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KRITIK

CALL OF DUTY: BLACK OPS

Treyarch tritt aus dem Schatten von Infinity Ward heraus und wird der neue Fackelträger für die Call of Duty-Serie. Den Spuren von Call of Duty: Modern Warware 2 folgend, finden sie aber absolut ihren eigenen Weg.

Es sind große Fußstapfen, in die sie da treten müssen. Und diese auszufüllen ist wahrlich keine leichte Angelegenheit. Als der Modern Warfare-Entwickler Infinity Ward dem Publisher Activision Probleme machte, setzte der Publisher große Hoffnungen in Treyarch, dass sie die Serie erfolgreich weiterentwickeln. Eigentlich fiel das Studio bisher mit den wenig beeindruckenden Shootern Call of Duty 3 und Call of Duty: World at War kaum auf, aber mit Call of Duty: Black Ops zeigen sie, dass sie so viel besser sind. Sie haben einen Shooter abgeliefert, der genauso gut ist wie Call of Duty: Modern Warfare 2 und der das Potenzial hat, der beste des Jahres zu werden.

Zunächst sei gesagt, dass sich alle Modern Warfare 2-Veteranen im neuen Black Ops-Gewand wohlfühlen werden. Die Veränderungen beim Tempo, die geskripteten Sequenzen und wie sich das Spiel als Ganzes anfühlt, legen den Schluss nahe, dass sich hier jemand den Vorgänger sehr genau angesehen hat. Aber verglichen damit, ist es erstaunlich, ein wie viel größerer Fokus diesmal auf die Geschichte gelegt wurde.

Wir befinden uns im Kalten Krieg. Castro zeigt sich von seiner aggressivsten Seite und die Geschichte wird nicht durch verwackelte Satellitenbilder und Dialogfenster erzählt. Stattdessen gibt es Rückblenden, Monologe und eine wirklich interessante Wendung fast am Ende. Nicht reif für einen Oscar, natürlich, aber Treyarch bietet ein hübsches Stück Spannung. Im Ergebnis ist die Geschichte vielleicht wenig originell, aber dennoch um Klassen besser als die der vorherigen Call of Duty-Spiele.

Call of Duty: Black Ops
An Abwechslung bei den Umgebungen mangelt es Call of Duty: Black Ops nicht.

Während der Einzelspieler-Kampagne bekommen wir unter anderem ein russisches Konzentrationslager, den feuchten Dschungel von Vietnam und ein Schiffswrack in der Antarktis zu sehen. Es gibt kaum etwas an der Vielfalt der Umgebungen zu kritisieren und gleiches gilt auch für das Gameplay - intensive Schusswechsel auf großen Schlachtfeldern werden vom Kriechen durch klaustrophobisch enge Minen aufgelockert und mit Flügen von Helikoptern und Drohnen angereichert.

In einer besonders bemerkenswerten Szene führen wir eine Gruppe von Soldaten mit Hilfe einer Drohne zur Aufdeckung durch ein Ödland, in dem überall gut bewaffnete Russen lauern. Wenn die Gruppe entdeckt wird, wechselt das Spiel in die Egoperspektive, damit wir uns den Weg wieder sicher und frei schießen könnne. Im Anschluss folgt wieder ein Zoom zurück zum Überwachungsflugzeug mit den Wärmebild-Kameras. Ein wirklich spannender Einsatz von verschiedenen Perspektiven, vor allem wenn der Wechsel so schnell erfolgt wie hier.

Szenen wie diese definieren die Black Ops-Erfahrung. Alles richtet sich gefühlt sehr stark nach einem selbst. So gibt es beispielsweise keine echte Freiheit, aber die Entwickler haben erkannt, dass ein Anlegen der Action auf diese Art und Weise im Grunde mindestens genauso viel Unterhaltungspotenzial bietet, als hätten wir die volle Kontrolle. Wenn wir plötzlich von einem wütenden Vietcong angegriffen werden und so hart auf die Tasten des Controllers einprügeln, als würde unser Leben davon abhängen, macht es die Sache nur wenig einfacher, das es wieder passiert, wenn wir das Level noch einmal spielen. Call of Duty: Black Ops spielt sich wie ein Actionfilm, in dem der Held dem Tod immer nur gerade so entgehen kann.

Call of Duty: Black Ops
Das Gameplay ist ebenfalls variantenreich - zum Beispiel geht es im Cockpit eines Kampfhubschraubers in die Luft.

Im Vergleich zu, gerade erschienenen Medal of Honor wird man auf Kosten des Realismus unterhalten - was weit davon entfernt ist, störend zu sein. Die Masse an Brutalität im geskripteten Nahkampf und bei tödlichen Angriffen ist etwas, auf das man gut und gern hätte verzichten können. Black Ops ist auch ohne diese brutalen Momente ein fesselnder Shooter. Es braucht keine Nahaufnahmen von Messern, die Kehlen aufschlitzen, um die Reaktionen zu verbessern. Allerdings kommen diese Szenen nur sporadisch vor, so dass es kaum einen Grund gibt, den Entwicklern vorzuwerfen, sie nur des Schockeffekts wegen integriert zu haben. Und sie können beim Start des Spiels abgeschaltet werden - auch wenn das wahrscheinlich niemand machen wird - schon gar nicht in Deutschland.

Für angespannte Spieler mag es ein bisschen frustrierend sein, sich ständig um die eigenen Teamkameraden kümmern zu müssen. Für gewöhnlich bin ich zum Beispiel ein Spieler, der seine Zeit braucht und dem Anführer brav und ergeben auf dem Schlachtfeld folgt. Aber irgendwie ist es mir trotzdem gelungen, an der Spitze des Teams mitten im Schlachtfeld zu enden. Ich musste dann zurück, um mich mit dem Rest des Teams zu verbünden, weil sich die KI-Truppe noch auf einen irgendwo verschanzten, überlebenden Soldaten gestürzt hatte. Diese Art von Bruch ist selten, aber er fällt ziemlich auf. Auch so ein Preis, den man für diese Form von Action-Spiel in Kauf nehmen muss.

Seit Call of Duty 4: Modern Warfare veröffentlicht wurde, ist der Multiplayer der Serie für viele ein weitaus wichtigerer Teil der Spielerfahrung geworden. Und obwohl ich selbst nie bis rauf zu Prestige gespielt habe, lässt sich ohne Zweifel sagen, dass Black Ops den Multiplayer erweitert und verbessert hat. Viel davon lässt sich auf das Währungs-System zurückführen, mit dem man nun neue Ausrüstung kaufen kann, ohne das notwendigerweise ein ausgesprochen hohes Level erreicht wurde.

Call of Duty: Black Ops
Das Team ist wichtig, auch wenn die Künstliche Intelligenz nicht immer ganz so clever agiert.

In Kombination mit dem neuen Wett-System werden öffentliche Einrichtungen zur Heilung der Black Ops-Sucht eine Menge zu tun bekommen. Mit Hilfe dieses Systems können kleinere und größere Beträge in einen Topf geworfen werden und nach einem Match teilen sich die drei Spieler an der Spitze den Gewinn unter sich auf. Das ist nichts für Spieler mit wenig Selbstvertrauen, aber alle, die sich darauf einlassen, können sich auf eine wirklich intensive Erfahrung gefasst machen.

Erwähnt werden muss auch Gun Game, das sich vermutlich ähnlich großer Beliebtheit erfreuen wird wie es damals bei Counter Strike: Source war. Für jeden Kill gibt es eine bessere Waffe und am Ende geht es darum, Waffe Nummer 20 zu erreichen. Und selbst wenn die klassischen Mehrspieler-Modi nichts für einen sind, Treyarch hat eine neue Version vom beliebten Zombie-Modus aus Call of Duty: World at War integriert. Das ist zwar kein Left 4 Dead-Killer, aber dennoch eine Variante, die einen für Stunden die echte Welt da draußen vergessen lässt.

Und: Zu schön, um wahr zu sein? Mit Call of Duty: Black Ops ist Treyarch im Verhältnis zu Infinity Ward wie ein cooler Junge in der Schule, der versucht, die Älteren nachzumachen. Mit genug Arbeit wird er irgendwann in der Gruppe akzeptiert. Black Ops bringt alles mit, was es braucht, um es mit den alten Spielen aufzunehmen. Es optimiert und verbessert ein bisschen die Spielbalance, ohne es zu verhunzen. Der Solo-Modus bietet eine spannende Geschichte, im Multiplayer wird eine Währung eingeführt und das Spiel fühlt sich strammer an als ein paar enge Jeans im Regen. Bravo!

09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
extrem fesselnde Solo-Kampagne, spannende Geschichte mit viel Abwechslung, da, Währungs- und Wett-System im Multiplayer, verbesserter Zombie-Modus
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die teils billigen Schock-Momente, manchmal schlechte Künstliche Intelligenz
BETA +