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Kritik

Overwatch

Nach 18 Jahren hat Blizzard Entertainment mal wieder ein aus Studiosicht neues Spiel gemacht. Es ist aus dem Stand das beste seiner Art geworden.


Es ist schon 18 Jahre her das mal Blizzard ein Spiel gemacht hat, das keine Fortsetzung ist oder anderweitig mit einem Hit verbunden war. Mit Overwatch schlägt das Studio eine für sich neue Richtung ein - und erschafft aus dem Stand eines der besten Spiele des Genres. Overwatch ist tatsächlich der beste Multiplayer-Shooter, den ich je gespielt habe. Ja, ich weiß, das sind große Worte! Aber ich habe auch lange darüber nachgedacht und meine Meinung steht fest. Es gibt sicher andere Spiele, mit denen ich fast genauso viel Spaß hatte. Die alten Quake-Games beispielsweise oder Call of Duty und ganz besonders Team Fortress 2. Aber Overwatch trägt jetzt die Krone - gerade weil Blizzard das Spiel so dermaßen aufpoliert haben, das andere Entwickler grün vor Neid werde dürften. Aber auch, weil die Entwickler von allen Spielen gelernt haben, seit das ersten Quake 1996 die Leute über das Internet gegeneinander spielen ließ.

Also ja, Overwatch ist ohne Zweifel der beste Multiplayer-Shooter den ich bisher in den Händen gehalten habe. Ich würde es genau jetzt spielen, wenn ich nicht arbeiten und diese Kritik schreiben müsste. "Aber warte mal", fragt ihr euch vielleicht, "das Spiel ist doch gerade erst erschienen, wieso habt ihr jetzt schon eure Kritik fertig?" Das sind faire Zweifel, aber die Antwort ist, dass ich bereits hunderte von Stunden in der geschlossenen Beta, die im letzten Herbst gestartet ist, verbracht habe. Und das zählt, denn das fertige Overwatch ist identisch mit der Beta in den letzten Wochen - Gott sei Dank.

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Zwei Teams aus sechs Spielern (nie mehr, nie weniger) kämpfen um irgendeine Art von Ziel.

Schon gleich am Anfang, als die Beta online ging, habe ich halb im Scherz gesagt, dass Overwatch das beste Spiel im Jahr 2015 wird. Nun ist es halt für mich absoluter Anwärter für das Spiel des Jahres 2016 - und momentan sehe ich keine anderen Spiele am Horizont, die es von seinem Thron stoßen könnten.

Overwatch ist also ein Multiplayer-Shooter. Zwei Teams aus sechs Spielern (nie mehr, nie weniger) kämpfen um irgendeine Art von Ziel. Abhängig von der Karte kann das eine Autobombe sein, die eskortiert werden muss oder ein Areal auf der Karte, das verteidigt sein will. Jeder Spieler wählt einen von 21 Helden - jeder mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen.

Reinhardt ist zum Beispiel, der riesige Deutsche in Rüstung, der seine Teamkameraden mit einem Energieschild beschützen kann und den Gegnern mit einem raketenbetriebenen Hammer auf die Köpfe schlägt. Oder Tracer, ein kleines und schnelles Ding, das sich über kurze Distanzen teleportieren und die Uhr bei Ärger einfach drei Sekunden zurückdrehen kann. McCree ist ein Cowboy, der seine Feinde mit seinem zielgenauen Sechs-Schuss-Revolver aus der Ferne erledigt oder das Magazin aus kurzer Entfernung direkt ins Gesicht verballert, nachdem er sie mit einer Blitzgranate geblendet hat. Und so weiter und so weiter.

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Die große Auswahl von Charakteren ist der Vorteil des Spiels.

Man kann im Kampf die Spielfigur so oft wechseln, wie man möchte und es gibt keine Einschränkungen, wie oft eine Figur im eigenen Team auftauchen darf. Die Charaktere leveln während des Matches nicht und sie werden auch nicht stärker. Overwatch ist kein MOBA wie League of Legends oder Battleborn. Es ist ein reiner, klassischer Shooter.

Die große Auswahl von Charakteren ist der Vorteil des Spiels. Es ist so breit angelegt, dass es etwas oder jemanden für jeden Geschmack und Spielstil bereit hält. Old-School-Quake-Spieler werden Pharah wegen ihres Jetpacks und des Raketenwerfers lieben. Fans der typischen Shooter freuen sich über Soldier: 76 und sein Sturmgewehr. Und wer nicht so gut zielen kann, wählt eben Reinhardt oder den Space-Gorilla Winston, dessen Waffe alle Gegner erledigt, die sich im richtigen Abstand und in seinem Blickwinkel aufhalten. Wer gerne den Heiler spielt, greift zu Mercy oder Lucio, während Torbjörn automatische Kanonen baut und Symmetra Schilde verteilt und kleine Geschütztürme aufstellt.

Keine der Figuren ist schlecht, sie haben alle ihre Nische und Situationen, in denen sie stark sind. Der Cyborg Ninja Genji ist super, um langsame Gegner zu flankieren und schwer zu treffen, wird aber von Winstons Licht-Knarre sofort getoastet, ohne dass dieser dafür auch nur zielen müsste. Winston ist dafür erledigt, wen ihm Reaper mit seinen Schrotflinten zu nahe kommt - aber die können dafür aus der Distanz nichts ausrichten. Mit anderen Worten: Schere, Stein, Papier. Der Weg zum Erfolg führt über Team-Kombinationen, die zur momentanen Situation passen und der Fähigkeit, die Spielfigur zu wechseln, wenn der Plan nicht aufgehen sollte.

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Selbst wenn man die Grafikeinstellung total runterschraubt, sieht das Spiel dank der wunderschönen, comicartigen Optik fein aus.
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Optisch machen die Figuren auch einiges her. Blizzard hat sowohl von Team Fortress 2 als auch intern von World of Warcraft gelernt. Jeder der 21 Helden hat seinen ganz eigenen Ausdruck, von der Silhouette zur Pose und Form. Man muss also nie zweimal überlegen, wenn man da grade kurz durch die Tür gesehen hat. Und der Rest des Spiel ist ebenfalls beeindruckend. Selbst wenn man die Grafikeinstellung total runterschraubt, sieht das Spiel dank der wunderschönen, comicartigen Optik fein aus und die kleine Details werden mit den großen Arealen schön verknüpft.

Mit meiner GeForce GTX 960 läuft das Spiel auf Medium mit über 100 FPS - und wenn man eine 980er hat, kann man auf Hoch sogar 120 bis 140 FPS erreichen. Am anderen Ende gibt es auch gute Neuigkeiten, den selbst ältere Systeme packen noch 60 FPS, wenn alle Einstellung runtergeschraubt werden. Aber auch wenn Overwatch fantastisch aussieht, ist die Grafik weit davon entfernt, der beeindruckendste technische Aspekt zu sein. Auf dem PC gibt es bei Shootern wirklich riesige Unterschiede, man hört oft Spieler über schwammige Steuerung klagen. Aber sicher nicht bei Overwatch. Hier reagiert alles genauso wie man es erwarten würde. Das ist schwer zu beschreiben, es gibt eben nur zwei Möglichkeiten: entweder alles fühlt sich richtig an oder es ist kompletter Schrott. Wie alle Spiele, die aus Quake hervorgegangen sind, ist die Steuerung via Maus und Tastatur noch ein bisschen präziser. Overwatch ist sogar genauer als das gerade erschienene Doom, und das war auch schon sehr stark an dieser Front.

Ein Detail zur Designentscheidung bezüglich der Kommunikation zwischen Spieler und Server. Ihr werdet mehrmals von Leuten erschossen werden, die ihr nicht sehen konntet, weil ihr gerade um eine Ecke gerannt seid, aber auf dem gegnerischen Bildschirm jemand geschossen hat, bevor ihr es um die Ecke geschafft habt. Wenn es dazu kommt, entscheidet das Spiel immer so, das derjenige Recht bekommt, der geschossen hat. Jeder wird beide Seiten des Dilemmas erleben, aber es wird sicher einige geben, die von diesen Dingen frustriert sein werden. Das führt mich zu einem der besten Dinge in Overwatch. Das Spiel ist voller Designentscheidungen, um den Frust möglichst klein zu halten - egal ob bei verlorenen Matches, schlechten Spielern, Arschgeigen im eigenen Team und noch vielem mehr. Zunächst einmal dauern die Duelle selten länger als zehn Minuten, eine Niederlage ist also schnell vergessen und man ist schnell wieder mitten im Getümmel. Zusätzlich gibt es keine für alle sichtbare Punktwertung. Niemand außer einem selbst kann sehen, wie viele Kills man hatte, also wird auch niemand motzen, das jemand zu oft gestorben bist.

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Wer keine Multiplayerspiele mag und nicht gerne gegen andere Spieler antritt, sollte sich von Overwatch fernhalten.

Es gibt ein Medaillensystem, das die drei Topspieler des Teams bezüglich der meisten Heilungen, Kills in der Zielgegend und so weiter anzeigt. Das reicht aus, um zu motivieren, ist aber vage genug, damit man nicht als Idiot beschimpft wird, wenn es mal nicht so gelaufen ist. Die dreieinhalb Spielmodi sind selbsterklärend und man weiß immer sehr genau, was zu tun ist. Natürlich wird es Situationen geben, in denen ein überlegenes Team eine fast unüberwindbare Verteidigung aufbaut oder so gut zusammenarbeitet, das man einfach untergeht. Aber das ist schnell vergessen und zack startet schon das nächste Match.

Ist Overwatch also der perfekte Shooter? Nein denn es gibt einiges, was ihr vermissen werdet. Es gibt momentan keine Möglichkeit, sich mit anderen Spielern zu vergleichen. Es gibt kein Ranglisten oder Ligen, in denen sich irgendwie die eigenen Fähigkeiten mit denen vom Rest der Welt vergleichen ließen. In der Beta gab es Ranglistenspiele, die wieder entfernt wurde, weil weder die Spieler noch Blizzard damit glücklich waren. Blizzard hat versprochen, es später im Sommer noch einmal zu versuchen, aber mehr ist darüber bisher noch nicht bekannt.

Und es gibt den Fakt, das Overwatch für Solospieler rein und absolut gar nichts zu bieten hat. Wer keine Multiplayerspiele mag und nicht gerne gegen andere Spieler antritt, sollte sich von Overwatch fernhalten. Es gibt keinerlei Kampagne oder einen Koop-Modus. Man kann zum Training gegen KI-Bots spielen- aber das ist so schlecht, das es wirklich sinnlos ist. Overwatch ist wirklich nur etwas für reine Onlinespieler. Ich hab es schon eingangs gesagt und ich wiederhole es hier gerne noch einmal: Overwatch ist der beste Multiplayer-Shooter, den ich je gespielt habe. Und wenn ich den letzten Buchstaben hier eingetippt habe, wird das Spiel sofort wieder gestartet. Jetzt.

09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
großartiges Gameplay, abwechslungsreiche Helden, unterstützt unterschiedlichste Spielstile, technisch nahezu perfekt
-
keine Inhalte für Solospieler
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