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Kritik

Castlevania: Harmony of Despair

Der Dauerbrenner Castlevania kann nun auch Sechs-Spieler-Koop in XBLA. Verliert das Spiel als Multiplayer etwas von seinem Charme?

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Der Reiz von Castlevania liegt in seiner zielstrebigen Art der ständigen Charakterentwicklung: Sich hochleveln, dabei Gegner niedermetzeln, seltene Items einsacken. Jedes getötete Monster, jeder besiegte Boss und jede ausgepeitschte Fledermaus gibt einem das kurze, aber entscheidende Gefühl der Belohnung. Und genau das ist es, was Castlevania: Harmony of Despair fehlt. Die Adaption für Xbox Live Arcade kassiert im Namen eines neuen Sechs-Spieler-Koop-Modus mehrere Grundsätze der Serie einfach ein.

Oberflächlich hat das Spiel verblüffende Ähnlichkeit mit früheren Titeln der Serie. Visuell gibt es sehr wenig Neues. Die Abkürzung HD steht offenkundig nicht für eine höhere Auflösung der Sprites - eigentlich sind die meisten Grafik-Elemente identisch zu den Vorgängern - aber sie steht für zwei neue Kamera-Einstellungen: Eine, die das ganze Level auf einmal zeigt, und eine "Actual Size"-Einstellung, die einen dazu einlädt, sehr nah an seinen Bildschirm heranzurücken, um zu sehen, was passiert. Die erste Einstellung ist schlicht unpraktisch, die zweite ist aus medizinischen Gründen nicht zu empfehlen. Beide sind aber zumindest neue Hilfsmittel, die ganze Castlevania-Welt zu sehen - gerade wenn mehrere Spieler darin herumflitzen. Im Prinzip fühlt sich das an, wie einen interaktiven Spielführer zu spielen, während jemand mit einer Stoppuhr hinter einem steht und schreit "Schneller!"

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Das Level-Design ist ganz nach typischer Castlevania-Art. Der Spieler hat dreißig Minuten, um den Boss des Kapitels zu finden und zu besiegen. Dabei durchstreift er die sehr verwinkelten Burgen, legt voreingestellte Gegner und diverse Schalter um, umgeht Fallen und durchsucht Truhen. Die neue Vollansicht macht einige levelübergreifende Bedrohungen möglich: Der dämonische Gergoth-Boss aus Kapitel Eins zum Beispiel feuert seine weißen, heißen Strahlen aus dem Maul über die ganze Karte, während der Puppet Master, ein weiterer wiederkehrender Boss, darauf abzielt, durch die Burg zu schleichen - auf der Suche nach "Eisernen Jungfrauen", in denen er uns festsetzen kann. Wer in solchen Situationen die Vollansicht benutzt, kann die Bewegungen des Puppet Masters vorhersehen und sich ungestört seinen Weg in angenehmere Teile des Levels bahnen.

Castlevania: Harmony of Despair
Jede Menge Schatztruhen, Hebel und Schalter. Der Spieler sollte nichts davon übersehen.

In den Levels befinden sich außerdem besagte Schalter und Hebel (gedacht für das Spielen im Multiplayer), die schnellen Zugang zu allen Teilen der Karte ermöglichen, oder den Spieler mit vorher verschlossenen Schatztruhen belohnen. Im schlimmsten Fall sind die alternativen Wege nur Sackgassen - aber hin und wieder öffnen sich echte Alternativrouten, über die trödelnde Mitspieler zu den anderen aufschließen können. Oder schnelle Spieler schon mal einen Raum von Gegnern säubern können, bevor der Rest des Teams eintrudelt.

Die Art, wie man durch die Kapitel kommt - oder besser: nicht kommt - ist die vielleicht seltsamste neue Design-Idee. Wer einzeln spielt, wird immer wieder scheitern und ohne Brimborium zum Levelstart zurück geschubst. Charakterentwicklung funktioniert ausschließlich durch das Finden oder Kaufen besserer Waffen, Rüstung und Zaubersprüche. Das zwingt einen in die absurde Situation, immer wieder gegen Bosse antreten zu müssen, lange bevor der eigene Charakter dafür gerüstet ist. So kann man seinen Charakter effektiv nur durch das Wiederholen der zehn bis 15 Minuten langen Kapitel entwickeln - da man die Kapitel dabei (abgesehen von der zufällig platzierten Beute) jedes Mal identisch durchspielen muss, führt das zu einer Art "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Effekt, zu Langeweile und Frustration. Castlevania: Harmony of Despair ist schmerzhaft schwer für den Einzelspieler.

Castlevania: Harmony of Despair
Im Zweikampf scheitert der Einzelspieler mit schöner Regelmäßigkeit - weil er antreten muss, ohne schon dafür gerüstet zu sein.

Mit fünf Spielern hingegen wird das Spiel zu einer wesentlich runderen, wenngleich hektischeren Angelegenheit. Geöffnete Truhen belohnen alle Spieler mit Gegenständen, die verschiedenen spielbaren Charaktere schlagen sich auf verschiedenen Routen ihre Schneise durch die Burg, tote Spieler setzen das Spiel als klappernde Skelette fort und die Kapitel-Bosse wirken plötzlich nicht mehr ganz so einschüchternd. Aber durch die kastrierte, item-basierte Charakterentwicklung fühlt sich die ganze Scharade wie eine ziellose Wiederholungs-Übung an. Und die Einführung einer "Save Replay"-Option lässt vermuten, dass es in diesem Spiel mehr um Geschwindigkeit und verbissene Effektivität als um guten, ehrlichen Spaß geht.

Castlevania: Harmony of Despair wurde für den Koop-Modus gemacht, ganz und gar. Der Solo-Modus ist praktisch nicht existent, weil er nicht funktioniert und den Spieler sozusagen ausschimpft, wenn er ihn trotzdem ausprobiert. Online wiederum ist es nicht das Spiel, das Castlevania-Fans gerne spielen würden. Und der gehetzte Sechs-Spieler-Koop wirft die Spielmechanik der Serie einfach über Bord. Die war zwar immer etwas hölzern, aber das war früher verzeihlich. Wäre dieses Spiel einer Einzelspieler-Version beigefügt worden, hätte man es für sein erfrischend actiongeladenes Auftreten gelobt. Als Nur-Koop-Spiel ist es aber traurigerweise seicht und verwässert.

Castlevania: Harmony of Despair
Castlevania: Harmony of Despair
Castlevania: Harmony of Despair
Castlevania: Harmony of Despair
Castlevania: Harmony of Despair
Castlevania: Harmony of Despair
Castlevania: Harmony of Despair
05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
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Großartige Charakterzeichnung, nettes Design, wunderbarer Soundtrack, Unmengen von Content
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Mühsame Charakterentwicklung, alleine fast unspielbar, nicht wirklich HD-Castlevania
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