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Kritik

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain

Nachdem wir es auf dem Review-Event nicht geschafft haben, das Kojima-Meisterwerk zu beenden, hat der Kollege sich nun durchgekämpft und ein Urteil gefällt.

Endlich mal eine Atempause, um das zu reflektieren. Der einst fröhliche Special Agent Snake wird in einer Spirale der Gewalt und Brutalität nach unten gezogen. Es ist hart an der Grenze zu dem, was man noch anschauen mag. Ich fühle mich versucht, die Bremse zu ziehen. Starre auf den Bildschirm und versuche, meine Gedanken zu sammeln. Gibt es ein Zweck dahinter? Gibt es noch andere Möglichkeiten, einen Ausweg? Muss ich wirklich tun, wozu das Spiel mich auffordert? Dann tue ich es doch. Mache es einfach.

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist, mehr als alles andere, ein brutales Spiel. Es ist die Geschichte des legendären Soldaten Snake oder Big Boss, und wie er und alle Menschen um ihn herum sich in Rache, Lügen und Betrug verlieren. Einige Gewaltszenen sind so weit jenseits der Grenze des guten Geschmacks, dass es mir den Magen umdreht. Manchmal wird es einem dabei einfach zu viel, aber im Großen und Ganzen ist es gerade diese Wildheit, die Hideo Kojimas großes Werk zu einem der Games in diesem Jahr macht, die am meisten zum Nachdenken anregen.

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Metal Gear Solid V: The Phantom PainMetal Gear Solid V: The Phantom Pain
Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist bei weitem das zugänglichste Metal Gear Spiel.

Es gibt natürlich so viel mehr als pure Brutalität. Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist ein riesiges, vielseitiges Spiel, das viele, viele Stunden allerbester Unterhaltung liefert. Wir bekommen eine lange Geschichte, Tonnen von Nebenmissionen und viel Platz in der Form von zwei riesigen Karten. Wir bekommen sogar eine separate Militärbasis, die es zu erweitern gilt und die wir mit zu rekrutierenden Soldaten ausstaffieren können. Und einen Multiplayer-Modus, in dem wir in eine fremde Basis eines anderen Spielers schleichen müssen. Während wir unser eigenes kleines Zuhause verbessern und aufrüsten, bekommen wir Zugang zu einem Arsenal von Waffen und Ausrüstung - so groß, als dass man denken würde, dass jemand bei Konami vergessen hätte, dass die Hälfte davon eigentlich separat als Download verkauft werden sollte.

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist bei weitem das zugänglichste Metal Gear Spiel. Die Steuerung und das Gameplay in Kojimas Stealth-Spielen waren immer weniger starr geworden im Laufe der Jahre. Und obwohl sich gerade das Schießen immer noch ein wenig statisch anfühlt, gibt es eine gut funktionierende Kamera und einen funktionierenden Protagonist - jedenfalls die allermeiste Zeit. Manchmal nur glitt Snake sanft einen Hang hinab oder das Pferd lief weg, obwohl ich es gerade herangepfiffen hatte. Aber jenseits davon gibt es wenig, das unnötig kompliziert oder unfair rüberkommt. Die Momente der Frustration sind in der Tat für ein Spiel dieser Größe erstaunlich gering, in dem der kleinste Fehler bereits Bomben oder Alarm auslöst.

Die Begegnungen mit feindlichen Soldaten allerdings sind gelegentlich absolut unberechenbar. Einer der Gründe dafür ist, dass Licht und Schatten mehr Auswirkungen haben als man zunächst glauben mag. Außerdem ist es so, dass man flach auf dem Boden liegend offensichtlich unsichtbar ist und stehend hingegen ein weithin erkennbares Leuchtfeuer. Wird man entdeckt, bleiben ein paar Sekunden der Zeitlupe, um etwa einen gut platzierten Betäubungspfeil in der Stirn des armen Kerls zu versenken, der aufmerksam genug war, ein ausgewachsenen Elitesoldaten zwei Meter vor im auf dem Boden liegend zu entdecken. Diese wenigen Sekunden retten mich vor mehr Ärger, als ich zählen kann. Es muss auch gesagt werden, dass die KI immer noch recht gut agiert und dass die feindlichen Truppen häufig kommunizieren und sich glaubwürdig verhalten.

Metal Gear Solid V: The Phantom PainMetal Gear Solid V: The Phantom Pain
Glücklicherweise ist Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ein sehr süchtig machendes Spiel, so dass ein paar Stunden der Wiederholung weder schlecht sind noch im eigentlichen Sinne nerven.

Was ich am meisten mag an der Sandbox-Erfahrung in Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist jedoch nicht, wie groß es ist, wie viele Möglichkeiten es gibt oder wie viele Waffen man wählen kann. Der beste Teil ist, dass es uns etwas liefert, das neu ist. Wir leben in einer Zeit, in der jedes Spiel eine offene Welt haben muss, ob es nun Dragon Age oder Ghost Recon ist. Und selbst in der Gesellschaft dieser Serien sticht Metal Gear Solid heraus. Der taktische Teil des Spiels fühlt sich einzigartig an, wobei einige Elemente am Ende zwangsläufig an Hitman oder Far Cry erinnern.

Eher untypisch für die Serie ist, dass das Gameplay und die Story fast dünn wirken. Im ersten Akt des Spiels gibt es einige zu lange Intervalle zwischen den aufregendsten Storysequenzen. Und einigen der Hauptmissionen fehlt schlicht eine konkrete Bedeutung für die Handlung. Noch seltsamer ist, dass der zweite Akt viel zu wenig neue Spielinhalte enthält. Stattdessen sind wir gezwungen, bekannte Missionen immer wieder zu spielen, um in der Geschichte voran zu kommen - natürlich auf einem höheren Schwierigkeitsgrad. Es ist ein bisschen so, als ob die zweite Staffel einer TV-Serie mehrere Episoden enthält, die auf die Höhepunkten der ersten Staffel basieren.

Glücklicherweise ist Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ein sehr süchtig machendes Spiel, so dass ein paar Stunden der Wiederholung weder schlecht sind noch im eigentlichen Sinne nerven. Upgrades für die Basis zu sammeln, indem man Soldaten entführt - oder Bergziegen - ist alleine schon geniale Unterhaltung, die einen Dutzende von Stunden glücklich machen kann. Aber es sind nicht die vielen Stunden, die den stärksten Eindruck hinterlassen. Ich werde mich an die vielen kleinen Momente erinnern, die Hinweise auf andere Kojima-Spiele etwa. Oder "Take on Me" in voller Lautstärke aus den Hubschrauber-Lautsprechern zu spielen, um den Feind irre zu machen. Oder vor allem jene Schlüsselmomente, in denen ich den Controller beiseite lege und mich frage, ob ich Big Boss einen Schritt in Richtung Hölle bringen will oder nicht. Eigentlich will ich nicht, aber es ist natürlich zu spannend, um es dann nicht doch zu tun...

Weitere Eindrücke zu Metal Gear Solid V: The Phantom Pain vom Review-Event gibt es HIER

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain
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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
viel Inhalt, viele Möglichkeiten, hoher Wiederspielwert, gute Bosskämpfe, Millers Hamburger
-
zu viel Wiederverwendung von Mission im zweiten Akt, verwirrende Thematik, gelegentlich etwas zu pompös
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