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Kritik

Pillars of Eternity

Ein ausgezeichnetes Werk mit einer spannenden Geschichte, das uns an eine Wiedergeburt der PC-Rollenspiel glauben lässt.

Obsidian hat eine Zeitmaschine erfunden und die heißt Pillars of Eternity. Kurz nach dem Spielstart lassen wir 2015 zurück und landen im Jahr 2000, in der goldenen Ära der PC-Rollenspiele von Bioware oder Black Isle. Wir sind zurück in die Zeit der vorgerenderten Umgebungen, der isometrischen Ansicht und der komplizierten Geschichten mit Tonnen von Text.

Das Studio Obsidian hat sich immer wie Biowares kleiner Bruder angefühlt, während dort Fortsetzungen erfolgreicher Rollenspiele gebaut wurden (Neverwinter Nights 2, Knights of the Old Republic 2, Fallout: New Vegas). Also hat Pillars of Eternity etwas sehr wichtiges an sich, es ist ein Produkt geprägt von Respekt und Liebe, Tonnen von Liebe. Dieses Spiel hat sein eigenes Flair, aber es ist eben auch eine Hommage an jene Generation von Spielen, die das Genre ab den späten 1990er Jahren revolutionierten.

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Pillars of EternityPillars of Eternity
Pillars of Eternity ist das Gegenargument in der Diskussion um höhere Auflösungen und FPS.

Pillars of Eternity ist eine Hommage in dem Sinne, dass es versucht, manchmal fast kühn diese Spiele aus der isometrischen Perspektive nachzuahmen. Die Spielfiguren ähneln sich, wir erleben bekannte Party-Systeme, vertraute Dialogoptionen und eine "Echtzeit-mit-Pausefunktion"-Kampfsystem. Selbst den Mauszeiger hat man schon gesehen. Allerdings ist das Spiel progressiv, es gibt überall einzigartige Elemente.

Natürlich sind 15 Jahre eine sehr lange Zeit, wenn es um Technologie geht. Pillars of Eternity ist das Gegenargument in der Diskussion um höhere Auflösungen und FPS. Beides spielt kaum eine Rolle,wenn ein talentiertes Grafikteam am Werk ist. War hier so, darum ist das Spiel optisch absolut umwerfend. Die Grafik ist nicht realistisch. Man sieht keinen Wind eine Staubwolke durchs Level fegen, keine pompösen Echtzeit-Lichteffekte oder 4K-Schnurrbärte, aber dem Spiel gelingt es noch immer, uns überzeugend in eine Fantasy-Welt zu ziehen.

Das Spiel gewinnt auch durch eine andere Herangehensweise an die Erzählung der Story. Am Anfang des Abenteuers kommen wir in eine Stadt, in der ein Dutzend Leichen von einem großen Baum herabhängen. Ein in der Tat brutales Bild, aber das Spiel will diese morbide Situation nicht einfach so auskosten. Stattdessen verwendet es den Dialog, die Musik und selbst die dezenten Animation der hängenden Körper, um eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen. Es ist auch ein guter Weg, um die Neugierde des Spielers zu wecken, weil man sofort wissen will, was los ist in dieser Stadt. Natürlich ist Dialog der wichtigste Weg, um mit Menschen in Pillars of Eternity zu interagieren. Und es gibt ewig viel Dialoge!

Pillars of Eternity
Die Art, wie jeder Spieler seinen Charakter entwickelt, hat einen Einfluss auf viele andere Aspekte des Spiels - etwa die Art, wie wir bestimmte Rätsel lösen.

Hier sieht man die enge Verbindung zwischen den Charakteren und der Art, wie sie den Fortschritt im Spiel beeinflussen. Es gibt viele Variablen, die die Story beeinflussen, je nachdem wie wir uns entschieden haben. Wer intelligent genug ist, dessen Gespräche eröffnen eine Vielzahl von Möglichkeiten. Wer scharfsinnig agiert, wird Dinge vorausahnen und Verbindungen herstellen können. Die erweiterten Dialogoptionen werden manchmal von den Fähigkeiten und Fertigkeiten abhängig sein, die man früher gewählt hat. Oder auch mit Charakterklasse, Beruf und Herkunft in Verbindung stehen. Die Art, wie jeder Spieler seinen Charakter entwickelt, hat einen Einfluss auf viele andere Aspekte des Spiels - etwa die Art, wie wir bestimmte Rätsel lösen. Selbst einige der Gegenstände im Inventar können den Fortgang beeinflussen.

Manchmal erscheinen Pergamentrollen mit Text und einfache Grafiken auf dem Bildschirm, um bestimmte spezielle Momente in unserem Abenteuer zu erklären. Diese Ereignisse sind brillant, weil sie es dem Spieler erlauben, die Geschichte in einer packenden Art und Weise zu erkunden. Möglicherweise muss man zudem ein Puzzle lösen oder einfach einen Aktion vollziehen - jedenfalls sind diese Ereignisse dynamisch und plötzlich. Sie halten das Spieltempo frisch und kollidieren nicht mit dem Rest des Spiels.

Die Kämpfe und die Charakterentwicklung basiert auf Dungeons and Dragons beruht. In vielerlei Hinsicht erinnert Pillars of Eternity an die vierte Auflage der Rollenspielregeln aufgrund der täglichen Kräfte, des Mitgiftsystems und selbst der Jobs, die wir wählen können. Aber zum Glück bleiben das die einzigen Gemeinsamkeiten. Na ja, eigentlich ähneln die Zaubersprüche auch denen in D & D. In der Tat könnte man denken, dass einige von ihnen direkt aus dem Spieler-Handbuch entnommen wurden.

Wir sind auch in der Lage, Verzauberungen auf Waffen, Rüstungen und Schilde zu wirken, zu kochen, eigene Zauber zu schreiben und Tränke zu brauen. An einem gewissen Punkt werden wir sogar zum Burgherren und später zum Lehnsherrn aufsteigen. Bestimmte Auflevelmechaniken sind ein wenig seltsam. Wenn man etwa alles über einen Feind gelernt und damit dessen Bestiarium-Eintrag vervollständigt hat, bekommt man nach dem Besiegen dieser Gegner keine Erfahrungspunkte mehr gutgeschrieben. Natürlich bringt das Abschließen von Missionen, die Suche nach Fallen oder das Öffnen von Schlössern weiter XP. Aber diese Konstruktion heißt eben auch, dass man nicht völlig frei wählen kann, was man wann macht.

Das Beste an Pillars of Eternity ist, dass es gerade zur rechten Zeit erscheint. Ich habe diese Art von Spielen einfach vermisst. Selbst Wasteland 2 oder Divinity: Original Sin waren eher eine Vorspeise, die Lust auch mehr machten. Und dieses mehr ist dieses Spiel. Das einzig Negative ist die Tatsache, dass Pillars of Eternity keine Risiken eingeht und es mit der Hommage bisweilen zu weit treibt. Abgesehen davon, ist es ein ausgezeichnetes Werk mit einer spannenden Geschichte, das uns an eine Wiedergeburt der PC-Rollenspiel glauben lässt.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
solides Gameplay, zahllose Möglichkeiten der Story, wunderhübsch, lang und ausschweifend
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Dialogboxen nerven manchmal, sehr konservatives Spiel, keine Risiken eingegangen, zu viel Hommage
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