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Kritik

Mortal Kombat X

Wer vermutet, dass Mortal Kombat vor allem auf Brutalität setzt, um zu überzeugen, der sollte sich wie ich eines besseren belehren lassen.

Prügelspiele sind eigentlich nicht mein Steckenpferd. Ich habe zwar einige Stunden mit Street Fighter und Mortal Kombat auf dem SNES und dem N64 verbracht, aber so richtig Freunde wurden wir nie. Vor allem Mortal Kombat blieb mir immer als Spiel im Kopf, das versucht hat, mit möglichst viel Brutalität zu punkten. Es konnte gar nicht genug Blut enthalten sein, aber spielerisch fand ich es eher weniger spannend. Die letzten Teile der Serie habe ich mir gar nicht erst angeschaut, sondern mich lieber Spielen zugewandt, die ähnliche Mechaniken boten und für mich auch mehr Niveau. Dazu gehörten Bayonetta und DMC Devil May Cry. Doch man lernt ja nie aus. Und so wurde mein Ausflug mit Mortal Kombat X so etwas wie eine kleine Offenbarung.

Ich hätte nie damit gerechnet, dass mich ein Spiel nach Super Smash Bros. für Wii U und Nintendo 3DS noch einmal fast berufsunfähig machen könnte. Vor allem meine rechte Hand ist schwer gezeichnet von den intensiven Kämpfen in Mortal Kombat X. Ich habe mir die Sehne gezerrt und dazu noch diverse Blasen zugezogen. Der Controller der Playstation 4, mit dessen Hilfe ich mich viele Stunden geprügelt habe, liegt zwar auf Grund seiner Größe nicht so komfortabel wie ein Arcadestick aber trotzdem ziemlich gut in der Hand. Außerdem mag ich zwar im Daumenketschen etwas eingerostet sein, aber in dieser Disziplin war ich ein echter Profi. Etwas übermütig habe ich mich daher wahrscheinlich ins Spiel gestürzt und meine Lektion gelernt. Das nächste Mal wärme ich mich auf jeden Fall vorher etwas auf und spiele eine halbe Stunde Guitar Hero auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad.

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Mortal Kombat XMortal Kombat X
Das Prügelspiel ist wirklich fordernd, ich zum Beispiel habe mir die Sehne gezerrt und dazu noch diverse Blasen zugezogen.

Tatsächlich ist es ganz witzig, dass ich immer wieder Erhohlungspausen einlegen musste, weil meine Daumen einfach nicht mehr konnten und meine Leistung darum entsprechend rapide abgenommen hat. Mit letzter Kraft quälte ich mich durch die Kämpfe und strapazierte meine Hände bis zum Äußersten. Auch für diese Zeile ringe ich um jeden einzelnen Buchstaben, denn noch immer sind meine Finger schlapp und müde. Dazu kommen Schmerzen in den Oberschenkeln, in die ich mehrmals den Controller gerammt habe, nachdem ich knapp einen Kampf verloren habe oder der Gegner meine aufgeladene Spezialattacke geblockt hat. Zum Glück ist noch keine Badesaison - der Grund für die blauen Flecke wären mir doch arg peinlich. Aber vielleicht wäre ich am Wasser auch gar nicht der einzige mit Blessuren, sondern wir Leidensgenossen würden uns nur still und verständnisvoll zunicken.

Um aber auf das Spiel zurückzukommen, es lässt sich erahnen, wie intensiv und damit auch gut meine Spielerfahrung mit Mortal Kombat X war. Es gibt von Haus aus 24 spielbare Charaktere, wobei Shinnok erstmals spielbar sein wird, auch wenn wir ihn zunächst über den Story-Modus freischalten müssen. Doch nichts lieber als das, denn tatsächlich macht es wirklich Spaß, der als eine Art Film aufgebauten Geschichte des Spiels zu folgen und mehr über den Hintergrund zu erfahren. So viel Freude an einer Handlung in einem Prügelspiel hatte ich seit Tekken nicht mehr. Die Charaktere bedienen zwar zum Teil gängige Klischees, aber unterm Strich gewinnen sonst eher blasse Figuren auf diese Weise an etwas Tiefe.

Auch das Spiel mit den jungen Hüpfern wie Cassie Cage und der alten Garde, die durch Kämpfer wie Sub-Zero oder Scorpion vertreten wird, ist unterhaltsam. Und für mich, der sich als Neuling bezeichnen würde, war dieser Spielmodus dazu informativ und hilfreich. Das ging sogar so weit, dass ich nebenbei weitere Informationen zu einzelnen Charakteren gesucht habe, um mehr über ihren Hintergrund und die Zusammenhänge zu erfahren. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

Mortal Kombat XMortal Kombat X
Es gibt von Haus aus 24 spielbare Charaktere, wobei Shinnok erstmals spielbar sein wird.

Und noch etwas gutes hatte die nette Inszenierung: Weil wir zwischen den Kapiteln immer wieder Ort und Zeit wechseln, schlüpfen wir für die Kämpfe auch immer wieder in die Rolle anderer Kämpfer. Dadurch war ich gezwungen, auch mit Figuren zu spielen, die mir zunächst unsympathisch erschienen, sich aber als sehr gut zu steuernde Kämpfer erwiesen. Manche spielen sich nämlich sehr leicht und wendig, andere sind eher schwerfällig. Ich erinnere mich noch dunkel an Mortal Kombat auf dem SNES. Da waren die coolen Charaktere immer die, die eigentlich schrottig in der Steuerung waren. Zumindest für mein Tasten-Hau-Drauf-System. Die Vielseitigkeit der Kämpfer aber bleibt erhalten und wird sogar noch durch die unterschiedlichen Techniken verstärkt, die jeder Fighter nun beherrscht,

In Mortal Kombat X gibt es für jeden Charakter drei Variationen - so etwas kannte ich bereits aus Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm Revolution. Ermac kann beispielsweise in "gespenstischer" Form die Fähigkeit "Fly" ausführen und erhält spezielle Luftangriffe. Wählen wir "mystisch", dann werden "Tele-Lift" und "Tele-Choke" verbessert. Die dritte Variante trägt den Namen "Meister der Seelen" und verleiht Ermac den "Soul Ball" und die Fähigkeit "Vanish", um damit Schaden zu verhindern. Durch die unterschiedlichen Stile kann jeder nicht nur den Charakter finden, den er am meisten mag, sondern auch die Art des Kämpfens anpassen. Diese Variationen müssen vor dem Kampf festgelegt werden und sind dann nicht mehr änderbar. Anders als bei Naruto sind die Stile übrigens nicht so verschieden und auf jeden Fall besser ausbalanciert.

Die Arenen sind ziemlich hübsch und auch der Hintergrund ist animiert. Mortal Kombat X, das wusste ich schon, ist kein Prügelspiel, bei dem wir uns durch eine 3D-Welt bewegen wie in Dead or Alive. Die Wurzeln liegen eben in einer Zeit, in der das sowieso noch nicht möglich war und dabei ist man geblieben. Trotzdem wirkt die Umgebung lebendig und für den Kampf können wir auch Gegenstände benutzen und sie auf unsere Gegner werfen. Gerade wenn wir in eine Ecke gedrängt werden, kann das manchmal ein guter Weg sein, um sich wieder Platz zu verschaffen. Obendrauf macht es einen Kampf abwechslungsreicher.

Mortal Kombat XMortal Kombat X
Für Solo-Spieler gibt es noch den "Lebenden Türme"-Modus. Hier warten wechselnde Herausforderungen auf uns.

Für Solo-Spieler gibt es noch den "Lebenden Türme"-Modus. Hier warten wechselnde Herausforderungen auf uns. Ein kleiner Turm mit fünf Computer-Gegnern wechselt stündlich, jeden Tag können wir gegen acht Kämpfer unter einer bestimmten Voraussetzung antreten und in der Königsklasse warten 14 Gegner auf uns. Die Modifikationen machen das Spiel immer wieder lustig und halten auch jene Spieler bei Laune, die eigentlich keine Lust auf den Kampf gegen menschliche Kontrahenten haben. Wir sammeln übrigens beim Spielen Koins, mit denen wir in der Krypta verschiedene Dinge freischalten können wie Fatalities oder Artworks und andere Extras. Mit dabei ist auch echte Fanart, was ebenfalls ein toller Service ist.

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Zentraler Aspekt von Mortal Kombat X ist aber natürlich der Multiplayer. Hier kann man sich richtig austoben und dank dem Fraktions-Krieg macht das sogar deutlich mehr Spaß, als sich einfach nur so zu beharken. Es gibt fünf Fraktionen und welche uns am sympathischsten erscheint, der können wir uns anschließen. Kämpfe eins gegen eins mit Spielern anderer Fraktionen bringen Punkte, dazu kommen spezielle Herausforderungen, die regelmäßig wechseln, ein Invasions-Modus sowie King of the Hill bzw. Survivor, bei dem wir so lange gegen andere antreten, bis wir verlieren.

Mein Lieblings-Onlinemodus war übrigens der mit dem schönen Namen Teste dein Glück. Darin werden zufällige Modifikatoren gewählt, die das Spiel verändern. In einer Runde regnete es Säure, die Gegner schwächte. In einer anderen wurde unter anderem das Tempo auf Hyper-Geschwindigkeit erhöht, was sehr lustig war, aber meinem Daumen überhaupt nicht passte. Mein Onlinegegner war aber offenbar ähnlich überfordert, denn obwohl ich deutlich schlechtere Gewinnchancen hatte - Anfänger eben - habe ich am Ende einen Sieg davongetragen.

Mortal Kombat X
Vielleicht wirkte Mortal Kombat damals auf mich nur so brutal, weil viel Blut für Heranwachsende besonders vielversprechend ausschaut.

Das wohl wichtigste Vorurteil möchte ich ganz am Schluss ausräumen. Mag sein, dass Mortal Kombat sich generell versucht hat, über die Brutalität interessanter zu machen. Vielleicht wirkte es aber auch nur so, weil viel Blut für Heranwachsende besonders vielversprechend ausschaut. Tatsache ist aber, dass es Mortal Kombat X weder mit der Gewalt übertreibt noch das sonderlich viel Blut spritzt. Ja, es ist punktuell sehr brutal - insbesondere die Fatalities sind derb. Weil das ganze aber in der Welt von Mortal Kombat alles nur Teil des Kampfes ist, wird dem gleich wieder seine Monstrosität genommen.

Mortal Kombat X ist ein hübscher, mächtig fordernder und wirklich ausufernder Prügelspaß. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Spaß damit haben würde und das vor allem, weil es Tiefe bietet und nicht etwa, weil ich die Brutalität abfeiern würde. Im Vorfeld habe ich noch gewitztelt, dass es Punktabzug für das Spiel gibt, weil kein Super Mario mit dabei ist. Aber auch wenn Super Smash Bros. für Wii U und Nintendo 3DS in Sachen Umfang die Nase vorn hat, so bietet dieser Titel hier trotzdem einen Haufen Inhalt. Daumen hoch, Netherrealm, das hier ist erste Sahne! Wobei... halt! Lieber doch nicht. Meine Daumen schone ich lieber für die nächste Runde Mortal Kombat X.

Mortal Kombat X
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Mortal Kombat X
Mortal Kombat X
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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hübsche Präsentation, interessante Story, "Lebendige Türme"-Modus macht Spiel für Solospieler interessant, Fraktions-Feature lockt in den Multiplayer, viel zum Freischalten, Tiefgang trotz Brutalität, lustige Modifikationen machen Kämpfe unterhaltsam
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kein Super Mario als Kämpfer
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