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Kritik

Watch Dogs 2

Die Kunst des Hackens sorgt für variantenreiches Gameplay und kombiniert mit den überzeugenden Figuren, der Spielwelt und den Online-Möglichkeiten hat man viel Spaß.

Watch Dogs 2 unterscheidet sich ganz offensichtlich von seinem Vorgänger - und das merkt man schon in der ersten Spielstunde. Statt der düsteren, nachdenklichen Figur, die durch das graue Chicago stapft, übernehmen wir die Rolle des jungen Hackers Marcus im sonnigen San Francisco, der sich der exzentrischen Hackergruppe DedSec anschließt, um Korruption und unmoralisches Verhalten aufzudecken. Die Prämisse ist, dass die geheimnisvolle Blume Corporation merkwürdige Operationen ausführt, während DedSec für Gerechtigkeit sorgen und alle Beteiligten ihrer gerechten Strafe zuführen will.

Die Geschichte ist zu einem großen Teil sehr unterhaltsam und die Figuren gut geschrieben und mitreißend. Ich hatte Angst vor grauenhaften Hipster-Stereotypen und kitschigem Gelaber, aber alle Figuren funktionieren, unterstützen sich gegenseitig und sorgen für die nötigen Wendungen und Überraschungen. Die Geschichte selbst hat auch einige Überraschungen und man grübelt ständig, wohin die Reise wohl gehen mag.

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Marcus macht allerdings keine so gute Figur, wenn die Wachen gerufen wurden und die Kugeln fliegen.

Das Gameplay gleicht dem Vorgänger dagegen ziemlich. Man läuft durch die Stadt und schaut auf die Dinge, mit denen man interagieren oder die man hacken kann. Aber alles läuft dank der Parkour-Elemente jetzt viel geschmeidiger ab. Marcus springt und hüpft leichtfüßig durch San Francisco. Er kann dabei nicht so gut klettern wie sein Ubisoft-Kollege Ezio und nur Wände mit einer bestimmten Höhe erklimmen und über kleinere Objekte springen. Hohe Positionen zu erreichen erfordert ein wenig Überlegung oder man "leiht" sich irgendwo ein oder zwei Kräne aus.

Die Missionen sind abwechslungsreich und interessant - und größere Aufgaben werden in Phasen aufgeteilt. Die meisten der Hauptmissionen drehen sich darum, die Machenschaften einer Organisation aufzudecken und man muss eine Reihe von Aufgaben erledigen, um sicherzustellen, dass man auch genug Munition hat, bevor man die Weltöffentlichkeit mit einem anonymen Video informiert. Meistens müssen große Gebäude infiltriert werden, um entweder die Informationen zu hacken, Schlüsseltechnologien zu stehlen oder Leute zu beobachten.

Das leise Vorgehen wird unterstützt, aber man kann auch in offensive Gadgets und Waffen investieren. Marcus macht allerdings keine so gute Figur, wenn die Wachen gerufen wurden und die Kugeln fliegen. Mit Druck auf den rechten Stick bekommt man eine Spezialansicht, ähnlich wie in der Arkham-Reihe, und die Gegner und Technologien werden in grau, rot und blau angezeigt. Dadurch lässt sich das Vorgehen mit Ablenkungsmanövern und Fallen leichter planen, ob man schleichen oder die Wachen in Stücke sprengen will, bleibt einem selbst überlassen.

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Es geht um die Befriedigung, wenn man die Technologien und Fähigkeiten ausreizt, um den perfekten Run hinzulegen.

Wie wir mit der Welt um uns herum interagieren, hängt von unserer eigenen Kreativität ab und von den freigeschalteten Upgrades in der DedSec-Research-App auf dem Smartphone. Mit ihnen können wir interessante Dinge mit Menschen, Objekten und Gadgets anstellen. Manche Techniken brauchen nicht nur genug Forschungspunkte, sondern auch Schlüsseldaten, die zuerst an bestimmten Orten oder in Missionen eingesammelt werden müssen.

Die Verbesserungen ermöglichen immer mehr unterschiedliche Routen in den Missionen, denn es gibt stets zahlreiche Möglichkeiten, die Aufgaben zu bewältigen. Mit dem optionalen Quadcopter können Schlüssel eingesammelt, Gegner markiert oder Dinge gehackt werden, er kann aber keine Schalter aktivieren. Das müssen wir selbst oder der ferngesteuerte Jumper übernehmen, den man quasi direkt von Anfang an dabei hat. Manche Missionen können erledigt werden, ohne dass Marcus auch nur in die Nähe der eigentlichen Aufgabe gelangen muss. Es geht um die Befriedigung, wenn man die Technologien und Fähigkeiten ausreizt, um den perfekten Run hinzulegen. Das ist wirklich nett und man fühlt sich wie ein Hacker, auch wenn es im echten Leben wohl ein wenig komplizierter wäre.

Watch Dogs 2 hat viel mehr Persönlichkeit als der Vorgänger und San Francisco ist eine gute Wahl für die Spielwelt. Die Stadt bietet unterschiedlichen Distrikte mit tighten Gang-Gebieten und dem funkelnden Silicon Valley, und alles ist ein bisschen bunter. Das ganze Spiel sieht sehr hübsch aus, bis auf ein paar grafische Ausrutscher bei den Texturen kann man immer wieder spektakuläre Aussichten genießen. Die Details der Stadt sind beeindruckend und alle Örtlichkeiten sind interessant.

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Watch Dogs 2 hat viel mehr Persönlichkeit als der Vorgänger und San Francisco ist eine gute Wahl für die Spielwelt.

Es gibt zwei Online-Optionen in Watch Dogs 2. Einmal kann man bewusst Leute in sein Spiel einladen, um unterschiedlichen Aktivitäten gemeinsam nachzugehen. Das geht ganz einfach über das Smartphone und aus dem freien Modus kann man dann die geplanten Aktivitäten starten. Es gibt Koop-Missionen wie das Hochladen eines Virus, und es macht viel Spaß zu experimentieren, wie man mit den vollen Möglichkeiten von zwei Hackern vorgehen kann. Trotzdem werden die Koop-Missionen irgendwann ein wenig langweilig, da sie einfach nicht abwechslungsreich genug sind.

Die zweite Online-Variante ist, was Ubisoft einen "nahtlosen Multiplayer" nennt. Wer beim Spielen mit dem Internet verbunden ist und die Option freigeschaltet hat (was standardmäßig so ist), erlaubt es fremden Spielern, der eigenen Session beizutreten. Das kommt es zu Hacking Invasionen, bei denen Spieler versuchen, euch Daten zu stehlen und ihr sie in einem bestimmten Gebiet finden müsst. Oder es gibt Kopfgeld-Missionen, bei denen wir Spieler auf ihrer Flucht vor der Polizei stoppen müssen. Auch wenn dieser Modus während meiner Spielzeit für diese Kritik zur Überarbeitung abgeschaltet wurde, hatte ich die Gelegenheit, ihn vorher ausreichend anzutesten - und er sorgt für natürliche und überraschende Momente im Spiel. Man bekommt wirklich das Gefühl, in einer lebendigen Welt unterwegs zu sein, wenn solche Dinge immer wieder mal geschehen.

Insgesamt lief der Online-Modus flüssig und Einladungen anderer Spieler haben keine Probleme verursacht, auch wenn einer meiner Kollegen Schwankungen bei der Framerate bemerkt hat, wenn Spieler für die "nahtlosen Events" beitreten. Man sollte das also im Hinterkopf haben, denn das Beitreten wird häufiger passieren.

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Man bekommt wirklich das Gefühl, in einer lebendigen Welt unterwegs zu sein, wenn solche Dinge immer wieder mal geschehen.
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Es gibt aber ein paar nervigere Probleme. Die Bullen sind extrem nervig bei den Verfolgungsjagden, da die Polizeifahrzeuge immer wieder auf Straßen spawnen, auf denen man gerade fährt. Und wenn man gerade versteckt ist, scheinen sie immer zu wissen, wo sie abbiegen müssen, um einen zu entdecken. Dadurch dauert die Flucht meist ganz schön lange, man fährt ewig herum und versucht, aus der Sichtlinie der Fahrzeuge und Helikopter zu entfliehen. Auch wenn die Hacks beim Fahren die Polizei ordentlich behindern, hat man immer noch das Problem, sie bei hoher Geschwindigkeit auch vernünftig auszuführen.

Die riesige Anzahl an Interaktionsmöglichkeiten kann einen auch manchmal überfordern. Die ganze Spielwelt steht einem quasi von Anfang an zur Verfügung und das kann in den ersten Stunden schnell ein bisschen zu viel sein, wenn man gerade erst lernt, wie man sich bewegt und hackt und lernt, wie die Verbesserungen funktionieren. Die Tutorials machen einen guten Job, aber eine etwas sanftere Einführung wäre nett gewesen. Die Tatsache, das gleich zu Beginn eine Schnellreisefunktion zur Verfügung steht, dürfte dafür sorgen, dass einige Spieler ein paar der spektakulären Aussichten verpassen werden. Eine Schande, denn Ubisofts San Francisco ist eine reichhaltige und lebendige digitale Welt, die viel zu bieten hat.

Manche Teile des Spiels hätten ein wenig besser erklärt werden können. Meine erste Hacking-Mission war eine komische Übergabe und als ich den Hacker identifiziert hatte und tasern wollte, musste ich feststellen, dass das gar nicht geht. Ein wenig mehr Klarheit bei diesen Dingen und bei der Bedeutung der Hacksymbole wäre nett gewesen. Aber diese Dinge haben kaum Einfluss auf das wirklich um einiges verbesserte Watch Dogs 2. Die Kampagne bietet gut 15 bis 20 Stunden Substanz. Sie ist detailliert, interessant und vor allem macht sie Spaß. Die Kunst des Hackens sorgt für variantenreiches Gameplay und kombiniert mit den überzeugenden Figuren, der detaillierten Spielwelt und den Online-Möglichkeiten hat man viel Spaß. Watch Dogs 2 sollte man wirklich auf dem Radar haben.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
strahlende, farbvolle Spielwelt, viele Details, viel zu erkunden und reichlich Inhalte, schöne Charaktere, freie Herangehensweise an Missionen
-
wenig Abwechslung im Online-Koop, Polizei nervt in Verfolgungsjagden, Framerate-Probleme im nahtlosen Multiplayer, manchmal zu komplex
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