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Kritik

Red Dead Redemption

Es wurde nicht nur einmal als GTA im Wilden Westen gebrandmarkt, aber Red Dead Redemption is sooooo viel mehr als das. Ein Feel-Good-Western, der perfekt ausbalancierte Freiheit, eine herrlichen Geschichte, brutale Action und sogar Rollenspielelemente kombiniert.

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Jedes Ereignis hat seine Zeit und seinen Ort. Die amerikanische Regierung hat soeben beschlossen, dass es nun Zeit für den Wilden Westen ist. Der Süden ist langsam zivilisiert, Steuern werden fällig und Recht und Ordnung gibt's auch. Aber es regt sich heftiger Widerstand. Die Ranch-Besitzer scheinen Viehdiebe lieber zu mögen als Bürokraten - und so verweigern die schwer bewaffneten Herren die Kooperation. Genau hier treten wir ins Bild, in der Rolle des John Marston. Ein Veteran aus dem Westen, mit einer soliden Karriere als Krimineller, die wir hinter uns lassen wollen. Aber wie so oft holt einen die Vergangenheit ein. Und nun muss Marston seine ehemaligen Mitstreiter jagen.

Red Dead Redemption wurde mehr als nur einmal als GTA im Wilden Westen gebrandmarkt. Tatsächlich stimmt diese Beschreibung bis zu einem gewissem Maße - aber das Spiel ist sooooo viel mehr als das. Rockstar hat wirklich einen enormen Aufwand betrieben, um eine glaubwürdige Welt zu erschaffen, die gespickt ist mit interessanten Gestalten und so unglaublich viele, unvergessliche Momente bietet.

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Es ist von dem Moment an klar, wo man sich auf's Pferd schwingt, dem Gaul die Sporen gibt und in einen orangefarbenen Sonnenuntergang hineinreitet, der von einer staubigen Wüste mit Kakteen und einzigartigen Felsformationen umrahmt wird. Das hier ist eine Erfahrung außerhalb der sonst üblichen Norm. Ich denke an The Elder Scrolls IV: Oblivion, während ich um eine Ecke stolpere. Ich bin überwältigt, jedes Mal.

Red Dead Redemption
John Marston, Colt im Anschlag und Finger am Abzug - nie hat ein Videospiel-Cowboy cooler ausgesehen.

Ich bin überwältigt. Wo soll ich nur anfangen? Dem Kerl helfen, der gleich gehenkt werden soll? Oder dem, der behauptet, sein Pferd sei gestohlen worden? Oder vielleicht doch lieber der schönen Frau bei der Kutsche, die in einer Zwickmühle steckt? Jetzt bitte noch eine Weltkarte hinzudenken, die mit leuchtenden Symbolen nur so übersät ist: Verbrecher fangen, Pokern, Nachtschichten auf der Ranch oder versteckte Schätze finden. Ach, und obendrein gibt es noch eine wirklich gut geschriebene Geschichte.

Es wird niemanden überraschen, dass die Waffen in Red Dead Redemption eine Menge der Dialoge tragen. Zum Glück erinnern die Schießereien in Red Dead Redemption eher an Gears of War, wenn man sich in die Deckung weg duckt und die fiesen Typen im Dutzend abschießt. Keine Spur von den etwas steifen Aktionen der GTA-Serie. Das alles ist Action, so spaßig, wie sie in noch keinem anderen Rockstar-Titel bisher erlebt werden durfte. Eine von vielen denkwürdigen Schlachten etwa erlebte ich, als ich eine riesiges Fort bewaffnet mit einer Gatling stürmte und dabei Armeen Tabak kauender Penner niedermähte. Sekunden nachdem ich endlich die letzten Nachzügler erwischt hatte, stand ich schon wieder in der Defensive, weil die Kavallerie bereits eingetroffen war.

Red Dead Redemption
Ob drinnen oder draußen, die Optik ist sowohl technisch als auch ästhetisch erstklassig.

Ich bin ein großer Western-Fan - und John Marston kommt wirklich wie der klassische und sympathische John Wayne-Held rüber. Helfen wir Menschen in der Spielewelt, wächst unsere Popularität im Spiel - und die Leute auf den Straßen grüßen uns freundlich. Der wachsende Ruhm zieht auch schnell Neider an, so dass es vermehrt zu Duell-Herausforderungen kommt, wo wir schnell ziehen und sauber zielen müssen. Sehr intensive Momente, in denen das Adrenalin pumpt und der Schweiß in Strömen fließt. Wirklich.

Rockstar hat eine Welt abgeliefert, die lebt und atmet. Sie ist bevölkert von unglaublich präzise modellierten Charakteren. Viele der Typen schließt man sofort ins Herz, etwa die knallharte Bauerstochter Bonnie. Und dann ist da noch Seth. Der Freak ist ein Gollum-artiger Leichenräuber, der verwesende Körper ausgräbt, mit ihnen spricht und sich liebevoll um sie kümmert. Ein völlig Wahnsinniger, der auch genauso aussieht - aber von unschätzbarem Wert sein wird.

Solche Kleinigkeiten machen Red Dead Redemption so einzigartig. Die Geschichte und die Welt werden mit großer Überzeugung präsentiert. Die Welt hat ein Eigenleben, und es dreht sich nicht alles um den Helden wie in den meisten anderen Games. Manchmal reite ich einfach auf einen Hügel, um den Blick auf die Welt zu richten und zuzuschauen, was ohne meine Beteiligung so passiert. Das hier ist eben kein riesiges, aber totes Western-Set. Es ist so echt wie es nur irgendwie geht.

Red Dead Redemption
Der Detailwahnsinn ging so weit, dass sie bei Rockstar Motion Capturing mit Pferden gemacht haben. Und das sieht man!

Dies wird durch eine wunderbar gestaltete Optik unterstützt, sowohl in technischer wie in ästhetischer Hinsicht. Die Gesichter sind ausdrucksstark und bei den Animationen sieht man die unglaublich ehrgeizige Herangehensweise, die so weit führte, dass sie sogar Motion Capturing mit Pferden gemacht haben. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Die Umgebungen sind sehr abwechslungsreich. Ein Besuch der verlassenen Stadt Tumbleweed ist ein atemberaubendes Erlebnis, ebenso wie es ein Ritt auf den gepflasterten Straßen von Blackwater ist - zwischen Autos hindurch. Die gesamte Western-Welt ist deutlich größer als in Grand Theft Auto: San Andreas und beinhaltet sonnendurchflutete mexikanischen Wüsten, dunkle Minen, enorme Forts, riesige Wälder und sogar schneebedeckte Berge.

Als ich meinen ehemaligen Mitstreitern fast wieder gegenüber stehe, bemerke ich, dass Red Dead Redemption eines der besten Spiele ist, die ich je gespielt habe. Es verbindet nur schwer zu verbindende Dinge: die perfekt ausbalancierte Freiheit, die herrliche Geschichte, brutale Action und es streift sogar meine geliebten Rollenspiele. Die Geschichte packt einen wirklich am Hals und will nicht loslassen, während trotzdem die volle Kontrolle über das ganz eigene Western-Märchen bei einem selbst verbleibt. Sehr, sehr eindrucksvoll: Während des Spielens wächst der Groll gegen jene Mächte, die Marston auf seinen Kreuzzug geschickt haben, zu ausgewachsenem Hass an. Ein in dieser Intensität seltenes Gefühl in Videospielen.

Red Dead Redemption
Mexican Shootout im Multiplayer, vor jeder Runde. Und wer schneller zieht, kriegt einen besseren Start in die Session.

Red Dead Redemption ist ein Feel-Good-Western. Als nach rund 30 Stunden der Abspann rollt (ohne das man auch nur irgendwo in der Nähe wäre, alles gesehen zu haben), will ich mich für eine Green Card bewerben, um eine Ranch irgendwo in Arkansas mit einem Dutzend Black Angus-Rindern zu kaufen. Und dann eine neue Karriere starten, tief im Westen, wo die Sonne verstaubt...

Die Geschichte alleine rockt also. Gut! Was will man da noch mehr verlangen? Einen wirklich genialen Multiplayer vielleicht? Haben sie gemacht! Free Roam-Modus lautet das Zauberwort, ein MMOG-mäßiger Modus, wo man gemeinsam mit einer eigenen Bande (dem Clan) Zugriff auf die gesamte Weltkarte hat. Alles was man offline alleine in der Story machen kann, geht hier auch. Wilde Tiere oder Gesetzesbrecher jagen, seltene Kräuter sammeln, Scharfschützenherausforderungen absolvieren - und dabei noch den Online-Cowboy bis Level 50 hochzüchten.

Die klassischen Versus-Modi fehlen natürlich nicht. Und es ist irrsinnig cool, eine verbarrikadierte Festung zu erstürmen, als Verteidiger Gegnerwellen zurückzuschlagen wie in Gears of War 2 oder gegeneinander auf große Distanzen in einer riesigen Welt zu kämpfen. Der beste Modus ist Goldrush, eine clevere Variante von Capture the Flag. Spielt sich ziemlich wie Stockpile in der aktuell laufenden Halo: Reach-Beta - und der Spaß ist wirklich enorm bei der fiesen Jagd um die beiden Satteltaschen voller Gold. Jede Multiplayer-Session beginnt übrigens mit einem ehrlichen Mexican-Standoff, Bande gegen Bande, wer schneller zieht. Die Gewinner erhalten einen kleinen Vorsprung und starten so etwas besser ins Spiel. Es gibt sogar Pläne, einen echten Koop-Modus für die Story per Download nachzuliefern. Gespielt haben wir den allerdings noch nicht. Dafür den ganzen Rest - und die Liebe ist groß.

Red Dead Redemption
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10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
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Gut geschriebene Geschichte, enorme Freiheit, viel zu tun, tolle Dialoge, unterhaltsamer Online-Part, langes Abenteuer
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Lange Wege zwischen Missionen
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