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Kritik

Vikings: Wolves of Midgard

Kalypso serviert uns mit Vikings: Wolves of Midgard eine eiskalte Überraschung, die Redakteur Stefan vor eine harte Geduldsprobe gestellt hat.

Vikings: Wolves of Midgard ist ein Hack'n'Slay-Action-Rollenspiel vom slowakischen Entwicklerteam Games Farm. Wie der Titelname bereits andeutet, ist das Spiel thematisch in der nordischen Mythologie angesiedelt. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nur auf verschneiten Berggipfeln umherlaufen werden. In seiner Szenario-Auswahl ist Vikings überraschend vielseitig - und vom sonnigen Strand bis zur glühenden Eisenmine ist einiges dabei. Das Spiel könnte man durchaus als hübsch bezeichnen, visuell gibt es in der Tat einige Hingucker. Der Sound ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig und wiederholt sich schnell. Fans nordischer Musik fühlen sich damit bestimmt wohl, negativ ist die Geräuschkulisse jedenfalls nicht.

Die reine Kampagne enthält um die 30 Level, die wir solo oder mit Freunden im Koop angehen. Das geht jedoch nicht lokal an einer Konsole, nur online dürfen wir den Abenteuern unserer Freunde beitreten. Da Gebiete auf ein bestimmtes Spielerlevel ausgelegt sind, lohnt es sich manchmal, in bereits bereiste Missionen zurückzukehren und Erfahrung, Gold oder Ressourcen zu sammeln. Denn mit gefundenen Ressourcen bauen wir den zentralen Dorf-Hub auf und profitieren dadurch von verschiedensten Boni.

Vikings: Wolves of MidgardVikings: Wolves of Midgard
Obwohl das Spiel in der nordischen Mythologie angesiedelt ist, gibt es mehr zu sehen, als verschneide Gletscher.

Böse Zungen behaupten, Dungeon-Crawler könnten keine tiefgreifenden Geschichten erzählen, im Falle von Vikings: Wolves of Midgard stimmt dieser Bauernspruch tatsächlich. In der Story verbünden wir uns mit starken Alliierten, um die Welt vor der Ragnarök zu bewahren. Die inszenierte Epik wird als reines Story-Element genutzt, dem Gameplay gelingt es schlichtweg nicht, uns dieses Gefühl zu geben. Das weitaus größere Problem der Geschichte ist jedoch die Inszenierung der eigenen Spielfigur. Die ist so unglaublich unsympathisch, sie ist arrogant und nerv-tötend, dass es mir schlichtweg die Sprache verschlägt. Games Farm bedient sich stumpfer Stereotypen und verbindet das mit einem losen Mundwerk. Heraus kommt ein ekelerregender Tyrann. Niemand will so etwas spielen.

Monster lassen im Todeskampf wie erwartet Ausrüstungsgegenstände und Waffen zurück, mit denen wir unseren Charakter für die kommenden Schlachten rüsten. Das Equipment bedingt die verfügbaren Skills, da jedes der fünf Waffensets einen eigenen Fähigkeitsbaum hat. Im Gegensatz zu anderen Hack'n'Slays funktioniert das Kampfsystem von Vikings: Wolves of Midgard über eine Kombination von Abklingzeiten und Ausdauerleiste, wodurch der Einsatz einiger Fähigkeiten reguliert werden soll. Diese künstliche Reglementierung fasst jedoch erst sehr spät im Spiel, da wir schließlich erst einmal entsprechende Skills freischalten müssen. Zudem sind die Abklingzeiten hoch angesetzt, was irgendwie nicht ganz zum Spielstil passt.

Vikings: Wolves of Midgard spielt mit einem visuellen Hingucker: dem sogenannten "Exposure"-Feature. Das spiegelt den äußeren Zustand unseres Charakters auf dem HUD wider. Im ersten Level ist das konkret der Erfrierungseffekt (unser Held ist nämlich nicht gerade in dickem Pelz eingepackt), der den Bildschirm langsam zufrieren lässt. Um das zu verhindern, müssen wir warme Plätze wie Höhlen und Lagerfeuer aufsuchen und uns dort aufwärmen. Später wird diese Mechanik mit unterschiedlichen Dingen erweitert, das Schema funktioniert aber immer nach diesem Prinzip. Wird die "Exposure"-Leiste komplett gefüllt, erleiden wir Schaden über die Zeit. Geht unserem Recken im Kampf die Puste aus, starten wir am letzten Ladepunkt neu und verlieren sämtlichen Fortschritt.

Vikings: Wolves of MidgardVikings: Wolves of Midgard
Vikings: Wolves of Midgard wird ein blutiges Erlebnis, denn die Wikinger verstehen ihr Handwerk.

Die Controller-Steuerung ist teilweise überladen, was für ein solches Spiel sehr schade ist. Per Knopfdruck wechseln wir zwischen den beiden ausgerüsteten Waffensets hin- und her, mit dem rechten Stick führen wir eine Rolle aus. Gegner visieren wir mit dem linken Stick an, der auch für die Bewegung verantwortlich ist. Darin ist auch die Ungenauigkeit der Steuerung begründet, es ist wirklich keine Seltenheit, dass wir in die falsche Richtung schlagen oder Gegner verfehlen.

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Einige Level sind mit einer Rätselmechanik versehen, die dem Spiel eine weitere Gameplay-Komponente geben. Nordische Höhlen und Gräber werden etwa durch Runen- oder Schalterrätsel geschützt, um neugierigen Abenteurern den Zugang zu verwehren. So interessant und frisch ich diesen Einschub auch finde, umso unverständlicher lassen mich die fehlenden Hilfestellungen zurück. Games Farm setzt selbst in den Hauptquests wortwörtlich einen Riegel vor die Missionsziele. An einem ganz bestimmten Rätsel saß ich über zwei Stunden lang. Die Aufgabe bestand darin, vier Runen auf Steinkreisen in der richtigen Abfolge darzustellen - diese Mechanik kam vorher mehrmals zum Einsatz und wurde stets mit einem versteckten Lösungswort gelöst. In meinem Fall war das jedoch schlichtweg eine Finte. Allein meinem schwachsinnigen Sturkopf habe ich es zu verdanken, dass ich nach zahllosen Versuchen eine Lösung gefunden habe. Dafür musste ich lediglich 178 von 256 möglichen Kombinationen durchtesten. Selbst nach Abschluss des Puzzles sehe ich keinerlei Zusammenhang zwischen dem Hinweis- und dem Lösungswort. Was bitte soll das denn?

Trotz offensichtlicher Parallelen zwischen Vikings: Wolves of Midgard und Diablo III rate ich von einem unfairen Vergleich der beiden Titel ab. Dem Spiel von Games Farm gelingt es nicht im Ansatz, mit der Expertise von Blizzard zu konkurrieren. Ich glaube sogar, dass sich gestandene Nephalem aus Sanktuario sehr schnell langweilen werden. Kalypsos Actionspiel hat ein sehr viel gemächlicheres Spieltempo, Schwierigkeitsgrad, Levelstruktur und die Klassen-Builds sind vorgeschrieben.

Vikings: Wolfs of Midgard muss für seine Wertung ganz schön kämpfen. Natürlich bin ich noch immer stinksauer wegen dieses Runenrätsels, doch das Spiel hat viel größere, offensichtlichere Baustellen. Ich habe erlebt, dass Vikings einiges auf den Kasten hat und herrliche Momente auf den Bildschirm zaubert. Nur sind diese Situationen leider rar und der Weg dahin gepflastert mit vielen technischen und gestalterischen Stolpersteinen. Das Spiel hat coole Ideen und teils tolle Bosskämpfe, setzt uns regelmäßig neue Gegnersorten und Gebiete vor - und probiert mal den Koop aus! Auf der anderen Seite stehen ganz klare Negativpunkte, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Wie sehr ihr euch davon aus der Ruhe bringen lasst, wird ganz entscheidend euer Spielerlebnis mit Vikings: Wolves of Midgard prägen.

Vikings: Wolves of Midgard
Vikings: Wolves of Midgard
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
gute Bosskämpfe, lineares Leveldesign überrascht mit schlauen Ideen, viele schicke Umgebungen, zeitgemäße Präsentation
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eintöniges Gameplay, kein Spielraum bei der Klassenwahl, überladene Steuerung, rudimentäre Spielmechaniken, fehlende Rätselhilfen, geringer Wiederspielwert, kein Couch-Koop, Gegner mit Schilden sind die Hölle...
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