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Kritik

Starcraft II: Wings of Liberty

Es ist Zeit, den Zergs wieder entgegenzutreten: Nach zwölf langen Jahren kehrt Starcraft zurück. Gamereactor-Redakteur Petter hat sie unter Hochdruck gespielt. Hier ist seine Bewertung.

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Ich bin kein Strategie-Experte. Wirklich nicht. Es ist zehn Jahre her, dass ich zuletzt ein Strategie-Spiel bewertet habe. Und es ist zwölf Jahre her, dass ich zuletzt Zeit mit Jim Raynor verbracht habe. Und obwohl das Genre mittlerweile an mir vorbeigezogen ist, obwohl ich die Hoffnung aufgegeben habe, eines Tages doch noch ein strategiebesessener Schreibtisch-General zu werden, habe ich ungeduldig auf dieses Spiel gewartet.

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Ich habe damals Starcraft auf meinem Computer im Büro einer kleinen Werbeagentur gespielt, für die ich arbeitete. Ich war wie besessen. Die Kampagne habe ich zweimal durchgespielt, meist tagsüber auf der Arbeit - und im Multiplayer verbrachte ich viele schweißtreibende Nächte. Das ist zwölf Jahre her.

Starcraft II: Wings of Liberty
Verschwitztes Shirt, eine ranzige Bar - Jim Raynor hatte in den letzten vier Jahren keine besonders gute Zeit.

Gerade als ich meine Starcraft-Sucht überwunden hatte, erschien Homeworld - ich war prompt wieder abhängig. Nur diesmal in 3D und mit einem pechschwarzen Weltall im Hintergrund. Command & Conquer, Starcraft, Homeworld - mein Suchtschema stand fest, meine Liebe zum Genre wuchs. Was dann passierte, ist schwer zu erklären: Die Spiele wurden zu kompliziert (wie die Total War-Serie zum Beispiel) und in Ground Control fiel das Ressourcen-Management plötzlich unter den Tisch. Ich wurde müde, spielte und testete noch bis Ground Control 2 weiter, um den Überblick über das Genre zu behalten. Aber so gut das Spiel auch gewesen sein mag - das Ressourcen-Management hatte mich am meisten begeistert, und das fehlte.

Ich will bauen. Massenweise Armeen bauen. Bauen, bauen, bauen. Aufrüsten, aufstellen, dann angreifen - mit einer übermächtigen Truppenstärke, die jeden Feind einfach unter meinen Füßen zermalmt. Ich will in eine Schlacht ziehen und sicher sein, meine Feinde zu vernichten. Ich will meine Truppen so gründlich vorbereiten, dass sie nicht mal einen Kratzer abbekommen. Ich bin kein Stratege, hat man mir damals gesagt. Ganz und gar nicht. Ich bin ein Zerstörer.

Da passt es wunderbar, dass das Gameplay im neuen Starcraft II: Wings of Liberty wieder ganz nach meinem Geschmack ist. In vielerlei Hinsicht fühlt es sich an wie der Vorgänger - nur mit schönerer Grafik. Natürlich gibt es neue Kampftechnik und eine völlig neue Story, aber was das Gameplay angeht, ist Starcraft II richtig Old School.

Die Story von Starcraft II setzt vier Jahre nach dem Ende des ersten Teils an. Jim Raynor ist ein gesetzloser Rebell im verschwitzten T-Shirt, der betrunken und ungewaschen in einer runtergekommenen Bar irgendwo im Orbit sitzt. Dort spült er seine Sorgen flaschenweise mit billigem Bourbon runter. Kerrigan ist längst mit der Zerg-Armee über alle Berge. Und Imperator Arcturus Mengsk hat die ganze Galaxie korrumpiert und steuert die Dominion mit eiserner Faust.

An dieser Stelle kommt der Spieler zum Einsatz: Raynor braucht Hilfe, er muss wieder auf die Füße kommen. Und sein Kampfeswille gegen Mengsk muss wiederbelebt werden. In 26 wunderbar gemachten Missionen werden Raynor und seine terranischen Rebellen sich ihren Weg durch die Galaxie bahnen, wertvolle Artefakte stehlen und die Zerg-Armee bekämpfen. Das alles, um schließlich Mengsk aufzuhalten - und Kerrigan, wenn man schon mal dabei ist.

Starcraft II: Wings of Liberty
Die Spielmechanik ist hervorragend, da haben sie wirklich alles richtig gemacht.

Der größte Unterschied zwischen Starcraft II und seinem Vorgänger ist, dass die Missionen nicht mehr wie routinemäßig montierte Multiplayer-Level aussehen. Stattdessen ist jede Map einzigartig, und jede Mission enthält Gameplay-Gimmicks, die für viel Abwechslung im Spiel sorgen. Einmal muss Raynor so schnell wie möglich Truppen aufstellen, um sechs Züge der Dominion in seine Gewalt zu bringen. Ein anderes Mal steckt eine kraftvolle Sonne den Boden in Brand, so dass Raynor gezwungen ist, seine Lager auf unbekannten Boden zu verlegen. Das alles, während man die Zerg bekämpft, natürlich.

Aber nach fünf Stunden Abenteuer sehne ich mich nach einer Aufgabe ohne Zeitdruck - oder ohne versteckten Zeitdruck in Form von Zugfahrplänen oder Angriffen nachtaktiver Zombies. Eine Aufgabe in meiner eigenen Geschwindigkeit. Weitere fünf Stunden später bin ich aber schon erschreckend gut darin geworden, an mehreren Stellen der Map gleichzeitig Aufgaben zu erledigen. Und unter heftigem Zeitdruck zu arbeiten. Aber das ist es ja, was Starcraft II ausmacht: Die Galaxie wartet nicht auf Jim Raynor, nicht einmal auf Kerrigan. Und langsam aber sicher lernt man, sich den Regeln zu unterwerfen und mit ihnen zu wachsen.

Ich entwickle mich vom behäbigen Ressourcen-Horter zum flinken Angreifer, der mit weniger Truppen auskommt, mit Artillerie und medizinischen Einheiten als Rückendeckung. Blizzard's Bemühen, die perfekte Spielgeschwindigkeit zu halten und eine dichte Story zu erzählen, hilft dabei. In der Rückschau kann ich sagen: Ich hatte noch nie so viel Spaß mit der Kampagne eines Strategiespiels wie in Starcraft II.

Starcraft II: Wings of Liberty
Die Grafik ist bewusst etwas simpler halten, damit Starcraft II auch auf schwächeren Rechnern flüssig läuft. Bei uns hat das nicht wirklich geklappt.

Was ich bisher noch nicht kannte, sind die Rollenspiel-Elemente an Bord von Jim Raynors Piratenschiff, der Hyperion. Jim pendelt auf dem Schiff zwischen einer schäbigen Kantine, der Waffenkammer, einem Labor und der Brücke, wo die meisten der Missionen übergeben werden. In diesen vier Bereichen kann Jim mit verschiedenen Charakteren sprechen, die feindlichen Truppenbewegungen überwachen und so ziemlich alles von Waffen über Abwehrtechnik bis hin zu Fahrzeugen und Gebäuden verbessern.

Jede erfüllte Mission bringt abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad mehr Geld, das Jim für alles Mögliche ausgibt, von stärkeren Goliath-Raketen bis hin zu mehr Bourbon. Dieses Element hat sich Blizzard von Warhammer 40,000: Dawn of War abgeguckt - und es funktioniert auch in Starcraft II sehr gut.

Wie wir wissen, hat sich Blizzard entschlossen, das Spiel in drei Teile zu gliedern, anstatt wie zunächst geplant, alle drei Rassen (Terraner, Zerg und Protoss) in einem Spiel zu integrieren. Ich persönlich bin schon ein bisschen enttäuscht darüber, dass ich Wings of Liberty nicht in der Rolle der Zerg spielen kann, obwohl die Terraner-Kampagne mehr als 20 Stunden Spaß bietet. Es gibt zwar in einer kleinen Szene einen Vorgeschmack auf die Protoss-Kampagne (wo man den Protoss-Kaiser Zeratul durch eine Zerg-besetzte Ruine steuert), jedoch ist dieser Miniauftrag leider der schlechteste des Spiels. Unheimlich langweilig war der.

Starcraft II: Wings of Liberty
Zu viel und zu schlechter Bourbon formte diesen grimmigen Gesichtsausdruck.

Der nächste Teil der Kampagne, Heart of the Swarm, wird sich auf die Zerg konzentrieren. Er wird mehr klassische Rollenspiel-Elemente enthalten, die Aufgabe wird die Stärkung von Kerrigans Macht als Königin der Klingen sein.

Im Multiplayer wählt man naturgemäß seine bevorzugte Rasse. Obwohl ich nicht gerade ein Hardcore-Fan von Echtzeitstrategie bin, muss ich sagen, dass Starcraft II eine der besten Multiplayer-Erfahrungen in dem Genre in vielen Jahren für mich ist. Es wird überdeutlich, dass Blizzard die Ergebnisse der Beta ernst genommen hat. Die Macken, über die Fans geklagt hatten, sind jedenfalls verschwunden.

Blizzard stellt dem Multiplayer eine kurze Einführung zu Zerg und Protoss voran, um den Spieler mit den Eigenheiten der Rassen vertraut zu machen. Das ist notwendig, schließlich können wir deren Rollen in der Kampagne nicht übernehmen.

Das Kampfsystem wird von Battle.Net 2.0 gesteuert, das zum Zeitpunkt des Releases gerade upgegradet wurde. Sobald man die fünf Trainings-Missionen zu jeder Rasse überstanden hat, trifft man gemäß seinem Ranking auf einen geeigneten Gegner. Dass man um Battle.Net nicht herumkommt, hätte Grund zu vielen Klagen werden können - würde es nicht so super funktionieren. Mein einziger Kritikpunkt ist die fehlende Möglichkeit, Gegnern auf anderen Kontinenten entgegenzutreten.

Die Grafik von Starcraft II sieht gut aus, ist aber nicht übermäßig beeindruckend. Vor dem Release hieß es, Blizzard würde die Grafik bewusst etwas simpler halten, um die Performance auch auf älteren Rechnern sicherzustellen. Das konnten wir bei unseren Versuchen leider nicht bestätigen - zumindest nicht im versprochenen Maß. Einer unserer optimierten Gaming-PC muss echt hart arbeiten, um das Spiel mit Ultra-High-Setting flüssig laufen zu lassen. Ein neun Monate alter Mac bekam das Spiel sogar im Medium-Settings kaum zum Laufen.

Starcraft II: Wings of Liberty
Auf der Brücke von Raynors Piratenschiff, der Hyperion, starten die meisten der 26 Missionen.

Aber Wings of Liberty ist schön designt, mit detail- und abwechslungsreichen Welten, großartigen Effekten und atemberaubenden Filmszenen (die mit der Spiel-Engine gerendert werden). Der Sound ist ebenfalls toll, der Soundtrack erstreckt sich von Rockabilly bis hin zu atmosphärischen Orchester-Stücken, die die epischsten Schlachten der Kampagne untermalen.

Es ist jetzt gerade 49 Stunden her, dass ich Starcraft II: Wings of Liberty angespielt habe und nach 22 schweißtreibenden Stunden habe ich das Ende der Kampagne erreicht. Es war eine sehr unterhaltsame Reise durch bekannte Landschaften mit den besten Blizzard-Zutaten. Natürlich fehlt mir die Möglichkeit, die Kampagne als Zerg zu spielen, mir fehlt auch ein bisschen Innovation bei den Fahrzeugen - aber abgesehen davon ist es ein fantastisches Strategiespiel, das den früheren Fans genau das gibt, was sie nach zwölf langen Jahren erwarten.

Starcraft II: Wings of Liberty
Starcraft II: Wings of Liberty
Starcraft II: Wings of Liberty
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Starcraft II: Wings of Liberty
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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Fantastische Aufmachung, gut geschriebene Story, nettes Design, unglaublich abwechslungsreich, tolle Spielmechanik, wunderbarer Multiplayer, guter Soundtrack
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Nichts Neues unter der Sonne, nur eine Rasse im Solomodus, keine LAN-Unterstützung
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