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Kritik

Medal of Honor

Medal of Honor ist eine alte Serie und mehr oder weniger verantwortlich für den endlosen Strom von Kriegsspielen im Zweiten Weltkrieg, die wir während des letzten Jahrzehnts gespielt haben. Schließlich hatte sich die Serie abgenutzt. EA zog den Stecker und bugsierte Medal of Honor aus dem Rampenlicht, um ihm neues Leben zu einzuhauchen.

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Mittlerweile ist das Genre weg vom Zweiten Weltkrieg und das neue Medal of Honor zog mit. Dieses Spiel platziert uns in den immer noch tobenden Krieg in Afghanistan, ein ziemlich kühner Schritt von EA. Es ist schwer, das neue Medal of Honor nicht mit Call of Duty: Modern Warfare 2 zu vergleichen. Nicht nur, weil dies den derzeitigen Maßstab darstellt, sondern weil EA gerade heraus behauptete, dass Medal of Honor es vom Thron stürzen werde. Erst die Zeit wird zeigen, ob das geklappt hat. EA hat aber zumindest einen guten Versuch hingelegt.

In vielerlei Hinsicht ist Medal of Honor das Gegenteil von Call of Duty: Modern Warfare 2. Es gibt keine Kämpfe auf dem fein gemähten Rasen vor dem Weißen Haus, keine Frontalangriffe auf Bohrinseln, keine größenwahnsinnigen James Bond-Bösewichte mit einer Privatarmee in der Hinterhand. Es ist kein Melodram und es fehlt der militärischen Jargon, direkt hinein kopiert aus einer Generation Kill-Episode. In Medal of Honor sind nicht "Oscar Mike".

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All der überzeichnete Quatsch, in denen ein Call of Duty: Modern Warfare 2 bisweilen schwelgt, fehlen völlig in Medal of Honor. Stattdessen bekommen wir afghanische Berglandschaft zu sehen, Wüsten und ländliche Gebiete. Die Feinde sind gesichtslose Afghanen, Araber oder Tschetschenen und die eigenen Jungs sprechen relativ normales Englisch.

Medal of Honor
Die Wüste Afghanistans bietet ein eigentlich tristes Setting, das EA aber wunderbar aufbereitet hat, sowohl inhaltlich als auch optisch.

Wenn man Medal of Honor mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es "nüchtern". Klar, dass hier ist immer noch eine Dramatisierung des Krieges, aber es wird mit einem Gefühl gemacht, das es sonst in anderen Kriegsspielen kaum zu sehen gibt. Es ist offensichtlich, dass die Entwickler sowohl vor dem Krieg in Afghanistan als auch den Menschen, die daran teilnehmen müssen, Respekt haben.

Das bedeutet übrigens nicht, dass Medal of Honor in irgendeiner Art und Weise langweilig wäre. Afghanistan besteht zwar zumeist aus braunen Berge, aber den Entwicklern ist es trotzdem gelungen, die Tour quer durch das Land spannend und abwechslungsreich zu gestalten. In einigen Missionen müssen wir uns nur einen Weg nach vorne erkämpfen und auf alles feuern, was im Weg steht. In anderen Missionen aber ist diese Formel mit ein bisschen extra Spielzeug angereichert.

In einer Mission zum Beispiel müssen wir einen ATV von Miliz-Camp zu Miliz-Camp fahren, die allesamt infiltriert und neutralisiert werden müssen. Oder wir sitzen am Waffensystem eines Apache-Kampfhubschraubers und zerlegen eine Taliban-Festung, während wir später als Scharfschütze den Rücken unserer Freunde freihalten, während sie gegenüber einen Berg erklimmen.

Medal of Honor
Als Scharfschütze halten wir unseren Kameraden den Rücken frei.

Wir spielen also mehrere Rollen im Laufe des Spiels - darunter auch Aufträge als Tier One-Soldat oder als einfacher Ranger. Dabei bietet Medal of Honor ziemlich intensive Action. In der Regel steht man aus vielen Richtungen auf einmal unter Beschuss und muss schnell Deckung finden, bevor überhaupt ans Zurückfeuern zu denken ist. Das alles während man versucht, nicht von der Sonne, Rauchwolken oder andere Dinge die Sicht genommen zu bekommen, was die Herausforderung kein bisschen kleiner macht.

Zur gleichen Zeit ist der Effekt, wenn man angeschossen wird, einer der überzeugendsten seit langem. Die Kombination aus ruckelndem Bildschirm und dem fiesen Sound-Effekt ist derart beunruhigend, dass man bei einem Treffer sofort instinktiv Deckung sucht. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad steckt man ein paar Treffer ein und die Gesundheit wird automatisch regeneriert. Trotzdem: Ich will einfach nicht mehrmals getroffen werden. Zu fies! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal bei einem Spiel gefühlt habe.

Es gibt viele spannende und dramatische Situationen im Laufe von Medal of Honor, ohne dass das Spiel auf flache Plattitüden zurückgreifen muss und es gab Situationen, wo ich zu zweifeln begann, ob die Kavallerie jemals kommen würde, um mich zu retten. Oder ob ich jetzt und hier tatsächlich sterben sollte? Ich werde natürlich an dieser Stelle nicht mehr dazu erzählen...

Medal of Honor
Im Cockpit eines Apache-Kampfhubschraubers legen wir eine Taliban-Festung in Schutt und Asche.

Es gibt eine Sache, die Medal of Honor mit dem Wettbewerber Modern Warfare 2 gemein hat - leider - und das ist die Länge. Auf normaler Schwierigkeit war das Spiel in einem Rutsch nach fünf Stunden zu Ende. Die Zeit war äußerst unterhaltsam, wirklich, aber man will einfach mehr. Medal of Honor hätte länger sein müssen. Viel länger. Vielleicht ist das momentan so, aber es ist einfach der falsche Weg.

Wenn man das Spiel beendet hat, darf man den speziellen Tier One-Modus starten. Hier geht‘s darum, die Missionen so schnell wie möglich zu schaffen und in der Online-Bestenliste nach oben zu klettern. Kopfschüsse, Killstreaks und ähnliche Dinge stoppen den Timer für ein paar Sekunden, wer Erfolg haben will, muss das Spiel also sehr genau kennen. Das ist schwer. Wirklich sehr schwer. Vor allem, da die Missionen sehr lang sind (die erste hat eine Durchschnittszeit von 25 Minuten!) und es keine Checkpoints gibt. Wer stirbt, startet von vorne.

Wir bei Gamereactor waren unter den ersten, die die Multiplayer-Beta gespielt haben und damals waren wir nicht sehr beeindruckt. Aber Dice, die für die Multiplayer verantwortlich sind, haben diesen Teil des Spiels tatsächlich verbessert und er funktioniert wirklich gut. Es ist keine peinliche Mischung zwischen Modern Warfare und Bad Company, mehr, sondern es geht den goldenen Mittelweg. Die Intensität und das Chaos wurden gesteigert und große Teile der Umgebung sind zerstörbar, auch wenn Gebäude nicht vollständig abgerissen werden dürfen. Es gibt keine große Überraschungen, aber das ist nicht wirklich wichtig, der Medal of Honor-Multiplayer ist straff poliert und vor allem sehr unterhaltsam.

Medal of Honor ist das Call of Duty: Modern Warfare 2 für Denker. Wer die Optik bei Activisions Blockbuster super fand, aber die Story zu dumm, der hat hier sein Spiel gefunden. Das Gameplay ist fast identisch, während der Inhalt eine ganze Klasse besser und durchdachter ist. Es ist ein Videospiel, dass Eindruck hinterlassen wird, obwohl es leider viel kurz ist.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Intensive Action, viel Variation, nicht so doof wie Modern Warfare 2, guter Multiplayer
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Solokampagne ist sehr kurz
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