Kritik

Blur

Geschrieben am 31. Mai 2010
Autor: Michael Hoss

Auf der Nintendo Wii sorgt Mario mit seinen Freunden für rasante Rennen. Auf der Playstation ist vor kurzer Zeit der direkte Konkurrent Modnation Racers zum Duell angetreten. Doch beide Spiele haben mehr gemein, als nur das Gameplay: Beide kommen mit einer kindlichen Aufmachung daher. Und genau diesen Schwachpunkt greifen die Mannen von Bizarre Creations mit Blur jetzt gnadenlos an.

Wo die Konkurrenz mit niedlichen Charakteren und charmantem Geplänkel aufwartet, da bietet Blur eine deutlich erwachsenere Atmosphäre: Über 70 lizenzierte Wagen, vom tiefer gelegten Ford Focus bis hin zum schwergewichtigen Hummer, kämpfen auf über 30 Strecken um die Vorherrschaft. Und zwar nicht nur mit ruppigem Gedrängel, sondern eben auch, wie in den vergleichbaren Spielen, mit mächtiger Waffengewalt. Doch bevor es soweit ist, sollte sich der Spieler natürlich erst einmal mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzen: Entweder wird die Karriere gestartet oder aber es werden einige Runden im Mehrspielermodus absolviert.

Die Karriere führt Anfänger in die Spielwelt von Blur ein: Insgesamt warten neun verschiedene Großmeister der Fahrkünste auf willige Kontrahenten. Doch bevor gegen diese gefahren werden darf, gilt es zahlreiche Herausforderungen in vorherigen Rennen zu bestehen. Klassische Rennen sind ebenso vertreten, wie Fahrten gegen die Zeit. Damit aber nicht genug: Blur bietet ein eigenwilliges Levelsystem, welches den Spieler mit neuen Fahrzeugen und Modifikationen für sein Auto belohnt. Es gilt nämlich Fans zu sammeln. Wer die Waffen sinnvoll und effektiv einsetzt, der gewinnt Fans. Wer perfekt fährt und kaum getroffen wird, der gewinnt ebenfalls Fans. Und wer das Rennen gewinnt, der gewinnt natürlich auch Fans. Je mehr Fans gewonnen werden, desto schneller werden Neuerungen freigeschaltet.

Blur
Ein Rennspiel für Erwachsene. Realistische Optik mit Waffen wie in klassischen Funracern.

Um noch mehr Fans zu gewinnen, gibt es überall auf den Strecken noch einige Herausforderungen zu entdecken. Ähnlich wie Waffensymbole liegen diese Aufgaben wild verteilt auf der Straße. Da gilt es zu Beginn noch einfache Dinge zu erledigen, wie zum Beispiel durch einige gedachte Lichttore hindurch zu fahren. Später wird das Ganze dann jedoch ein wenig schwerer: Da sollen dann drei Treffer aus hoher Distanz gelingen oder aber mehrere Gegner in einer bestimmten Zeit überholt werden. Wer das schafft, der steht dann irgendwann einem der "Endbosse" gegenüber. Wer hier dann ebenfalls gewinnt, der sackt ein ganz spezielles Auto sowie eine Modifikation für die eigenen Boliden ein.

Blur hat bei der Karriere aber ein ganz massives Problem: Trotz abwechslungsreicher Strecken und Autos: Auf Dauer kommt doch ein wenig Langeweile auf. Das liegt nicht an einer künstlichen Intelligenz, welche sich mit einem Gummiband zum Spieler heranzieht. Keine Angst, so etwas gibt es nicht. Blur ist fair. Es liegt vielmehr daran, dass zahlreiche Aufgaben nur schwer zu erfüllen sind und das Voranschreiten in der Karriere somit irgendwann einfach eine Ecke zu schwer wird.

Da sieht es im Mehrspielerbereich schon gleich viel besser aus: Auch hier gibt es ein Rangsystem, welches auf dem bereits erklärten Fansystem aufbaut. Es werden ebenfalls nach und nach die Boliden freigeschaltet - aber eben auch die verschiedenen Spielmodi. Der Spielmodus Motorensalat, in dem es darum geht, möglichst viele Gegner zu vernichten, ist zum Beispiele nicht von Anfang an verfügbar, sondern muss erfahren werden. Faszinierend ist durch dieses System auch die Spielerfahrung selbst: Es macht kaum etwas aus, wenn einmal nicht der erste oder zweite Platz belegt wird, denn Fans bekommt selbst der Spieler, welcher sich auf dem letzten Platz befindet. So hat auch dieser noch einen Anreiz, bis ins Ziel zu fahren und eben nicht das Rennen zu beenden.

Blur
Nicht nur online gegeneinander antreten, sondern auch zu viert im Splitscreen an einer Konsole.

Etwas ärgerlich im Mehrspielerbereich ist dagegen das Hintergrundsystem welches neue Spiele organisiert. So kann es gut und gerne einmal mehrere Minuten dauern, bis überhaupt eine Verbindung zustande kommt. Immerhin: Ist sie erst einmal etabliert, so läuft das Spiel flüssig und rund. Lags waren während des Tests zwar vorhanden, fielen auf Grund der hohen Spielgeschwindigkeit und all der Hektik, welche auf den Rennstrecken herrscht, aber kaum auf.

Hektik auf der Rennstrecke? Ja, sogar ganz schön viel Hektik. Blur setzt auf Hochgeschwindigkeit. Wo man bei der Konkurrenz über die Strecke schleicht, gibt es hier keine Gelegenheit, die nicht auf Geschwindigkeit pur ausgelegt wäre. Neben den fiesen Kurven sollte dann natürlich noch immer ein Auge auf die Power Ups geworfen werden, von denen bis zu drei im eigenen Inventar behalten werden können. Von vernichtenden Lenkraketen über das obligatorische Schild bis hin zum Nitro wird alles geboten, was Fans des Genres erwarten. Natürlich dürfen all die Waffen auch nach hinten abgefeuert werden, damit der eigene Rücken stets gesichert bleibt. Und selbst der Nitro darf nach hinten gezündet werden, was in einer spektakulären Bremsaktion mit anschließender Beschleunigung resultiert. Kurz vor Kurven ist eine solche Aktion ein echter Reißer.

Technisch präsentiert sich Blur, so wie man es vom Namen her erwarten könnte: Der bekannte Effekt ist überall im Spiel zu finden. Doch wo andere Spiele dadurch zu stark weich gezeichnet wirken, da haben die Entwickler hier ganze Arbeit geleistet und ein wunderbares Stilmittel geschaffen, welches eine erstaunlich düstere und bedrohliche Atmosphäre für ein Rennspiel schafft. Auch bei den Effekten wurde in keiner Weise gegeizt und die Anzahl der Polygone bei den Boliden kann sich durchaus sehen lassen.

Blur
Alle Fahrten finden im trüben Zwiellicht statt. Als Kontrast dazu gibt es hunte Neon-Effekte.

Nicht ganz so gelungen sind dagegen oft die Texturen - doch das fällt zum Glück bei halsbrecherischen Geschwindigkeiten kaum auf. Bei der Klangkulisse gibt es auch keinen Grund zur Klage. Zumindest nicht bei der Musik. Hier wurde ein hochwertiger elektronischer Elektrosoundtrack lizenziert. Und der passt wie die Faust aufs Auge. Etwas schwach auf der Brust sind dagegen die Motorengeräusche.

Zwar bringt Blur keinen Streckeneditor wie Modnation Racers mit sich und es sieht nicht ganz so schick aus wie das just veröffentlichte Split/Second: Velocity, doch ist das alles eher nebensächlich. Warum? Ganz einfach: Blur macht Spaß. Es hat seine kleineren Macken und ist im Solopart auf Dauer etwas zu öde, doch der Mehrspielermodus gleicht das wieder aus und kann, sofern sich in naher Zukunft noch mehr Käufer finden, über lange Zeit hinweg begeistern ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Blur ist wie Mario Kart - nur eben für Erwachsene. Wer also genug vom Kinderkram hat, der ist hier gut aufgehoben. Zumal die Rennen durch Leistung beeinflussbar sind und nicht so statisch daherkommen wie beim Konkurrenten Split/Second: Velocity, wo es nur darauf ankommt, im richtigen Moment eine Taste zu drücken.

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Grafik:8
Spielbarkeit:8
Sound:8
Suchtfaktor:9
Unsere Wertung:8/10
Was uns rockt:
Schicke Optik, actionreiche Rennen und ein packender Mehrspielermodus
Was uns nervt:
Teils zu hektisch und im Solopart ist die Luft bald raus
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