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Kritik

Forza Motorsport 6

Der sechste Teil der Rennsimulation von Turn 10 setzt auf viele Verbesserungen im Detail und formt damit ein fast perfektes Fahrvergnügen.

Es gibt da in mir dieses lange gewachsene, quasi gelernte Gefühl, wenn ich mich in einen vor allen Dingen älteren Mercedes setze. In einen W123er zum Beispiel, den meine Eltern früher hatten. Fahre ich heute einen davon, dann fühle ich mich auf seltsame Art zuhause. Selbst bei neueren Modellen gilt das noch. Genau das fühle ich auch bei Forza. Schon seit Forza Motorsport 3. Und auch bei Forza Horizon. Es ist wohl "mein" Rennspiel mittlerweile.

Auf der Xbox One habe ich persönlich schon Forza Motorsport 5 sehr gemocht. Die Drivatar-Idee war neu, famos und hat das Solospiel gegen KI-Gegner vermenschlicht. In Forza Motorsport 6 sind die Drivatare nun noch ein bisschen lernfähiger und agieren im 24 Fahrer starken Feld sehr überzeugend. Das Drivatar-System wirkt einfach ausgereifter. Die Fahrer sind ab der mittleren Schwierigkeitseinstellung eine wirkliche Herausforderung auf den vorderen drei Plätzen (auf denen man landen muss, um in der Karriere voranzukommen). Wer auf Profi stellt, braucht ein fehlerfreies Rennen am Limit, um zu gewinnen.

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Forza Motorsport 6Forza Motorsport 6
Schön ist auch die neue Abwechslung durch Tag- oder Nachtrennen - und auch Regen gehört mittlerweile zum Programm.

Neu sind auch Mods, Sammelkarten unterschiedlicher Seltenheitsstufen, von denen man pro Rennen drei einsetzen darf. Manche sind dauerhaft nutzbar und geben einem Boni wie mehr Grip bei besserer Bremsleistung. Manche erhöhen einmalig die Einnahmen oder verbessern die Position in der Startaufstellung. Das System ist nett, zumal man die Mods für erspielte Credits einkaufen oder gewinnen kann. Sie zerstören nicht das Spiel, sondern fügen eine feine Note hinzu. Wobei man aufpassen muss, dass man sich bei einzelnen Autos nicht an 15 Prozent mehr Grip gewöhnt, die dann im Onlinemultiplayer plötzlich nicht mehr verfügbar sind. Das Auto fährt sich dann nämlich sofort erheblich anders. Es sind auch fiese Sachen dabei, gerade die Dare-Mods fordern einen heftig. Alle Fahrhilfen abschalten und minus 15 Prozent Grip für 50 Prozent mehr Credits. Traut man sich oder nicht?!

Der Karrieremodus in fünf Klassen mit diversen Rennserien liefert tagelang Optionen. Man kann sich mit allen möglichen Wagentypen durch die Rennserien kämpfen. Dazu gibt es Showcase-Events, die lassen uns schon früh verrückte F1-Renner fahren. Hier gibt es auch die Stiq-1-gegen-1-Herausforderungen. Oder Indy 500, klassische Autorennen, Verfolgsjagden, BMW-Bowling auf dem Top-Gear-Track und ewig lange Ausdauerrennen. Diese knapp 80 Veranstaltungen halten einen bei Laune und werden im Karrieremodus angeboten. Dadurch wechselt man immer wieder kurz das Auto, die Marke und auch das Fahrgefühl. So sorgt das Spiel selbst für neuen Input und nimmt die Trägheit, die ein Karrieremodus gerade in einem Rennspiel immer wieder haben kann.

Schön ist auch die neue Abwechslung durch Tag- oder Nachtrennen - und auch Regen gehört mittlerweile zum Programm. Schüttet es, bilden sich nach dem Zufallsprinzip an diversen Senken auf der Strecke tiefe Pfützen, die beim Durchbrettern fiese Gischt produzieren oder durch Aquaplaning für üble Abflüge sorgen. Überhaupt ist die Reifenphysik noch eine Spur toller geworden. Wie die Pneus beim Bremsen in der Kurve präzise heißer werden und der Wagen dann immer mehr Grip verliert, das war so exakt noch nicht simuliert.

Forza Motorsport 6Forza Motorsport 6
Forza Motorsport 6 ist wie gehabt eine reinrassige Rennsimulation, die man mit dem richtigen Equipment ziemlich ausreizen kann.

Über 460 Wagen sind am Start, alle sind für den Forzavista-Modus umgesetzt. Das heißt, man kann die Karren virtuell bewundern, einsteigen, das Cockpit beschnuppern und ein paar Geschichten hören. Die sind teils noch von den mittlerweile ehemaligen Top-Gear-Moderatoren Richard Hammond und James May eingesprochen. Jeremy Clarkson haben sie nach dessen Prügelattacke einfach ausradiert. Die fantastische Optik des virtuellen Showrooms setzt sich auf der Strecke nahtlos fort, bei den Autos und dem Kurs selbst. Tolle Lichteffekte, tags und nachts. Die Sonne scheint in die leicht verdreckten Fenster und bewegt sich perfekt mit, ohne zu stark zu blenden. Das erste Mal, als mir der Wüstensand in Laguna Seca über die Windschutzscheibe fegt, wird mir schnell klar, dass hier mehr feine Details am Werk sind als auf den ersten Blick sichtbar ist.

Der Regen ist ein zweites Beispiel, nicht nur wegen der Pfützen. Denn Regenrennen sind extrem nervig, weil sie einfach sauschwierig zu fahren sind. Miese Sicht, insbesondere im Mittelfeld, und die Wagen steuern sich extrem bockig. Aber genau dadurch haben diese Rennen ihren Reiz, weil sie einfach eine andere Herausforderung darstellen. Auch in den Nachtrennen ist das Leben hinterm Steuer komplizierter. Die kälteren Temperaturen verringern den Grip der Reifen. Also passt weder die lange gelernte Ideallinie vom Tag, dazu fehlt noch das Licht. Das ändert auch gerade für aggressive Fahrer das Spiel, denn man kann sich nicht auch nur einen übleren Rempler ins Heck des Vordermannes leisten, weil dann die Lichter ausgehen. Nicht gut, gar nicht gut.

Forza Motorsport 6 ist wie gehabt eine reinrassige Rennsimulation, die man mit dem richtigen Equipment ziemlich ausreizen kann. Ob nun mit drei Konsolen, pneumatischem Playseat und 1500-Euro-Lenkrad oder am Controller, die ganze Bandbreite ist möglich. Jenseits davon ist das hier aber mittlerweile mehr denn je auch ein wunderbares Spaßrennspiel. Alleine die Tatsache, dass Mods am Start sind und man nach jedem Levelsprung einmal am großen Autoglücksrad drehen darf, um Karren, Cash oder Mods abzugreifen, zeigt, wie gut der Innovationstransfer zwischen den Forza Horizon-Machern Playground Games und dem großen Studio Turn 10 funktioniert. Die US-Entwickler haben keine Angst, erfolgreiche Spaßideen in ihre an so mancher Stelle technokratisch ernste Rennsimulation zu integrieren.

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Die Wagen sehen zwar auch in der Außenansicht schick aus, aber dort wirken sie gelegentlich so, als würden sie schweben.

Ein paar Ungereimtheiten bleiben am Ende dennoch. Es ist schon so, dass Forza Motorsport 6 mehr noch als gehabt die Cockpitperspektive bevorzugt. Die Wagen sehen zwar auch in der Außenansicht schick aus, aber dort wirken sie gelegentlich so, als würden sie schweben. Die wenigen Grafikaussetzer waren in meinem Fall fast ausschließlich tiefschwarze, pfützenartige Schatten, die unter dem Wagen in der Außenperspektive aufblitzten. Es nerven zudem die langen Ladezeiten beim Wechsel der Strecken und Modi. Und das Geräusch bei Kollisionen ist ebenso platt wie drucklos. Kracht es heftig, kann man das eigene Auto zwar zum Überschlagen bringen, aber das sonst überzeugende Schadensmodell versagt an diesem Punkt. Sonst aber lief alles reibungslos, ohne Lags und Ruckeln - egal ob ihm Multiplayer oder solo.

So umfangreich das Soloerlebnis auch sein mag, langfristig wird einen Forza mit dem Multiplayer kriegen, der in diversen Ausprägungen am Start ist. Es gibt konventionelle Multiplayerrennen mit bis zu 24 Spielern, dazu Spaßvariationen und das Erstellen sowie den Handel mit Lackierungen und Tuning-Setups. Neu ist der Liga-Modus, in dem wir online gegen Leute mit ähnlichen Fähigkeiten fahren. Man kann so langsam aufsteigen, ohne permanent das Gefühl zu haben, gegen bessere Typen andauernd zu verlieren. Anderseits muss man hier je nach Klasseneinschränkungen ziemlich herumprobieren, um ein konkurrenzfähiges Auto zu tunen. Da kann es auch schon mal nötig werden, einen E-Klasse-Wagen auf D-Klasse zu trimmen. Es gibt hier fünf Klassifikationen für die eigene Fahrstärke und die Möglichkeit, alle möglichen Arten von Ligen zu spielen.

Tief integriert ist auch das Rivalensystem. Es bietet uns immer wieder an, auf bestimmten Kursen in bestimmten Wagen gegen die Höchstleistungen unserer Freunde anzutreten. Eine kleine Idee mit großer Wirkung. Genau das ist ohnehin der Satz, der Forza Motorsport 6 am besten zusammenfasst - wenn man ihn im Plural denkt. Viele kleine Dinge, die gemeinsam ein ohnehin schon tolles Spiel weiter perfektionieren. Forza Motorsport 6 ist die beste Rennsimulation für Konsole derzeit. Gran Turismo 7 hat einiges aufzuholen.

Forza Motorsport 6
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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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schlaue Drivatare fürs Solospiel, Tag-Nacht-Rennen und Regen, ausschweifender Karriermodus, Mods
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Druckloser Sound bei Kollisionen, Außenansicht weniger exzellent als Cockpitperspektive
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