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Kritik

Amplitude

Auch Harmonix hat irgendwann klein angefangen. Das frühe Werk gibt es jetzt als zeitgemäße Neuinterpretation mit einem fetzigen Elektro-Sountrack.

Der Erfolg der Playstation 2 war nicht allein auf gutes Marketing und einen günstigen DVD-Player zurückzuführen. Sony hat es verstanden, mit dem Angebot an Spielen auch die Nische zu bedienen und somit eine breite Masse anzusprechen. Zu den bis heute unvergessenen Musikspielen gehören neben DJ Decks & FX auch die beiden Harmonix-Titel Frequency und Amplitude. Es waren die ersten Spiele des damals noch jungen Entwicklers, der später mit Guitar Hero und Rock Band enorme Erfolge feierte. Fast fünfzehn Jahre später veröffentlicht das Studio nun eine moderne Version des bekannten Spielprinzips.

Dabei war das zunächst gar nicht so einfach. Es fand sich kein Publisher, der das Projekt finanzieren wollte. Diese Art von Musikspielen hatte noch nie eine große Zielgruppe, auch wenn beide Spiele viele Anhänger gefunden haben und auch bei Kritikern beliebt waren. Selbst Sony wollte offenbar nicht einspringen, um der Neuauflage auf die Sprünge zu helfen. Glücklicherweise lies sich Harmonix davon nicht beirren und setzte auf die treue Fangemeinde. Und so wurde der Traum dank der Crownfunding-Plattform Kickstarter dann doch Realität.

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Im Mai 2014 sammelte Harmonix fast 850.00 von über 14.000 Unterstützern ein und legte damit den Grundstein für die Entwicklung.

Im Mai 2014 sammelte Harmonix fast 850.00 von über 14.000 Unterstützern ein und legte damit den Grundstein für die Entwicklung. Viele erinnerten sich gern an die vielen schönen Stunden, die sie mit Frequency und Amplitude verbracht haben. Ziel war nicht etwas Neues zu erschaffen, sondern eben diese Zeit hochleben zu lassen und sie auf den aktuellen Stand zu bringen. Bei der Finanzierung hat es zwar leider nicht für geplanten Online-Mehrspielermodus, aber lokal dürfen wir zusammen oder gegeneinander spielen und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Wer Amplitude bereits damals auf der Playstation 2 gespielt hat, der weiß, was einen erwartet. Es ist eine simple Spielmechanik bei der wir ein kleines Vehikel auf fünf Spuren bewegen. Jede steht für ein Instrument vom Schlagzeug über Bass und Synthesizer bis hin zum Gesang. Eine Spur wiederum besitzt drei Spalten, auf der Markierungen auftauchen, während wir uns auf der Spur bewegen. Um eine Markierung erfolgreich aufzulösen, müssen wir im richtigen Moment die korrekte Taste drücken.

Schaffen wir das für einen festgelegten Abschnitt fehlerfrei, verschwindet die Spur und wir können uns einer anderen widmen, um so das vollständig Musikstück und idealerweise ohne Lücken und schiefe Töne vorzutragen. Das Ganze erinnert auch optisch sehr an das Prinzip von Guitar Hero und Rock Band, nur das wir eben den Controller benutzen und über die verschiedenen Spuren gleich alle Instrumente selbst bedienen.

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Das einfache Konzept erfordert wie jedes Musikspiel ein gewisses Gefühl für Rhythmus und natürlich auch gute Reflexe.

Das einfache Konzept erfordert wie jedes Musikspiel ein gewisses Gefühl für Rhythmus und natürlich auch gute Reflexe. Außerdem müssen wir die anderen Spuren im Blick haben. Denn obwohl wir nicht alle gleichzeitig bespielen müssen, ist beim erfolgreichen Abschluss eines Abschnitts ein rascher Wechsel zur nächsten Spur nötig, um keine Fehler zu fabrizieren und den Punkte-Multiplikator zu verlieren. Je nach Musikstück und Schwierigkeitsgrad kann dies zu einer echten Herausforderung werden. Auch das hat Harmonix in den späteren Spielen mit Instrumenten nicht anders gemacht.

Weil wir selbst wählen, auf welcher Spur wir uns bewegen, gibt uns das auch immer ein bisschen Freiheit, wie der Song klingt und wir merken, wie jedes einzelne Element, am Ende für den entsprechenden Klang sorgt. Ich habe diese Art von Spielen schon immer geliebt und war daher auch ein großer Freund der Werke von Choice Provisions (ehemals Gaijin Games), die der Bit.Trip-Reihe auf ähnlichen Pfaden unterwegs waren. Weil die Musik in ihren Bestandteilen so im Vordergrund steht, waren die Spiele vor allem bei Musikliebhabern begehrt. Auch das neue Amplitude ändert nichts daran.

Das wir nebenbei einen Highscore in die Höhe treiben und wir mit jedem gespielten Song, weitere Inhalte freischalten, macht aus dem musikalischen Ausflug trotzdem ein klassisches Videospiel. In Amplitude können wir im Verlauf auch Boni erspielen, die uns beim Spielen helfen. Manche verlangsamen zeitweise das Tempo, wir können eine Spur direkt erledigen oder etwa kurz über allem schweben. In der neuen Version können wir unsere Punktzahl nun ganz einfach mit Freunden oder dem Rest der Welt vergleichen und treibt uns so noch weiter an, immer wieder über die bunten Spuren entlang zu gleiten.

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Wer elektronische Musik mag, wird mit der Zusammenstellung zufrieden sein.

Amplitude beinhaltet eine relativ kurze Kampagne, die aber eigentlich nur dafür da ist, um uns langsam mit dem Spiel vertraut zu machen und weitere Songs freizuschalten. Es gibt in dem Modus sogar eine stumpfe Handlung, die uns im Gehirn eines Patienten für Heilung sorgen lässt. Diese nervt allerdings eher, weil sie für unnötige Wartezeit sorgt. Die meiste Zeit aber werden wir mit dem Modus "Schnelles Spiel" verbringen, in dem wir aus den freigespielten Songs selbst wählen können.

Amplitude hat aufgrund des schmalen Budgets keinen fetten Soundtrack mit großen Namen. Tatsächlich befindet sich kein einziger bekannter Pop-Song in der Liste. Zehn der über 30 Stücke stammen von Harmonix selbst. Dazu gesellen sich aber großartige Stücke von Musikern wie George & Jonathan oder Freezepop. Und auch Entwickler haben Songs zum Soundtrack beitragen - darunter unter C148, der den Soundtrack für Minecraft komponiert hat. Es gibt auch ein Stück aus Transistor von Darren Korb und zu meinen Favoriten gehört eines von Danny Baranowksy aus dem Rhythmusspiel Crypt of the NecroDancer.

Natürlich lässt sich über die Musikauswahl immer streiten, aber wer elektronische Musik mag, wird mit der Zusammenstellung zufrieden sein. Die Hoffnung ist natürlich auch, dass bei entsprechendem Erfolg das Angebot über Downloadinhalte noch erweitert wird. Amplitude für Playstation 3 und Playstation 4 gibt allen Anhängern endlich frisches Futter im zeitgemäßen Gewand. Es ist eine Erfahrung, die bis heute besonders bleibt und zeigt, dass abseits des auf Massengeschmack getrimmten Marktes großartige Konzepte möglich sind. Amplitude war ein Spiel für die Nische und die bedient es hervorragend.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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netter Elektro-Soundtrack, simples Spielprinzip, Online-Bestenlisten, lokaler Multiplayer, macht süchtig
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kein Online-Multiplayer, Soundtrack muss ohne große Namen auskommen
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