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Kritiken
Strafe

Strafe

Strafe ist ein überaus blutiges Fest für Nostalgiker, doch der Titel hat seine Probleme und es ist nicht immer leicht, darüber hinwegzuschauen.

  • Text: Sam Bishop

Pixel Titans' Strafe hat aus mehreren Gründen unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ob es die lockere Reproduktion klassischer Shooter-Erlebnisse, wie Quake oder Doom ist, die vielen sich konsequent aneinanderreihenden Roguelike-Elemente oder die unfassbar grausame Darstellung von Gewalt. Pixel Titans scheint einfach an alles gedacht zu haben, jedenfalls in der Theorie. Denn eigentlich sollte der schnelllebige Action-Shooter natürlich auch mächtig motivierend und unterhaltsam sein, in der Praxis ist das leider nicht immer der Fall.

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Strafe ist ein sehr blutiges Spielerlebnis, das selbst die brutalen Spiele von früher übertrumpft.

Die Story von Strafe könnte man wohl als minimalistisch bezeichnen, in jedem Fall ist sie unwichtig und vernachlässigbar. Unsere Mission ist es, am Rande der Galaxie nach brauchbaren Materialien zu suchen und dafür müssen wir die Weltraumstation Icarus aufsuchen. Sobald wir an Bord des Raumschiffes teleportiert wurden, müssen wir herausfinden, dass dieser Ort von mörderischen Robotern und Monstern überrannt wurde. Unser Ziel bleibt selbstverständlich weiterhin bestehen, wir müssen diese seltenen Ressourcen finden, doch die vielen Gegner machen uns das Leben ganz schön schwer.

Die Level sind prozedural generiert, zwei Spieldurchläufe werden sich also niemals gleichen. Tatsächlich fällt die Varianz durchaus positiv auf, manchmal finden wir uns in einem giftgrünen Schleimlabor wieder, wenige Zeit später stecken wir in engen Korridoren fest und stehen mit dem Rücken zur Wand. Der visuelle Stil ist nicht so abwechslungsreich, aber immerhin überzeugt die Umgebung mit etlichen unterschiedlichen Ebenen und meist dunklen, vollen Farben. Ein großes Manko sind hierbei die diversen Türen und Aufzüge, die so fein in die Wand eingelassen wurden, dass die Navigation durch die Icarus zuweilen desorientiert und verwirrt.

Was dem Spiel wirklich im Weg steht, ist sein Upgrade- und Shop-System. Strafe hätte ein actiongeladenes Shooter-Spektakel sein können, und das haben die Entwickler sicher auch vorgesehen, wenn die Verteilung der Werkbänke und die dortige Wartung viel besser durchdacht gewesen wären. An diesen Arbeitstischen dürfen wir mit all dem Kram, den wir unterwegs aufsammeln, neue Munition und Rüstung anfertigen und dafür gibt es verständlicherweise ständig Bedarf. Die Werkbänke sind in der Regel jedoch zu rar gesät, sodass nerviges und häufiges Backtracking notwendig wird. Zudem sind die Kosten einiger Items derart immens (und das Endergebnis fällt auch noch so niedrig aus), dass wir ständig damit hadern, die richtig dicken Wummen auszupacken und einfach eine schöne Zeit zu haben. Mit dem sparsamen Einsatz unserer wenigen Ressourcen reduziert sich Strafe zu einem nervösen Erlebnis, in dem wir jeden neuen Raum mit äußerster Vorsicht abzusuchen, um nicht noch mehr Leben zu verlieren.

Die vielen Überraschungen die uns das Spiel in regelmäßigen Abständen entgegenwirft, werden dadurch zu einem umso größeren Hindernis. Es geschieht manchmal einfach, dass wir in Situationen geworfen werden, in denen wir zwangsläufig Leben verlieren, ohne wirklich etwas dagegen tun zu können. Daran hat manchmal auch die Levelstruktur ihren Anteil, wenn wir in eine Ecke gedrängt werden, aus der es kein Entrinnen gibt.

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Die Handwerksgriffe sitzen, das Gameplay ist auf den Punk, doch den Waffen und Explosionen fehlt es an Wumms.

Die Waffen mit denen wir uns gegen all diese Gefahren zur Wehr setzen können, sind extrem unterschiedlich und können sogar aufgerüstet werden. Wir starten mit einer von drei möglichen Anfängerwaffen, der Railgun, der Schrotflinte und dem SMG. Jede der Knarren lässt sich an einer Upgrade-Station mit sämtlichem Kram erweitern, aber natürlich finden wir auch viele neue Waffen im Spielverlauf. Wenn mal keine Munition übrig ist, dürfen wir sie als Schlagwerkzeug benutzen, aber selbst die blanken Fäuste sind effektive Methoden, sich die Monster vom Leib zu halten. Natürlich hat jede Knarre ihre Vor- und Nachteile, die Schrotflinte zum Beispiel ist quasi nutzlos für alle Ziele, die mehr als zwei Meter entfernt sind. Das alles wirkt Frisch und interessant in Strafe, allerdings hätten sich die vielen Waffensysteme gerne auch etwas mächtiger anfühlen dürfen. Manchmal wirken die Argumentationsverstärker wie Erbsenschießer, unter all dem Kram dürfte aber sicher für jeden Geschmack etwas dabei sein.

In einem richtigen Actionspiel dürfen Explosionen natürlich nicht fehlen und deshalb gibt es in Strafe unglaublich viele Fässer, Granaten oder andere Kettenreaktionen-verursachende Gefahrenherde. Ähnlich wie bei den Waffen wird euch Strafe damit jedoch kein allzu ausgeprägtes Gefühl echter Zerstörung und purer Kraft vermitteln. Die Explosionen sind recht klein und ab und zu scheinen vereinzelte Gegner davon nicht erfasst zu werden, obwohl sie direkt daneben stehen und eigentlich blutiger Matsch sein müssten. Das ist besonders nervig in einem Spiel, das so schwierig wie Strafe ist. Erwischt ihr einen fiesen Alien dann aber doch direkt, werdet ihr mit einem Blutregen belohnt und müsst euch anschließend die Eingeweide aus dem Gesicht wischen.

Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich vor allem durch das Leveldesign und das ist in der Tat beeindruckend. Zuerst ist das ganze Schiff nur ein Labyrinth mit etlichen Verzweigungen, später ist es sogar noch leichter, sich darin zu verlieren und wir müssen ständig damit rechnen, von neuen Monsterhorden angegriffen zu werden, die aus Ecken, Lüftungsschächten und Öffnungen im Boden krauchen, die wir noch gar nicht gesehen haben. Strafe hat übrigens auch versteckte Räume und wir wissen einfach nicht, was wir davon halten sollen... Was Strafe gut hinbekommt, ist dieses Gefühl der Dringlichkeit und dass wir immer bereit sind, unsere Füße in die Hand zu nehmen und davonzurennen. Wenn wir uns in offenen Arealen befinden, ist es leicht den Gegnern auszuweichen, aber natürlich nimmt das auch ein gutes Stück der Geschwindigkeit aus Strafe heraus.

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Es gibt wirklich unfassbar viele Waffen und das Level-Design ist ebenso variantenreich.

Die Performance von Strafe leidet gelegentlich sehr stark, nicht nur aufgrund von Clipping-Fehlern bei den Monstern und der Umgebung, oder den harten Frame-Drops. Das tritt manchmal nur sporadisch auf, doch vor allem beim Laden und dem Verlassen eines Gebietes scheint das ein wiederholbares Problem zu sein. Gelegentlich ist dieses stottern so gravierend, dass wir dachten, das Spiel wäre abgestürzt.

Seine Roguelike-Natur bedeutet auch, dass Strafe kein Spiel für jedermann ist. Im Gegensatz zu ähnlichen Spielen bietet das Spiel von Pixel Titans kein aktives Fortschrittssystem, in denen wir spezielle Spielressourcen verwenden, um unsere Charaktere nachhaltig zu verbessern. Strafe macht hier einen kalten Schnitt, wer stirbt startet komplett bei null. Es gibt keine Speicherstände, keine freigeschalteten Errungenschaften, die Spielerfahrung bleibt unverändert auf gleichem Niveau. Wer ein Level durchspielt, darf glücklicherweise immerhin beim nächsten Versuch dort starten, doch theoretisch ist jemand der 50 oder mehr Stunden investiert hat, genauso gut wie ein neuer Käufer. Einige Menschen mögen diese endgültige Erfahrung sicherlich, doch erst vor kurzem haben wir das sehr ähnliche Immortal Redneck gespielt und sind dort dank des unglaublich motivierenden Fortschrittssystems nach wie vor im Spielfluss. Strafe hingegen bricht mir jedes Mal das Herz, wenn es mich zwingt neu zu starten, sobald ich gestorben bin.

Pixel Titans versucht mit allen Mitteln ein schwieriges Spiel zu erschaffen und all dieser Starrsinn macht es nicht ganz leicht, sich mit dem Titel anzufreunden. Wenn uns das Spiel die wichtigen Upgrade-Materialien verweigert, uns eine weitere Gegnerwelle entgegenwirft und der geilen Knarre dann schon wieder die Munition ausgeht, wird das schnelle Action-Geballer allzu leicht zu einem sehr zehrenden Spielerlebnis. Fans der alten Schießprügel werden es sicher unterhaltsam finden, mit einem Affenzahn um die Gegner zu tanzen und alles in einem Kugelhagel einzudecken, doch sobald der versiegt ist (was in der Regel nach wenigen Minuten geschieht) ist Strafe ein anderes Spiel. Außerdem machen einem die technischen Schwierigkeiten mit der Bildwiederholrate zu schaffen, auch die Präsentation hätte mehr Liebe vertragen können. Aber dafür gibt es Literweise Blut in Reinkultur.

StrafeStrafe
06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Etliche unterschiedliche Waffen und Level; Interessanter Einsatz der Gore-Efffekt; Level-Design ist kompliziert
-
Viele Frame-Drops; Schwache Explosionen; Langweilige Farben; Werkbänke treten zu selten auf und sind zu kostenintensiv.
overall score
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