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Kritik

Assassin's Creed: Brotherhood

Da sitze ich nun auf dem Aussichtspunkt hoch über der Altstadt von Rom und schaue in die Ferne. Irgendwo dahinten steht das Kolosseum am Horizont, nur einen schnellen Ausritt entfernt. Ich habe die Bruderschaft bei ihrem Kampf um Rom vereint. Habe an der Seite von vielen alten Freunden und Freundinnen gekämpft. Und trotzdem ist die Karte immer noch ein einziges Symbolinferno. Lauter ungelöste Rätsel, lauter Missionen im riesigen Rom und den umliegenden Gemeinden warten noch. Wie kann das sein?

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Assassin's Creed: Brotherhood ist noch viel mehr als die beiden Vorgänger der Serie eine Ansammlung von Aufgaben. Es ist vielleicht das Action-Adventure in einer offenen Welt, das den größten Haufen Zeug im Off stattfinden lässt. Neben der eigentlichen Handlung warten da so unglaublich viele kleine Aufträge, so viel Kleinkram spielt sich im Hintergrund ab, dass es einen manchmal etwas überfordert. Bis zu dem Punkt, an dem man dem Spiel einfach seinen Lauf lässt. Sich treiben lässt durch das neue, proppenvolle Abenteuer von Ezio Auditore da Firenze und den Kampf seiner Assassine gegen die Borgia und die Templer. Die scheinbar ewige Jagd nach dem Edensplitter, den er am Anfang in den Händen hält und dann doch wieder verliert. Die Handlung erhellt für Kenner der Serie einige dunkle Flecken, außerdem tauchen immer wieder Referenzen und altbekannte Charaktere auf. Aber Neulinge dürften sich hier schwer tun, den Überblick zu bekommen und zu behalten.

Der Großteil der Handlung spielt im mittelalterlichen Rom, einer Stadt von enormen Ausmaßen, die sie bei Ubisoft mit viel Liebe zum Detail und vor allem in der Hintergrundgeschichte historisch akkurat nachgebaut haben. Um die ewige Stadt zu durchstreifen, darf Ezio nun mit Pferden überall unterwegs sein - auch in den engen Gassen der Stadtviertel. Vom Rücken der Pferde lassen sich die Gegner nun ebenso ausschalten wie von den Dächern - ein bisschen Übung muss hier allerdings sein. Die Städte sind wunderbar abwechslungsreich, der Tag und Nachtwechsel im perfekten Rhythmus sorgt für zusätzliche Unterschiede des Looks. Leider leiden alle Distrikte von Rom bisweilen ziemlich munter hereinpoppenden Grafikdetails, aber im Gegenzug ist das alles hier wirklich unglaublich groß und vielschichtig. Mehrere Ebenen, dazu Keller, Verstecke, Abkürzungen und Fluchtgassen. Alles ohne spürbare Nachladezeiten.

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Geladen wird nur, bevor eine Mission startet. Die Aufgaben folgen dem bekannten Schema aus Tötungsaufträgen, Eskorten und dem ganzen drumherum stattfindenden Leben. Es ist tatsächlich so, dass ich nie ein Spiel gespielt habe, dass sich so seltsam natürlich und lebensecht angefühlt hat. Man läuft wie im echten Leben im Urlaub durch eine unbekannte Stadt und entdeckt an jeder Ecke etwas Neues und Interessantes. Klar, das Grundgerüst von Assassin‘s Creed steht, da macht auch Brotherhood keine Ausnahme. Aber es ist im Detail perfektioniert und getrimmt. Die Kämpfe sind flüssiger und actionreicher, die automatischen Speicherpunkte fair und intelligent gesetzt. Das Spiel wird nie zu leicht oder zu hart, es fließt in einem perfekten Tempo dahin. Vermutlich auch wegen der ganzen Kleinigkeiten, mit denen man so beschäftigt ist.

Assassin's Creed: Brotherhood
Rom ist riesig, wirklich riesig. Und fast jeder Quadratmeter serviert einem eine neue Aufgabe.

Wer zum Beispiel die Rüstung von Romulus einsammeln will, muss sechs Schlüssel finden. Die sind versteckt in verschlossenen Höhlen oder verborgenen Palästen, wo einsame Kletteraufgaben warten. Diese Missionen sind der Kontrast zum sonst bisweilen hektischen Gameplay und der mit Aufgaben vollgestopften Karte. Wobei, man muss es eigentlich positiv formulieren: Selten war Ablenkung schöner. Denn wann immer man zu einer Aufgabe aufbricht, man kann sich fast sicher sein: Unterwegs wird man eine andere Mission zuerst erledigen.

Eine der Gilden-Quests zum Beispiel. Man soll den Kurtisanen, Dieben und Söldnern dabei helfen, besser und schlauer zu werden, indem man ihnen zugeordnete Aufgaben absolviert. Die erledigen sich quasi von selbst beim Spielen, so dass die Helfer, die wir gegen Geld anwerben können, immer stärker und besser agieren. In den Läden Roms, die wir nach und nach renovieren können, darf nun gekauft und verkauft werden, dazu gibt's spezielle Shop-Quest für seltene Gegenstände. Um einen Bonusgegenstand freizuschalten, muss man eine bestimmte Menge seltener Items finden, die sich entweder in den roten Schatzkisten verbergen oder beim Plündern zufällig vorbeirennender Borgia-Boten gefunden werden. Und wer auf dem Weg zum nächsten Ausrufezeichen, dass den regulären Missionsstrang anzeigt, einen verrückten Templer trifft, der seine eigene Frauen schlägt und die Stadt mit Borgia-Propaganda zukleistert, wird auch den nicht entkommen lassen. Und der alte Leonardo da Vinci ist da auch noch... und, und, und.

Ja, und. Genau. Und da ist noch dieses Rollenspiel mit den Assassinen im Hintergrund. Ab einem gewissen Punkt im Spiel kann Ezio Assassine anwerben, die mit ihm für die Freiheit Roms kämpfen wollen. Bis zu 12 davon sind gleichzeitig als Live-Unterstützung verfügbar - und sie alle sammeln Erfahrungspunkte. Entweder machen sie das, indem sie via Knopfdruck in Echtzeit in den Kampf eingreifen. Sie stürzen sich von den Dächern auf die Gegner, schießen mit der Armbrust oder reiten herbei und greifen zum Schwert. Eine wertvolle Hilfe, besonders bei jenen Missionen, wo Ezio unentdeckt bleiben muss. Zu leicht wird das Spiel mit ihrer Hilfe aber nicht. Heimlich, still und leise schlagen die Freiheitskämpfer zu. Ihre Fähigkeiten lassen sich alternativ auch durch das Erledigen von Missionen im Off regeln. Dann fehlen sie allerdings für ein paar Minuten im Echtzeitspiel. Verrückt, irgendwie - nochmals so ein Spiel im Spiel.

Assassin's Creed: Brotherhood
Die von Leonardo da Vinci patentierten Double-Blades in Action.

Trotz der Grafikfehler im Detail ist die Inszenierung sehr gut gelungen, wie ein guter Hollywoodfilm in den Sequenzen. Dazu ein Sound mit verstörenden Flächen und antreibender Orchestrierung - das geht kaum besser. Dezent und dominant zugleich hört sich das an. Häufig wird das Erlebnis nicht einmal durch einen Bruch zwischen Spiel- und Sequenzgrafik gestört. Die Geschichte zieht einen gekonnt rein: Liebe, Verrat, Betrug, Familie und die Machtspiele von Männern sind ja auch ein ewiges Thema. Das hört nie auf, interessant zu sein, wenn es denn gut gemacht ist. Und das ist es hier. Fast fühlt sich Assassin's Creed: Brotherhood an wie die erste Mittelalter-Soap-Opera zum Mitspielen - und das ist sehr positiv gemeint.

Es gibt so viele intensive Momente, die einem immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Wenn man einen der zwölf Borgia-Türme stürmen will etwa, wozu vorher deren Hauptmann eliminiert werden muss. Genau das ist nicht immer ganz leicht. Manchmal klappt es mit List, manchmal mit Glück. Einmal war ich nach dem Ausschalten des Hauptmanns geschlagene 15 Minuten auf der Flucht vor zwei Dutzend wütender Wachen. In solchen Momenten ist das Spiel plötzlich wie der perfekte Nachmittag eines kleinen Kindes: Fangen spielen und sich verstecken, bis einen die Jäger nicht mehr finden oder kriegen.

Das alles spielt natürlich im Animus 2.0, der Zeitreisemaschine der Assassine, und ist die Fiktion von Desmond Miles. Der Animus versteckt auch das Virtual Training - da gibt's Medaillen in Gold, Silber, Bronze für vier erweiterte Modi: Freies Rennen, Heimliches Attentat, Lokalisieren und Kampf. Der Kampfsimulator kommt rüber wie eine Mischung aus Metal Gear Solid und Mirror's Edge in einer schlichten, fast farblos transparenten Optik. In vier Modi werden die Fähigkeiten von Ezio austrainiert beim freien Rennen und Klettern um die Bestzeit, beim Sammeln von Flaggen, beim Planen und Ausführen von Attentaten sowie beim interessantesten Feature: dem Kampf. Wer legt die längste Kill-Serie hin ohne selbst getroffen zu werden in einer Zeit von zwei bis sechs Minuten? Das ist echt lustig. Es gibt aber nur alternative Outfits zu gewinnen, die in den Solomodus übertragen werden. Das virtuelle Kampftraining ist trotzdem hilfreich und noch so eine Herausforderung im Off.

Assassin's Creed: Brotherhood
Balanceakt auf dem Hochseil - und wer hier die Assassine als Hilfe heranpfeift, hat kaum Ärger mit den Gegnern auf den Dächern.

Unter Addon-Verdacht steht das alles hier übrigens keineswegs. 20 bis 25 Stunden Spielzeit sind im Solomodus lässig drin, wer sich dem Erkunden hingibt und all die kleinen Nebenaufträge macht, kriegt noch deutlich mehr. Und da wäre ja auch noch der Multiplayer. Der ist zwar überschaubar, aber erstaunlich amüsant. Denn er treibt das Prinzip des Fangen- und Versteckenspielens auf die Spitze. Gemeinsam mit bis zu acht Spielern geht's auf acht Karten in vier Modi darum, die meisten Punkte zu sammeln. Die Karten spielen alle an bekannten Orten, darunter ist Rom ebenso wie Monterigionni, Forli oder Venedig.

Die Modi heißen Wanted, Manhunt, Alliance und es gibt noch eine erweiterte Wanted-Variante. Für alle Spielvarianten gilt, dass sie nicht besonders zugänglich sind, um sie mal eben so nebenbei zu zocken. Hier sind Skills gefragt, mehr als beim Shooter. Es braucht eine Weile, bis man richtig versteht, was hier passiert, wie die Jagd abgeht und was zur Hölle das Radar gerade wieso anzeigt.

Das Wechselspiel aus Aktion und Gegenaktion ist sehr schnell. Mal ist man Jäger, mal Gejagter - immer hat man aber irgendeinen Gegner im Nacken. In Wanted spielt man für sich und kriegt eine Zielperson zum Erledigen zugewiesen, während man gleichzeitig selbst eine ist. Bei Manhunt werden zwei Runden gespielt. Einmal jagt man, einmal flüchtet man mit seinem Team. Wer sich gemeinsam versteckt, etwa in einer Gruppe vor einem Marktstand oder in einem Heuwagen, kassiert mehr Punkte. Dadurch, dass die Angreifer immer nur wissen, wie man aussieht, aber immer mehrere Typen im gleichen Look herumlaufen, ist das allgemeine Chaos schnell perfekt.

Alliance legt noch einen drauf in Sachen Verwirrung. Da jagt Team A, Team B, während Team B Team C jagt und Team C wieder Team A. Erkennbar snd die Teams nur an ihren identischen Outfits und dem Signal auf dem Radar. Herrlich, aber auch häufig ein Heidenchaos das alles. Das Gameplay lehnt sich stark an den Solomodus an, die Kletter- und Killfähigkeiten sind weitgehend identisch. Am Ende sind das wirklich intensive Verfolgungsjagden, fast ein bisschen wie Burnout mit Menschen statt Autos. Die zehn verschiedenen Charaktere können hochgelevelt werden und schalten so individuelle Spezialfähigkeiten frei. Diejenigen, die hier mit einem gut gelevelten Charakter spielen, haben einen extremen Vorteil.

Ein toller Solomodus trifft auch einen interessanter Multiplayer - was will man eigentlich mehr? Eine Story, der man noch folgen kann vielleicht, aber das ist ja auch immer Ansichtssache.

Assassin's Creed: Brotherhood
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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Die schier unendlichen Möglichkeiten, tolles Szenario, hervorragende Steuerung, levelbare Assassine als Hilfe, frischer Multiplayer
-
Verwirrende Geschichte, kleinere Grafikfehler

Leserkritiken

  • draphix
    Nach gerade mal 1 Jahr schickte Ubisoft den nächsten Titel der Assassin´s Creed Reihe auf den Markt: Brotherhood. Dieser schließt dabei nahtlos an... 9/10
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