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Kritiken
Black The Fall

Black The Fall

Wir kämpfen gegen ein unterdrückendes Regime und dystopische Klischees.

  • Text: Jon Calvin

Black The Fall ist ein dystopischer Puzzle-Plattformer, der von Sand Sailor Studios entwickelt wurde. Nach dem Kickstarter-Erfolg kam das Spiel ins Game Accelerator-Programm der Execution Labs und wurde fortan von Square Enix betreut. Im Spiel erforschen wir eine post-kommunistische Welt als Black, einem alten Maschinisten, der unter Amnesie leidet und den Fängen eines unterdrückenden kommunistischen Regimes entkommen will. Stets im Schatten wandelnd versuchen wir das System zu überwinden und der dystopischen Diktatur zu entkommen, die mit eiserner Hand regiert.

Black The FallBlack The Fall
Was wirklich ins Auge fällt ist der große Unterschied zwischen dem fertigen Spiel und dem, was zur Kickstarter-Kampagne gezeigt wurde.

Als eine Art fiktionaler Surrealismus, basiert das Spiel auf Erfahrungen der Entwickler Cristian Diaconescu und Nicoleta Lordanescu, die zunächst mit einem Kunst-Projekt ihre Erlebnisse aus den Jahrzehnten des Kommunismus in Rumänien zeigen wollten. Später wurde daraus ein komplettes Spiel, das die Rebellion gegen die Mechanismen des korrupten Kommunismus in Rumänien darstellt. Der Titel sollte auf die Mentalität des politischen Systems hinweisen, das auf Misstrauen, Uniformität und unmenschlichen Arbeitsbedingungen beruht.

Als ein Stealth-Plattformer lebt Black The Fall vom Trial and Error-Ansatz. Die Spieler müssen der Massenbeobachtung entkommen und das System entlarven, das seine Bürger kontrolliert. Fehler bedeuten den sofortigen Tod, der leider nur durch eine generische Todesanimation mit rotem Nebel gezeigt wird. Man stirbt in diesem Spiel ständig - einzige Abwechslung ist eine seltsame Animation für das Ertrinken beim Kontakt mit Wasser.

Die Welt präsentiert sich in 2D mit dreidimensionalen Hintergründen. Die Übergänge zwischen den Leveln geben häufig erste Hinweise auf die kommenden Rätselpassagen und Spielelemente. Die Steuerung funktioniert sehr genau so, wie man es von einem Plattformer erwartet - wir haben einen Knopf für Sprünge, einen für die Interaktion und die Trigger zum Sprinten oder Kriechen. Recht früh im Spiel erhalten wir einen Designator mit dem Black die Menschen und Maschinen, die noch vom System kontrolliert werden, manipulieren kann. Die Steuerung dafür ist ein wenig seltsam und erfordert etwas Eingewöhnung, da der Anzeiger nicht gut reagiert und häufig herum hakt - letztlich ist das Ganze dann doch etwas diskursiv geraten.

Black The FallBlack The Fall
Die Steuerung ist ein wenig seltsam geworden und erfordert etwas Eingewöhnung.

Auf eine der interessanteren Spielmechaniken stößt man nach etwa der Hälfte des Spiels, wenn wir einen hundeartigen Roboter befreien, dem wir fortan via Kommando befehligen. Unser neuer Begleiter gibt den Rätseln eine erfrischende Dynamik, auch wenn die manchmal merkwürdige Steuerung dafür sorgt, dass sich unsere neue Beziehung nur langsam entwickelt. Aber das Wesen gibt dem Trip eine emotionale Tiefe, die dieses Spiel überraschenderweise sonst nicht hätte.

Grafisch ist Black The Fall nicht sonderlich beeindruckend, aber das versucht es auch nicht. Die dunklen Farben machen es schwer, kleinere Details wahrzunehmen und man muss manchmal schon sehr an der Helligkeit schrauben, um überhaupt genug zu erkennen. Die Texturen sind auch eher öde geraten und die Spielwelt enthält wenig Interessantes bereit. Leider sieht es beim Thema der Animationen nicht besser aus - es fehlt ihnen einfach an Geschmeidigkeit. Die ungenaue Steuerung sorgt für Frust, da die Rätsel häufig ein gutes Timing erfordern. Dafür hat das Spiel immerhin ein gutes Speicherpunkt-System, bei dem man nicht ganze Passagen wiederholen muss, wenn ein Sprung ins Leere ging.

Was wirklich ins Auge fällt ist der Unterschied des fertigen Spiel im Vergleich zu dem, was zur Kickstarter-Kampagne gezeigt wurde. Insgesamt kein größeres Problem, denn Spiele verändern während der Entwicklung immer wieder mal die Richtung. Ursprünglich wurde das Spiel in Schwarz-Weiß präsentiert - ganz ähnlich den Titeln von PlayDead, was sicher für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Die Entscheidung für ein anderes Farbmodell hat dem Spiel nicht wirklich gut getan und lässt die erwartete Atmosphäre vermissen. Die Sounds sind sich wiederholende Rhythmen und düstere Themen, die zum Kontext des Spiels passen, aber doch auf Dauer etwas eintönig wirken. Die Soundeffekte sind überzeugend, retten aber den lahmen Soundtrack nicht davor, irgendwann sehr monoton zu werden.

Black The FallBlack The Fall
Als ein Stealth-Plattformer lebt Black The Fall vom Trial and Error-Ansatz.

Black The Fall ist eindeutig von den cineastischen Plattformern der frühen Neunziger beeinflusst, kann mit ihnen jedoch nicht mithalten. Das Spiel schafft es nicht, seine eigene Identität in diesem Mix aus Inspirationen zu finden und kann auch seine politische Botschaft nicht überzeugend darstellen. Seine anti-kommunistischen Ideale zeigt Black The Fall durch seine Ikonografie, doch da es keinerlei Dialoge gibt, sorgt das für einen rein dystopischen Hintergrund, dem jede Relevanz für den Spieler fehlt. Einfach alles wird durch wage Symbole dargestellt, es ist nicht genügend Haltepunkte vorhanden, die dem Spieler mit der Erfahrung verbinden und es werden nicht genug Parallelen gezogen, damit die Botschaft auch ankommt.

Trotzdem hat Black The Fall einige interessante Qualitäten, besonders für Fans des Genres. Das Tempo ist gut und es gibt ein durchgehendes Gefühl von Fortschritt, auch wenn die Rätsel nicht allzu fordernd geraten sind. So wird es zu einem entspannten Abenteuer, mit dem wir uns für einige Zeit vom stressigen Alltag erholen. Es ist eine Art sozialer Kommentar mit dem Gewicht der eigenen Erfahrungen der Entwickler. Insgesamt ist Black The Fall ein eher mittelmäßiger Plattformer für Fans des Genres und weniger der politisch motivierte Kommentar, der es hätte sein wollen.

06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Angenehme Spielgeschwindigkeit mit Plattforming- und Rätselelementen; interessante politische Aussage.
-
Armselige Animationen; langweiliger Look; Schwierigkeiten in der Verbindung von Setting und den eigenen Gefühlen.
overall score
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