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Kritik

Super Mario Galaxy 2

Goombas, Sterne und Wolkenanzüge... Marios zweiter Ausflug zu den Sternen ist eine einladende Glückspille, die den Thron des besten Wii-Spiels neu besetzt - allerdings vom gleichen König.

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Die Gedanken wandern in Richtung Astronauten Buzz Aldrin. Der beinahe, aber doch nicht ganz Erste. Der Zweite unter den Sternen. Als Super Mario Galaxy 2 angekündigt wurde, war unser instinktiv erster Gedanke, dass dieses Spiel niemals seinen Vorgänger übertreffen kann, ganz einfach nur weil es das Zweite ist. In vielerlei Hinsicht war das ein unglaublich hirnverbrannter Gedanke. Klar, wir erinnern uns viel besser an den ersten Mann auf dem Mond, Neil Armstrong. Aber wie die Spielgeschichte bereits gezeigt hat, sind souveräne Nachfolger kein Ding der Unmöglichkeit, ganz gleich, ob man den sicheren oder den innovativen Weg wählt.

Und Super Mario Galaxy 2 gibt uns nicht einfach nur mehr vom bisher Bekannten. Auch wenn uns allein dies schon richtig viel gebracht hätte. Stattdessen hat das Tokioter Studio von Nintendo übrig gebliebene Ideen gesammelt, diese in zwei Meter Dinozunge eingewickelt und dann alles in eine audiovisuelle Zuckerdose aus seiner offenbar magischen Vorratskammer getunkt. Es ist großartig, wenn man sich erst mal darüber klar geworden ist: Super Mario Galaxy 2 ist zurzeit sowohl das beste Wii- als auch das beste Plattformspiel überhaupt.

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Die Story zu erklären dauert wie üblich ungefähr dreieinhalb Sekunden. Glaubt uns oder nicht, aber Prinzessin Peach wurde von Bowser gekidnappt und nun ist es an Mario, sie zu retten. Die Geschichte ist dieses Mal weniger wichtig als im ersten Teil (hier gibt es nun keine rührseligen Märchenbücher mehr), sie bewegt sich aber auf genau dem unterhaltsamen Niveau, das wir alle so lieben. Nintendo begreift, dass jeder sofort loshüpfen will, und das dürfen wir. Das spielbare Intro bewegt sich bereits schick zwischen 2D und 3D hin und her. Und obwohl es wirklich elegant ist, ähnelt es doch stark dem aus dem ersten Spiel.

Super Mario Galaxy 2
Mit der Pfefferschote im Magen wird Yoshi zum intergalaktischen Ferrari.

Wir hüpfen also in die erste Galaxie und fangen an, die eingerosteten Rückwärtssalti und Dreifachsprünge zu trainieren. Sofort fällt einem die Entspanntheit von Marios Welt auf, die man nirgendwo anders so erlebt. Und Jesus, Mario und Yoshi - was dieses Spiel für ein hohes Tempo hat! Schon nach ein paar Stunden sind wir mit Spielwelten, Herausforderungen und Spezialanzügen aller nur erdenklichen Art überschwemmt. Nintendo schmeißt mit unwiderstehlichen Jump'n'Run-Erlebnissen nur so um sich. Es ist, als stünde man mitten in einem Bonbonregen und genau dann, wenn man sich sicher ist, dass er vorbei sein muss, kommt noch einer.

Als Mario in der Fluffy Bluff-Galaxy (allein der Name macht einen glücklich) eine Wolkenblume findet, hüpfen wir herum und zaubern mit einem Schütteln der Wii-Fernbedienung Wolkenplattformen hervor. Ein paar Minuten später frieren wir einen ganzen See zu und rutschen auf einen gefrorenen Wasserfall zu, der wie gemacht für eine Serie eleganter Wandsprünge ist. Am Ende jeder Welt warten hübsche Festungen und Statuen säumen den Weg. Im Hintergrund sehen wir ebenso schöne Weltraumumgebungen wie beim letzten Mal, so als hätte das Hubble-Teleskop eine farbige Linse gehabt. Man aktiviert immer wieder die Egoperspektive, nur um die Aussicht zu genießen. Das passiert wirklich selten in einem Wii-Spiel.

Es ist einfach so, dass man während des Spielens permanent ein Lächeln auf den Lippen hat. Das erinnert an Pixars beste Momente, aber bei Super Mario Galaxy 2 geht es nicht nur um fröhliche Farben und schöne Präsentation, sondern natürlich auch um Interaktivität. Es geht darum, dass man diese Welt selbst erleben und am cleveren Leveldesign teilhaben darf. Am besten ist es, wenn man mit der Schwerkraft spielt, wenn Mario von platten zu sphärischen Flächen springt, wenn er die Gravitationsgesetze ändernde Schalter in einem 2D-Level aktiviert oder sich mit einem neuen Power-Up geradewegs durch die Planeten hindurchbohrt. Bevor das stereoskopische 3D nicht seinen wirklichen Durchbruch erlebt, kommt man nicht sehr viel weiter im Spiel mit den drei Dimensionen als in Super Mario Galaxy 2.

Super Mario Galaxy 2
Wenn der kleine Drache eine Blimp-Frucht futtert, ist er plötzlich ganz aufgeblasen und schwebt höheren Ebenen entgegen.

Die Entscheidung, auf eine interaktive Oberwelt zu verzichten und uns stattdessen auf eine klassischen Weltkarte zu stellen, hört sich wie eine Light-Lösung an, funktioniert in der Praxis aber vortrefflich. Die Weltkarte ist praktisch, hübsch und sehr einfach zu überschauen. Wer trotzdem einen gemütlichen Ausgangspunkt vermisst, dem wird sicher Marios eigenes Raumschiff wahnsinnig gut gefallen: ein Planet, der die Form von Marios Kopf hat und mit kleinen Geheimnissen zum Erforschen vollgestopft ist. Das absurde Schiff sprudelt nur so vor Leben und je weiter es im Spiel geht, desto bevölkerter und pompöser wird es. Als ich auf dem "Starship Mario" sowohl einen Teeservice als auch ein Weltraumkaninchen finde, verstehe ich, dass dies alles die Magie hat, die der "Alice im Wunderland"-Film hätte haben sollen.

Der Schwierigkeitsgrad ist einen Tick höher als beim Vorgänger und selbst der abgebrühteste Spezialist wird zum Meistern der schwersten Jump'n'Run-Herausforderungen all seine Fähigkeiten brauchen. Mit Super-Guides und hilfreichen Schildern ist es aber selbst bei schweren Situationen immer noch ein familienfreundliches Spiel geblieben. Aber jene, die alle Sterne sammeln wollen, müssen sich auf eine ordentliche Herausforderung gefasst machen. Zumindest in der extra schweren Spielwelt...

Die Kometen aus dem Vorgängerspiel tauchen auch wieder auf. Dieses Mal werden sie von versteckten Münzen aktiviert, die Mario suchen kann. Diese aktivieren die Kometen bereits erkundeter Welten, was ihnen einen Twist in Form einer neuen Herausforderung gibt. Genau wie im ersten Spiel geht's darum, das Level in einer bestimmten Zeit oder mit niedrigem Energielevel zu schaffen.

Super Mario Galaxy 2
Puhhhh... die sehen ja alle aus wie ich, irgendwie. Es sind oft die liebevollen Details, die Super Mario Galaxy 2 so ungehörig gut machen.

Wir freuen uns übrigens ziemlich über die Levels mit Chimp, dem 1337-Hardcore-Affen, der ab und zu mal auftaucht und einen stets zu neuen, selbsterfundenen Spielen herausfordern will. Eines davon läuft darauf hinaus, unter Zeitdruck Goombas und andere Feinde zu zerstampfen, um eine gewisse Punktanzahl zu erreichen. Dies führt zu einer fantastisch lustigen Nicht-den-Boden-berühren-Übung, bei der die Punkte steigen, je mehr ununterbrochene Stampfattacken einem gelingen. Auch Flugtouren mit einem tropischen Vogel und Rutschbahnen, die an Super Mario 64 erinnern, variieren den Spielablauf.

Die Musik im ersten Super Mario Galaxy wurde mit Komplimenten nur so überschüttet und Super Mario Galaxy 2 verdient dasselbe Lob. Die orchestrierten Teile des Leitmotivs sind unwiderstehlich und alle, die sich mit der Mario-Geschichte auskennen, werden die neuen Interpretationen von alten Stücken genießen. Die Chöre in Koopa's Road verpassen einem eine Gänsehaut. Die Musik hilft einem sogar bei manchen Sprüngen, bei denen Takt und Timing Hand in Hand gehen. Und wenn wir auf Yoshi reiten, bekommen die Songs noch mehr Trommelwirbel spendiert. Natürlich.

Ja genau, da war ja noch dieser Dinosaurier. Marios grüner Kumpel Yoshi erblickte in 1990 in Super Mario World das erste Mal das Licht der Welt, als er sich aus seinem Ei pellte. Und es ist fast genauso lange her, dass er eine so effektive Rolle in einem Mario-Spiel hatte. In Super Mario Galaxy 2 ist Yoshi äußerst vielseitig einsetzbar und benutzt seine Zunge sowohl um Feinde zu verspeisen als auch um sich zwischen speziellen Blumen hin- und her zu schwingen. Pfefferschoten machen den Dinosaurier extraschnell und blaue Früchte verwandeln ihn in einen schwebenden Ballon. Und Yoshis klassischer Sprung, wenn er hüpft und durch reine Willenskraft noch ein kleines bisschen höher flattert, rettet einem immer wieder das Leben, wenn man schlecht abgesprungen ist.

Super Mario Galaxy 2
Verkehrte Welt. Supermassive heißt diese Galaxy, in der alles überdimensioniert ist. Marios Wirbelattacke streckt aber auch Riese-Goombas locker nieder.

Super Mario Galaxy 2 bietet auf verschiedenste Art und Weise Hilfe an. Das Super Guide-System aus früheren Wii-Spielen kehrt zurück. Diese Funktion lässt eine computergesteuerte Figur für uns das Level spielen. Es gibt außerdem Schilder und erklärende Nebenfiguren und ein weiterer Spieler kann Mario im Koop-Modus helfen, indem er einen orangefarbenen Luma steuert. Diese Figur kann Feinde blockieren und Mario eine Münze rüberwerfen. Kein reinrassiger Koop-Multiplayer, aber eine lustige Art, jüngeren oder schlechteren Spielern zu assistieren.

Wenn man sich über etwas beschweren will, wäre dies wohl die Tatsache, dass es immer noch einige wenige Kameraprobleme gibt. Die Kamera ist reibungsloser als im Vorgänger und hat besser im Blick, was Mario gerade macht. Aber wir vermissen immer noch die Möglichkeit, sie immer frei rotieren lassen zu können. Es ist auch komisch, dass die Egoperspektive nicht immer funktioniert. Das ist aber insgesamt nebensächlich bei einem so hervorragenden Ganzen.

Die Stärke von Super Mario Galaxy 2 liegt in seinen Details. Solche Kleinigkeiten, die man vielleicht nicht sofort mitkriegt, die aber in ihrer Einfachheit das gesamte Erlebnis so toll machen. Zum Beispiel, dass Yoshi Knöpfe mit seiner Zunge aktivieren kann. Dass Luma eine Pirouette macht, wenn sich Mario in der Nähe dreht. Dass Schilder, die zunächst bedrohlich wirken, einem gratulieren, wenn der Stern auf dem Spielfeld aufgetaucht ist. Dass Möwen um das Raumschiff Mario kreisen und es uns mit den Augen folgt, wenn wir auf der Weltkarte zu einer neuen Galaxie unterwegs sind. Dass... nein, den Rest soll jeder selbst entdecken und erleben.

Man kann sich eigentlich nur verneigen, noch einmal. Super Mario Galaxy 2 reiht sich direkt ein in die kleine Gruppe der fantastischen Nachfolger. Ich als (zumindest im Pass) Erwachsener bin albern begeistert von der Jagd nach den 120 Sternen. Das Spiel macht auf die gleiche simple, beinahe etwas peinliche Art und Weise Spaß, als ob man von hinten auf einen Einkaufswagen springt und ein paar Meter durch den Supermarkt rollt. Wir düsen zwischen Himmelskörpern herum, machen Dreifachsprünge auf eine Plattform hinauf und sammeln Sternenstaub ein. Wir finden eine Steinblume und verwandeln uns in einen Findling, der alles zermalmt, was uns in den Weg kommt. Genau so, wie es Super Mario Galaxy 2 macht.

Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
Super Mario Galaxy 2
10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
+
Geniales Plattformdesign, hervorragende Ästhetik, sehr gute Steuerung, magische Musik, viele neue coole Anzüge
-
Ein paar kleine Kameraprobleme

Zweite Meinung

Es ist Liebe auf den ersten Sprung - und sie wächst und wächst und wächst mit jeder Galaxie, die man sich erobert. Es sind die vielen Ideen, die vielen Überraschungen, die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die die Partnerschaft zwischen mir und Super Mario Galaxy 2 so intensiv gestalten. Am stärksten ist das Spiel, wenn es mit unserer Wahrnehmung der Perspektiven und Dimensionen spielt. In der Upside Dizzy Galaxy etwa läuft Mario abwechselnd auf dem Kopf und normal herum. Mit einem Bohrer kann er sich durch Planeten hindurch oder in sie hinein bohren. Mit der Taschenlampe leuchtet sich der Klempner in Echtzeit Wege frei. Oft ist das Gehirn auf solche Ideen nicht vorbereitet - und das macht die Ideen so toll. Sie fühlen sich vielfach tatsächlich neu an, was nicht so einfach ist. Und jeder wird seine ganz eigenen kleinen Momente finden, die ein besonders großes Lächeln auf die Lippen zaubern, bei mir etwa, wenn der mit Pfefferschoten gedopte Yoshi zum Skateboarder ohne Skateboard wird.

Es ist und bleibt ein Rätsel, wie genau Nintendo es schafft, solche Spiele zu machen. Ob die Entwickler einfach aus sich heraus so knallhart gute Ideen abliefern können oder einfach doch so wirksame bewusstseinserweiternde Zauberpilze oder -blumen essen wie ihr eigener Held. Mit dem Farbspektrum irgendwo zwischen Legokiste und Alice im Wunderland begeistern sie jeden innerlich nicht völlig abgestumpften Menschen. Und selbst jemand wie ich, der am liebsten erwachsene Action-Adventures und Shooter spielt, genießt jede Sekunde in der zweiten Galaxie von Super Mario.

Meint: Christian Gaca und gibt eine 10/10
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