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Kritiken
Silence

Silence

Daedalic überwindet ganz leise die Spielmechaniken herkömmlicher Point'n'Click-Adventures, um die emotionale Geschichte von The Whispered World fortzusetzen.


Wenn ich Spiele nicht direkt am PC spiele, dann kritzle ich mir immer Notizen in einen kleinen Block, aus dem ich anschließend die Gedanken für meine Texte ziehe. Bei Silence wollte ich das auch machen, doch am Ende standen da nur die beiden Namen der Hauptfiguren drauf: "Renie + Noah". Das Spiel hat mich so sehr in Anspruch genommen, dass ich gar keine Zeit hatte, um mir Notizen zu machen - und am Ende war mir da wirklich nicht mehr zumute nach.

Mit Silence präsentiert das Hamburger Entwicklerstudio Daedalic Entertainment den Nachfolger von The Whispered World. Man muss die Vorgeschichte rund um den traurigen Clown Sadwick nicht zwangsläufig kennen, um der Erzählung von Renie und Noah folgen zu können, denn vieles wird bereits in den ersten Szenen aufgeschnappt. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass die Erfahrung wesentlich stärker ist, wenn bereits eine Verbindung zu Sadwick und den anderen Charakteren von Silence besteht. Die Erfahrungshaltung ist dann eine andere und das Spiel profitiert davon.

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Die Geschichte von Silence ist deshalb so gelungen, weil Daedalic ein einfaches und extrem wirksames Konzept nutzt und dieses grandios umsetzt.

Silence ist ein modernes Point'n'Click-Adventure, das die meisten klassischen Spielmechaniken des Genres über den Haufen wirft. Ein sperriges Inventar gibt es nicht mehr, die Rätsel konzentrieren sich weitgehend darauf, Gegenstände direkt im selben Raum oder im nächsten Screen miteinander zu kombinieren. Stattdessen gibt es viele Entscheidungen, zwei oder drei optionale Puzzle und ein kleines Balance-Minispiel. An einigen Stellen werden wir zwischen beiden Charakteren wechseln, um ihre Erlebnisse gleichzeitig zu spielen. Der Erfolg eines Charakters hat jedoch keine Auswirkung auf den Fortschritt des Anderen.

Die Formwandler-Raupe Spot ist in diesem Abenteuer ebenfalls wieder mit von der Partie. Der kleine Frechdachs ist nahezu unzerstörbar und ein richtiger Nimmersatt. Spot kann sich ganz flach quetschen, um durch Schlitze zu passen oder sich über Abgründe hangeln. Wenn er sich kugelrund aufbläst, rollt er meist nur unbeholfen durch die Gegend, aber in Kombination mit diesen Formen ist er vielseitig einsetzbar. Wir dürfen Spot direkt steuern, um Noah und Renie beim Lösen von Rätseln unter die Arme zu greifen. Doch manchmal wird er von den anderen getrennt - und dann muss unser kleiner Freund alleine weiterkommen.

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Daedalic hat mehrere Jahre lang an Silence gearbeitet und die viele Mühe wird an etlichen Stellen sichtbar. Am deutlichsten ist das in der phänomenalen Präsentation des Spiels. Die Grafiker des Teams haben sagenhafte Arbeit geleistet und liebevoll gestaltete Hintergründe entworfen, die eine märchenhafte Grundstimmung liefern. Das Spiel selbst ist in 2,5D produziert, dafür wurden handgemalte 2D-Texturen in eine 3D-Welt positioniert. Das Ergebnis ist malerisch, die tatsächliche Leistung steckt jedoch im Mix mit den tollen Animationen. Mir ist nur eine einzige Szene aufgefallen, in der etwas nicht hervorragend aussah. Gerade Adventures zum Durchklicken sind prädestiniert für eher mäßige Animationsdarstellungen, in diesem Genre wiederholen sich Bewegungen halt sehr häufig. Silence durchbricht das einfach, allerdings hat dieser enorme Aufwand seinen Preis.

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Die Grafiker des Teams haben sagenhafte Arbeit geleistet und liebevoll gestaltete Hintergründe entworfen, die eine märchenhafte Grundstimmung liefern.

Das Spiel ist leider nicht sonderlich lang und bereits nach etwa fünf bis sechs Stunden werden wir das Ende erreicht haben. Wie ich es nun formuliere, es hört sich stets nach einem Vorwurf an. Aber das ist Quatsch. Silence ist ein rundes Abenteuer, das eine vollkommene Erfahrung rüberbringt. Ein zweiter Spieldurchlauf ist durchaus möglich und sinnvoll, allerdings dürfte spätestens dann die Luft raus sein. Silence ist eine emotionale Reise, die auch in ein paar Jahren noch eine gute Figur machen wird. Die fantastischen Synchronsprecher tragen dazu einiges bei, besonders Lotti Holsten macht in der Rolle von Renie einen tollen Job.

Silence ist die Welt zwischen Leben und Tod. Sie gleicht einem Traum, an dessen Ende man aufwachen oder ewig weiterschlafen muss. Das ist die endgültige Wahrheit und nichts auf dieser Welt kann den Schmerz dieser Aussage erdrücken. Daedalic tut alles, damit wir dieses Reich und seine Charaktere in unsere Herzen schließen. Und je mehr wir uns in die Story von Silence und die liebevollen Figuren investieren, desto schwieriger wird es, am Ende loszulassen. Es ist ein einfaches und extrem wirksames Konzept, das grandios umgesetzt wurde.

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Silence ist ein modernes Point&Click-Adventure, das die meisten klassischen Spielmechaniken des Genres über den Haufen wirft.

Am Ende ist es das Gesamtpaket aus all diesen Ideen, das Silence zu diesem unvergleichbaren Erlebnis macht. Eigentlich sollte das Spiel The Whispered World 2: Silence heißen, doch irgendwann haben sich die Entwickler umentschieden. Ich mag den alten Namen, weil er noch deutlicher herausstellt, woher das Spiel kommt und wieso es so ist, wie es ist. Beide Titel sind großartige Meisterwerke, die Hand in Hand gehen, kein Abenteuer ersetzt das andere. Was Silence herausstechen lässt, ist die grandiose Inszenierung und die schiere Pracht der Präsentation. The Whispered World ist dafür insgesamt lustiger und umfangreicher.

Silence ist mehr als ein würdiger Nachfolger geworden. Die reduzierten Gameplayelemente mag ich persönlich sehr, den Schwierigkeitsgrad halte ich ideal für zwischendurch. Obwohl ich damit gerechnet habe, hat mich die Reise von Renie und Noah am Ende umgehauen. Anfangs war ich mir dieser Wirkung gar nicht so richtig bewusst, doch dann traf es mich mit voller Härte. Ich überlege die ganze Zeit, ob es das beste Spiel ist, das ich von Daedalic jemals gespielt habe - und finde nicht so recht eine Antwort darauf. Die Hamburger haben einige Spiele am Start, an die ich mich gerne zurückerinnere. Und das wird auch bei Silence so sein - ganz bestimmt.

09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
phänomenale Präsentation, liebevolle Inszenierung, detailverliebte Darstellung, emotionales Abenteuer
-
reduzierte Rätselpassagen für Genrekenner anspruchslos, Spieldauer zu gering
overall score
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