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Kritiken
Thimbleweed Park

Thimbleweed Park

Ron Gilbert und Gary Winnick sind zurück mit dem geistigen Nachfolger von Maniac Mansion. Wie schlägt sich das Spiel in der heutigen Zeit?

  • Text: Ford James

Adventures gibt es eigentlich schon so lange, wie es Videospiele gibt. Es fing mit einfachen Text-Abenteuern à la Zork an, bevor daraus im Laufe der Zeit richtige Point&Click-Spiele wurden. Diese Titel haben eine ähnliche Struktur, aber auch komplizierte Grafiken. LukasArts veröffentlichte 1987 mit Maniac Mansion einen echten Klassiker, getoppt wurde das von The Secret of Monkey Island; beide Projekte wurden hochgelobt und benutzen die legendäre SCUMM-Engine. Thimbleweed Park ist der geistige Nachfolger von Maniac Mansion. Es behält den Charme und den Humor des Originals bei, verbessert die beliebte Formel jedoch so umfassend, dass schnell klar wird: Das hier ist kein übliches Point&Click-Adventure aus dem Jahr 2017 - es ist so viel mehr.

Thimbleweed ParkThimbleweed Park
Wir müssen manchmal ganz schön um die Ecke denken, aber feststecken, das geht in Thimbleweed Park nicht.

Thimbleweed Park steckt uns in die Fußstapfen der zwei Protagonisten Agent Ray und Agent Reyes - zwei Detektive, die den Mord an einem unbekannten Geschäftsmann in der Kleinstadt Thimbleweed Park untersuchen. Nach und nach wird klar, dass nicht dort nicht alles so ist, wie es den Anschein hat. Der Scheriff versucht zum Beispiel ständig, uns davon abzuhalten unseren Dienst als Ermittler nachzugehen. Drei weitere Figuren werden spielbar und wir erleben Teile ihres Lebens in Form von Flashbacks: Ransome der Clown, Delores und Franklin. Die Geschichte wirkt als hätten Gilbert und Winnincks eine schlechte Krimi-Show interpretiert, bei der man potentielle Verdächtige ausschließen muss, in dem man die Bürger der Stadt befragt. Und die Fragen werden nicht weniger, während die Agenten versuchen aufzudecken, was diese Kleinstadt verbergen will.

Ohne die Puzzles wäre es kein echtes Gilbert/Winnick-Spiel und genau die liefert Thimbleweed Park auch. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man die Dinge angehen kann. Das Spiel ist wenig linear, was die Reihenfolge betrifft, in denen wir auf die Rätsel stoßen. Interessanterweise ist keines dieser Puzzle besonders unlogisch. Klar, man muss schon nach ein paar obskuren Lösungen suchen, aber fühlt sich nie betrogen, weil die Lösung eben immer Sinn ergibt. Wie bei den alten SCUMM-Spielen dreht sich alles um die neun Verben, die bestimmen, wie wir mit der Welt interagieren (etwa „Benutze", „Rede mit" oder „Nimm auf"). Dinge lassen sich miteinander kombinieren oder werden in unserem Inventar verstaut, wenn wir sie aufheben - die Mechaniken sind einfach geblieben.

Thimbleweed ParkThimbleweed Park
Nehmt euch Zeit mit dem Spiel, findet jedes Geheimnis und jede Dialog-Option - es ist es wert.

Es gab ein paar Momente in denen ich dachte, endgültig festzustecken oder dass ich etwas so falsch gemacht hätte, dass es sich nicht wieder beheben lässt. Doch offenbar ist es in Thimbleweed Park nicht möglich, sich derart zu verfahren und schlussendlich hängenzubleiben. Die Lösung ist immer da, wir müssen es nur weiter versuchen und neue Kombinationen ausprobieren. Manche Dinge brauchen Adleraugen, um entdeckt zu werden und es gibt keinerlei Tipps, wie in den Neuauflagen von Monkey Island. Aber eine kleine Pause sorgt oft für den nötigen frischen Wind, um den Kopf wieder frei zu bekommen und schlussendlich die Lösung zu sehen. Es gibt zwei unterschiedliche Modi, das ist neu für ein Ron Gilbert-Spiel: Casual oder Hard. Auf Casual verraten uns einige Charaktere, wie es weitergeht und die Puzzle sind insgesamt einfacher. Wenn man vergisst, wo man gerade steckt, hat jede der spielbaren Figuren ein Notizbuch oder eine To-Do Liste in der man nachschlagen kann.

Wie zu erwarten ist das Spiel vollgestopft mit Referenzen an frühere Titel, sich selbst, echte Menschen oder vieles mehr. Ein Zitat wie: „Wenn das ein Sierra Online-Graphic-Adventure wäre, dann wäre ich jetzt schon tot." ist nur ein Beispiel dafür, dass das Skript voller Humor und Lacher steckt.

Das Schöne an Thimbleweed Park ist auch, das es trotz der Insider-Witze und Referenzen, der obskuren Rätsel und der schwer zu findenden Gegenstände sehr einsteigerfreundlich ist. Jeder Bewohner der Stadt hat seinen ganz eigenen Charme, sogar Ransome der Clown mit seinen wüsten Beleidigungen. Das Geheimnis des Sheriffs/Hotelmanagers ist so fesselnd und seltsam - genau wegen solchen Dingen will man einfach immer mehr. Selbst die beiden Agenten, die ich anfangs für relativ gradlinig hielt, scheinen etwas zu verbergen und wenn ihr Point&Click-Neulinge seid: Spielt auf Casual. Ihr verpasst nur wenige Rätsel und Dialog-Optionen und gelangt dafür umso schneller an jeden Ort, ohne erst den ganzen Weg zurücklaufen zu müssen - an der Garage vorbei, die Hauptstraße runter, über den Highway, direkt in die Abwasserkanäle.

Auch wenn sich der Stil seit dem ersten Kickstarter-Video drastisch verändert hat, die Animationen und das Layout erinnern noch sehr an das goldene Zeitalter der Point&Click-Abenteuer und der traditionellen SCUMM-Spiele. Aber jetzt gibt es wesentlich mehr Details. Die Umgebungen können besser ausgeleuchtet und mehr Animationen dargestellt werden. Die Sprachausgabe beeindruckt und modernisiert das Ganze im Vergleich zu den älteren LucasArts-Titeln. Umgebungs- und Hintergrundgeräusche tun ihr Übriges und im Rathaus ertönt Violinen-Musik; man kann sogar tatsächlich den Sheriff fragen, was es dort mit der gruseligen Geigenmusik auf sich hat. Es fühlt sich immer noch wie ein traditionelles LucasArts-Spiel an, aber angepasst an das Jahr 2017.

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Thimbleweed Part behält den Charme und den Humor von Maniac Mansion bei, verbessert die beliebte Formel jedoch umfassend.

Über allem von Thimbleweed Park prangen die Namen von Ron Gilbert und Gary Winnick. Es ist eins der besten Point&Click-Games, die nach der Jahrtausendwende erscheinen werden und Pflichtkauf für jeden Liebhaber der SCUMM-Spiele. Wann immer ich auch steckengeblieben bin, es war stets mein eigener Fehler, weil ich einen Gegenstand übersehen oder einen Tipp überhört habe. Es ist kein Spiel ohne Fehler, das Ende wirkt ein wenig übereilt und man sehnt sich nach mehr. Ich habe das Spiel in 12 Stunden abgeschlossen, das ist nicht kurz, aber wenn man weiß, wie unwahrscheinlich ein Nachfolger oder eine neues Spiel der beiden Entwickler ist, wird es ein wenig deprimierend. Nehmt euch Zeit mit dem Spiel, findet jedes Geheimnis und jede Dialog-Option und dann tut euch den Gefallen und spielt auch noch mal Maniac Mansion und The Secret of Monkey Islands. Das abgelegene Thimbleweed Park hat für jeden etwas zu bieten.

P.S. Wenn ihr das Spiel startet, wählt in den Toilettenpapier-Option auf zurück. Ihr Neandertaler.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Erfordert die Fähigkeit, irrational zu denken (wird aber nie unlogisch), zahllose Referenzen und Insider-Witze sind im Überfluss enthalten, Story st verdreht und fantastisch
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Cleveres Ende, das ein bisschen zu eilig herkommt; zum Schluss bleibt das Gefühl bleiben, dass wir mehr von alledem wollen, aber niemals bekommen werden.
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