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Kritik

Far Cry Primal

Ubisoft recycelt die patentierten Elemente des Open-World-Shooters und schickt sie in die Steinzeit. Funktioniert hervorragend, aber vieles "kennt" man dann doch...

"Leb wohl, Pissemann!"

Whot!? Hat das der zottelige Höhlenbewohner gerade ernsthaft gesagt? Zu mir! Zu dem furchtlosen Takkar, der 10.000 vor Christus durch den Landstrich Oros streift und gerade dummerweise tief in einer Fallgrube hockt, während mir der erfolgreiche Jäger von oben ins Gesicht pinkelt. Er hält mich für einen Udam, einen fleischfressenden Tyrannen. Das mich mal in einem Videospiel jemand anpinkelt, hätte ich auch nicht gedacht. Primaten hier, alles Primaten. Einer schlimmer als der andere. Ich selbst gehöre allerdings auch dazu. Ich jage, töte und häute Tiere im Akkord, um neue Ressourcen zu bekommen. Kann man Far Cry Primal eigentlich auch als Vegetarier durchspielen, ohne Tiere zu töten? Nun, da ist wohl irgendwie bereits das Intro im Weg...

Far Cry Primal klang anfangs absurd, aber je länger man spielt, umso mehr wird klar, dass es tatsächlich ziemlich perfekt funktioniert. Natürlich sind Survival-Adventures seit einiger Zeit schwer in Mode, aber das originale Far Cry war früher schon eins. Nun hat Ubisoft die "alten" Spielmechaniken in die Steinzeit adaptiert und aus dem Actionspiel mit Knarren eine Überlebenssimulation gemacht, in der der Mensch nicht an der Spitze der Nahrungskette steht. Sobald man das sichere Dorf verlässt, lauern Wölfe, Säbelzahntiger oder mächtige Hirsche im Wald, denen man anfangs nur mit dünnen Holzpfeilen und einer kleinen Keule entgegentritt. Die Waffen lassen sich verbessern im Laufe des Spiels. Außerdem lernt Takkar, die wilden Tieren zu zähmen, um sie als Begleiter für Angriff und Verteidigung zu nutzen. Es gibt Kletterhaken, wir haben irgendwann eine Eule als Spähvogel und können Mammuts reiten.

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Far Cry PrimalFar Cry Primal
Es geht eher darum, sich selber eine Geschichte zu kreieren über die Art, wie man das Spiel erlebt. An dieser Stelle lässt uns das Spiel eine größere Freiheit.

Das alles deutet auch das größte und offensichtlichste "Problem" des Spiels an: seinen Recycling-Anteil. Ubisoft hat durchaus klug die vorhandenen Ressourcen genutzt, um ein neues Spiel zu erschaffen. Allerdings erkennen gerade Fans der Reihe viele Dinge unmittelbar wieder, das führt schon zu einer gewissen Ermüdung. Anderseits ist die riesige Spielwelt ein fantastischer Ort zum Rumstromern, an dem einem nie langweilig wird. Wer Erkundung und die klassischen, mit Aktivitäten vollgestopften Ubisoft-Weltkarten mag, wird hier glücklich.

Wir spielen als Takkar, der letzte Überlebende eines jagenden Stammes, der im Land Oros auf die Wenja trifft. Diesem Stamm soll er bei der Wiedervereinigung helfen und dem Kampf gegen die Udam und Izila, zwei rivalisierenden Fraktionen, die absolut gewaltbereit sind. Wir bauen in einem kleinen Dorf im Westen der Karte eine Siedlung und begeistern ebenso legendäre wie exzentrische Wenja, sich dort anzusiedeln. Deren Hütten kann man verbessern mit Ressourcen, die Oros zu bieten hat. Auf jedem Streifzug sammelt man im Vorbeigehen Holz und Gestein und muss natürlich jagen nach Tierhäuten. Trotz der starken Charaktere spielt die Geschichte in Far Cry Primal eher eine untergeordnete Rolle. Es geht eher darum, sich selber eine Geschichte zu kreieren über die Art, wie man das Spiel erlebt. An dieser Stelle lässt uns das Spiel eine größere Freiheit.

Die Karte ist riesig, die Spaziergänge ziehen sich hin, zumal man immer wieder Umwege in Kauf nehmen muss, weil riesige Bergketten einem den Weg versperren. Sobald man Mammuts reiten kann, wird das Leben etwas einfacher und auch die Kämpfe gegen die Udam sind nicht mehr so zermürbend. Der grundlegende Angriff ist das Bogenschießen, aber es gibt mehr Optionen. Keulen, Speere, Bienenstockbomben, Fallen und Steinschleudern sind nur einige der Accessoires, mit denen wir das Arsenal füllen. Auch Takedowns im sehr umständlichen Nahkampf sind möglich. Ab einem bestimmten Punkt können wir die meisten der Tiere zähmen und sie zu unserem Vorteil nutzen. Einige erlauben eher ein Stealth-Gameplay, um leise die Udam-Camps hochzunehmen. Oder man schickt einen Bären rein, der nur auf Randale aus ist. Dennoch ist das Kämpfen insgesamt eher langweilig, die Stärke des Spiels ist klar die Welt, die man erkunden soll. Und das Stealth-Gameplay.

Far Cry PrimalFar Cry Primal
In der Steinzeit dominiert eine ziemlich unmittelbare Brutalität. Die Serie war schon immer heftig, aber Primal ist besonders hart.

Stealth-Fans können ihre Fähigkeiten mit Far Cry Primal testen, da die Struktur der feindliche Basen und Festungen im Spiel verblieben ist. Wir müssen mehrere Camps erobern mit unterschiedlichen Schwierigkeiten. Sie können einen aggressiven Ansatz versuchen und den sorgfältigen und schleichenden Ansatz. Hier spielt auch der Tag-Nacht-Zyklus eine Rolle. In der Steinzeit gab es keine künstliche Beleuchtung - die Nacht ist tatsächlich stockfinster und gefährlich ist. Jagende Tiere sind besonders aggressiv und tauchen häufiger auf. In der Nähe von Lagerfeuern lassen sie einen in Ruhe, ansonsten muss man Speer, Keule oder Pfeile mit Tierfett oder an einem Lagerfeuer entzünden. Man kann natürlich nachts auch einfach pennen.

Rein technisch ist Far Cry Primal seinem Vorgänger und Teilespender Far Cry 4 sehr ähnlich, obwohl einige Verbesserungen sichtbar sind. Am offensichtlichsten ist das deutlich authentischere Laub und dessen Dichte in Oros. Es gibt auch einen Bereich mit Schnee, der in seiner Kargheit auch passt. Es ist besonders eindrucksvoll, wie sich Blätter und Pflanzen bewegen, während ein Tier durchs Unterholz streift. Die Szenerie ist teilweise wunderschön und überzeugend gestaltet. Im krassen Gegensatz dazu steht, was man bei Far Cry Primal schon immer einrechnen musste: die Brutalität. In der Steinzeit dominiert eine ziemlich unmittelbare Brutalität. Die Serie war schon immer heftig, aber Primal ist besonders hart. Friss oder stirb - das gilt hier in jeder Minute.

Objektiv ist Far Cry Primal als isoliertes Produkt ein gutes Spiel, aber es ist unmöglich, es vollständig isoliert zu sehen. Das Steinzeitabenteuer ist eine Synthese aus Far Cry 3 und Far Cry 4, leiht sich dazu unverhohlen Elemente von DayZ und anderen Survival-Games. Das ist weder schlecht noch verboten, nimmt aber die Eigenständigkeit. Das Fehlen eines Mehrspielermodus ist etwas enttäuschend, vor allen Dingen, weil ich es sehr lustig gefunden hätte, mit einer Gruppe Wildtiere auf Menschenjagd zu gehen. Aber Far Cry bot als Serie schon immer hauptsächlich eine Soloerfahrung, insofern passt es dann wieder. Und als Soloabenteuer ist Far Cry Primal schon ein ziemlicher Spaß.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
perfekt passendes Setting, tolle Spielwelt, Erkunden macht absolut Laune
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bisschen viel Recycling, Missionen wenig abwechslungsreich
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