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Kritik

Devil's Third

Tomonobu Itagaki verteidigt seine Spiele bis auf's Blut. Das gilt auch für sein neues Werk für die Wii U, das allerdings sichtbare Mängel hat.

Viel Kritik gab es bereits im Vorfeld für Devil's Third, dem neuen Spiel von Tomonobu Itagaki, das exklusiv für Wii U erscheint. Das Spiel sei altbacken und nicht besonders hübsch. Natürlich hat sich sich Itagaki entsprechend gewehrt und verkündet auf Facebook: „Leute, ich verstehe nun endlich die Reaktionen. Devil's Third ist ein Spiel, das die Fähigkeiten des Spielers direkt/anschaulich widerspiegelt. Das ist die Wahrheit." - Das Problem sei also nicht das Spiel, sondern es sind die Spieler. Und genau diese Aussage passt perfekt zu dem, was der legendäre Entwickler sonst von sich gibt. Seine Werke sind perfekt, der Künstler wird nur missverstanden.

Mit dieser Einstellung macht der Schöpfer von Ninja Gaiden natürlich jedwede Kritik obsolet. Doch solche ist im Fall von Devil's Third wahrlich angebracht. Die Grafik ist nicht auf Höhe derzeit. Die Warte- und Ladezeiten sind unerträglich und nerven selbst beim kurzen Scheitern in einem Bosskampf, aber auch im Onlinemodus. Und spielerisch ist die Mischung aus Ninja Gaiden und Call of Duty eben auch nicht so sauber und elegant, wie wir das von seinen Spielen gewohnt sind. Der Gründe dafür liegen aber ebenso auf der Hand. Devil's Third ist vermutlich seit etwa sieben Jahren in Entwicklung und war ursprünglich für PS3 und Xbox 360 geplant. Es wurde mehrmals die Engine gewechselt und auch Plattform und Publisher. Das bleibt nie ohne Spuren.

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Devil's ThirdDevil's Third
Wir fühlen uns eher wie in einem alten Actionfilm mit Arnold Schwarzenegger oder Silvester Stallone.

Das Spiel, das jetzt für die Wii U erscheint, ist kein ernsthaft schlechtes. Dazu ist die Inszenierung viel zu gut. Wir fühlen uns eher wie in einem alten Actionfilm mit Arnold Schwarzenegger oder Silvester Stallone. Alle Satelliten wurden durch das Kessler-Syndrom zerstört und damit große Teile ziviler und militärischer Technik außer Gefecht gesetzt. Dahinter steckt eine Organisation, die sich nicht mit dem Ende des Kalten Krieges abfinden kann und die nun schutzlose Welt terrorisieren will, ohne Rücksicht auf zivile Opfer. Es ist ein ernster Hintergrund, der immer wieder mitschwingt.

Wir spielen den russischen Terroristen Ivan, der im Knast sitzt, aber von der Regierung freigelassen wird, um die Welt vor dieser Bedrohung zu retten. Dazu kommt, dass Ivans Oberkörper mit Tätowierungen japanischer Schriftzeichen überseht ist. Das ist auch unschwer zu übersehen, denn er präsentiert sich das gesamt Spiel über Oberkörper frei. Nur seine ebenso übertriebene Sonnenbrille, die nimmt er am Ende immerhin einmal ab. Dazwischen gibt es viele Explosionen, deformierte Monster, ein bisschen Übernatürliches und ein bisschen Dramatik. Aber trotz alledem bleibt das Spiel ernst und zieht sich nicht selbst ins Lächerlich.

Die Kampagne von Devil's Third zu verfolgen hat mir zumindest wirklich Spaß gemacht. Und auch die Idee für die Spielmechaniken klingt spannend. Ivan kämpft im Nahkampf mit Fäusten oder Waffen fast wie ein Ninja und aus der Distanz wie ein Soldat. Und auch wenn anfangs alles noch sehr einfach und simpel daherkommt, steigert sich der Schwierigkeitsgrad. Wir müssen besser werden und beide Techniken optimal nutzen, um gegen immer stärkere Gegner zu bestehen. In jeder Mission bewegen wir uns von Raum zu Raum vorwärts oder kämpfen uns durch lange Schläuche. Zum Teil gibt es dennoch etwas Vertikalität in einzelnen Abschnitten, die uns ein paar Freiheiten lässt.

Devil's ThirdDevil's Third
Es gibt einen Mehrspielernodus als eine Art kostenlose Beigabe zum eigentlichen Spiel, denn er setzt auf viele Free-to-Play-Elemente.

Jedes der neun Kapitel endet mit einem großen Bosskampf, die wieder typisch japanisch inszeniert sind und mächtig auftrumpfen. Hier kommt auf schnelle Reaktionen und geschicktes Ausweichen an. Mancher hätte sich vermutlich noch ein paar mehr Ideen und Strategien für diese Kämpfe gewünscht, aber zumindest spielen sie sich nicht alle gleich. Wem das Spiel übrigens zu schwer ist, der kann es auf Casual probieren. Allerdings geht Devil's Third damit quasi der gesamte Spielspaß verloren, weil es dann nicht mehr fordert und somit auch nicht mehr für mühsam gemeisterte Abschnitte belohnt. Für Profis gibt es die zusätzliche Stufe Hardcore und einen Score-Attack-Modus mit Bestenlisten für jedes Kapitel.

Es war der große Traum von Tomonobu Itagaki, die westliche und asiatische Spielekultur miteinander zu verbinden. Und in Teilen ist das auch gelungen. Nur die große Revolution blieb eben aus. Handlung und Inszenierung funktionieren wirklich gut, aber bei der Technik und den Spielmechaniken klappt es leider nicht ganz so gut. Weder als Shooter noch im Nahkampf setzt die Erfahrung irgendwelche Maßstäbe, sondern bleibt relativ unauffällig.

Es gibt viele verschiedene Schusswaffen und ebenso viele Nahkampfwaffen, aber die freie Kamera macht Probleme, die Künstliche Intelligenz ist eher bescheiden und auch das Deckungssystem funktioniert eben nicht immer. Zusammen mit der schwachen Grafik, der zum Teil einbrechenden Bildwiederholrate und den wirklich viel zu langen Ladezeiten sammeln sich Probleme. Für sich genommen wären die meisten davon vielleicht noch ohne Frage ertragbar, aber in der Summe können sie zur Belastung werden. Und tatsächlich sind es solche Kleinigkeiten, die Devil's Third so schlecht erscheinen lassen.

Devil's Third
Ivan kämpft im Nahkampf mit Fäusten oder Waffen fast wie ein Ninja und aus der Distanz wie ein Soldat.

Zur Kampagne gesellt sich ein Mehrspielermodus mit zunächst elf Karten. Er ist so eine Art kostenlose Beigabe zum eigentlichen Spiel, denn er setzt auf viele Free-to-Play-Elemente. Jegliche Anpassung des Charakters, Ausrüstung, zusätzliche Waffen und ähnliches sind kostenpflichtig. Die Grundidee für den Multiplayer ist aber nett. Neben einigen gewöhnlichen und lustigen Modi wie Capture the Flag und Hühnerjagd gibt es auch ein eingebautes Clan-System. Dieses kommt Siege-Modus zum Tragen. Wir können eine Basis bauen, müssen diese gegen Banden verteidigen oder als Clan andere überfallen.

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Spielen können bis zu 16 Leute gegeneinander oder auch im Team, aber leider fehlt ein Sprachchat zur Verständigung, was gerade Clan-Spieler eher nerven wird. Auch wird sich erst auf Dauer zeigen, ob der Mehrspielermodus angenommen und somit ein Erfolg wird. Das hängt sicherlich auch davon ab, ob die Free-to-Play-Mechaniken fair sind. Starten soll dieser Teil des Spiels übrigens auch auf dem PC als Devil's Third Online. Termin dafür ist bereits September.

Hätte das Spiel keine solche Odyssee hinter sich und wäre wie geplant vor ein paar Jahren für Playstation 3 und Xbox 360 erschienen, wäre es Devil's Third sicherlich besser ergangen. So bleibt aber der einzige Trost, dass es auf der Wii U kaum Konkurrenz in dem Genre gibt. Wer auf überspitzte Hack'n'Slay-Shooter-Action steht und auch bisher etwas mit den Spielen von Tomonobu Itagaki anfangen konnte, wird auch Devil's Third mögen. Zum vollen Preis aber werden sich wahrscheinlich nicht viele überzeugen lassen. Mal schauen, ob der Mehrspielermodus noch für Überraschungen sorgt. Allerdings gibt es hier Konkurrenz von Splatoon und überwältigend groß.

Devil's Third
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Devil's Third
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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Charaktere und Handlung sind unterhaltsam, verschiedene Waffen und Kampfsysteme, solider Multiplayer
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schwache Grafik, Ladezeiten, kleinere Fehler bei Spielmechaniken, Multiplayer setzt auf Free-to-Play-Mechaniken
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