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Kritik

Crackdown 2

Eine Großstadt als Spielwiese, mit superschnellen Autos, Zombies, Terroristen - und mittendrin man selbst. Bis an die Zähne bewaffnet springt man von Haus zu Haus und bewirft die Leute mit Trucks. Das ist, ganz kurz und knapp, Crackdown 2.

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Manchmal ist das Schreiben von Spielkritiken ganz einfach: Man spielt, schreibt eine Kritik, gibt dem Ganzen eine Bewertung - und macht einen Haken dran. Ich hätte das mit Crackdown 2 gerne genauso gemacht, und während der ersten paar Stunden mit dem Spiel war ich auch ziemlich sicher, dass es so laufen würde. Ich ging zufrieden ins Bett und ließ mir die ersten Zeilen durch den Kopf gehen, die ich dazu schreiben würde. Ich muss das Wort mittelmäßig mehr als einmal benutzen, dachte ich.

Aber nein, so einfach ist es nicht mit Crackdown 2: Was eindeutig mittelmäßig beginnt, entwickelt sich schnell zu einem lustigen, kreischenden Gewalt-Action-Feuerwerk mit Knarren, Riesensprung-Skills und Horden von Zombies. Und Autos. Superschnellen Autos namens Supercars. Und auch wenn es zwischendrin immer noch einiges an Mittelmaß gibt - ich hatte Spaß. Oh ja, ich hatte Spaß.

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Das Besondere ist, dass Crackdown 2 einen nicht an die Hand nimmt, einem eine schön erzählte Geschichte vorsetzt und dann genau sagt, was man jetzt zu tun hat. Oder wohin man gehen soll. Man wird einfach mitten in einen Großstadtmoloch geschubst, kriegt ein paar Starthinweise und dann streunt man durch die Straßen und sucht sich seinen eigenen Spaß. Natürlich gibt es eine Art Story, unterwegs auch Missionen - aber das Spiel wird einem nicht sagen, in welcher Reihenfolge man sie erledigen sollte. Oder ob man sie überhaupt erledigen muss.

Crackdown 2
Hüpfen, Orbs sammeln, möglichst viel Verwüstung anrichten - das Rezept von Crackdown.

Nehmen wir die Autos, zum Beispiel: Je mehr Leute man überfährt (es müssen Feinde sein, keine Zivilisten), um so höher steigt das Fahrer-Level. Und je höher das Fahrer-Level steigt, umso größer die Autos, die man an den Sammelpunkten in der Stadt auswählen darf. Autos des Gegners - der Terroristenorganisation Cell - oder von unschuldigen Passanten einfach kapern und sammeln geht auch. Das ergibt keinen tieferen Sinn, außer dass es ab und zu einfach Spaß macht, einen VW-Bus über eine Klippe fahren zu lassen. Sinnvoll genug, oder etwa nicht?

Crackdown 2 funktioniert als Action-Shooter mit einer offenen Spielwelt ziemlich gut. Das Schießen klappt besser als in vielen anderen Titeln des Genres - auch wenn die Zielautomatik sich manchmal an Objekten festbeißt, von denen man vorher nicht mal wusste, dass es sie überhaupt gibt. Und so kommt es vor, dass man stur auf hunderte Meter entfernte Autos ballert, während ein Gegner einem aus wenigen Zentimetern Entfernung Shotgun-Salven ins Gesicht pumpt.

Alles dreht sich ums Rumspringen, Fassadenklettern, Orbs sammeln, die die eigene Sprunghöhe und -weite verbessern... und um's Leute abknallen. Wenn all das manchmal zur selben Zeit passiert, wird Crackdown 2 richtig brillant.

Crackdown 2
Die Grafik ist eher ein bisschen fade und zeigt keinen riesengroßen Sprung im Vergleich zum Vorgänger.

Gleichzeitig mindert der Mangel an Führung und der Hang zur Wiederholung manchmal den Genuss. Für lange Sessions ist Crackdown 2 deshalb nicht wirklich gut geeignet - es sei denn, man startet im Koop-Modus mit einem Freund eine chaotische Schnitzeljagd durch den Großstadtdschungel. Obwohl es ohne Zweifel ein Sandbox-Game ist, bleibt man hin und wieder in einer Endlosschleife aus ziellosem Springen über die Dächer und Einsammeln von Energiekugeln hängen. Oder man beschießt ohne Sinn und Verstand irgendwelche feindlichen Stellungen, zu denen man sich aus Versehen verirrt hat.

In solchen Momenten hilft nur eine kurze Pause. Man streichelt seinen Hund oder liest ein Buch. Wenn es dann zurück ins Spiel geht, ist die Freude schnell wieder groß darüber, in sein Supercar zu springen und wahllos so viele Zombies wie möglich in einem Rutsch zu erledigen. Von Künstlicher Intelligenz der Gegner ist nichts zu merken, die meisten Feinde sind entweder hirnlose Zombies oder sie benehmen sich so: Die Cell-Terroristen schreien gerne mal "Granate!", wenn ihnen eine zwischen die Füße rollt - aber sie machen keine Anstalten, sich in Sicherheit zu bringen, bevor sie explodiert. Auch man selbst in der Rolle des bewaffneten Typen, der in einem riesigen Pickup-Truck auf sie zu rast, beeindruckt sie so gar nicht.

Crackdown 2 kann - in moderater Dosis verabreicht - unglaublich süchtig machen. Jeder Kill bringt einem Erfahrungspunkte in verschiedenen Kategorien, je nachdem der Gegner erledigt wurde. Ich würde mich nicht für ein ganzes Wochenende lang mit dem Spiel in meiner Wohnung einschließen. Aber ich möchte auch nicht komplett darauf verzichten.

Ich dachte immer, einige Kritiker hätten bei Prototype missverstanden, dass das Gamedesign in diesem Spiel auf eine sehr spezielle Art von Spaß ausgelegt war: Nämlich, dass der Spieler auf irgendeine Art und Weise immer in Action ist, sobald er den Controller in die Hand nimmt. Crackdown 2 versucht sich am selben Spaßverständnis - aber der Ball schlingert ein bisschen, bevor er im Tor landet. Das Spiel lässt einem zwar den Freiraum, zu tun, was man will. Aber ein eher nerviger Erzähler (wenn er auch oft wirklich komisch ist) und eine manchmal hakelige Kamera stehen dem Spaß genauso im Weg wie der erwähnte Hang zur Wiederholung.

Manche meinten, wenn man den Vorgänger mochte, würde man Crackdown 2 ebenso gut finden. Ich kann dazu nichts sagen, ich habe das erste Spiel nie gespielt (jetzt ist der richtige Moment für einen schockierten Blick). Ich sage es mal so: Wer mit der eher faden Grafik leben kann und in der Lage ist, sich seinen Spaß selbst zu suchen, oder wer einfach mal mit drei Freunden (oder Fremden) eine virtuelle Stadt völlig verwüsten will - für den ist es genau das richtige Spiel. Wer aber eine geführte Spielerfahrung bevorzugt, wird es mit einiger Wahrscheinlichkeit hassen. Dass man Zombies mit Autos bewerfen kann, ändert daran nichts.

Crackdown 2
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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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Die Freiheit im Spiel, unglaublich viel brutaler Spaß
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Fade Grafik, schlimme Künstliche Intelligenz, wiederholt sich stark
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