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Kritik

Grey Goo

Petroglyph bringt das Echtzeit-Strategie-Genre zurück zu seinen Wurzeln, aber als aufgefrischte und runderneuerte Version.

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Einst gab es eine Serie namens Command & Conquer, die unter den pflegenden Händen von Westwood erblühte. Dann kaufte Electronic Arts das legendäre Studio und stellte neue Entwickler für die Serie ab. Und obwohl der letzte Mitarbeiter von Westwood den Publisher bereits vor über zehn Jahren verlassen haben mag, so sind sie natürlich nicht komplett von der Bildfläche verwunden. Ein Teil von ihnen etwa startete mit Petroglyph Games ein eigenes Studio. Und dieses Studio wiederum hat nun in Zusammenarbeit mit Weta Workshop, das von Peter Jackson gegründet wurde, einen ziemlich guten spirituellen Nachfolger für die Serie von damals erschaffen, der leider nur einen furchtbaren Namen trägt.

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Grey Goo ist beeinflusst von dem klassischen Thema, in dem drei Parteien sich um die Ressourcen streiten, ihre jeweiligen bewaffneten Armeen aufbauen und schließlich versuchen, unliebsame Konkurrenten vom Antlitz der Erde zu wischen. Dieser Tage verbinden wir diesen Ansatz natürlich zunächst mit Starcraft, aber auch dieser Titel entstand auf Grundlage der Klassiker von Westwood. Und wo Starcraft eher etwas für Pianisten ist oder für Koreaner, mit mehr als 100 Klicks in der Sekunde, da richtet Grey Goo eher an jene mit etwas langsameren Fingern - sprich ältere Spieler.

Grey GooGrey Goo
Drei Parteien streiten sich um die Ressourcen, bauen ihre jeweiligen bewaffneten Armeen auf und versuchen schließlich, unliebsame Konkurrenten vom Antlitz der Erde zu wischen.

Die Handlung von Grey Goo sieht wie folgt aus: Die Welt, wie wir sie kennen, ist am Ende. Sich selbst replizierende Nano-Maschinen transformieren die Oberfläche des Planeten in eine, wie soll es auch anders sein, graue und schmierige Masse. Dieser Blob, der dabei entsteht, ist einer der spielbaren Fraktionen, neben den Menschen und die Außerirdischen, die sich selbst Beta nennen. Die Geschichte gewinnt keine großen Preise in ihrem Genre, aber sie erfüllt ihren Zweck. Und die dazugehörigen Zwischensequenzen erschreckend gut gemacht. Weta hat wirklich ganze Arbeit geleistet und Szenen erschaffen, in denen wir nicht immer sagen können, ob wir nun einen Schauspieler oder eine digitale Figur sehen.

Jeder der drei Fraktionen folgt den eigenen logischen Prinzipien. Menschen vertrauen auf eine zentrale große Basis, während die Beta einfach mehr davon errichten, wenn das nötig ist. Die Goo sind eine lebendige Masse, die es wiederum nicht nötig hat, irgendwo auf der Karte festen Fuß zu fassen. Die verschiedenen Fraktionen wiederum erfordern nun auch unterschiedliche Strategien, aber der größte Unterschied bleibt bei der Art der Basis und der Logistik. Die Einheiten sind mehr oder weniger standardisiert, so das jeder die gleichen Kategorien hat. Es ist fast erbärmlich, wie sehr sie einander gleichen. Lediglich die Goo brechen ein bisschen aus dem Muster, in dem sie auch über Berge klettern können, die für Menschen und Betas eine unüberwindbare Grenze darstellen.

Die Einheiten steigen nicht im Level auf und sie haben keine besonderen Fähigkeiten, die separat aktiviert werden müssen. Die einzigen Einheiten mit etwas Persönlichkeit gibt es auf dem höchsten Technologielevel, wo sich die sogenannten epischen Einheiten befinden. Es handelt sich dabei um Superwaffen, die nur mit einer wirklich gut durchgeplanten Spezialgruppe niedergerungen werden können oder in dem man einfach alles drauf loslässt, was man hat. Welcher Fraktion es auch immer zuerst möglich ist, diese epischen Schlachtschiffe herzustellen, sie hat einen klaren Vorsprung gegenüber den anderen. Daher sollte es immer ein wichtiges Nebenziel sein, diese zu bauen. Das gilt vor allem dann, wenn man gegen andere spielt.

Grey Goo
Es gibt dem Genre einen modernen Anstrich, aber verzichtet auf den ganzen Micromanagement-Kram.

Es gibt eine kurze Solo-Kampagne, die überraschenderweise mit den Betas startet. Jede Fraktion bietet lediglich fünf Missionen und die sind ziemlich schnell vorbei. Es ist ganz klar nur eine Einführung ins Spiel, damit wir schnell damit anfangen können, online gegeneinander anzutreten. Aber trotzdem sei jeder gewarnt, auch die Kampagne kann zum Teil sehr fordernd sein. Auf einem niedrigen Schwierigkeitsgrad zu beginnen, ist nichts, wofür man sich schämen muss. Die Künstliche Intelligenz ist ziemlich aggressiv und wird erbarmungslos angreifen.

Der Dreh- und Angelpunkt ist also der Mehrspielermodus, aber hier scheint es noch ein paar Probleme mit der Balance zu geben. Aber ich denke, das hat nicht unbedingt etwas mit dem Spiel selbst zu tun. Nicht alle aber scheinen die Strategien zu verinnerlichen, die das Spielen von Grey Goo erforderlich machen. Die meisten spielen einfach mit den Betas und das ist ziemlich lahm. Hoffentlich ändert sich das noch, wenn die Leute mehr Erfahrung sammeln.

Zur Optik habe ich bereits die beeindruckenden Zwischensequenzen erwähnt, aber die Grafik im Spiel ist nicht immer so benutzerfreundlich. Die Einheiten sehen sich zu ähnlich und einen praktischen Überblick über das gesamte Schlachtfeld zu bekommen, ist zum Teil sehr schwierig. Erleichtert wird uns das ein wenig, in dem wir Einheiten gruppieren, aber besonders in größeren Gefechten, sorgt das Durcheinander für den unnötigen Verlust vieler Einheiten. Musikalisch muss sich Grey Goo auch für nichts schämen. Die Musikstücke und Effekte sind so gut wie in den Spielen von Blizzard. Selbst der merkwürdige Wubwub-Track der Goos passt hervorragend zum Rest der Stimmung.

Grey Goo
Jede Fraktionen folgt eigenen Prinzipien: Menschen vertrauen auf eine zentrale große Basis, die Beta bauen mehrere, wenn nötig ist und die Goo sind eine lebendige Masse.

Als Fazit betrachte ich Grey Goo als einen wirklich guten Neuzugang in der Echtzeitstrategie. Es gibt dem Genre einen modernen Anstrich, aber verzichtet auf den ganzen Micromanagement-Kram. So können wir uns voll und ganz auf das große Ganze konzentrieren. Man sollte sich also nicht von der schlechten Namenswahl für den Titel des Spiels beeinflussen lassen. Für viele könnte es nämlich genau das Echtzeitstrategie-Spiel sein, auf das wir schon so lange gewartet haben. Etwas mehr Tiefgang ist möglich und auch hätte das Team etwas Neues wagen können, aber stattdessen liefert es uns eine ziemlich klassische Erfahrung. Und es gibt auch ein paar Hinweise für die spannenden Sachen, die uns in einem eventuellen Nachfolger erwarten.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Kein Micromanagement, tolle Zwischensequenzen, großartiger Soundtrack, bietet solide Echtzeitstrategie-Erfahrung
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zu kurze Solo-Kampagne, Einheiten kann man nur schwer auseinander halten, mehr Tiefe ist nötig
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