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Kritik

Deponia Doomsday

Es ist nie leicht loszulassen. Rufus hat es getan, aber viele Fans schienen damit nicht zufrieden. In Doomsday suchen wir nach einem besseren Ende.

Am vergangenen Donnerstag ist Daedalic Entertainment eine echte Überraschung gelungen. Mit Deponia Doomsday wurde der vierte Teil der Deponia-Trilogie angekündigt, der nicht einmal eine Woche später bereits erscheint. Es ist ein komplett neues Abenteuer mit Rufus, das noch größer ist als die bisherigen und direkt an die Ereignisse von Goodbye Deponia anschließt. Gelingt es Rufus, den Schrottplaneten Deponia zu retten und nach Elysium zu kommen? In den etwa 20 Stunden Spielzeit mit vielen cleveren Rätseln, absurden Dialogen, 70 neuen und verrückten Charakteren sowie einigen alten Bekannten werden wir es erfahren.

Halt, irgendwas stimmt doch hier nicht! Das ergibt doch alles keinen Sinn. War nach dem großen Finale nicht alles klar? Wieso muss Deponia schon wieder gerettet werden? Und wie kann ein viertes Spiel erscheinen, wenn es doch nur eine Trilogie ist? Was hat Rufus denn nun wieder angestellt?

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Deponia DoomsdayDeponia Doomsday
Es gibt viele neue skurrile Charaktere und absurde Situationen in dem Zeitreise-Abenteuer.

Das zu erklären, funktioniert nicht, ohne auch ein bisschen von dem zu verraten, was in den ersten drei Spielen passiert ist. Tatsächlich ist Rufus diesmal ausnahmsweise unschuldig. Er hat sich auf seinen Abenteuern wahrhaftig entwickelt und konnte am Ende loslassen. Es war nicht das Ende, das er sich gewünscht hat und für das er lange gekämpft hat. Aber es war eine wahnsinnige und halsbrecherische Reise, bei der er viel bewirkt und verändert hat. Rufus hat einen Unterschied gemacht. Er hat die Verschwörung des Organons aufgedeckt und so nicht nur Deponia, sondern auch seine geliebte Goal gerettet. Nur für ihn selbst gab es kein Happy End. Er, der eigentlich immer nur an sich gedacht hat, musste erkennen, dass das Beste für alle eben nicht das Beste für ihn ist.

Wer allerdings auch nicht loslassen konnte, waren die Fans. Jan Müller-Michaelis, der Schöpfer von Rufus und Deponia, hat seit der Veröffentlichung des letzten Spiels immer wieder E-Mails, Nachrichten und Briefe bekommen, in denen sie sich eine Fortsetzung wünschten. Das Ende von Goodbye Deponia durfte einfach nicht das Ende für Rufus sein. Und es war wirklich keine leichte Entscheidung, sich noch einmal mit dem Thema zu beschäftigen. Denn: Für Müller-Michaelis war eigentlich alles gesagt. Die vielen Anfragen aber zeigten ihm, dass seine Botschaft offenbar noch nicht alle erreicht hatte. Und so brütete er über einer Lösung, während er eigentlich schon an seinem neuen Projekt arbeitete.

Das Ergebnis ist nun Deponia Doomsday, ein Zeitreise-Abenteuer, in dem wir der Frage auf den Grund gehen, ob es ein besseres Ende geben kann. Es geht zurück an den Anfang von allem Schlamassel und erzählt eine Geschichte voller Metaphern und versteckter Botschaften, die zu einem versöhnlichen Ende führen soll. In einigen Momenten ist überdeutlich zu spüren, wie die Dialoge eigentlich nur stellvertretend für die Gesprächen zwischen Müller-Michaelis und den Fans stehen. Und genauso werden natürlich noch einmal die Themen bearbeitet, die wir schon kennen - nur das diesmal der Finger noch fester in die Wunde gedrückt wird.

Deponia DoomsdayDeponia Doomsday
Gibt es ein besseres Ende für Deponia? Können wir endlich loslassen?

Für Jan Müller-Michaelis war es bisweilen nicht immer leicht, Rufus mit Leben zu füllen. Auch in Deponia Doomsday balanciert wieder nur sehr knapp an der Grenze des guten Geschmacks entlang. Über manche Fehler lachen wir natürlich gern. Aber es gibt auch solche, bei denen uns das Lachen im Halse stecken bleibt, weil wir einfach nicht fassen können, mit welcher eiskalten Rücksichtslosigkeit er agiert. Alles scheint er seinem Plan unterzuordnen, endlich nach Elysium zu kommen. Und geht etwas schief, dann sucht er den Fehler natürlich nie bei sich selbst, sondern macht andere dafür verantwortlich.

Sympathisch war Rufus aber trotzdem. Weil er so verbissen gekämpft hat und irgendwie klar war, dass irgendwo tief in ihm drin ein guter Mensch steckt. Außerdem war es immer leicht, über seine tolpatschigen Eskapaden zu lachen und wie es alle seine Versuche, etwas wieder hinzubiegen, nur noch schlimmer gemacht haben. Das gilt genauso für Deponia Doomsday. Die vielen humorvollen Elemente waren aber vermutlich am Ende auch der Grund, warum die ernste Botschaft nicht für jeden lesbar war. Also wurde noch eine Schippe draufgelegt.

Und gibt es nun ein besseres Ende? Oder wollen wir einfach nur, dass es niemals endet. Lieben wir vielleicht, dass Rufus all den Unsinn veranstalten kann, ohne dass es jemals echte Konsequenzen gibt? Dass er Grenzen überschreitet, sich dann noch immer als Opfer aufspielt und damit sogar noch davonkommt? Für mich hätte es Deponia Doomsday nicht gebraucht, denn ich fand den Abschluss fabelhaft. Aber ich kann verstehen, warum Jan Müller-Michaelis dieses andere Ende brauchte. Er fühlte sich schuldig gegenüber seinen Fans, von denen zu viele ratlos waren.

Deponia DoomsdayDeponia Doomsday
Die Spielmechaniken sind abwechslungsreicher und trotzdem fühlen sie sich immer wie ein Teil des Spiels an.
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Und ganz ehrlich, das Team hat es nicht versaut. Es ist wirklich das größte Abenteuer und spielerisch auch das beste. Und es fühlt sich trotz der Prämisse, eine Art von Erklärung zu sein, nicht wie ein Sammelsurium von Ideen und Dingen an. Noch dazu waren Handlung und Spiel noch nie so eng beieinander - selbst in den Minispielen. Gleich am Anfang, also kurz nach dem Einführungskapitel, führt uns das Spiel etwa an der Nase herum. Es ist nicht immer sinnvoll einfach alles einzustecken, das wir vielleicht gar nicht brauchen. Die ständige Wiederholung der gleichen Szene lehrt uns, dass wir uns auf unser Ziel konzentrieren sollten. In Deponia Doomsday ist es noch besser gelungen, spielerische Abwechslung zu erzeugen, ohne dass sich solche Elemente wie vom Rest des Spiels losgelöste Features anfühlen.

Es gibt zwar auch ein paar echte Kopfnüsse und es wird gerade gegen Ende ziemlich chaotisch und durcheinander. Gleichzeitig aber ist es das erste Abenteuer, das wirklich dazu einlädt, es mehrmals zu spielen. Es macht Spaß, sich mit den vielen verschiedenen Facetten, den versteckten Geheimnissen und Referenzen zu beschäftigen. Gleichzeitig ist es eine gelungene Einladung, sich noch einmal die wahnwitzige Geschichte vorzunehmen, mit der alles begann. Und hoffentlich hilft es dabei, endlich zu verstehen, was das Ende von Deponia wirklich bedeutet, damit Rufus endlich seinen wohlverdienten Frieden finden kann.

Deponia Doomsday
Deponia Doomsday
Deponia Doomsday
Deponia Doomsday
Deponia Doomsday
Deponia Doomsday
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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Wiedersehen mit Rufus, toller Humor, großer Umfang, wirklich gut integrierte Minispiele
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manche Rätsel sind sehr schwer, gegen Ende wird es etwas chaotisch und durcheinander
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