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Kritik

Cities: Skylines

Der finnische Entwickler Colossal Order setzt jetzt auf Städtebau und knüpft besser an alte Sim City-Traditionen als dies Maxis zuletzt getan hat.

Das Genre der Städtebausimulationen befand sich zuletzt in keinem besonders guten Zustand. Das neue Sim City von Maxis war eine ziemliche Enttäuschung und Cities XXL aus Frankreich bot wenig Neuerungen gegenüber seinen Vorgängern, abgesehen von einem neuen X im Namen. Für diese Lücke wurde nun endlich ein passender Ersatz in Form von Cities: Skylines gefunden.

Der finnische Entwickler Colossal Order erweiterte seine bisher für Transport-Simulationen bekannte Cities-Reihe um den Aspekt der Städtebau-Simulation. Es war ein gewagter Schritt, besonders wenn wir berücksichtigen, dass Cities in Motion 2 bereits daran gescheitert ist, ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zu bieten. Allerdings kann bereits gleich zu Beginn feierlich enthüllen, dass Cities: Skylines das Sim City ist, auf das wir so viele Jahre gewartet haben.

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Cities: SkylinesCities: Skylines
Von außen betrachtet erinnert das Spiel ganz klar an seine Vorbilder, was aber nicht furchtbar überraschend ist.

Von außen betrachtet erinnert das Spiel ganz klar an seine Vorbilder, was aber nicht furchtbar überraschend ist. Städtebau-Simulationen sind bisher immer den bekannten Bahnen gefolgt und das Studio muss sicherlich nicht das Rad neu erfinden. Wir bauen Straßen und platzieren in den entstandenen Gebieten Wohnraum, Handel und Industrie. Die Befriedigung der Bevölkerung wird durch Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei und ähnliches beeinflusst.

Trotzdem ist Cities: Skylines keine direkte Kopie, denn das Studio hat Elemente nach dem eigenen spezifischen Fokus ergänzt. Unter anderem wird bei der Produktion zwischen klassischer Industrie und Bürogebäuden getrennt, die eine eigene Branche bilden. Zum Gesundheitssystem gehört nun auch das Sterben und der Umgang mit Toten, die entweder auf den Friedhof kommen oder im Krematorium verbrannt werden. Anderenfalls kann ein lange Verstorbener Bewohner die Stimmung in der Umgebung drastisch nach unten drücken.

Eine weitere herausragende Innovation von Cities: Skylines ist der Teil, in dem wir die Karte frei gestalten können. Wir können Stadtteile anlegen und sie mit einem Namen versehen und noch dazu lassen sich eigene Verordnungen und Steuern dafür festlegen, was uns die Möglichkeit gibt, Regionen mit einem ganz eigenen, persönlichen Charakter zu verschaffen.

Cities: Skylines
Auf den ersten Blick mag die Welt klein aussehen, aber wenn die Bevölkerung der Stadt wächst, dann können wir als Bürgermeister mehr Land dazukaufen.

Der Hintergrund des Studios sind Transport-Simulationen und das scheint an einigen Stellen auch durch, was gut ist. Obwohl das Spiel nicht das nette Extra von Fahrplänen und Fahrzeugtypen bietet, so haben wir genug Macht, um verschiedene Routen anzulegen und verschiedene öffentliche Verkehrsmittel miteinander zu kombinieren.

Der Entwickler muss dem Spiel natürlich auch seinen eigenen Stempel verpassen und das macht er in Textform. Das geschieht durch die Beschreibungen der einzelnen Gebäude, vor allem durch die Zwitscher-Funktion, die eine Art lokales Twitter darstellt. Hier rotieren Nachrichten regelmäßig durch, die verschiedene Referenzen und kleine Witze enthalten und die Atmosphäre der Simulation sehr nett auflockern.

Eines der wesentlichen Kritikpunkte an Sim City waren die viel zu kleinen Städte. Cities: Skylines scheint auf den ersten Blick nur eine kleine Verbesserung zu bieten, aber wenn die Bevölkerung der Stadt wächst, dann können wir als Bürgermeister mehr Land dazukaufen. Und dann noch mehr und mehr - unsere Stadt breitet sich richtig aus. Es scheint kaum so, dass der Landkreis jemals nichts mehr anbieten kann und dann müsste man schon größenwahnsinnig sein - und das wiederum erfordert harte Arbeit. Das Studio verspricht uns Millionen von unterschiedlichen Kreationen.

Cities: SkylinesCities: Skylines
Die Oberfläche nicht so kunderbunt und leicht wie in Sim City, sondern deutlich nüchterner.

Es gibt also viel zu tun und ergänzt wird das ganze mit einem neuen Block für persönliche Gebäude, die wir freischalten können. Und das macht auch eine Menge Spaß, weil Colossal Order eine recht ansehnliche Oberfläche geschaffen hat. Ganz mühelos geht es dann aber auch nicht von statten. Zum Beispiel lassen sich Straßen nicht immer ganz einfach so bauen, wie wir wollen. Und manchmal gibt es auch ganz schlichte Meinungsverschiedenheiten mit dem Spiel darüber, wie eine Busroute verlaufen sollte.

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Außerdem ist die Oberfläche nicht so kunderbunt und leicht wie in Sim City, sondern deutlich nüchterner. Cities: Skylines folgt auch ansonsten eher der sogenannten PC-Ästhetik. Ein paar Ecken sind aus heutiger Sicht inzwischen ein bisschen zu kantig und rau, aber im Gegenzug gibt es viel Tiefe und Inhalt. Wir werden nach einer Stunde nicht schon alle Gebäude und Spielmechaniken kennenlernen - auch nicht nach einem Tag. Ein normaler Spieler braucht vielleicht sogar noch nach einer Woche auf neue Dinge stoßen. Die Entwickler haben eine lobenswerte Balance zwischen Tiefgang und Benutzerfreundlichkeit gefunden.

Dennoch wäre es falsch, wenn man Cities: Skylines als hässlich beschreiben würde. Die Gebäude sorgen für eine schöne Atmosphäre und es gibt ausreichend viele Details, selbst wenn bei den Häusern etwas mehr Vielfalt wünschenswert wäre. Auch die Musik passt ziemlich gut zum Genre und erfüllt ihren Zweck, selbst wenn wir wahrscheinlich nach einigen vielen Stunden spielen dazu übergehen werden, unsere eigene Musik zu hören.

Cities: Skylines
Es wird einige Zeit vergehen, bis man ausreichend Erfahrung in der Städtebausimulation gesammelt hat und das bietet eine enorme Herausforderung.

Es wird einige Zeit vergehen, bis man ausreichend Erfahrung in der Städtebausimulation gesammelt hat und das bietet eine enorme Herausforderung. Es gibt kein Patentrezept. Allein die Zonen werfen genug Fragen auf, um uns eine Weile Kopf darüber zu zerbrechen - je mehr die Stadt wächst und je größer sie wird. Mit den Grundlagen aber erhalten wir aber einen stetigen Fluss aus Einnahmen und wenn wir über einen bestimmten Punkt hinweg sind, brauchen wir uns eigentlich keine Sorgen mehr über das Budget machen.

Für all die oben erwähnten Probleme - wenn man sie denn wirklich Probleme nennen kann - kann aber mit Hilfe von Mods eine Lösung gefunden werden. Colossal Order hat nämlich verstanden, wie wichtig die Community für dieses Genre ist und daher hat das Studio die Mod-Unterstützung tief im Spiel verankert. Und auch zum Start gibt es bereits ein paar, die uns die Erfahrung erleichtern oder erschweren können. Und das komplette Bild wird dann sichtbar, wenn die Community dann richtig loslegt.

Das soll aber nicht bedeuten, dass sich das Spiel schon selbst flicken soll. Was mit Cities: Skylines in den Handel kommt, ist eine vollständige, funktionierende und wunderbare Städtebausimulation, die auf die wir lange genug gewartet haben. Das Spiel setzt die Tradition fort, mit der Will Wright im Jahr 1989 mit dem eigentlichen Sim City begonnen hat und ich kann es allen Freunden des Genres nur empfehlen.

Zum Schluss noch eine letzte Bemerkung, denn ich habe meine Version von Cities: Skylines am gleichen Tag bekommen, als bekanntgegeben wurde, dass Maxis geschlossen wird. Vielleicht war das wirklich das Zeichen für das Ende einer Ära und gleichzeitig der Beginn einer neuen. Die Zukunft sieht zumindest rosig aus.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
kolossal, ausreichende Tiefe und Abwechslung, Stadtteile, günstig
-
zum Teil nicht sehr hübsch, Einstieg ohne Erfahrung etwas schwierig
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