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Kritik

Elite: Dangerous

Der Weltraum ist kalt, schön und fantastisch. Diese drei Attribute fassen ziemlich gut zusammen, worum es in Elite: Dangerous geht.

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Es gibt wenige Spiele, die eine derart lange und illustre Hintergrundgeschichten aufweisen wie Elite: Dangerous. Keine Angst, wird jetzt keine Geschichtsstunde hier, aber die Elite-Serie (und vor allem das erste Spiel) sind enorm einflussreich gewesen. Das gilt nicht nur für Weltraumabenteuer, sondern für Sandbox- und Open-World-Abenteuer allgemein. Als David Braben, Schöpfer des Originals, seine Fans via Kickstarter um die Finanzierung für ein weiteres Sequel bat, waren die erforderlichen Mittel schnell eingesammelt bei der erwartungsvollen Fangemeinde.

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Genug der Vergangenheit, aber dieser Text soll nun auch keine Analyse des Fan-Aufruhrs nach einigen Entscheidungen des Entwicklers Frontier Development werden. Die hatten den geplanten Offline-Modus kurz vor dem Launch einfach weggekürzt und einige andere der ursprünglichen Versprechen auch (noch) nicht eingelöst. Alles, was wir also tun können, ist einen Blick auf jenes Produkt zu werfen, das wir zum offiziellen Release bekommen und im vergangenen Monat gespielt haben.

Elite: DangerousElite: Dangerous
Man muss so viele Elemente in den Griff bekommen, dass die Steuerung das erste zu erreichende Ziel eines Spielers ist.

Und das hat viele Vorzüge. Die Galaxie, die Frontier gebaut hat, ist genial in einer Weise, dass nur wenige Spiele hier überhaupt konkurrieren können - wenn überhaupt irgendwelche. Es gibt eine schier unglaubliche Zahl von besiedelten Systemen. Eine ganze Galaxie wartet nur darauf, erkundet zu werden. Es gibt diese fast unbegrenzten Möglichkeiten für zukünftige Erweiterungen und Ausprägungen der Spielwelt. Es ist eine äußerst beeindruckende Leistung, die ausdrücklich großes Lob verdient. Die Systeme sind sogar, sofern verfügbar, anhand realer Datensätze modelliert und von Kolonien und Raumstationen besiedelt. Es gibt Asteroidengürtel und Monde für zusätzliche Detailtiefe.

Sie mögen beeindruckend sein, aber es ist das Reisen zwischen ihnen, das der eigentliche Hit des Spiels ist. Eines der vielen unterschiedlichen Raumschiffe zu steuern, es ist eine Kunstform. Man muss so viele Elemente in den Griff bekommen, dass die Steuerung das erste zu erreichende Ziel eines Spielers ist. Es dauert eine Weile, denn das Tutorial deckt bei weitem nicht alles ab, was man wissen muss. Es gibt drei Geschwindigkeiten, mit denen das Spiel gespielt wird. Die Standard-Triebwerke bewegen uns um die Raumstationen herum und werden beim Anflug genutzt. Auch der Abbau von Ressourcen und die Luftkämpfe finden in diesem Modus statt. Dann gibt es Supercruise, um sich zwischen Planeten und Sternen im gleichen System zu bewegen. Und schließlich gibt es den Hyperraum, um schneller als das Licht zwischen ganzen Systemen zu reisen.

Ein Großteil des Spiels findet im Supercruise statt, während man ein System aus diversen Gründen auskundschaftet. Andere Schiffe werden durch einen hellblauen Schimmer dargestellt, von Zeit zu Zeit muss man interagieren. Der Umgang mit den Schiffen ist trotz der Komplexität sehr gut gemacht. Es gibt jede Menge Nuancen zu meistern und in vielerlei Hinsicht hat Elite: Dangerous mehr Gemeinsamkeiten mit Spiele wie Euro Truck Simulator als mit Weltraumkampfshootern wie Strike Suit Zero (obwohl man natürlich auf der Autobahn nie von Weltraumpiraten überfallen wird). Es geht häufig um die Wiederholung des erfolgreichen Andockens des Schiffes, das Scannen der Umgebung, Verhandlungen über Dinge, ja einfach das Ausführen derselben Aktionen mit zunehmender Finesse. Das kann schnell etwas eintönig werden, wird aber für viele genau über diese Vertrautheit am Ende mehr als die Hälfte des Charmes ausmachen.

Elite: Dangerous
in vielerlei Hinsicht hat Elite: Dangerous mehr Gemeinsamkeiten mit Spiele wie Euro Truck Simulator als mit Weltraumkampfshootern wie Strike Suit Zero.

Während des Durchschaltens zwischen den drei Geschwindigkeiten und beim Rangieren tritt die Qualität des Sounds deutlich in den Vordergrund. Frontier hat das Handling und die Steuerung der verschiedenen Schiffen zu einem absoluten Vergnügen gemacht. Das Summen und Brummen der Raumschiffmotoren ist eine der offensichtlichsten Abbildungen dieser Freude. Das Eintauchen in das Spiel ist dank der Qualität des Interface immens. Es ist übrigens fast vollständig in die Schiffssteuerung integriert. Auch das Umschalten zwischen Flightstick oder Controller und Tastatur fühlt sich natürlich an und steht im Einklang mit der Simulation. Es wurde viel Aufwand betrieben, uns das optimale Gefühl des Im-Cockpit-Seins zu liefern - und diese Mühe hat sich ausgezahlt. Das hohe Maß an Immersion wird durch eine durchweg anständige Optik verstärkt. Der Weltraum ist allerdings immer wieder auch sehr... leer. Es gibt jede Menge Glanz hier und da zu entdecken, und wer das Wunder der ersten Hypersprungs erlebt, wenn das eigene Schiff fast an einem Stern zerschellt, dann aber erschreckend nahe an seiner knisternden, strahlenden Hülle bremst, ist ohnehin gefangen.

Es gibt viel zu tun in Elite: Dangerous, wenn auch nicht alles wirklich interessant ist. Was Elite am besten kann, ist uns eine leere Leinwand zu bieten, auf der sich Weltraumpiloten ihre ganz eigene, individuelle Science-Fiction-Fantasie ausmalen dürfen. Willst du schmuggeln oder lieber ein Kopfgeldjäger sein? Willst du Sklaven jagen oder wertvolle Ressourcen finden? Das alles geht, aber man kann auch einfach nur die Märkte studieren und sich ein Geschäft als einfacher Händler einrichten, um danach kreuz und quer im All Geschäfte zu machen und sein Glück zu versuchen.

Eine derzeitige Kritik an Elite: Dangerous ist aber auch, dass es nicht viel Tiefe bietet genau in dieser potentiellen, vom Spieler angetriebenen Herangehensweise. Man kann sich zwar einer der oben genannten Richtungen oder einer Mischung dieser Aktivitäten widmen, aber eine große Auswahl verschiedenster Aktivitäten steht derweil noch nicht zur Verfügung. Es wird doch mehr als ein bisschen eintönig nach einer Weile, aber Frontier will mehr Aktivitäten und Sidequests hinzufügen, was diese Seite des Spiels nur verbessern dürfte.

Elite: Dangerous
Es gibt viel zu tun in Elite: Dangerous, wenn auch nicht alles wirklich interessant ist.

Das Spiel hat übrigens auch eine Hauptgeschichte, aber die ist schwieriger zu finden und zu spielen, als man sich das zunächst vorstellen kann. Frontier liefert regelmäßige Informationen, die detailliert den politischen Kampf der Hauptfraktionen des Spiels kommentieren. Bemerkenswerte Vorfälle werden sowohl im Spiel selbst als auch über eine Website berichtet, wenn man mit dem eigenen Schiff an einer Station andockt. Wir können dann die zu diesem Zeitpunkt genannten Orte besuchen und uns selbst an den Ereignissen beteiligen - bis zu einem Gewissen Grad jedenfalls. Aber es ist mehr eine Art Hintergrundgeräusch als eine wirkliche Geschichte. Leider bringt einen das hier Erlebte nie ins Zentrum der Action. Zudem ist es eher schwierig, sich mit anderen Spielern zusammenzuschließen. Bis es Frontier gelingt, die Spieler besser zusammenzubringen, muss man fairerweise sagen, dass man schnell eine große Art der Leere spürt. Versprechungen, dass man die Galaxie um einen herum "in einer sich ständig entfaltenden Geschichte selbst beeinflussen" kann, fühlen sich jedenfalls ein wenig weit hergeholt an.

Also ist die Geschichte im Grunde eine Ablenkung, es sei denn, man will sie präzise verfolgen und nur in sie eintauchen. Wer das nicht will, hat dennoch viel zu tun und kann zahllose Orte besuchen. Auf der Reise warten ungeahnte Ablenkungen. Es ist nur schade, dass eine Menge dieser Events nicht so sinnvoll oder abwechslungsreich sind wie sie es hätten sein können. Und es gab eine Menge Bugs, Fehler und Pannen. Nichts wirklich schlimmes war dabei, aber das Spiel fühlte sich dadurch häufig etwas halbgar an. Am deutlichsten wird das, wenn man bedenkt, wie wichtig der vollständig integrierte Koop ist, der aber erst mit einem Update eingespielt wird... irgendwann. Einen Monat nach dem Start jedenfalls fehlt vom Koop noch jede Spur. Derzeit sind nur der Solo-Modus, der aber stets eine Onlineverbindung erfordert, und der Open-World-Modus aktiv. Letzterer scheitert aber noch durch die mangelhafte Interaktion mit anderen Spielern. Es muss jedenfalls noch einiges getan werden, um die Leere des Weltalls zu füllen. Wenn die Elite-Community zusammenhält, mag irgendwann mal so etwas entstehen wie Eve Online.

Es ist einfach, sich Elite: Dangerous als ein viel besseres Spiel vorzustellen, wenn anständige soziale Funktionen eingebaut wären. Es ist sogar einfach, sich Elite: Dangerous generell als ein viel besseres Spiel vorzustellen. Das könnte jetzt als Beleidigung verstanden werden, aber ich habe meine Zeit mit dem Spiel tatsächlich wirklich sehr genossen. Und sicherlich auch nur an der Oberfläche gekratzt. Es wird noch viel mehr kommen, in den nächsten Monaten vieles hinzugefügt werden. Frontier hat damit begonnen, eine Weltraumsimulation zu erschaffen, die in vielerlei Hinsicht alleine dasteht. Es steckt gute Handarbeit dahinter. Wenn sie das Hinzufügen und den Ausbau des Universum abschließen, dürfte es ein sehr gutes Spiel, am Ende vielleicht gar ein absolut unglaubliches Spiel werden. Zu meinem großen Bedauern muss das Ergebnis am Ende dieses Textes aber diese Wertung sein, denn die Qualität ist in so vielen Bereichen derzeit einfach nicht besser.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
riesige Spielwelt, ambitioniertes Projekt, exzellenter Sound, tolles Interface, tiefe Immersion
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viele kleine Bugs, viel Leere spürbar, wenig Interaktion mit anderen Spielern möglich
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