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Kritik

Godzilla

Ein unglaublich langsames Actionspiel mit dem schwerfälligen Godzilla in der Hauptrolle ist ein weiterer Schuss vor den Bug der uralten Lizenz.

Die japanische Riesenechse Godzilla hat eine bewegte Laufbahn hinter sich. 1954 entstand der erste Kinofilm vor dem Hintergrund der nuklearen Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki am Ende des Zweiten Weltkriegs sowie den folgenden Atomwaffentests der USA. Ursprünglich symbolisierte Gojira, wie er im Original heißt, also die böse Bombe, die in Echsengestalt ganze Städte platt machte. Im Laufe der Jahre wandelte er sich aber zum Helden, der das Land der aufgehenden Sonne oder später auch die ganze Erde vor außerirdischen Invasoren rettete. Die Hollywood-Versionen stellten Godzilla eher als ambivalente Naturgewalt oder maximal als Antihelden dar, für die echten Fans zählen diese Werke aber sowieso nicht. Denn ein echter Godzilla muss per "Suitmotion" zum Leben erweckt werden, also durch einen Schauspieler in einem dicken Kostüm, der durch Miniatur-Wunderwelten stapft, die maximal digital ergänzt werden sollten.

Das ist natürlich bei einem Videospiel schwierig, denn hier muss die Echse zwangsläufig computeranimiert sein. Trotzdem haben die Macher der neuesten PS4-Inkarnation die offizielle Lizenz einigermaßen ernst genommen. Es ist schon fast ein Gummigeruch wahrnehmbar, wenn man sich als Spieler mit den drolligen Monster- und Roboterwesen konfrontiert sieht, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Der Trash-Faktor ist vom Start weg extrem hoch und Fans von Japano-Perlen wie Earth Defense Force frohlocken, dass mal wieder ein digitales Tokyo nach allen Regeln der Kunst zerlegt werden kann.

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Der Entstehungsgeschichte der Filme entsprechend beginnt das Tutorial in den 1960er Jahren und wird authentisch in Schwarz-Weiß, mit Filmkorn und Kratzern präsentiert. Die Steuerung folgt überraschenderweise, wenn auch nicht ganz unpassend, einem Panzer-Schema, da die Spielfigur mit den L- und R-Tasten rotiert werden muss. Um sich den Weg freizumachen, kann Godzilla eine dreifache Schlagkombo vom Stapel lassen, eine mächtige Wirbelattacke mit dem Schwanz einleiten oder seinen heißen Atem für eine Art Laserstrahl verbrauchen. Diese Kraft muss sich einige Sekunden aufladen und kann auch noch für eine unblockbare Allround-Attacke genutzt werden, die auch ohne Zielen direkt Hubschrauber und Kampfjets vom Himmel holt. Am praktischsten ist jedoch der Dash-Angriff nach vorne, da er die einzige Möglichkeit ist, der lahmen Echse ein bisschen Beine zu machen.

Das Spieltempo ist nämlich höchst gemächlich, was aber auf eine Art auch ganz gut ist, denn sonst wäre der Hauptspielmodus namens "God of Destruction" innerhalb weniger Minuten durchgespielt. Die einzelnen Levels beschränken sich nämlich leider darauf, in sehr klein abgezäunten Arealen sogenannte G-Power-Generatoren zu zerstören, die Godzilla ernähren und ihn sogar zum Wachsen bringen. Dazu gibt es kleine Bonusaufgaben wie "Zerstöre 10 Panzer" und pro Map vier Beobachtungsposten, an denen sich Godzilla für japanische Forscher in Pose schmeißt. Das eigentliche Zerlegen der Locations macht dabei schon Spaß, auch wenn sich die Spielstrategie darauf beschränkt, sich möglichst kurze Laufwege zu überlegen, um nicht angesichts der trägen Steuerung wahnsinnig zu werden.

Oft taucht dann auch noch ein anderes Monster auf, das mit den immergleichen Attacken in die ewigen Jagdgründe geschickt werden will. Da fällt dann besonders negativ auf, wie schwerfällig und eindimensional das Spiel eigentlich ist. Es gibt keine Möglichkeit zum Blocken oder Ausweichen, so dass sich keinerlei Taktik beim Monsterkampf anwenden lässt. Immer schön die Angriffe spammen und hoffen, dass der Gegner nicht zuerst eine Combo vom Stapel lässt. Dazu noch ein Auge auf die Temperaturanzeige, damit der nächste Hitzestrahl verzögerungsfrei abgefeuert werden kann.

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Ist dann endlich Ruhe im Karton, kann der Rest des Areals dem Erdboden gleichgemacht werden, denn hundertprozentige Zerstörung steht auch auf der Liste der Anforderungen, um irgendwann das "wahre" Ende des Spieles zu erreichen. Die Route durch die Levels kann der Spieler nämlich auf einem verzweigten Diagramm selbst wählen, doch die letzten Stationen sind blockiert, bis man alle Basis-Level komplett abgearbeitet hat. Und das zwingt zum mehrfachen Durchspielen. Zum Glück, denn ein einzelner Durchgang dauert - selbst wenn man gleich alle Nebenaufgaben mit erledigt - nur etwa eine gute Stunde.

Anschließend kann man Godzilla dann aufleveln, und zwar mit Hilfe von Körperzellen, die die feindlichen Monster bei ihrem Ableben hinterlassen haben. Zusätzlich kann man die besiegten Monster dadurch auch für die anderen Modi freischalten, die jedoch das exakt gleiche Gameplay beinhalten. Nur dass man eben als "noch böseres""Monster über eine Stadt herfällt, oder diese mit Godzilla verteidigt. Dazu gibt es auch noch einen Versus-Modus, in dem sich bis zu drei menschliche Spieler gegenseitig vermöbeln können. Leider nur online, ein lokaler Multiplayer wurde nicht eingebaut. Eigentlich keine große Überraschung angesichts der äußerst schlichten Technik, die eher auf PS3-Niveau liegt.

Eine Ahnung des Potenzials, das dieses Spiel hat, lässt sich lediglich im Monsterverzeichnis gewinnen. Hier werden alle Kreaturen detailliert beschrieben, sogar mit Schnappschüssen aus den jeweiligen Filmklassikern und interessanten Produktionshintergründen. Auch der Diorama-Modus ist eine witzige Idee: Freigespielte Untiere können in kleinen Modelllandschaften platziert und fotografiert werden. Es wurde also wirklich an die Fans gedacht, spielerisch ist dieses Godzilla jedoch fast genau so mies wie die vielen anderen Fehlversuche, die dieser Lizenz schon angetan wurden. Dabei gab es in der Vergangenheit durchaus spaßige Monsterspiele, zum Beispiel den Arcade-Klassiker Rampage, dann King Of The Monsters auf dem Neo-Geo oder auch das einigermaßen nette Godzilla: Destroy All Monsters Melee für Gamecube und die originale Xbox. Alle diese Titel sind auch eher schlecht gealtert, aber zumindest in Erinnerung geblieben. Das wird die aktuelle Godzilla-Inkarnation wohl nicht schaffen.

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03 Gamereactor Deutschland
3 / 10
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Unmengen klassischer Godzilla-Varianten und Gegner wurden originalgetreu umgesetzt, liebevolle Monster-Dokumentation
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lahmes und sehr repetitives Gameplay, schwache Technik, kein Offline-Multiplayer
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