen mit gezielten Schüssen die Gliedmaßen abzutrennen. Da ist Gemetzel vorprogrammiert.

Dead Space 2
Treffer auf den Körper schaden den Necromorphs kaum. Was wirklich hilft, ist ihnen mit gezielten Schüssen die Gliedmaßen abzutrennen.

Eines sollte über Dead Space 2 im Voraus gesagt werden: Im Vergleich zum ersten Teil gibt es kaum Veränderungen, nur ist alles ein kleines bisschen besser. Dead Space war der Inbegriff von linearem Gameplay, gestützt durch den ständigen Einsatz von Skripten. Die meisten waren dazu gedacht, uns zu erschrecken. Und das hat auch ganz gut funktioniert. Genau dort macht auch Dead Space 2 weiter.

Geskriptete Ereignisse sind aber viel opulenter und insbesondere filmreifer geworden. Als ein Zwischengegner Isaac an den Beinen packt und mit ihm durch einen einstürzenden Levelabschnitt purzelt, ist es nicht erkennbar, wo gerade oben und unten ist. Trotzdem müssen wir in solchen Situationen in das Geschehen eingreifen, den Gegner beschießen oder Schalter betätigen. Nach wenigen Sekunden der Aufregung sind solche Sequenzen meist wieder vorbei.

Zahlreiche Waffen, die an Automaten erst gekauft werden müssen, helfen uns auf dem Weg durch die Sprawl. Standardwaffe ist der Plasma Cutter, der wahlweise hochkant schießt, zum Abtrennen von Armen, oder quer für Beine und Köpfe. Neben gewöhnlichen Waffen wie Maschinengewehr, Flammen- oder Granatwerfer gibt es ausgefallene Modelle wie die Javelin Gun. Die feuert Stahlspeere ab, die Gegner an die Wand tackern und auf Wunsch mit Elektroschocks rösten.

Dead Space 2
Der Plasma Cutter ist Isaacs Standardwaffe und ist wie alle anderen Waffen aufrüstbar. Um die Gegner effektiver zu verstümmeln, sollte man den Schusswinkel anpassen.

Der Ripper, eine Art Kreisäge, gleitet durch Necromorph-Fleisch wie durch Butter und ist die ideale Nahkampfwaffe. Das Sekundärfeuer schleudert die Klinge in die Ferne. Da mit einem Sägeblatt gleich mehrere Widersacher zerhexelt werden, sparen wir auch gleich wertvolle Munition. Jede Waffe ist natürlich wie im Vorgänger an den Werkbanken aufrüstbar.

Neben den Knarren werden uns zwei nützliche Geräte mit auf den Weg gegeben: das Stase- und das Kinese-Modul. Mit der Stase werden Objekte verlangsamt. Defekte elektrische Türen zum Beispiel, aber natürlich auch Gegner lassen sich bremsen. Wer beim Nachladen plötzlich einen Necromorph vor der Nase hat, weiß das Stase-Modul zu schätzen. Mit der Kinese lassen sich Objekte bewegen. Per Tastendruck werden Dinge weggestoßen und so zum Geschoss. Nicht zu vergessen Isaacs sehr mächtigen Schläge und Tritte, die auch zum Abtrennen von Gliedmaßen geeignet sind.

Zwar sind alle Gegner im Spiel Necromorphs, allerdings besitzen die eine beachtliche Artenvielfalt. Fliegende Exemplare machen Leichen zu Gegnern. Kriechende Necromorphs krabbeln an Wänden entlang und greifen Isaac einem Scorpion gleich an. Einige Arten haben auch Fernattacken mit Stacheln oder Säureklumpen drauf. Gelegentlich werden wir auch von Horden kreischender Kinder-Mutanten angegriffen. Ein Paradies für Freunde konservativer Erziehungsmethoden.

Dead Space 2
Die gesamte Präsentation ist viel filmreifer gestaltet als im ersten Teil. Zwischensequenzen und Quick-Time-Events sind opulenter und: Isaac spricht.

Da die Infektionswelle auch nicht vor der Kindertagesstätte der Sprawl Halt gemacht hat, begegnen uns auch Babys. Die sehen noch verhältnismäßig süß aus, sind aber mit ätzendem Schleim gefüllt und platzen, sobald sie uns zu nahe kommen. Das wird uns glücklicherweise von einer etwas geistig verwirrten Mutter vorgeführt, bevor uns das passiert. Wer es mit einem präzisen Schuss schafft, den Säuglingen den Kopf abzuschießen, kann den mit Säure gefüllten Körper dank Kinese als Granate verwenden.

Wie dieses Beispiel zeigt, nimmt das Ausmaß an Gewalt teils makabere Züge an. Ich selbst fühle mich schlecht, weil ich über das Enthaupten von Babys spreche. Dazu trägt auch die Physik der Engine bei, die einzelne Körperteile sehr realistisch durch die Luft fliegen lässt. Mit Hilfe der Kinese lässt sich zudem weiterer Unfug anstellen. Irgendwann ertappte ich mich dabei, wie ich anfing, mit Leichen Tontaubenschießen zu spielen. Jedenfalls: Spätestens bei den abgetrennten Babyköpfen konnte ich verstehen, dass das Spiel bei der USK so seine Schwierigkeiten hatte.

Dead Space 2 verherrlicht aber keine Gewalt, es zelebriert sie. Oder anders ausgedrückt: Es macht sich über Gewalt lustig. Wer die US-Werbespots kennt, in denen schockierten Müttern Spielszenen vorgespielt werden, wird das einsehen. Auch die Facebook-Aktion, in der Fans Vorschläge für Tötungsmoves einschicken durften, zeigt den Humor hinter der Gewalt. Benutzt wurden die Vorschläge für eine Art Quick-Time-Event, dass startet, wenn uns ein Necromorph in den Schwitzkasten nimmt. Wie sich Isaac daraus befreit, sieht schon verdammt cool aus.

Dead Space 2
Bei den Necromorphs herrscht eine große Artenvielfalt. Es gibt große, kleine, kriechende und fliegende. Hier sind es mutierte Kinder, die Isaac angreifen.

Dummerweise ist es gerade dieses Feature, das häufig Ärger bereitet. Besonders auf engem Raum ist die Situation nach einer solchen Szene so unübersichtlich, dass blindes Rumgeballer unvermeidlich ist und folgende Angriffe kaum abzuwehren sind. Besonders die kriechenden Necromorphs müssen nach einer Rangelei bei Dunkelheit erst wiederentdeckt werden. Mit etwas Pech haben sie Isaac in der Zwischenzeit bereits in seine Einzelteile zerlegt, was immerhin auch sehr beeindruckend inszeniert ist.

Optisch fallen im Vergleich zum Vorgänger zwei Dinge besonders auf. Zum einen sieht Dead Space 2, wie nicht anders zu erwarten war, deutlich hübscher aus. Spiegelungen und Lichteffekte wirken deutlich realistischer und Texturen sind viel detailreicher. Nichts überraschendes also. Zum anderen verabschiedet sich das Spiel von der äußerst tristen farblichen Gestaltung der Level. Dominierten im ersten Teil nur die Grautöne, wird es jetzt sogar macnhmal äußerst bunt. Die Kindertagesstätte der Raumstation leuchtet beispielsweise in den knalligsten Farben, aber die eher finsteren Abschnitte zeigen verschiedenste Farbtöne. Das lässt das Spiel weniger kalt und steril wirken und sorgt für eine viel tiefere Atmosphäre.

Auf die Ohren gibt es bei Dead Space 2 ziemlich wenig. Mit Musik und atmosphärischen Sounds geht das Spiel sehr sparsam um, schließlich sind wir die meiste Zeit allein unterwegs. In hektischen Situationen wird es natürlich laut, aber meistens hören wir außer uns selbst und einigen nicht verortbaren Geräuschen nichts. Die größte Neuerung aus der Klangabteilung: Isaac spricht. Allein dieser Punkt macht das gesamte Geschehen deutlich spannender und filmreifer, weil wir erst jetzt das Gefühl haben, einen "echten" Charakter zu spielen.

Das Fazit bleibt: Dead Space 2 ist wie Dead Space, nur eben besser. Die Steuerung ist präziser, die Optik hübscher, der Sound besser und im großen und ganzen ist es einfach spannender. Der Multiplayer, eine Art Mini-Koop-Modus, ist ein netter Bonus, aber eigentlich nicht der Erwähnung wert. Das wirklich traurige an dem Spiel ist, dass es kurz vor dem Ende verflacht, zu einem großen Geballer wird und so an Atmosphäre verliert. Das trübt allerdings nicht den positiven Gesamteindruck, den Dead Space 2 hinterlässt.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Filmreife Präsentation, schöne Optik, unheimlich Spannend, reichlich Schockmomente
-
Gelegentlich unübersichtlich, etwas platt zum Ende hin
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