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Kritiken
Crash Bandicoot: Nsane Trilogy

Crash Bandicoot: Nsane Trilogy

Wie spielen sich die Abenteuer unseres liebsten Beutelteufels in der heutigen Zeit?

  • Text: Ford James

Als Sony auf der E3 2016 die Crash Bandicoot: Nsane Trilogy angekündigte, kam das vor allem bei Langzeitfans des beliebten orangenen Beuteltiers an. Jetzt können wir die Abenteuer von Crash noch einmal erleben und ihm dabei helfen, den bösen Cortex in HD zu besiegen. Nebenbei bleibt viel Zeit, die besseren Grafiken und Animationen zu bewundern und ab und zu ein Gefühl der Nostalgie zu verspüren. Doch wird das genügen? Wir leben in einer Zeit, in der die virtuelle Realität Wahrheit geworden ist und fesselnde Spiele wie The Witcher 3 und The Legend of Zelda: Breath of the Wild Millionen von Spielern in ihren Bann ziehen. Wie sehr können die alten Plattformer heute noch von ihren Erinnerungen zehren, immerhin führen sie keine neuen Dinge in das Genre ein?

Crash Bandicoot: Nsane TrilogyCrash Bandicoot: Nsane Trilogy
Manchmal ist es besser, gute Erinnerungen ruhen zu lassen. Es gibt heute einfach zu viele gute Alternativen.

Wenn wir das Spiel anwerfen, erklingt erst einmal die dröhnende Stimme des ruchlosen Dr. Neo Cortex, der uns erklärt, dass wir ein Spiel aus der Vergangenheit spielen. Hier wird sehr deutlich gemacht, welchen Weg Vicarious Visions gegangen ist. Sie haben keine neuen Elemente eingeführt um Crash zu revitalisieren, nein, sie haben einfach nur die drei originalen Crash Bandicoot-Titel für eine neue Ära von Spielern auf der aktuellen Plattform aufbereitet. Zum großen Teil ist ihnen das auch gelungen. Ob im ersten Level, in dem Crash am N.Sanity-Strand aufwacht und seine Reise beginnt, oder in Cortex' Labor im zweiten Spiel, und natürlich auch beim Reiten des Tigers Pura auf der chinesischen Mauer in Teil drei; alles fühlt sich noch genauso an, wie früher. Nur sind die Umgebungen viel dichter und reichhaltiger gestaltet worden, aber es bleibt doch die gleiche Erfahrung.

Besonders gefallen haben mir Level wie Ruination aus Cortex Strikes Back. Der Nachthimmel wird von schicken Lichtblitzen erhellt und enthüllt dabei Teile des Levels, die noch vor uns liegen. Mit dieser modernen Präsentation sieht das einfach unglaublich schön aus und verdient deshalb eine gesonderte Erwähnung. Die schiere Menge an Details, wie zum Beispiel das Laubwerk in den frühen Abschnitten des ersten Spiels, oder das flackern des Lichtes in den Industrie-Regionen, haben Eindruck bei mir hinterlassen. Auf der PS1 konnte eine solche Pracht und dieser Detailreichtum natürlich nicht dargestellt werden.

Crash Bandicoot: Nsane Trilogy sieht viel besser aus und hört sich dank neu-aufgelegtem Sound auch noch viel besser an, als das Original. Doch ich habe die Titel früher nie gespielt und bin jetzt zum ersten Mal in das Jump'n'Run eingestiegen, die Nsane-Trilogie vorbehaltlos an jüngere Spieler zu empfehlen, fällt mir deshalb sehr schwer. Falls ihr nicht in Nostalgie schwelgen werdet, ist das Spiel also wahrscheinlich nichts für euch. Das Gameplay der Originalspiele ist für das Jahr 1996 beeindruckend gewesen, doch das Genre der Plattformer hat sich seitdem stark verändert und die Konzepte wurden verbessert. In diesem Jahr ist etwa Yooka-Laylee erschienen, was zwar von Banjo-Kazooie inspiriert wurde, trotzdem ein frisches und eigenständiges Abenteuer geworden ist, das mit neuen Ideen punktet, statt den gleichen Inhalt von früher wiederzukäuen.

Crash Bandicoot: Nsane TrilogyCrash Bandicoot: Nsane Trilogy
Wer keine Neuerungen braucht und Level gerne mehrmals spielt, könnte mit der Crash-Sammlung seinen Spaß haben.

Alle Level sind nahezu identisch mit den originalen Versionen, es gibt keine neuen Geheimnisse oder Überraschungen zu entdecken. Das erste Spiel hat drei Arten von sammelbaren Token (Tawna, N. Brio und Cortex). Die zwei kommenden Titel beinhalten versteckte Level und Routen, die wir finden und abschließen müssen, um alle wertvollen Edelsteinen zu erhalten. Die alten Spiele sind meisten nicht gerade nachsichtig mit Fehlern der Spieler umgegangen und das ist auch in der Remastered-Fassung noch immer so. Vor allem in den späteren Arealen kann das sehr ärgerlich werden, nicht nur aufgrund des Schwierigkeitsgrades, sondern wegen dem verschachtelten Layout und Design der Gebiete. Wer alle Edelsteine, Relikte, Kisten und 100 Prozent Vervollständigungsfortschritt erreichen will, darf eine ordentliche Herausforderung erwarten.

Ärger ist eines der häufigeren Gefühle, die ich während des Spielens erlebt habe, doch ich habe mir sagen lassen, dass die alten Crash-Spiele in diesem Bereich schon immer sehr gut unterwegs waren. Komplettisten werden mit Crash Bandicoot: Nsane Trilogy ihre helle Freude haben, manchmal muss ein Gebiet drei oder sogar viermal durchgespielt werden, damit wir alle Medaillen und Edelsteine erlangen und die unterschiedlichen Zielvorgaben erreichen. Manchmal müssen alle Kisten zerstört werden, ohne ein Leben zu verlieren, ein versteckter Weg hinter einer Illusionswand gefunden oder das Level innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe abgeschlossen werden. Wer die Platintrophäe haben will, sollte sich darauf einstellen, in jedem Gebiet sehr lange unterwegs zu sein. Darüber hinaus wurden die Zeitherausforderungen, die eigentlich erst in Crash Bandicoot 3: Warped eingeführt wurden, nun auch auf die Level der ersten beiden Titel ausgeweitet und mit globalen Bestenlisten versehen. Für Speedrunner ist das eine tolle Neuerung.

Es fällt mir nicht leicht das zu sagen, auch weil Crash so ein beliebtes Franchise ist, doch das brandneue Spiel mit dem Beuteldachs konnte ich nicht genießen. Wir werden mit drei Spielen alleingelassen, die wir bereits erlebt haben, und bekommen Mechaniken an die Hand, die sich aus heutiger Sicht, und gerade vor dem Hintergrund der unzähligen anderen Plattformer auf dem Markt, glanzlos und stumpf anfühlen. Crashs Dreh- und Slide-Bewegungen aus den ersten beiden Spielen bieten kaum Varianz, Warped steht da schon viel besser da und lässt uns zumindest Doppelsprünge ausführen. Auch die Level sind viel interessanter gestaltet worden. Ob wir nun mit Coco Jet Ski fahren oder mit Crash den Boden des Ozeans erkunden. Am Ende bietet mir das Spiel aber doch zu wenige Nebenbeschäftigungen. Es gibt keine packende Story, außer dem Sammeltrieb keinen Grund, ein Level noch einmal zu spielen, und auch einfach zu wenige Neuerungen, um aus der Crash Bandicoot-Trilogie ein tolles Spiel für die heutige Zeit zu machen. Die Einführung von Coco als jederzeit spielbaren Charakter ist eine schöne Idee und gut gemacht, doch ultimativ wird auch damit aus dem nostalgischen Paket kein moderner Klassiker.

Crash Bandicoot: Nsane TrilogyCrash Bandicoot: Nsane Trilogy
Einige Details haben mir echt den Atem verschlagen, doch insgesamt habe wir uns nicht gut unterhalten gefühlt.

Meiner Meinung nach ist die Crash Bandicoot: Nsane Trilogy als reine Standalone-Erfahrung nicht den Kauf wert, zumindest nicht wenn ihr kein großer Crash-Fan seid und die Titel um die Jahrhundertwende zu euren Lieblingsspielen gehörten. Obwohl die Kollektion charmant geworden ist und toll aussieht, dürften viele Spieler sehr schnell mit dem Abenteuer durch sein (wenn sie nicht auf die 100 Prozent Vervollständigung aus sind). Die Erinnerungen an das Original mögen vielleicht verheißungsvoll wirken, doch sie werden von neuen Erfahrungen mit regelmäßigen, frustrierenden und teils unfairen Tode durchlöchert werden. Und wenn dann am Ende irgendwo noch eine einzige Kiste übrig bleibt, dann ist das nicht mehr nur ärgerlich. Wenn ihr einen modernen Plattformer spielen wollt, greift zu Yooka-Laylee, denn manchmal ist es besser, gute Erinnerungen ruhen zu lassen. Wenn euch Neuerungen nicht wichtig sind und ihr alte Level wieder und wieder spielen wollt, dann könnte die Crash Bandicoot: Nsane Trilogy etwas für euch sein.

06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Sieht toll aus und hört sich auch so an; hoher Wiederspielwert für Komplettisten; Zeitherausforderungen und Bestenlisten gibt es nun für sämtliche Level aller drei Spiele.
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Die Mechaniken können nicht mehr mit den heutigen Standards mithalten; Tode fühlen sich manchmal unfair an; nicht genug Inhalte für Spieler, die nicht explizit alle Gegenstände in den Arealen grinden wollen.
overall score
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