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Kritik

F1 2015

Codemasters liefert ein schönes F1-Spiel für Xbox One und PS4 ab, vergisst aber leider die Inhalte mitzuliefern. Das kommt Serienfans bekannt vor...

Eine Rennsimulation ausschließlich im Kontext einer Rennsportart zu produzieren hat offenkundige Vor- und Nachteile. Zum einschränkenden Teil gehört, dass man als Studio eben auf eine Sache festgenagelt ist, in diesem Fall die Formel 1. Der gute Teil ist, dass sich Codemasters auf diese eine Sache konzentrieren kann. Das führt im Idealfall zu einer Spielerfahrung, die gerade unter dem Simulationsaspekt betrachtet ziemlich hervorragend sein kann.

Nun ist es mit F1 2015 schwierig - und das hat viele Gründe. Negativ fällt sofort nach dem Starten auf, dass einfach so einiges fehlt. Das sind keine echten Saisonherausforderungen. Kein Online-Koop. Kein Championsmodus. Kein Splitscreen. Keine TV-Interviews. Kein Classicmodus. Auch der Karrieremodus fehlt - und soll auch nicht mehr per Patch nachgereicht werden. So bleibt nach zuletzt erneuter, einmonatiger Verschiebung der Veröffentlichung leider wieder das Gefühl, als ob Codemasters hier ein nicht ganz so fertiges Produkt abgeliefert hat, wie es eines hätte sein können. Zum Glück ist wenigstens das Spielerlebnis selbst durchaus überzeugend.

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Die Grafik überzeugt mit 1080p und 60 Frames pro Sekunde. Allerdings sind einige Details dann doch etwas enttäuschend.

Gerade mit einem guten Setup aus Lenkrad, Pedalerie und vielleicht sogar Playseat kann man als Simulationsfan einiges aus dem Spiel rauskitzeln. Ich habe mit einem Fanatec-Setup gespielt und am Controller, der Favorit ist so klar wie bei kaum einem anderen Rennspiel. Durch die direkte Lenkung sind die extrem schnellem F1-Beschleunigungsmonster am Controller schon mit Halbprofieinstellungen kaum mehr vernünftig zu kontrollieren. Man kann sich natürlich die Sensibilität justieren, aber so richtig toll spielt sich F1 2015 dann am Controller nicht mehr. Mit Lenkrad indes kommt man schnell rein in den Hochgeschwindigkeitshimmel, ist hier also dringend empfohlen und eine der ersten Gelegenheiten, die neuen Logitech-Wheels für PS4 und Xbox One anzutesten.

Die Grafik überzeugt mit 1080p und 60 Frames pro Sekunde. Allerdings sind einige Details dann doch etwas enttäuschend. In der von uns gespielten Xbox One-Version etwa ist der Regen auf dem Visier des Helmes letztlich nur ein statischer Effekt. Sich analog zur Geschwindigkeit wegbewegende Regentropfen sucht das Auge vergeblich. Die Gischt der vorausfahrenden Gegner nimmt einem derweil imposant die Sicht, die Wagen wabern manchmal stylish durch die Hitze der Motoren. Aber bei voller Fahrt nervt gerade auf der Xbox One das Tearing bisweilen doch ziemlich.

Die Gesamtpräsentation ist trotzdem gelungen und liefert F1-Fans ein feines Setup für ein Rennwochenende ihrer Lieblingsserie. Natürlich ist es auch der Erstling auf PS4 und Xbox One, wobei man halt sagen muss, dass die Version durch den wenigen Content einfach halbfertig wirkt. Da wirkt auch die Integration der spielbaren 2014er-Saison eher wie ein hilfloses Geschenk. Der Klang des Spiel ist durchweg gut, wirkt aber streckenweise etwas blechern und drucklos. Dazu gesellen sich Soundaussetzer beim Schalten, was schon nervt.

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Es bleibt (leider, leider) der bittere Beigeschmack, dass sich Codemasters zu sehr hat unter Druck setzen lassen, die sauteure Lizenz in diesem Jahr möglichst früh zu nutzen.
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Der Onlinemodus bringt Laune, allerdings ist es kompliziert, gemeinsam mit Freunden auf einem Level zu fahren, weil die Einstellungsmöglichkeiten das ein bisschen eingrenzen. Man muss sich schon selbst eine Meisterschaft einrichten, dafür braucht man aber private Spieler. Hat man sich allerdings verständigt und sind die Fähigkeiten auf Augenhöhe, ist jedes Rennen ein harter Kampf. Jede Kurve ist eine Herausforderung, egal ob man die Führung verteidigt oder den Weg durch die Lücke sucht. Wer einen festen Onlinefreundeskreis und Interesse an der 2015er-Saison hat, kann hier jedenfalls die Rennen quasi live mitfahren im Profimodus, der auch automatisch die volle Renndistanz ermöglicht und alle Fahrhilfen deaktiviert, die im echten Rennen nicht Verfügung stehen.

Extrem komisch ist, dass man je nach Einstellung in den Onlinesitzungen, denen man beitreten kann, damit leben muss, durch Automodelle der Mitspieler hindurchzurasen, wenn das Kollisionsmodell deaktiviert ist. Dann wird die Jagd um Zehntelsekunden zur Unmöglichkeit, weil einem immer wieder ein Pixelmatsch aus diversen Wagen auf der Idealinie die Sicht zerballert. Bei aktivierter Kollisionsabfrage ballern einem dafür andauernd Leute ins Heck... auch kein Spaß.

Aber es bleibt (leider, leider) der bittere Beigeschmack, dass sich Codemasters zu sehr hat unter Druck setzen lassen, die sauteure Lizenz in diesem Jahr möglichst früh zu nutzen. Das ist eigentlich die einzige Erklärung, warum so viel Inhalte fehlen. Denn den Fehler haben sie bei F1 2014 bereits gemacht. Und dafür zumindest von der Kritik eine Quittung bekommen. Die gibt's auch in diesem Jahr wieder. Ein technisch feines und optisch schickes Spiel versaut es sich durch ein spartanisches Rahmenprogramm. Wer genervt ist und letztes Jahr gekauft hat, macht aus der 7/10 eine 5/10. Weil es Codemasters einfach nicht gelernt hat.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
flüssige Grafik, realistisches Fahrgefühl im Pro-Modus
-
Viel zu wenig Inhalte, Lizenz nicht ausgereizt
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