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Kritik

Rock Band 3

Ist Rock Band 3 das ultimative Musik-Spiel? Mal schauen! Dem Harmonix-Team ist tatsächlich eine ganze Menge gelungen mit Rock Band 3. Aber eine Sache ist wirklich beeindruckend. Das hier ist ein frisches und aufregendes Spiel in einem heillos übersättigten Genre. Seit dem Durchbruch von Guitar Hero vor knapp fünf Jahren haben wir vertraute Noten gezupft, überwältigend lange und hart gearbeitet, um die ganze Band auf einen Song einzuschwören und wurden gezwungen, Aerosmith und Green Day zu ertragen.

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Musikspiele sind ein Spielplatz für jedermann, aber an der Oberfläche fühlen sie sich immer mehr wie Treibsand an. Eigentlich ist es da nur logisch, dass es Harmonix gelingen würde, das Genre ein Level weiter zu bringen. Nachdem sie das Genre mit Guitar Hero begründet und mit The Beatles: Rock Band verfeinert haben, treiben sie es jetzt noch einen Schritt weiter in Richtung Realismus.

Die unglaubliche Spieltiefe von Rock Band 3 ist beeindruckend. Seit uns Guitar Hero beibrachte, eine „echte Gitarre zu spielen", wurde das Bestreben der Entwickler, die Freude am Machen echter Musik zu simulieren, immer deutlicher. Alles sollte leicht zugänglich und einladend sein, aber auch komplex genug für Leute, die tiefer gehen wollen. Wo ist das ähnlich mit dieser Hingabe an den Realismus? Beim Microsoft Flight Simulator vielleicht. Aber der ist nicht Rock‘n‘Roll.

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Rock Band 3 ist ein ehrgeiziger Musik-Coach. Auch wenn es den meisten Leute egal ist, wie man C-Moll hält, sie könnten es hier lernen. Ein paar Menüoptionen neben der entspannten Gaming-Party am Freitagabend findet sich die Anleitung, wie man eigene Musik macht. Die Grundlage dafür liefern die neuen Instrumenten von Mad Catz, die Tastatur und die Gitarre. Letztere kommt in zwei Modell-Varianten, als 102-Button-Nachbau einer Fender Mustang und als Fender Squier mit echten Saiten, die auch in einen Verstärker gesteckt werden kann. Das Drumset bekam ein extra Becken spendiert, ist jetzt sehr ruhig und sehr solide verarbeitet.

Rock Band 3
Wer will, darf jetzt mit einer Gitarre mit echten Saiten spielen.

Das alles spricht den Musik-Nerd in mir natürlich an, darf aber niemanden einschüchtern. Der für wirklich jeden spielbare Party-Modus ist immer noch da. Der Easy-Modus ist noch vorhanden, grundlegende motorische Fähigkeiten und ein bisschen Rhythmusgefühl reichen aus, um die Songs zu meistern und die Rock-Illusion zu erschaffen. Und, vielen Dank, es gibt keinen Fail-Modus.

Insbesondere das Keyboard ist eine willkommene Ergänzung und hat es Harmonix ermöglicht, neue Songs reinzupacken. John Lennon's Imagine, The Look von Roxette oder die Sachen von den Doors. Klar, anfangs hämmert man nicht wie ein Rockstar auf die Mini-Tastatur ein, aber es dauert nicht lange, dann passiert genau das.

Die Hardware fühlt sich dabei hervorragend an, mit ihren großen Tasten und einem überzeugenden Gefühl von Stabilität. Außerdem ist das Keyboard sehr flexibel. Horizontal vor einem auf dem Ständer, auf dem Schoss oder als Keytarre am Gurt umgehängt - eine schnelle Bewegung mit der linken Hand findet problemlos die Overdrive-Taste und den Filter, einen Hebel, der den Sound längerer Noten modifiziert. Es gibt sogar einen MIDI-Ausgang und auch eigene Keyboards können angeschlossen werden.

Die neuen Gitarren aber (die alten Modelle bleiben natürlich weiterhin kompatibel) sind für einen Freund von Plastikinstrumenten wie ich einer bin die Favoriten. Der erste Eindruck, unabhängig von früheren Erfahrungen, ist allerdings schlimm. Die Mustang überhaupt korrekt zu greifen, ist überwältigend. Ich bin derzeit auf dem mittleren Level im Pro-Modus unterwegs, wo ich einzelne Noten und ein paar Akkorde zupfen kann. Die Noten erscheinen auf dem Bildschirm mit einer Nummer an der jeweiligen Saite, ein leicht verständliches System. Auch wenn das Gehirn an den vielen Informationen zu scheitern scheint, etwa beim Platzieren des Fingers auf der dritten Saite des vierten Bundes - das alles ist sehr klar und logisch.

Rock Band 3
Wer gerne mit Freunden als Band spielt, hat es jetzt leichter, seine Herausforderungen zu meistern, denn die Welttournee wurde abgekürzt.

Wer Akkorde lernen will, wird mit größeren Aufgaben konfrontiert, aber im positiven Sinn. Akkorde werden von Harmonix durch Symbole veranschaulicht. Wir kriegen eine Nummer, wo der erste Finger hin soll - und das Symbol zeigt den Platz der restlichen Finger. Das muss man quasi Auswendiglernen, aber es ist definitiv logisch. Wem das zu hoch und kompliziert klingt, okay, kein Problem. Ich liebe es aber so. Rock Band 3 stellt hohe Anforderungen an mich als Spieler und befriedigt mich dabei enorm, wenn ich die Töne perfekt treffe. Der Gesang lässt sich in drei Harmonien spielen, wie schon bei The Beatles: Rock Band. Das erhöht die bereits hohe Attraktivität von Rock Band 3 nochmals. Das Beste: Wirklich jeder kann singen, also ist das eine hervorragende Gelegenheit, nicht spielende Freunde zu integrieren. Die 83 Songs starke Tracklist ist sehr gut, abwechslungsreich und weckt Emotionen.

Neben den Instrumenten bietet natürlich auch das Spiel selbst einiges. Der Tour-Modus ist verschlankt und statt einer epischen Welttournee warten jetzt kleinere Herausforderungen mit ein paar Liedern pro Session. Neben den Sternen sammeln wir auch Belohnungen für die einzelnen Instrumente, ähnlich wie bei Guitar Hero. Die On-the-Road Herausforderungen und ihre Bronze-, Silber - und Goldmedaillen sind eine intelligente Lösung und ermöglichen es Bands, die möglicherweise nur ein paar Stunden pro Woche zusammenspielen, trotzdem zufriedenen zu sein. Wer in Rock Band 3 alles erleben und freispielen will, wird eine Menge seiner Freizeit der nächsten zwölf Monate investieren müssen. Abgesehen von Achievements oder Trophäen gibt‘s zahllose Meta-Ziele im Off. Viel Glück dabei, jede Note in Rock Band 3 zu treffen...

Rock Band 3
Auch im Detail wurde vieles verbessert: Schnellere Menüs, bessere Organisation der Song-Bibliothek und der eigenen Wiedergabelisten.

Rock Band 3 glänzt rein technisch durch eine verbesserte Menüführung und eine verbesserte allgemeine Erfahrung. Noten-Serien sind leichter zu bemerken, nach einem gescheiterten Song kann die Band wählen, diesen fertig zu spielen. Es ist einfacher als je zuvor, die Song-Bibliothek zu organisieren und Wiedergabelisten zu erstellen. Rock Band 3 trackt auch die Lieblingssongs. Jedes Bandmitglied hat ein separates Menü im unteren Bereich des Bildschirms, eine sehr gute Lösung. Sie sind somit nur einen Tastendruck davon entfernt, den Song zu verlassen und den Schwierigkeitsgrad zu ändern, wenn‘s zu hart wird.

Harmonix haben auch einen tollen Charakter-Editor in Rock Band 3 eingebaut. Das muss man nicht unbedingt toll finden (ich persönlich bin nicht derjenige, der sich davon begeistern lässt, ich bin da eher für Bandnamen zuständig). Aber die schiere Anstrengung ist ein weiterer Beweis dafür, dass sie versucht haben, das perfekte Musik-Spiel zu erschaffen.

Und tatsächlich: Rock Band 3 ist mehr oder weniger perfekt - und definitiv ein echter Meilenstein für das Genre. Der einzige Minuspunkt ist die massive Zeitinvestitionen, um das Spiel mit seinem vollen Potenzial zu erleben. Und selbst mit den alten Instrumenten und Rock Band 3 kann man hunderte Stunden Spaß haben. Die Zugänglichkeit, das Song-Archiv, der Ehrgeiz und der schiere Unterhaltungswert sagen nur eines: Rock Band 3 ist das derzeit beste Musik-Spiel. Und allein der Gedanke daran, wo es hingehen könnte beim nächsten Mal, ist atemberaubend.

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10 Gamereactor Deutschland
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Exzellente Songs,ambitionierter Pro-Modus, spaßiges Keyboard, tolles Party-Spiel, höchster Suchtfaktor überhaupt...
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