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Kritik

Urban Empire

Sim City mit politischem Anspruch - wie könnte das nicht total unterhaltsam sein? Nun, Bengt hat sich als urbaner König ausprobiert...

Auf den ersten Blick scheint Urban Empires viel zu bieten. Neben den Städtebau-Mechaniken wie bei Sim City oder Cities Skylines gibt es noch ein tiefgängiges politisches System, mit dem man um Unterstützung im Parlament kämpfen muss. Dann ist da noch der Technik-Fähigkeitenbaum, der diktiert, welche Fortschritte man mit seiner Stadt macht. Insgesamt ein ordentliches Paket und es fügt sich alles hervorragend zusammen. Einfach gesagt: Wer seine Bürger unter Kontrolle, die Taschen voller Geld und glückliche Politiker hat, der kommt mit seiner Stadt schnell voran - von der industriellen Revolution bis zum modernen Utopia.

Aber ihr habt wohl schon geahnt, dass es so einfach nicht werden würde. Die politischen Parteien wollen alle unterschiedliche Dinge und gerade dann, wenn ihr sie am meisten braucht (weil etwa die Wirtschaft lahmt), hören sie euch selten zu. Gerade diese zusätzliche Ebene macht Urban Empire interessant. Es geht nicht wirklich darum, eine effiziente Stadt zu erschaffen und die Bedürfnisse der Bürger zu befriedigen. Es geht eher darum sicherzustellen, dass man die Stadt verändern kann. Jedes neue Gebäude, jede Veränderung in einem Bezirk braucht Stimmen. Das frustriert manchmal, sorgt für eine gewisse Monotonie und man gewöhnt sich sehr schnell an den Einsatz von Drohungen, besonders weil der Kongress sich scheinbar nur für die Wirtschaft interessiert.

Urban EmpireUrban Empire
Nach einigen Spielen hat man das Gefühl, sich immer in dem gleichen Szenario zu bewegen.

Wiederholung ist vermutlich das Hauptproblem von Urban Empire. Nach einigen Spielen hat man das Gefühl, sich immer in dem gleichen Szenario zu bewegen (es gibt noch spezielle Szenarios - neben der Hauptkampagne). Ein falscher Schritt kann teuer werden, also will man neu anfangen und seine Taktik anpassen. Es dominieren also riesige Zweifel, während man versucht, das Schiff in die richtige Richtung zu steuern. Ein wenig schade, denn das Spiel wird komplexer und interessanter, wenn man in den Zeitaltern weiterkommt und die Technologien fantastischer werden. Als Konter kann man die Steuern erhöhen. Wenn man Geld braucht, bekommt man hohe Steuern vom Kongress relativ einfach bewilligt (etwas seltsam, wenn man bedenkt, wie schwer sich andere Dinge durchsetzen lassen). Die Mischung zwischen Balance und Tiefgang stimmt bei der Wirtschaft einfach nicht.

Interessant ist, wie die eigene politische Ausrichtung sich im Spielverlauf verändert. Die meisten von uns sind vermutlich relativ progressiv im Vergleich zur herrschenden politischen Meinung im 19. Jahrhundert, aber aus einer pragmatischen Perspektive ist es vielleicht nicht so klug, den sozialen Fortschritt voranzutreiben, wenn dabei auch die Kosten steigen. Ein interessantes Dilemma - und das Spiel bietet sogar Einsichten, wie viel politische Energie in Dinge wie Frauenrechte geflossen sind. Manchmal eröffnen sich Möglichkeiten und man kann Gefälligkeiten einfordern. Die Effekte der eigenen Aktionen zu kennen und das Wohlwollen der Parteien im richtigen Moment einzusetzen, ist wichtig, aber die fehlende Balance sorgt dafür, dass es nicht so interessant ist, wie es sein könnte.

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Außerdem gibt es ständig irgendwelche Ereignisse. Manche sind politisch, manche haben mit der Nachbarschaft zu tun, manche mit den eigenen Forschungen. Einige wiederholen sich, andere sind einmalig und interessanter und geben uns entweder Boni oder beschädigen den Ruf - ganz abhängig davon, wie man sich verhalten hat.

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Das Spiel hat schon einigen Tiefgang und das nicht nur im politischen Teil, sondern auch beim Aufbau der Stadt.

Es gibt online so einige Beschwerden über Urban Empire, aber abgesehen von ein paar sehr hässlichen Effekten sind mir die Glitches zum größten Teil erspart geblieben (ich musste mal meinen Controller abstöpseln, damit die Kamera aufhört, sich ewig zu drehen). Aber die Entwickler liefern schnell und konstant Patches nach, was den Leuten mit Performance-Problemen hoffentlich schnell weiterhilft. Echte Probleme macht bei nur die Benutzeroberfläche, die einige Fehler hat, einfach nicht logisch ist und bei der man häufig den einen unnötigen Klick zu viel braucht. Bezirke zu erschaffen ist sehr hampelig geraten, was noch mehr nervt, wenn das Projekt im Parlament nicht durchkommt.

Diese Probleme hätten mit einer längeren, umfangreicheren Testphase sicher leicht ausgeräumt werden können, das gilt auch für die etwas launige Wirtschaft. Das Spiel hat schon einigen Tiefgang und das nicht nur im politischen Teil, sondern auch beim Aufbau der Stadt (auch wenn man hier keine große kreative Freiheit genießt).

Am Ende des Tages ist Urban Empire eine interessante Mischung von Elementen. Leider wiederholt sich vieles zu oft, es lässt nicht die Freude und Kreativität anderer Aufbau-Sims entstehen und wird von dem User-Interface ein wenig ausgebremst. Das mag sehr negativ klingen, aber man kann hier schon seinen Spaß haben und wird doch auch süchtig. Tatsächlich sorgt die politische Landschaft dafür, dass man sich über Erreichtes wirklich richtig freuen kann. Wer auf die moderne Geschichte, ab der industriellen Revolution steht und sich nicht zu sehr am etwas fehlerhaften Management stört, sollte mal einen Blick riskieren.

Urban Empire
06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
großartiges Konzept, schönes und erstaunlich tiefes Politiksystem, alle Familien und Dynastien, sauberer Technik-Fähigkeitenbaum
-
Stadtbauelement ist lahm, Benutzeroberfläche kompliziert und buggy, schwache Grafik, nicht ausbalancierte Wirtschaft, zu schnell zu viel Mikromanagement
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt
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