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Kritik

Bloodborne

Das neue Werk von From Software vereint einige der stärksten Elemente der Serie und überzeugt darüber hinaus mit eigenem Charme und frischen Ideen.

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Es ist irgendwie verrückt, aber ausgerechnet eine leblose Puppe erfüllt diesen lebensfremden Ort mit Wärme. Es sind immer diese mysteriösen Frauen, die mich um den Verstand bringen. So war es schon bei der schwarzen Jungfrau aus Demon's Souls. Auch für die namenslose Puppe sammle ich Erfahrung, diesmal in Form von Blut, und bringe es ihr. Das macht mich zur Bestie, aber nur auf diesem Weg erlange ich die Kraft, meine Feinde zu erschlagen. Sie nimmt mein Blut, um menschlicher zu werden. Denn wenn sie menschlich geworden ist, kann auch sie geliebt werden, so glaubt sie. Anschließend verrät sie mir noch, dass sie mich liebt. Doch ich weiß, dass ihr Herz für jemand anderen schlägt. Ihre traurigen Augen belügen mich, so wie sie all die Jäger vor mir belogen haben.

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Bloodborne ist das neueste Spiel des japanischen Entwicklers From Software - und auch in diesem Spiel gehen wir über den Tod hinaus. Wir sind ein Reisender, der in der uralten Stadt Yharnam nach Heilung für eine tödliche Krankheit sucht. Um Antworten auf unsere Fragen zu erhalten, müssen wir auf okkulte Methoden zurückgreifen und dadurch geraten mitten hinein, in diesen wahr gewordenen Albtraum. Yharnam liegt am Boden. Die wenigen Bewohner, die noch selbstständig denken können, wissen das. Die Heilige Kirche hetzt ihre Jäger gegen die Abscheulichkeiten der Stadt, denn heute ist der Tag der Jagd.

BloodborneBloodborne
Das komplette Schmiedesystem rund um das Aufwerten der Waffen wurde neu gestaltet und ist nun viel simpler. Einfacher wird das Spiel dadurch jedoch nicht, so viel ist sicher.

Dieses abscheuliche Event soll dazu dienen, die Welt von den Menschen zu reinigen, die dem Blut verfallen sind. Blut ist in der Welt von Bloodborne ein betörendes Rauschmittel mit verhängnisvollen Nebenwirkungen. Es lässt das Schlimmste in uns Menschen hervorkeimen und verwandelt uns in grauenvolle Bestien. Die Kirche merzt dieses Problem aus, indem sie mit erbitterter Wut und gnadenlosem Zorn dagegen vorgeht. Doch dieser Krieg kennt keinen Gewinner und einzig der Wahnsinn beherrscht nun die Stadt.

Die Jagd nach Bestien erfordert Übung und Geschick, doch auch die Wahl der Waffen ist eine wichtige Entscheidung. Da die Jäger alle Formen des Bösen bekämpfen, müssen sie für jede Situation bestens gerüstet sein. Aus diesem Grund haben die Handwerker in der Werkstatt der Heilenden Kirche Tötungswerkzeuge erschaffen, die für jeden möglichen Zweck gebraucht und missbraucht werden.

Ludwigs Heilige Klinge ist ein perfektes Beispiel für die Waffentransformation von Bloodborne. Einerseits fungiert es als flinkes Langschwert, das schwache Feinde auf Abstand hält und uns ein wenig Luft verschafft. Durch ein paar einfache Handgriffe wird es in der Hitze des Gefechtes zu einem gewaltigen Großschwert, das selbst schwere Gegner mühelos zerteilt. Insgesamt hat die Vielfalt der Tötungswerkzeuge zwar etwas abgenommen, aber das ist kein Grund zur Sorge. Mithilfe seltener Blutedelsteine veredeln wir unsere stetigen Begleiter und werten sie dadurch auf. Das komplette Schmiedesystem rund um das Aufwerten der Waffen wurde neu gestaltet und ist nun viel simpler. Einfacher wird das Spiel dadurch jedoch nicht, so viel ist sicher.

Bloodborne
Die neu eingeführten Fernkampfwaffen verändern das Kampfsystem grundlegend, sodass wir es schlicht neu erlernen müssen.

Die neu eingeführten Fernkampfwaffen verändern das Kampfsystem grundlegend, sodass wir es schlicht neu erlernen müssen. Ein richtiger Jäger versteckt sich nicht hinter Schilden, er sieht seiner Beute in die Augen, wenn er sie erlegt. Angriff ist die beste Verteidigung und mithilfe wertvoller Silberkugeln lassen sich gegnerische Angriffsserien unterbrechen. Aber es wäre kein Spiel von From Software, wenn das so einfach wäre. Der Schuss muss aus unmittelbarer Nähe und im richtigen Augenblick erfolgen und selbst dann gibt es keine Überlebensgarantie. Doch manchmal ist es gar nicht so schlimm, einen Treffer zu kassieren, denn durch das neue Regain-System können wir uns die geraubten Lebenspunkte zurückholen. Nachdem wir Schaden erlitten haben, vergehen etwa fünf Sekunden, bis der Körper den kompletten Schmerz zu verarbeiten beginnt. Kommen wir innerhalb dieses Zeitlimits mit dem Blut der Feinde in Kontakt, erwacht neue Kraft in unserem Körper und wir werden geheilt. Mit dem Regain-System belohnt Bloodborne unseren Mut. Oder zumindest sollen wir das denken.

Bloodborne ist ein Spektakel für Fans blutiger Action. Wenn besonders große Gegner sterben, regnet es häufig Blut vom Himmel, tiefrote Lachen überziehen den Boden oder die Wände und unsere Kleidung trieft vom nassen Rot. Die gewaltvollen Begegnungen mit den Bossgegnern sind auch die Höhepunkte von Bloodborne. Diese Kreaturen sind gefährlich, gehen brachial vor und sind häufig bildschirmfüllend. Doch jeder Gegner hat eine Schwachstelle und falls wir dort zuschlagen, erleidet er kritischen Schaden.

Dieses Wissen sollten wir jedoch in der Hinterhand behalten und nicht gleich zu Beginn des Kampfes all diese Punkte aufsuchen und zerstören. Das würde unsere Beute nicht töten, sondern nur noch wütender machen - und das wollen wir bestimmt nicht. Denn je mehr Schaden ein Feind erleidet, desto aggressiver kämpft er fortan. Durch die Kraft der Verzweiflung gestärkt entwickelt die Bestie neue Angriffsarten und Spezialfähigkeiten, die einen in arge Bedrängnis bringen. Deshalb müssen wir immer dann zuschlagen, wenn sich eine Lücke in der Verteidigung offenbart. Noch einmal bekommen wir diese Chance vielleicht nicht.

Bloodborne
Der Look von Bloodborne ist dreckig und mysteriös und das wirkt absolut atmosphärisch und authentisch.

In vielerlei Hinsicht kehrt From Software mit Bloodborne wieder zu ihren Wurzeln zurück, gibt dem Spiel aber trotzdem seine ganz persönliche Note. Die Weltkarte ist wieder stärker geschlossen. Überall gibt es Abkürzungen und Schleichwege, die wir uns natürlich durch harte Arbeit erkämpfen. Wie in Demon's Souls gibt es einen zentralen Knotenpunkt, der uns in unterschiedliche Welten bringt. Dieser Ort wird Traum des Jägers genannt und fühlt sich sicher an. Zumindest sicherer, als diese verfluchte Stadt mit ihren verwinkelten Gassen. Was ich sehr befremdlich fand, war die Art, wie das Spiel mir Dinge erklärte. Anweisungen und Hinweise sind nun viel eindeutiger und sehr direkt, was mit der Tradition der Serie bricht.

Wer genau sucht, findet sogar Hintergrundinformationen, die von den Entwicklern selbst verfasst und versteckt wurden. Außerdem sind Nebenquests nun verständlich formuliert, auch wenn die Belohnung nicht immer dem entspricht, was wir uns erhoffen. Einmal habe ich einem jungen Mädchen das Schmuckstück ihrer verstorbenen Mutter übergeben. Als Belohnung bekam ich nichts weiter als das schlechte Gefühl, ein hundsmiserabler Mensch zu sein, so bitterlich hat die Kleine geweint.

Der Look von Bloodborne ist dreckig und mysteriös und das wirkt absolut atmosphärisch und authentisch. Das groteske Kreaturendesign könnte direkt aus The Evil Within von Shinji Mikami stammen, so eklig sehen die Widersacher aus. Das Setting erscheint sogar noch verwahrloster und unheimlicher, da über vielen Gegenden tiefe Nebelschwaden liegen. Bloodborne sieht echt fantastisch aus, auch wenn sich die Texturenqualität in manchen Gebieten stark unterscheidet. Noch immer ist es nicht sonderlich schwer, Gebiete auszumachen, die wir selbst nicht bereisen dürfen. Die sehen nämlich deutlich schlechter aus. Wer zu schnell durch die Straßen flitzt, wird auf nachladende Texturen stoßen. Scheinbar hat die PS4 mit der Realisierbarkeit des Titels so ihre Probleme, das erkennt man auch an den langen Ladezeiten. Obwohl ich mir dabei gar nicht so sicher bin. Vielleicht machen sich die Entwickler das absichtlich zunutze, um einen zusätzlich in den Wahnsinn zu treiben.

Bloodborne
Neu ist auch, dass Gegner manchmal unsere beim Tod fallen gelassenen Bluthaufen rauben.

Bloodborne hat übrigens eine deutsche Sprachausgabe spendiert bekommen. Da musste ich mich erst dran gewöhnen, nach den vielen Stunden in Lordran und Drangleic. Neu ist auch, dass Gegner manchmal unsere beim Tod fallen gelassenen Bluthaufen rauben. Wir erkennen dieses Vergehen anhand der fortan blau leuchtenden Augen im Gesicht des Diebes. Dieser Feind muss dann innerhalb eines Lebens erschlagen werden, sonst bekommen wir unsere Erfahrung nicht zurück. Übrigens werden Heilungsitems nicht länger aufgefüllt. Wir müssen mit dem, was wir finden, sehr sparsam umgehen. Ansonsten verändert sich im technischen Segment nicht allzu viel. Noch immer verwöhnt uns orchestrale Musik während der wuchtigen Auseinandersetzungen. Sobald wir die Albtraumwände durchschreiten und eine gefährliche Bestie erspähen, beginnt dieser ganz spezielle Stimmenchor. Es ist eine besondere Art der Musik, die mir sofort das Adrenalin in die Venen pumpt.

Außerdem beschenkt uns From Software mit einem neuen Spielmodus. Die neuen Kelch-Kerker ermöglichen es uns, in zufällig generierten Dungeons einzutauchen, um auch die letzten Geheimnisse dieser Welt zu entschlüsseln. Jeder Kerker hat mehrere Ebenen und wird stetig fordernder. Auch wenn die Dungeons nicht direkt mit der Story in Verbindung stehen, unterscheiden sie sich zumindest in spielerischer Hinsicht nicht wesentlich vom restlichen Spiel. Es warten tödliche Fallen, wiederwärtige Monster und brachiale Bossgegner - also alles wie gehabt. Diese Levelstruktur der Labyrinthe unterscheidet sich jedes Mal, wenn wir den Dungeon neu erstellen. Ist der eigene Kerker unvorstellbar schwer oder einfach nur hübsch anzusehen, dürfen wir diesen mit anderen Spielern teilen und selbst online nach anderen Kerkern suchen. Neben dem New Game+ wird gerade der Kerker-Modus ein Feature sein, das auch nach vielen Stunden Spielzeit noch überzeugt. Und natürlich dürfen wir fremde Jäger in unseren Kerker einladen, sofern denn der Day One-Patch installiert wurde.

Bloodborne vereint einige der stärksten Elemente der Serie und überzeugt darüber hinaus mit eigenem Charme und frischen Ideen. Das Spielprinzip ist so fordernd wie immer und mit den Kelch-Kerkern kommt noch mehr Content hinzu. Auf technischer Ebene hat sich viel getan, auch wenn die Playstation 4 an einigen Stellen merklich an ihre Grenzen geht. Doch am Ende ist es nicht die hübsche Präsentation oder das tolle Setting, nach dem es mich verzehrt. Es sind die knüppelharten Herausforderungen, die hinter einer Nebelwand warten. Bloodborne wird an einigen Stellen zugänglicher, das ist wahr. Doch nur, damit es auch Spieler bewältigen können, die nicht jeden Teil der Serie bis zum Erbrechen gespielt haben. Von einem freundlichen oder gar einfachen Spiel zu sprechen, das erscheint mir schlichtweg falsch. Für mich persönlich ist Bloodborne das bisher beste Spiel der Serie.

Bloodborne
Bloodborne
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Bloodborne
Bloodborne
Bloodborne
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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großartiges Szenario, dreckig-düsterer Look, fette Bosskämpfe, interessantes Kerker-System, neue Kampfmechanik, hoher Wiederspielwert
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schwindelerregende Lernkurve (aber das wollen wir ja), schwankende Texturen, lange Ladezeiten und aufploppende Objekte
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