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Kritiken
Hellblade: Senua's Sacrifice

Hellblade: Senua's Sacrifice

Ninja Theorys neuestes Spiel bietet Konzepte und Gameplay-Mechaniken, die nicht jeden Geschmack treffen werden.

Die Entwickler bei Ninja Theory haben von Anfang an sehr deutlich kommuniziert, dass Hellblade: Senua's Sacrifice kein Abenteuer wird, das alle Spieler zufriedenstellen wird. Mit ihrem neuen Projekt wollen sie eine Erfahrung schaffen, die Spieler in dieser Art und Weise bislang nicht in einem anderen Medium erlebt haben. Tameem Antoniades, der Game Director von Hellblade, ist schon früh klar geworden, dass die Rezeption des Titels polarisieren wird und nachdem wir Senuas Opfer miterlebt haben, können wir ihm dabei nur wärmstens zustimmen.

Hellblade: Senua's SacrificeHellblade: Senua's Sacrifice
Senua ist keine dieser übertrieben selbstbewussten und bissigen Superheldinnen, die wir so häufig zu Gesicht bekommen.

Einer der Gründe dafür ist die Geschichte, denn das Konzept dahinter ist sehr einfach. Wir steuern Senua, eine junge Frau, die die Abgründe der Hölle hinabsteigt, um ihre verstorbene Liebe zu retten. Klingt das für euch verstörend? Das ist erst der Anfang. Senua leidet an einer Psychose, die ihre und damit auch unsere visuelle und auditive Wahrnehmung beeinträchtigt. Die Stimmen in ihrem Kopf geben Hinweise vergangenen Ereignissen preis und wir bekommen dadurch Einblicke, was Senua in der Vergangenheit erlebt hat. Gleichzeitig erleben wir dadurch hautnah mit, wie ihr Verstand mit jedem Schritt, der sie tiefer in die Hölle trägt, ein Stückchen mehr zerbricht.

Dass das ernste Themen sind, sollte spätestens zu diesem Punkt klar sein. Ninja Theory nähert sich diesem Thema mit dem entsprechenden Respekt und der nötigen Sorgfalt und zeigt damit etwas, was wir noch nie in einem Videospiel gesehen haben. Schnell wird klar, dass enorm viel Nachforschung in die Verwirklichung dieses Titels eingegangen sind und das spiegelt sich nicht nur in der Erzählweise wider, sondern wirkt sich auch im Gameplay aus. Die Welt um uns herum verändert sich binnen Sekundenbruchteilen von einer wunderschönen Kulisse in eine abartige Perversion. Diese Wechsel sind nicht allein dazu da, eine Geschichte voranzutreiben, sie variieren die aktuellen Spielmechaniken. Ein Großteil von Hellblade: Senua's Sacrifice ist linear und hat starke Ähnlichkeiten zu dem, was vielerorts als "Walking Simulator" gehandhabt wird. Dafür ist das britische Entwicklerstudio nicht gerade bekannt, doch der Mut zahlt sich aus.

Nach wie vor treffen wir auf Passagen, in denen hauptsächlich gekämpft wird, und zwar gegen Kreaturen verschiedenster Form und Gestalt. Im direkten Vergleich mit den Titeln für die das Studio bekannt ist fällt jedoch auf, dass diese Feinde lange nicht so stylisch sind und sowohl langsamer als auch variantenarmer ausfallen, als in DMC: Devil May Cry und Heavenly Sword. Senua ist zwar ein selbst-trainiertes Naturtalent, sie hat aber keine allzu schicken Kampf-Moves drauf. Wenn ihr ein herausforderndes Actionspiel mit Schwertkämpfen und akrobatischen Einlagen sucht, dann ist Hellblade: Senua's Sacrifice nichts für euch. Die Kampfkomponente scheint allgemein eher dafür genutzt zu werden, das Tempo zwischen den Rätsel- und storylastigen Sequenzen anzuziehen.

Hellblade: Senua's SacrificeHellblade: Senua's Sacrifice
Wir steuern Senua, eine junge Frau, die die Abgründe der Hölle hinabsteigt, um ihre verstorbene Liebe zu befreien.

Wie eingangs erwähnt ist Hellblade im Kern eine narratives Erlebnis ist, das eine Geschichte über schwerwiegende mentale Krankheiten erzählt, und wie diese das Leben der Betroffenen beeinflussen. Schizophrenie, Klaustrophobie und Psychosen anderer Art sind nur einige der Themen, die wir im Verlauf der Geschichte auf verschiedenste Arten erleben werden. Es ist sehr interessant zu sehen, wie Ninja Theory die jeweiligen Schwerpunkte in Gameplay-Mechaniken umwandelt und spielerisch erklärt, wie jemand durch diese Krankheiten beeinträchtigt wird. Eines der passendsten Beispiele hierfür ist das Finden einer bestimmten Form in der Umgebung - dadurch öffnet sich der Zugang zu einem anderen Bereich der Karte. Diese Zugänge sind durch verschiedene Symbol-Schlüssel versiegelt und wir müssen die jeweiligen Zeichen in der nahen Welt ausmachen. Indem ich mich auf die Suche nach speziellen Objekten gemacht habe und konnte ich zumindest ansatzweise begreifen, wie es für Erkrankte sein muss, ständig Dinge zu sehen, die sie nicht sehen wollen.

Großartige Animationen und Synchronsprecher verbessern diese Erfahrung merklich. Senua ist keine dieser übertrieben selbstbewussten und bissigen Superheldinnen, die wir so häufig zu Gesicht bekommen. Sie ist eine unsichere und verletzliche Frau die gegen die ständigen Illusionen und Visionen in ihrem Kopf ankämpft, die ihr ständig vergangene Fehler vorhalten und sie ihre aktuellen Makel erinnern. Antoniades hat in einem früheren Interview erklärt, dass Hellblade nicht spaßig sein soll. Wir sollen auf eine Weise involviert werden, die wir bis dato noch nicht kennengelernt haben. Ich habe nicht einmal während Senuas Geschichte geschmunzelt, dafür saß ich nach einigen Szenen sehr nachdenklich da und war noch lange von speziellen Szenen bewegt.

Dass die Präsentation hierbei in jedem einzelnen Aspekt überzeugt, dürfte an dieser Stelle keine Überraschung mehr sein. Das Spiel schaut wahnsinnig gut aus, während das binaurale Hören sich fast so anfühlt, als würden verschiedene Stimmen in unserem eigenen Kopf sprechen. Aus diesem Grund ist es umso frustrierender, dass die Immersion durch die vielen Probleme auf der regulären Playstation 4 unterbrochen wird. Die Playstation 4 Pro-Fassung scheint von derlei Ärgernissen größtenteils befreit zu sein, doch die Standard-PS4 hat arge Schwierigkeiten im Halten der Bildrate, insbesondere während der visuellen Transition der Umgebung. Manchmal sind wir auch durch die Welt geclippt oder haben gesehen, wie Senua mit einem unsichtbaren Schwert kämpfte. Die PS4 Pro- und PC-Performances scheinen nahezu fehlerfrei zu sein, deshalb hoffen wir darauf, dass Ninja Theory diese Probleme mit zukünftigen Patches ausbessert.

Hellblade: Senua's SacrificeHellblade: Senua's Sacrifice
Die Welt um uns verändert sich binnen Sekundenbruchteilen von einer wunderschönen Kulisse in eine abartige Perversion.

Was der Entwickler ganz sicher nicht herauspatchen wird, sind die monotonen Gameplay-Sequenzen, die einige Spieler sicher schnell repetitiv finden werden. Wir durchlaufen nacheinander die Aufgaben Kämpfen, Symbole oder Formen finden, eine schicke Sequenz sehen und starten kurz darauf wieder den Kampf. Falls ihr eine stark interaktive Erfahrung sucht, könnte euch Hellblade: Senua's Sacrifice nach einer Weile langweilen. Einige Sequenzen werden von sehr schlauen Puzzles oder von Kämpfen durchbrochen, die ihr noch nirgendwo anders gesehen haben werdet, doch insgesamt gleichen sich viele Passagen sehr, was das Spieltempo ruiniert. Wir würden uns wünschen, dass sich die einzelnen Bestandteile gleichförmiger durch das Gameplay ziehen würden, um ansonsten repetitive Sequenzen mit frischem Wind eine Atempause zu verschaffen.

Ninja Theory stellte früh klar, dass sie nicht an einem Spiel arbeiten, dessen erklärtes Ziel es ist, jedermann zu unterhalten. Stattdessen wollten sie an der Umsetzung einer Erfahrung arbeiten, die wir noch nie zuvor erlebt haben und das ist ihnen zweifelsohne gelungen. Hellblade: Senua's Sacrifice wird auf jeden Fall zu polarisierenden Meinungen führen. Freunde von tiefgreifenden, einnehmenden Geschichten sollten dem Spiel eine Chance geben, doch wer unterhaltendes, variantenreiches Gameplay sucht, sollte vielleicht lieber Abstand nehmen. Das hier ist ein Spiel, das neue Themen für sich erschließt und das gelingt Hellblade phänomenal. Die Präsentation ist beeindruckend und sorgt dank des wunderbaren Sound-Designs und der fast noch besseren Performance dafür, dass wir uns in Senua hineinversetzen können und mit ihr diese atmosphärische Welt erleben. Einige der Erlebnisse werden uns noch einige Zeit lang begleiten, deshalb ist es umso trauriger, dass das monotone Gameplay und die technischen Probleme auf der normalen Playstation 4 dafür sorgen werden, dass die Areale zwischen diesen Augenblicken schnell in Vergessenheit geraten.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Großartiges Sound-Design; atmosphärische Umgebungen; tiefgreifende Story.
-
Monotoes Gameplay; technische Schwierigkeiten.
overall score
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